Versöhnung mit Bartsch?

Parteien

Heute konnte ich in der MZ ein Interview mit Dietmar Bartsch lesen, das mich doch ein wenig versöhnlicher stimmt, als vor einigen Tagen, wo ich eine heftige Tirade gegen den würdelosen Führungsstreit in der deutschen PdL (Linkspartei) veröffentlicht habe. Wenn Bartsch das ernst meint, was er dort äußert, und nicht nach wenigen Tagen wieder vergisst, könnte er doch noch ein akzeptabler Parteichef werden, wenn ihm eine gute Co-Vorsitzende aus dem radikalen Lager zur Seite gestellt wird.

Bartsch bedauert, Fidel Castro nie kennen gelernt zu haben. Das in einem bürgerlichen Medium zu äußern, ist mutig, so was wäre bei Lötzsch schon wieder als Zeichen von Vorgestrigkeit und Stalinismus oder was weiß ich ausgelegt worden. „Aber ich bewundere ihn für seine historischen Leistungen und freue mich zugleich, dass die kubanischen Genossen einen selbstbewussten und doch kritischeren Blick auf ihr Land und ihre Partei haben als manche in Deutschland“, sagt er.

Auf die Frage, warum man heutzutage nur Linker sein könne, antwortet er: „Weil es einen Wahnsinnsreichtum und furchtbare Armut mit hungernden Kindern auf der Welt gibt und weil bei Kriegen täglich Menschen sterben. Der Kapitalismus zerstört die Welt. Deshalb will ich diese Welt verändern. Die Ursachen für unsere Probleme liegen im System. Karl Marx hat sie im ersten Band des „Kapital“ politökonomisch analysiert. Der Grundwiderspruch der kapitalistischen Gesellschaft ist erhalten geblieben. Dieser muss überwunden werden. Die Lehre aus dem Staatssozialismus ist allerdings, dass das nur auf demokratischem Wege geht.“ Besser kann man es nicht beschreiben. Das System ist pervers, das hat übrigens auch die ARTE-Dokumentation „Kinder als Arbeitssklaven“ gezeigt, und muss auf demokratischen, also gewaltfreien Weg überwunden werden.

Nicht so nett ist seine Aussage: „Aber es gibt eine kleine Gruppe, deren Fanatismus mich erschreckt und der mir Angst macht. Wenn wir das fortsetzen, wird es in Göttingen zwar Besiegte geben, aber keine Sieger.“ Wen meint er konkret? Vielleicht will er die Namen nicht öffentlich sagen, um die Partei zu schützen – so unkonkret könnte sich aber jeder angegriffen fühlen, der auf vorgeblich fanatische Weise gegen ihn gewettert hat.

Trotz allem machen seine Aussagen Hoffnung, dass die Partei mit ihm als Parteivorsitzenden vielleicht doch nicht den Bach runtergeht, um es drastisch auszudrücken. Vielleicht hat er aus Fehlern der Vergangenheit gelernt, aber eine gewisse Grundskepsis sollte bleiben. Und wenn er die Partei doch nicht so sehr für die gesellschaftlichen, sozialen Bewegungen geöffnet hat, sondern eher für Mitte-links-Koalitionen (bei gleichzeitiger Aufgabe der Roten Haltelinien), dann müsste er schnellstens wieder entmachtet werden. Aber noch ist er nicht gewählt, vielleicht gibt es ja doch ein Frauen-Doppel oder ein Doppel Kipping/Riexinger.

Siehe auch:

Bartsch-Interview in der Jungen Welt

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