TV-Tipp zum Bachelor-Master-System

Was sonst noch in der Welt passiert

Das Politmagazin Monitor hat sich vergangenen Donnerstag unter anderem mit den Folgen der Bachelor-Reform (bekannter unter dem Namen Bolognareform) beschäftigt. Hier der Link zum Beitrag. Am Donnerstag begann in Bukarest eine Nachfolgekonferenz zu Bologna. Werden die Konferenzteilnehmer zu den gleichen Einschätzungen kommen wie Monitor? Dass Bologna Lernbulimie statt Lernfreiheit brachte? Dass Bologna eine unverhältnismäßige Prüfungsdichte brachte (sechs Klausuren in ein, zwei Wochen plus Hausarbeiten)? Wenn das die Realität ist: „Studiengänge, die überfrachtet sind, Studierende, die überfordert sind, Dozenten, die frustriert sind und am Ende Absolventen, die keinen geeigneten Job am Arbeitsmarkt finden. Das ist die Realität.“ (Prof. Bernhard Kempen, Präsident Deutscher Hochschulverband), WARUM wird an dieser Realität nichts im Sinne einer freien, unabhängigen Wissenschaft und Hochschullehre verändert? Warum ist ein Wechsel von einer deutschen Uni zur anderen heute fast schwieriger als früher ein solcher vom Ausland nach Deutschland (oder andersherum), weil keine Uni die Leistungen von einer anderen anerkennt? Und warum wollte die Wirtschaft diese Reform, wenn heute fast alle Unternehmen lieber einen Diplomer als den jungen, lebensunerfahrenen Bachelor als Arbeitnehmer nehmen? (Letzte Frage ließe sich wohl  so beantworten: Bachelor sind billiger zu beschäftigen als Diplomer. Leider mangelt es diesen oft an den Qualifikationen eines Diplomers).

„Warum rollt diese Bachelor-Maschine einfach weiter? Warum drückt niemand auf die Stopp-Taste? Und nimmt den Zeitdruck und den Leistungsdruck heraus.“ Diese Frage von Monitor müssen sich vor allem die Studierenden selbst kritisch stellen. Nicht nur diejenigen, die in den letzten Jahren Bildungsstreiks organisiert haben – die haben wenigstens ein bisschen Staub aufgewirbelt und für eine weitgehende Abschaffung der Studiengebühren für das Erststudium gesorgt. Gerade die, die irgendwie merken, dass sie sich im Hamsterrad drehen und nur noch für Klausuren statt fürs Leben lernen, aber doch im Bachelorfluss mitschwimmen – alle diese Mitläufer sollten einen Moment innehalten und fragen: Ist dieses Studium das, was ich mir unter einem Studium an einer Wissenschaftseinrichtung namens Universität vorstelle? Oder ist das nur ein verlängerter Schulbesuch mit den gleichen Regeln wie im Schulunterricht, ohne große Wahlfreiheit, ohne Zeit für das kritische Diskutieren von Bildungsinhalten? Und das Ganze macht man dann, um mit einem Bachelorabschluss auf dem Arbeitsmarkt umherzuirren oder sich gleich als Dauerpraktikant aus der Gesellschaft zu verabschieden? Alle Studierende, auch die engagierten in den Gremien, sollten sich die Frage stellen, ob nicht langsam radikale Zeichen gesetzt werden müssen, dass es so mit dem Hochschulsystem nicht weiter gehen kann. Es geht dabei nicht nur darum, dass man selbst unter dem Bologna-System leidet, es geht auch um die Zukunft der Wissenschaft in Deutschland und Europa. Bleibt sie ein eigenständiges Teilsystem der Gesellschaft, das diese fortschrittlich in die Zukunft führt oder verkümmert sie zu einem reinen Instrument der kapitalistischen Klasse?

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