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14. Jun 2012

Kleiner Italienisch-Kurs

Verfasst von

Die italienische Fußball-Nationalmannschaft – unter Fans auch als Squadra Azzura bekannt – hat sich vor dem heutigen Spiel der Gruppe C gegen Kroatien mal wieder selbst Probleme geschafft. Besser gesagt hat es einer getan, der darin sehr talentiert ist und auch gerne als enfant terrible bezeichnet wird. Antonio Cassano hat nach seiner letzten Pressekonferenz eine Homophobie-Debatte provoziert, die die Mannschaft ganz und gar nicht gebrauchen kann und Cassano wieder einmal ins Abseits stellt. Die Süddeutsch Zeitung hat online dazu einen Artikel veröffentlicht, in dem dabei der Begriff Coatto erwähnt und erklärt wird: “In seiner modernen Version ist der “Coatto” ein nicht vollkommen unsympathischer, intellektuell aber eindeutig zu kurz gekommener Vorstadtrowdy, der erstaunlich geschmacklose Kleidung trägt und gern dummes Zeug daherredet. Beides nicht aus Überzeugung. Er weiß es schlicht nicht besser.” Ein “bekennender Coatto” sei: Antonio Cassano.

Diese Geschichte kennt noch einen weiteren Darsteller: Den italienischen Fernsehmoderator Alessandro Cecchi Paone. Dieser ist bekennender Homosexueller und fragte Cassano, ob er etwas über Homosexuelle in der Nationalmannschaft wisse. Cassanos Antwort darauf: “Schwule in unserer Mannschaft? Ich hoffe nicht. Aber wenn es Schwule gibt, ist das ihr Problem.” Der Spieler wurde schließlich vom italienischen Nationaltrainer Cesare Prandelli zurückgepfiffen und gab schließlich eine Stellungnahme ab, die eher nach einer Strafe in der Schule klingt, nach der man 100 Mal den selben Satz aufschreiben soll: “Ich bin nicht homophob, ich wollte niemand verletzen, ich will die sexuelle Freiheit aller nicht zur Disposition stellen. Ich erlaube mir nicht, über andere zu urteilen.”
Welche Auswirkungen diese unnötige Debatte auf das anstehende Spiel hat, wird sich in einer Stunde zeigen. Dann ist Anpfiff zum zweiten Vorrundenspiel der Italiener.

Antonio Cassano spielt übrigens für den AC Mailand. Chef des Klubs ist kein Geringerer als der ehemalige italienische Ministerpräsident Silvio Berlusconi, der selbst schon mit homophoben Aussagen wie: “Besser Parties mit vielen jungen Mädchen als schwul sein.” auf sich aufmerksam machte. Die Italiener und vor allem die Nationalmannschaft sind damit also aktuell nichts weiter als ihrem eigenen erzkonservativen Image gerecht geworden. Zuletzt sorgte in Italien 2011 eine IKEA-Plakatwebung, die ein männliches Paar abbildete, für Diskussionen. Die Internetseite der WELT hat den Artikel dazu. Auch das schwul- lesbische Magazin online unter queer.de bezog dazu Stellung.
In Österreich wiederum warb IKEA 2010 mit einem Werbespot, der hervorragend in der angesprochenen Zielgruppe ankam.
Der Möbelkonzern hat eine lange Tradition, mit dem Thema Homosexualität in der Gesellschaft umzugehen. 1994 wurde erstmals ein Werbespot in den USA veröffentlicht, der Spiegel berichtete und ich glaube ihn, HIER gefunden zu haben.

Über Felix Luderer

  • Student/in
  • Nach abenteuerlichen Schuljahren erlebte ich neun Monate das Soldatsein. Ich wurde zum Wehrdienst berufen, "genoss" meine Zeit und machte drei Kreuze, als es vorbei war. Anschließend bekam mich mit meinem Vorpraktikum die Möglichkeit, bei euro-Regional TV journalistische Praxisluft zu schnuppern. Außerdem war es die Grundlage für das Jetzt. Ich studiere Medien- und Kommunikationswissenschaften sowie Politikwissenschaften. Vorher habe ich noch ein Jahr Berufsorientierte Linguistik im interkulturellen Kontext studiert. Ein atem(be)raubendes Studiumsprogramm. Damit verfolge ich das ehrgeizige Ziel, einmal in Bereich der Medien Fuß zu fassen oder sogar ein eigenes Standbein aufzubauen. Aktuell verbringe ich ein Auslandsjahr in Málaga.
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