[PRE]

Die Existenzweise der Präposition [PRE]

„…I have chosen the term preposition, using it in its most literal, grammatical sense, to make a position-taking that comes before a proposition is stated, determining how the proposition is to be grasped and thus constituting its interpretive key.“ (Latour 2013: 57)

Präpositionen [PRE] beschreiben, wie das Nachfolgende (oder die „Proposition“) zu verstehen bzw. aufzufassen, zu interpretieren ist. Sie bestimmen den „Interpretationsschlüssel“. Als Beispiel führt Latour diverse Kategorien von Literatur an, wie „Novellen“, „Dokumente“, „Memoiren“ oder „Essays“, die als Präpositionen verstanden werden können.
[PRE] gibt eine bestimmte Richtung vor, in der die darauf folgenden Informationen interpretiert werden. Ein „kategorischer Fehler“ wäre demnach, bestimmte Informationen auf der Grundlage eines „falschen“ [PRE] zu interpretieren.
„The question of categories, what they are, how many there are, is thus at the outset a question of eloquence (how to speak well?), of metaphysics (how many ways of speaking are there?), and also of politics, or, better yet, of diplomacy (how are those to whom we are speaking going to react?).“ (Latour 2013: 59)
[PRE] bestimmt den Winkel der Betrachtung, aber enthält keine weiteren Informationen über das, was folgt. Obwohl alles von [PRE] abhängt, bildet dieser Modus nicht das Fundament oder kann als Quelle von beispielsweise anderen Modi verstanden werden.
Darauf zurückkommend „richtig über etwas zu jemandem zu sprechen“ stellt Latour fest, dass die Wahl der richtigen [PRE] dafür essentiell ist. Das Gegenstück zu [PRE] ist Glaube. [PRE] ist der Modus, der alle anderen schützt. Der Modus „Habitus“ verheimlicht, bzw. unterlässt [PRE]. In Bezugnahme auf „felicity conditions“ wird [PRE] gebraucht, um deren verschiedene Typen zu unterscheiden.. Das bedeutet, es wird eine Entscheidung für die jeweils angebrachte Form von „veridiction“ des jeweiligen Modus getoffen.
[PRE] kann als einziger Modus als Metasprache für andere Modi verwendet werden.

Die Seminarsituation als Beispiel für die Bedeutung von [PRE]

Zur Beschreibung des Modus [PRE], bietet die Seminarsituation ein gutes Beispiel. Hierbei wäre [PRE] „ethnologisches Seminar zum Thema ‚Individualität und Kollaboration'“. Anhand dieser Information können das „Phänomen“ des Seminars und dessen Inhalte sinnvoll interpretiert werden. Dazu gehören beispielsweise äußere Merkmale wie Ort, Zeit und Räumlichkeiten, aber auch der inhaltliche und methodische Ablauf einer Sitzung, beobachtbares Verhalten etc.. Würde eine andere bzw. falsche Präposition [PRE] auf die Seminarsituation angewendet, würde Beobachtbares entsprechend anders interpretiert werden. So beispielsweise durch die [PRE] „Schauspielübungsgruppe“. Für einen Beobachter würden hierbei andere Aspekte zum Verständnis des Geschehens in den Vordergrund rücken, zum Beispiel die Konzentration auf Gestiken und Mimiken oder wie überzeugend sich jemand ausdrücken kann. Das Ziel des Zusammenkommens wäre nicht mehr themengebundene Erkenntnis und wissenschaftliches Verständnis, sondern schauspielerische Leistung.
An diesem Beispiel wird deutlich, dass die Präposition [PRE] trotz ihres vordergründig begrenzten Inhalts, von fundamentaler Wichtigkeit für weitere Interpretationen ist. Ein „kategorischer Fehler“ bedeutet Unklarheit darüber, welche [PRE] für einen bestimmten Pfad adäquat wäre, in diesem Beispiel die Interpretation auf der Grundlage der [PRE] „Schauspielübungsgruppe“ für die Seminarsituation.

 Verfasserin: Anna Wisniewski (anna.wisniewski[at]student.uni-halle.de)

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