Wahlnachlese: Wie haben die Umfrageinstute abgeschnitten?

Bundestagswahl 2013, Wahlen

Womit wir uns hier bezüglich der Bundestagswahl noch nicht beschäftigt haben, ist die Frage, wie gut die vielen Umfrageinstitute die Wahlergebnisse prognostiziert haben. Es gab ja schon Wahlen, bei denen die Umfragen so weit weg von den realen Ergebnissen lagen, dass die Demoskopen und ihre schlechte Arbeit zum Thema der bürgerlichen Medien wurden (zuletzt bei der Landtagswahl in Niedersachsen Anfang 2013, wo die FDP völlig unerwartet bei fast zehn Prozent landete).

Letzte Umfragen vor der Bundestagswahl sahen so aus:

FG Wahlen Infratest-dimap Forsa Emnid
CDU/CSU

40,00%

40,00%

40,00%

39,00%

SPD

27,00%

28,00%

26,00%

26,00%

FDP

5,50%

5,00%

5,00%

6,00%

DIE LINKE

8,50%

8,00%

9,00%

9,00%

GRÜNE

9,00%

10,00%

10,00%

9,00%

PIRATEN

2,50%

2,00%

FREIE WÄHLER
AfD

4,00%

2,50%

4,00%

4,00%

Sonstige

6,00%

4,00%

4,00%

7,00%

 

IfD Allens-bach INSA GMS
CDU/CSU

39,50%

38,00%

40,00%

SPD

27,00%

28,00%

25,00%

FDP

5,50%

6,00%

5,00%

DIE LINKE

9,00%

9,00%

9,00%

GRÜNE

9,00%

8,00%

11,00%

PIRATEN

2,00%

2,00%

3,00%

FREIE WÄHLER

1,00%

1,00%

AfD

4,50%

5,00%

3,00%

Sonstige

3,50%

3,00%

3,00%

 

Ich habe nun die Abweichungen der Umfragewerte von den Wahlergebnissen der größten Parteien sowie der sog. „Sonstigen“ berechnet (Spalte 4 bis 10). In der dritten Spalte habe ich für jede Partei den über alle Prognosen bestimmten Durchschnitt (Mittelwert) der Abweichung berechnet. Hier sieht man, dass die CDU/CSU im Schnitt um zwei Prozent zu niedrig in den Prognosen bewertet wurde und damit von allen Parteien am schlechtesten prognostiziert wurde. Überraschend am besten vorhergesagt wurde das Ergebnis der Linken, das im Schnitt nur um 0,2 Prozent zu hoch ausfiel. Das Verfehlen der Fünfprozenthürde durch die FDP hat kein Institut angezeigt, wobei angemerkt sei, dass alle Demoskopen von Fehlertoleranzen bei ihren Werten von etwa zwei Prozent (bei kleinen Parteien) ausgehen. Überhaupt behaupten die Wahlforscher, dass mit der Sonntagsfrage keine Prognose für die Zukunft, sondern nur eine Messung der aktuellen Stimmungslage möglich ist. Allerdings: Bei Umfragen eine Woche vor der Wahl sollten die Umfrageergebnisse trotz der zunehmenden Kurzentschlossenheit der Wähler eine gewisse Ähnlichkeit mit den Wahlergebnissen aufweisen.

Die größte Ähnlichkeit zwischen Umfrage und Wahlergebnis ist bei der Forschungsgruppe Wahlen festzustellen; es ist damit das beste Institut unter den sieben betrachteten Instituten. Dies ist in der letzten Zeile der folgenden Tabelle abzulesen, wo ich die Beträge (also absolute Zahlen) der Abweichungen von jeder Partei für jedes Institut einzeln einfach addiert habe. Die FG Wahlen kommt so auf eine summierte Abweichung von nur 5,2 Prozent. Emnid und Forsa schnitten ähnlich gut ab. Eindeutig das schlechteste Institut war diesmal INSA mit Abweichungen von über drei Prozent bei CDU/CSU und den sonstigen Parteien.

Abweichungen der Umfragewerte von den Wahlergebnissen:

Wahl- ergebnis Durch-schnitt der Diffe-renzen: FG Wahlen Infratest- dimap Forsa
CDU/CSU

41,50%

2,00%

1,50%

1,50%

1,50%

SPD

25,70%

-1,01%

-1,30%

-2,30%

-0,30%

FDP

4,80%

-0,63%

-0,70%

-0,20%

-0,20%

DIE LINKE

8,60%

-0,19%

0,10%

0,60%

-0,40%

GRÜNE

8,40%

-1,03%

-0,60%

-1,60%

-1,60%

AfD

4,70%

0,84%

0,70%

2,20%

0,70%

Sonstige

6,30%

1,94%

0,30%

2,30%

2,30%

Summe der Diffe-renzen:

5,20%

10,70%

7,00%

 

Wahlergebnis Emnid IfD Allens- bach INSA GMS
CDU/CSU

41,50%

2,50%

2,00%

3,50%

1,50%

SPD

25,70%

-0,30%

-1,30%

-2,30%

0,70%

FDP

4,80%

-1,20%

-0,70%

-1,20%

-0,20%

DIE LINKE

8,60%

-0,40%

-0,40%

-0,40%

-0,40%

GRÜNE

8,40%

-0,60%

-0,60%

0,40%

-2,60%

AfD

4,70%

0,70%

0,20%

-0,30%

1,70%

Sonstige

6,30%

-0,70%

2,80%

3,30%

3,30%

Summe der Differenzen:

6,40%

8,00%

11,40%

10,40%

 

Zum Thema Krise der Demoskopie gibt es eine Reihe von Artikeln. Hier nur eine kleine Auswahl:

Steckt die Wahlforschung in der Krise? (Tagesspiegel)

Die Droge Demoskopie (taz)

Manipulation per Umfragen? (Tagesspiegel)

Macht und Ohnmacht der Umfragen (Rheinische Post)

Politologen befürworten Umfragen kurz vor der Wahl (Tagesspiegel)

Wie Demoskopen den Wähler beeinflussen (t-online.de)

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