Neue Lese-Tipps

Antikapitalismus

Die Junge Welt hat die letzten Tage wieder einige lesenswerte Beiträge auf ihren Themenseiten:

Für Politikwissenschaftler und andere Sozialwissenschaftler, die sich mit Friedensfragen beschäftigen, dürfte die Rezension von Werner Seppmann über „Steven Pinkers Sozialmärchen vom Rückgang der Gewalt“ sehr interessant sein. Hier begegnet uns Mainstream-Ideologie bzw. -Vernebelung in Reinstkultur. Wer hätte es gedacht? Der Harvard-Professort meint tatsächlich, dass wir in einer der friedlichsten Epochen der Menschheitsgeschichte leben? Gemetzel in Syrien, Lybien, Afghanistan, Irak, Somalia, Darfur (Sudan), Mexiko (Drogenkrieg) spielen da keine Rolle. Vietnam-, Koreakrieg, Golfkriege, Kommunistenvernichtung in Indonesien, Chile undsoweiter – war da was? Und selbst der Holocaust wird als einmaliger Betriebsunfall im kapitalistisch-bürgerlichen Getriebe abgetan (Zitat Seppmann: „Mit vergleichbarem Zynismus wird auch der Holocaust relativiert: Der sei in der Menschheitsgeschichte zwar ein besonderes Ereignis gewesen, aber das »massenhafte Töten unbewaffneter Zivilisten kommt ständig vor« (Pinker). Diese Verharmlosung der industriell organisierten Ausrottungspolitik des deutschen Faschismus wird von Pinker eng an eine Verschleierung der Ursachen gekoppelt: »Besondere historische Umstände« seien für die industrielle Massentötung verantwortlich – und mit dieser Formel die Tatsache verdrängt, daß immer noch die gleiche kapitalistische Organisationsform von Ökonomie und Gesellschaft existiert, die Auschwitz möglich gemacht hat.“). Kein Wort über die alltägliche Barbarei des hiesigen Industriekapitalismus, der zwar in den Ländern der Konzernzentralen dank Sozialpartnerschaft mit den Gewerkschaften für einigermaßen Ruhe sorgt (trifft auf Südeuropa so auch nicht zu) und dafür das Elend der unerträglichen Ausbeutung in Drittweltstaaten wie Bangladesch oder teilweise auch noch in China verschiebt.

Ähnlich bemerkenswert ist auch die Geschichte des Flick-Konzerns (2. Teil: hier), der ein Paradebeispiel für das Hofieren von alten Nazi-Karrieristen in Unternehmen, Medien und Politik, für das Nichtaufbereiten des Faschismus, ja für die Kontinuität faschistischer Ideen in der bundesrepublikanischen „Demokratie“, die nur Spott und Hohn verdient, wenn sie in totalitarismustheoretischer Weise die kommunistische Diktatur deligitimieren und „aufarbeiten“ will. Das erklärt vielleicht auch die „Arbeitsweise“ des Verfassungsschutz in Bezug auf die NSU-Terroristen.

1 Comment

1 Comment

  1. Stefan  •  Aug 21, 2012 @17:24

    Hallo Stefan,

    ergänzend das schon etwas länger herliegende Interview in der Taz mit Herr Pinker: http://www.taz.de/Das-Ende-der-Gewalt/!82774/

    VG

Leave a Reply

Allowed tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>