Bekenntnisse zum Antikapitalismus Teil 5: Geplante Obsoleszenz

Antikapitalismus

Ich habe an dieser Stelle anlässlich einer Dokumentation bei Arte schon einmal über geplante Obsoleszenz geschrieben. Dieser Tage nun haben die Grünen eine Studie veröffentlicht, in der unzählige Beispiel für sehr frühen Produktverschleiß aufgeführt werden. Die Strategie, durch kurze Haltbarkeit des Produkt höhere Gewinne einzufahren wurde schon in den 1920er Jahren von GM gegen Ford erfolgreich eingesetzt.

„Besonders stark in Richtung geplanter Obsoleszenz wirken folgende Faktoren:

1.) Gesättigte Märkte bzw. Überkapazitäten
2.) Unübersichtliche/Intransparente Märkte bzw. Vielzahl oder Überfülle von Produkten
3.) Kapitalmarkt- bzw. starke Gewinnorientierung der Hersteller
4.) Ethische Einstellung des Managements bzw. die Frage der Moral“ (S. 8 der Studie)
Zwar kann man nicht beweisen, dass verfrühte Obsoleszenz bewusst von der Herstellern eingesetzt wird, um die eigenen Profite zu steigern, doch die Studie im Auftrag der Grünen zeigt klar, dass bestimmte Zwänge der Marktwirtschaft zu solchen Produktionsweisen verleiten. Ingenieure werden unter Kosten- und Termindruck gesetzt, sodass hochwertige Qualität einfach nicht produziert werden kann (vgl. S. 18). In immer kürzer werdenden Abständen müssen neue Produkte auf den Markt geworfen werden. Ein aus meiner Sicht krasses Beispiel sind Computer, Handys und entsprechendes Zubehör: Es vergeht kaum ein Jahr, bis von bestimmten Handys oder Druckern neue Versionen auf den Markt kommen. Jeder Drucker bekommt eine eigene Art von Tintenpatronen, die dann nicht einmal bis zum letzten Tropfen Tinte drucken, sondern schon dann ein Auswechseln der Patrone fordern, wenn vielleicht noch 10 Prozent des Inhalts drin sind. Wozu braucht man jedes Jahr ein neues Handy/Smartphone – die Funktionszuwächse rechtfertigen selten den schnellen Neukauf.
Und wer profitiert von geplanter Obsoleszenz? „Die Vorteile von geplantem Verschleiß – höhere Gewinne – fließen also an vergleichsweise wenige, wohlhabende Menschen. Die Nachteile in Form geringerer Haltbarkeit tragen jedoch alle Verbraucher. Geplanter Verschleiß führt also verteilungspolitisch betrachtet zu einer Umverteilung von vielen zu wenigen: von allen Kunden, die Produkte mit geplantem Verschleiß kaufen, zu der vergleichsweise kleinen Gruppe der wohlhabenden Eigentümer der Unternehmen.“ (S. 19)
Geplante Obsoleszenz ist ökonomischer und ökologischer Wahnsinn. Aber der Wahnsinn ist nach den Prinzipien der kapitalistischen Marktwirtschaft rational – eigentlich kann man es den Unternehmern nicht vorwerfen, dass sie minderwertige Waren produzieren. Es gilt die Spielregeln für die Unternehmen zu ändern. Man könnte längere Garantiezeiten vorschreiben – oder noch besser: Ein größeres Rad drehen und die Eigentumsverhältnisse in den Unternehmen ändern. Die Logik muss weg von Marktwirtschaft  hin zu mehr Ökosozialismus.
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