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25. Apr 2013

Holzhäuschen, Schlösser und das Meer

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Obwohl der Unterricht an der Uni ab 8.4. wieder begann, ich diesen Anfang jedoch aufgrund meiner Reise nach Nagoya, Nara und Kyoto auf den 12.4. verschob, traf ich mich am 1.4. mit meinem Betreuungsprofessor, um mögliche Kurse zu besprechen und zum Glück konnte er mir wieder sagen, welche ich belegen könnte (manche dürfen nur von angehenden Lehrern besucht werden) und im Laufe der Woche entschied ich mich für 5 Kurse, zwei am Montag, einen am Dienstag, einen (plus Tutorium) am Mittwoch und einen am Freitag, bis auf den einen am Montag, der eher psychologisch angehaucht ist und sich mit der geistigen Entwicklung des Menschen beschäftigt, hat wieder alles starken Bezug zur Bildung in Japan, so wie ich es mag. ^^

Dienstag und Mittwoch dann half ich bei der Anwerbung neuer Mitglieder für meinen Acapella-Zirkel, da in dieser Woche die Einführungswoche für die rund 4800 neuen Senshu-Studenten begann. Ich half Poster anzukleben, wobei es gar nicht so einfach war, noch Platz für sie zu finden, was uns verwunderte, denn wir begannen ab 10 Uhr, was hieß, die anderen Zirkel waren bei weitem früher da gewesen… naja, kann man nicht ändern. ^^ Nachfolgend wurden unsere redegewandten Menschlein mit den Werbungsbroschüren losgeschickt, wir entschieden uns aber bald, diese noch persönlicher zu gestalten und noch ein paar wichtige Informationen hinzuzufügen – alles schriftlich, in Handarbeit. ^^ Es war eine schöne Erfahrung, dies mit allen zusammen machen zu können und ich fühlte mich zum ersten Mal etwas aufgenommen. Am Mittwoch fand dann außerdem ab halb vier die Willkommensfeier für die neuen Austauschstudenten statt – wenn sie denn mal da gewesen wären, der Anmeldeprozess in der Stadtverwaltung dauerte diesmal viel länger als bei uns und weil sie so gegen 16.45 Uhr immer noch nicht da waren, der Kulturtreff mich jedoch rief, verabschiedete ich mich vorzeitig, schnappte meinen Koffer und fuhr zum Goethe-Institut, wo wir diesmal über das Thema Sport sprachen. Vielleicht fragt ihr euch, warum ich denn einen Koffer mitgeschleppt habe – das lag daran, dass gegen 23.30 Uhr der Nachtbus nach Nagoya fuhr und ich nicht extra Reisegeld für Hin- und Rückfahrt, um den blöden Koffer zu holen, verschwenden wollte. ^^ Da ich jedoch mit der Oedo-Linie fuhr, wusste ich erst nicht, wo ich hin musste, der Bahnangestellte riet mir, mit der Bahn zu fahren, weil es einen Bahnhof direkt vor dem Gebäude gibt, ich entschied mich jedoch zu laufen, ich saß ja schließlich die ganze Nacht in dem Bus. Ja, der Bus… ich weiß nicht, ob es die Schuld des Busfahrers oder der Damen war, aber während dieser sechsstündigen Fahrt, hielt der Busfahrer vier oder fünf Mal an, damit eine Dame dem Ruf der Natur folgen konnte… Wenn es nur das gewesen wäre, hätte ich sicherlich schlafen können, aber jedes Mal wurde das furchtbar grelle Licht im Bus angemacht, wodurch ich vielleicht insgesamt auf drei Stunden Schlaf kam… Es gab zwar solche Hauben, die das Gesicht schützen sollten, aber die haben nicht geholfen, weil ich immer heruntergerutscht bin. Das Zauberwort heißt hier: Augenmaske! (habe ich auf der Rückfahrt benutzt) Also solltet ihr so einen Bus nehmen wollen, legt lieber einen Tausend Yen-Schein mehr drauf, bzw. schaut euch die Sitze genau an, nehmt die Ausklappbaren und kauft euch eine Augenmaske (es sei denn euch stört grelles Licht nicht.), dann ist der Nachtbus meiner Meinung nach eine günstige Alternative zu den Bahnen.

Wir kamen also am 4.4. (Donnerstag) in Nagoya bei Sonnenschein und blauem Himmel an und ich schloss erstmal meinen Rucksack und Koffer ein, um dann frühstücken zu gehen. Ich checkte die Nachbarschaft aus, fand mein Hotel und eine weitere Frühstücksmöglichkeit für einen der darauffolgenden Tage und fuhr so gegen 9.30 Uhr nach Inuyama, denn dort gab es ein Schloss, das ich mir gern anschauen wollte und bei dem tollen Wetter machte es gleich doppelt so viel Spaß. =) Bei den kleinen Holz-Häuschen in Inuyama wurde mir umso mehr bewusst, dass es sich hierbei NICHT um Tokyo handelt und das ist auch gut so. ^^ In das Schloss durfte man nur ohne Schuhe und musste steile, rutschige Treppen hinauf, um einen tollen Ausblick genießen zu können, aber natürlich auch wieder herunter, was einem kleinen Abenteuer glich, während ich jedoch die Ruhe bewahrte und einfach konzentriert runterging benahm sich eine Horde Schulmädchen wie aufgeschreckte Hühner. Sie quietschten oder kicherten bei jedem Schritt die Treppe runter, das war etwas nervig, aber naja, es gibt Schlimmeres und irgendwie war es auch ganz witzig anzusehen. ^///^°  Da das Symbol/Wappen von Inuyama (Inu = Hund, Yama= Berg) ein süßer Shiba Inu ist, suchte ich nach einem Souvenir und kaufte Kekse als Omiyage (Mitbringsel für Freunde) und für mich ein Omamori (eine Art Glücksbringer für unterschiedlichste Dinge wie Verkehrssicherheit, Erfolg in der Schule etc.) mit dem Hundchen drauf. =) Dann ging es noch in das Stadtmuseum und zu einem Tempel, bis ich mich wieder nach Nagoya aufmachte, um das dortige Schloss zu erkunden und das für Nagoya berühmte Kishimen zu probieren. Ich hätte meinem Guidebook glauben sollen, denn es sagte mir, das Restaurant läge auf dem Gelände des Nagoya-Schlosses, ich hatte mich jedoch eher auf die Karte konzentriert… Orientierung – Fehlanzeige… naja, ich kam dann jedoch halb ausgehungert an, schenkte dem Schloss einen kurzen, bewundernden Blick, steuerte jedoch zielstrebig zum Restaurant, dass sich im hinteren Teil des Geländes befand. Ich glaube, ich musste ca. 15 Minuten warten, aber das war noch im Bereich des Erträglichen. Ich wollte Kishimen und Yakitori essen, missverstand jedoch den einen Knopf und hatte auf einmal zwei Kishimen-Bons in der Hand, eine Mitarbeiterin sah mein verzweifeltes Gesicht, nahm einen der Bons, gab mir 500 Yen zurück und schon konnte ich mein Yakitori bestellen. =3 Was ich dann zu essen bekam sah aus wie Bandnudeln in Udonsoße mit diesen lustigen, tanzenden dünnen Scheibchen auf dem Takoyaki drauf, das ist jedoch nichts Negatives, es schmeckte lecker. ^^ Dann lief ich ein bisschen die Wege entlang und ging ins Schloss hinein, um mir die Ausstellung anzuschauen. Danach gab es noch ein Sakura-Eis und ich konnte beruhigt und glücklich den Heimweg antreten. ^^ Auf dem Weg zum Bahnhof sah ich mir noch einen Schrein und einen Tempel an und dann stieg ich in die Bahn. Am Hauptbahnhof angekommen, holte ich mein Gepäck und checkte im Hotel ein, nachdem ich mein Gepäck ins Zimmer gebracht hatte, ging ich jedoch  noch einmal raus, um mir die Gebäude hinter dem Bahnhof anzuschauen und um Abendessen zu holen und gegen 11 Uhr schlief ich wie ein Stein – das ist wohl das Positive an der etwas schlaflosen Nacht im Nachtbus. ^^

Am Freitag, den 5.4., verließ ich Nagoya erneut, um ins, mit dem Schnellzug 45 Minuten entfernte Gamagori zu fahren. Erstmal ging ich in das noch so gut wie leere Museum über die Entstehung der Erde (meiner Meinung nach für Kinder ganz toll, es wird alles einfach erklärt (auf Englisch und Japanisch) und man kann Millionen Jahre alte Steine anfassen ^^) und machte mich dann auf den Weg zu der Insel, die durch eine Brücke mit dem Festland verbunden ist und auf der sich ein Schrein (Yaotomijinja) befindet. Wenn mich nicht alles täuscht, liegt Gamagori am Pazifischen Ozean in der Mikawa-Bucht. Auch an diesem Tag war das Wetter wieder sehr schön, sodass es umso mehr Spaß machte, auf den Felsen herumzuturnen und die Meeresluft zu genießen. =)  Dann begab ich mich auf Nahrungssuche, diese gestaltete sich jedoch als schwieriger, als gedacht, weil mein Orientierungssinn an diesem Tag überhaupt nicht funktionierte, weshalb ich in das erste Restaurant, was ich fand – ein Indisches – ging. Der Kellner dort tat mir etwas Leid, denn ich antwortete ihm etwas unfreundlicher, als ich eigentlich beabsichtigt hatte. Ich wollte ein Lunch-Set essen und dazu Mango-Lassi trinken, wobei  man letzteres nicht dazu bekommen konnte, sondern nur Softdrinks oder einen Saft, das wusste ich ja, aber ich hätte auch einfach dafür bezahlt. Er sah ein wenig ratlos aus, ich betonte jedoch, dass ich auf jeden Fall Mango-Lassi trinken möchte und schon notierte er es und ich bekam mein Lassi – sogar als Set, hm, vielleicht hat sich die Hartnäckigkeit doch ausgezahlt. ^^° Zum Glück fragte ich nach dem Essen in einem Conbini nach dem Weg zum Bahnhof, denn ich wär mal wieder den Falschen gegangen, so konnte ich jedoch gegen 14 Uhr den Zug zurück nach Nagoya nehmen. Da so eine Reise jedoch nicht zum im Hotel sitzen gedacht ist und weil ich ja nie genug japanische Schlösser sehen kann, fuhr ich noch zum Kiyosujou. =) So ein hübsches Schloss. =3 Danach gönnte ich mir noch eine kandierte Erdbeere, schlenderte durch die Straßen und entschloss mich, noch zum Hisayaoodoorikouen, einem Gartenstreifen mitten in der Stadt, wo sich auch der Nagoya-„Tower“ befindet, zu fahren. Da Nagoya und Los Angeles Partnerstädte zu sein scheinen, befand sich dort eine coole Statue eines Adlers und ein hübsches Blumenbeet. ^^ Dann lief ich noch ein bisschen rum und wartete letztendlich vor dem Brunnen, bis es dunkel wurde, weil der im Guidebook so schön beleuchtet aussah. Ich wartete und wartete, bis auf ein paar kleine Lichter tat sich jedoch nichts und ich entschied mich, vom Tower aus Nagoya bei Nacht anzuschauen und konnte unter anderem noch einmal mein hübsches Schloss sehen.  Auf der Plattform wurde deutlich, dass man dort oben heiraten, bzw. so eine Art Palette, auf der Dinge bezüglich Heirat standen, verewigen konnte. Aber nicht nur das war möglich, es gab auch an bestimmten Punkten Fußabdrücke, auf die man sich stellen konnte und dann durfte man in der Öffentlichkeit seinen Partner umarmen! Applaus, Applaus! Keine Ahnung, warum das vielen Menschen hier so schwer fällt, ich vermisse es jedoch ehrlich gesagt, einfach mal umarmt zu werden, das passiert hier eindeutig viel zu selten, obwohl es doch so gut tut… Auch von unten hatte ich bemerkt, dass vom Tower ein grüner Laserstrahl ausgeht und weil ich wissen wollte, wo der hinführt, ging ich ihm nach. Er bildete die Querschnittslinie eines Schiffes und endete an der Spitze einer Pyramide. ^^ Ach ja und weil ich mich an diesem Tag noch nicht oft genug verlaufen hatte, rannte ich noch orientierungslos im Bahnhof rum, bis ich dann endlich nach Vergewisserung bei der Bahnangestellten, die Bahn zurück zum Hauptbahnhof fand.

Über Julia Streubel

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