28. Nov 2010
“Oi!”
Wenn Russen sich erschrecken oder irgendwie überrascht sind, sagen sie gerne „oi“. Dies „oi“ ist mir jetzt schon häufiger über den Weg gelaufen und ich finde, es klingt irgendwie niedlich. Niedlicher jedenfalls als das etwas einfallslose „oh“ in Deutschland.
Was hier auch gern gesagt wird ist молодец (molodjetz). Das Wort kann mit Prachtkerl übersetzt werden. Mолодец wird man, indem man sich vorbildlich verhält, alles richtig macht, sich irgendwie auszeichnet… . Mолодец!
Vorletzte Woche probierte ich das Rollenspiel zum Thema WG-Leben bei meiner zweiten Konversationsgruppe aus. Ich war gespannt, ob auch sie versuchen würden, daraus ein kleines Theaterstück zu machen. Aber diesmal klappte alles hervorragend. Vielleicht lag es auch daran, dass ich mir dieses Mal ganz besondere Mühe gegeben habe, das Rollenspiel zu erklären. Jedenfalls arbeiteten die Studenten ihre Rolle für sich allein aus; und die spontane Diskussion verlief dann auch sehr lebhaft. Sie waren nicht so harmoniebedürftig wie meine andere Gruppe, versuchten nicht so schnell einen Konsens für ihr Problem zu finden. Zugegeben, eigentlich fanden sie bis zuletzt keinen Konsens…
Gestern war ich bei einer Freundin zu Besuch. Sie wohnt allein, was eher ungewöhnlich ist. Viele Studenten hier wohnen bei ihren Eltern, im Wohnheim oder zur Untermiete bei einer alten Dame. Diejenigen, die allein wohnen, nutzen in den meisten Fällen die Wohnung ihrer (verstorbenen) Großeltern. In Russland ist es offenbar üblich, eine Wohnung zu kaufen, sofern man die finanziellen Mittel dazu hat. Selbst wenn man die Wohnung jahrelang in Raten abbezahlen muss, wird der Kauf einer Wohnung dem Mieten einer Wohnung vorgezogen. Eine Wohnung als sein Eigentum betrachten zu können, gilt hier als großes Gut, vor allem bezüglich der Altersvorsorge. Das beschränkt natürlich die Mobilität, aber es scheint in Russland nicht wie in Deutschland üblich zu sein, häufig die Stadt zu wechseln oder häufig umzuziehen.
Die Wohnung dieser Freundin war noch sehr traditionell sowjetisch eingerichtet (so wie damals alle Wohnungen), was mich an einen russischen Film erinnerte, von dem ich hier mittlerweile schon sehr oft gehört habe, und den ich gern mal sehen würde: „Ironie des Schicksals“. Ein Klassiker (gedreht in 70er Jahren), der jedes Jahr zu Sylvester im Fernsehen läuft. Der Held des Films hat in Moskau zu Sylvester in der Banja (Sauna) zuviel getrunken und seine Freunde erlauben sich den Spaß, ihn in ein Flugzeug nach St. Petersburg zu setzen. Er muss mächtig einen gehoben haben, denn er bemerkt nicht, dass er sich in Petersburg befindet, sucht seine Straße, seine Wohnung (es gibt dieselbe Straße, dieselbe Hausnummer, dieselbe Wohnung auch in St. Petersburg), öffnet mit seinem Schlüssel diese Wohnung, welche genauso eingerichtet ist wie seine eigene. Schließlich trifft er in dieser Wohnung, die ja doch nicht seine eigene ist, die Frau, mit der er schließlich zusammenkommen wird…
Wie der Zufall so spielt.
Übrigens darf ich freudig bekannt geben, dass hier mittlerweile -22°C sind. Ich erlebe ihn doch noch, den arktischen Winter. :) Noch kälter muss es allerdings nicht mehr unbedingt werden…
Und weil danach gefragt wurde; hier ein paar Bilder aus dem Alltagsleben:






Danke für die Fotos
Ich wäre auch gerne in diesem Supermarkt einkaufen gegangen, aber die ganze Zeit, die ich in Archangelsk war, war er noch eine Baustelle. Wie gefällt dir die Markthalle? Warst du im Kino? Ich hab das leider versäumt. Und die Dwina war bei meinem Besuch noch nicht annähernd zugefroren. Sieht schön aus. Irgendwo hab ich auch ein Foto gesehen, wo die Dwina als Straße fungierte…
Viele Grüße aus dem Schnee-Halle!
Ja richtig, auf der Dwina wird man bald auch Skifahren können
, und Harry Potter, der mir freundlicherweise von einer Freundin übersetzt worden ist; sonst wär mir der Film ein Rätsel geblieben…
Im Kino war ich zweimal. Einmal im Rahmen der deutschen Kulturtage: Geliebte Berliner Mauer im Original
Liebe Grüße aus dem arktisch kalten Archangelsk
Das schiefe Haus ist der Wahnsinn. Genial.