Bekenntnisse zum Antikapitalismus Teil 4: Neue Daten zur Lohnentwicklung

Antikapitalismus

Vor Kurzem erschien der „Verteilungsbericht 2012“ vom WSI (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung), der wieder einmal Zahlen lieferte, die die große Ungerechtigkeit des kapitalistischen Gesellschaftssystems deutlich machen.

Hier eine kleine Auswahl:

Zwar sind die Bruttolöhne 2011 gegenüber dem Vorjahr effektiv um 3 Prozent gestiegen; doch für Minijobber (die dank FDP ab 2013 bis zu 450 statt 400 Euro verdienen dürfen, was wiederum nur für Unternehmer im Niedriglohnbereich wirklich positive Effekte beim Sparen von sog. Lohnnebenkosten bedeutet) stiegen sie nur um 1,9 Prozent. Die 3 Prozent kommen zum Teil nur durch überproportional erhöhte Sonderzahlungen zustande, dies berücksichtigt, gab es nur ein Plus von 2,4 Prozent. Einrechnen muss man noch eine um 0,5 Prozent erhöhte Wochenarbeitszeit, sodass das Lohnplus nur bei 1,9 Prozent liegt.

Die deutsche Einheit ist übrigens bei den Löhnen weiterhin nicht vollzogen worden: In Ostdeutschland stiegen die Bruttolöhne nur um 1,4 Prozent – die Schere zwischen Ost und West bewegt sich wieder auseinander. Ostdeutsche verdienten 2011 nur gut drei Viertel der Westlöhne.

Arbeit zu haben, bedeutet schon länger nicht mehr, nicht mehr arm zu sein. Zwischen 2004 und 2009 nahm die Armutsquote unter Arbeitnehmern um 2,2 Prozent zu – dieser Wert (die Zunahme) war nur in Spanien noch größer. 7,1 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland leben in einem einkommensarmen Haushalt. Daher müssen immer mehr Beschäftigte zusätzliche einen Minijob aufnehmen. Der Zuwachs an Minijobs basierte zwischen 2003 und 2011 zu 72 Prozent, seit 2006 allein auf solchen Minijobs von Arbeitnehmern.

Besonderes Kennzeichen des Kapitalismus ist die ungleiche Einkommensentwicklung: Die Bruttomonatsverdienste aller Beschäftigten stiegen zwischen 2007 und 2011 im Schnitt um 9,4 Prozent. Bei leitenden Angestellten stiegen sie um 12,4, bei herausgehobenen Fachkräften um 9,8, bei Facharbeitern um 8,3 und bei Un- und Angelernten nur um 8,0 bzw. 7,1 Prozent. Arbeitslose und Rentner dürften noch geringere Einkommenssteigerungen erhalten haben, die nicht einmal die Inflationssteigerung abdecken. Wer einmal oben ist, bekommt noch viel mehr, wer weiter unten in der Hierarchie steht, darf weniger am Wohlstandszuwachs partizipieren.

Die Kluft zwischen Arbeitseinkommen und Unternehmensgewinnen steigt ebenfalls unaufhaltsam, dem entfesselten Neoliberalismus sei Dank. 1975 lag der Anteil der Beschäftigteneinkommen am Volkseinkommen (die Bruttolohnquote) in der BRD noch bei mehr als 75 Prozent. 1991 (Gesamtdeutschland) waren wir bei 70,8 Prozent. 2011 erreichte die Bruttolohnquote 66,9 Prozent. Entsprechend nahm die Bruttogewinnquote zu. Und trotzdem muss immer mehr Profit aus den abhängig Beschäftigten herausgepresst werden, länger gearbeitet werden, müssen Kündigungsschutz und andere Arbeitnehmerrechte abgebaut werden, um im weltweiten Konkurrenzkampf zu bestehen. Trotz der gegenwärtigen Krise der (ungeregelten) (Finanz-)Marktwirtschaft fordert ein seltsamer FDP-Chef weniger Staat. Ist das alles rational oder irrational? Es ist die unbarmherzige Logik des Kapitalismus! Und eine gute Zeit für Reiche.

Siehe:

http://www.jungewelt.de/2012/12-27/019.php

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