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22. Nov 2012

Wenn es in der Bahn kuschlig wird…

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dann ist Rush Hour angesagt… Gestern machte ich mich vom Kulturtreff zum Thema Reisen auf die Reise zum Bahnhof – na gut, nicht direkt, es gibt ja verschiedenste Ein- und Ausgänge, wenn man den richtigen findet, gelangt man unterirdisch wunderbar schnell zum gewünschten Gleis, wenn nicht, muss man erstmal die Kreuzung mit zwei Ampeln überwinden. ^^ Naja, die Bahn in Richtung Shibuya war normal voll um die Uhrzeit und die nach Yoyogiuehara ebenfalls – ich hätte sogar sitzen können! Erstmal stellte ich mich an der falschen Stelle – der Lokalzugstelle – an, das sah ich jedoch erst, als alle in den Lokalzug einstiegen und die Kanji auf dem Boden sichtbar wurden… Naja, dann war ich eben erstmal letzte. Der Schnellzug kam angerollt, kurz zuvor war jedoch noch einer von Omotesando aus gekommen, sodass die Schlange sich verlängert hatte. Der Schnellzug sah gar nicht so voll aus, nur, wenn in einen dreiviertelvollen Zug viele Leute reinwollen, wird er voll… Ich wollte gerade eine Nachricht lesen, jedoch war ich schon im Zug, meine Hand mit meinem Handy war jedoch nicht da, wo ich war und ich hatte alle Mühe, sie aus ihrem eingeklemmten Zustand zu befreien. Das Nachricht-Lesen verschob ich dann auf die Ankunft, denn Bewegen war nicht, allein den Kopf zu drehen, war schon eine Herausforderung. Allerdings empfand ich diese Bahn nicht als so schlimm, wie die Hakone-Bahnen, in denen ich mich zwar hätte bewegen können, da jedoch Bewegen ohne Sauerstoffzufuhr etwas schwierig ist, und im Schnellzug die Klimaanlage angenehme Luft rauspustete, verharrte ich einfach in meiner Position und beobachtete die Leute in meinem Blickfeld. Den armen Mann, dem ich meinen Arm in die Taille drücken musste, weil nirgendwo anders Platz für ihn war, schien es sowas von überhaupt nicht zu kümmern, er stand superlässig da und laß seine Smartphonenachrichten. Vor mir stand ein kleiner Salaryman (entschuldigt, aber ich find es immer wieder faszinierend, dass jemand kleiner sein kann als ich, jedoch wären wir wohl ohne meine Absatzschuhe gleichgroß gewesen…) der mir Rätsel aufgab: Ich überlegte die ganze Zeit, ob er schläft, oder ob er einfach so im Rythmus langsam atmet, ich kam jedoch zu dem Schluss dass letzteres sein muss, obwohl ich Japanern auch zutrauen würde, mit offenen Augen schlafen zu können. Auch überlegte ich die ganze Zeit, was ich denn mache, wenn ich nun einen Hustenanfall bekomme oder generell huste… Zum Glück ist es nicht passiert, aber ich glaube in diesem Fall wäre so eine Maske/ein Mundschutz sehr praktisch. Vielleicht sollte ich mir doch eine kaufen, für die Bahn. Ich sehe häufig Leute ihre Maske erst in der Bahn aufsetzen. Jedoch kenne ich mich mit dem  Tragekomfort, falls es einen gibt, nicht aus. Die, die Franzi und ich bei unserer Ferienarbeit tragen mussten, waren mehr als unangenehm und ich fand es schwer, damit zu atmen. Es ist jedoch wahrscheinlich, wie so oft, nur eine Sache der Gewohnheit. In Seijogakuenmae erlangten wir wieder etwas Bewegungsfreiheit, während ich jedoch aufgrund der Kurven, die eine Bahn ja gelegentlich mal machen muss, hin und her schwankte und stolperte, stand eine Japanerin starr wie eine Säule in der Mitte und bewegte sich keinen Zentimeter, dabei hatte sie die Augen geschlossen – wie macht die das?! Vielleicht hat sie verdammt viel Übung darin. Naja, ich werde in Zukunft versuchen, den kurz vor 9 Uhr Zug zu meiden und einen früher zu nehmen, die sind meist noch okay.

Am Dienstag besichtigten wir eine Art „Museumsdorf“, wo man alte japanische Häuser und deren Inneneinrichtungen besichtigen konnte. Natürlich machten wir das nicht aus Jux und Tollerei, nein, wir mussten ein Blatt ausfüllen… Erst kamen wir uns vor wie Schulkinder, aber so einfach wie es aussah, war es letztendlich dann doch nicht, weil viele Dinge den Dingen auf unseren Blättern ähnlich sahen, oder wir erstmal die Funktionen erfragen mussten – das einem das Hören der Antwort erschwert wird, wenn eine Horde schreiender Grundschüler hereinkommt, muss wohl nicht erwähnt werden. Faszinierend fand ich jedoch, dass, nachdem das Omilein mit leiser Stimme „Seid bitte leise“ sagte, einige Jungs diese Nachricht lauter in die Runde sagten und es tatsächlich leise wurde! Wäre das in Deutschland möglich? Ich bezweifle das irgendwie… klar, solche Klassen gibt es auch, aber sie sind doch wohl eher selten. Mein Interesse hatte sich jedoch schnell von den alten Häusern hin zu den in den schönsten Farben verfärbten Blättern an den Bäumen verlagert, da das Gesehene jedoch schwer zu beschreiben ist, lass ich einfach mal die Bilder sprechen:

Aufgrund der wunderschön verfärbten Bäume ignorierte ich das auszufüllende Arbeitsblatt, da es jedoch bis zum nächsten Tag erledigt werden musste, fühlte ich mich genötigt, der Bibliothek noch einen Besuch abzustatten. Einer Mitarbeiterin zeigte ich mein Blatt und erklärte ihr, was ich für Bücher brauchte, sie brachte mich zu einer anderen Mitarbeiterin, die dann für mich im Senshu-OPAC nach Büchern suchte und mir dann zeigte, wo sie sich befanden. Sie wählte für mich die Bücher aus und rannte durch die halbe Bibliothek, um mir zu helfen… soooo lieb! Ich weiß immer gar nicht, wie ich mich bedanken soll. Ich finde, für solche Taten reicht ein einfaches arigatou gozaimasu einfach nicht aus, aber mir fällt nichts anderes ein… nachdem ich die Fragen so halbwegs beantwortet hatte, brachte ich die Bücher zurück und hoffte, alles richtig gemacht zu haben. Am Tag darauf kontrollierten wir zumindest noch einmal die Namen und Funktionen von ein paar Geräten und dann mussen wir uns nur noch eine Meinung zum im Dorf gesehenen aus den Fingern saugen und es war abgabefähig.

Über Julia Streubel

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