Neue Lese-Tipps: Kirchenreichtum und Ideologiekritik

Was sonst noch in der Welt passiert

In der Jungen Welt macht Johann-Albrecht Haupt informative „Anmerkungen zum unermeßlichen Reichtum der Kirchen in Deutschland und der ­notwendigen Ablösung der »Staatsleistungen«„. Er beschäftigt sich mit vier Fragen: 1. Ist die Kirchensteuer legitim? 2. Wofür erhalten die Kirchen Geld vom Staat und von Dritten? 3. Ist die Kirche reich? 4. Was hat es mit den »Staatsleistungen« auf sich? Er kritisiert zurecht, dass die Kirchen nicht wie jede andere Vereinigung ihre Mitgliedsbeiträge selbst eintreibt und stattdessen kostenlos die Infrastruktur der staatlichen Finanzämter benutzen darf. Weiterhin verweist er darauf, dass der Staat auch für kirchliches Personal, das ausschließlich oder überwiegend im kirchlichen Interesse tätig wird (Religionslehrer, Theologie-Professoren …), die Kosten übernimmt. Zum Reichtum der Kirchen hält er fest: „Die katholische Kirche ist reich. Wie groß ihr Reichtum ist, weiß niemand, vermutlich nicht einmal sie selbst. Die Intransparenz in Finanzdingen ist erschreckend. Man kann bewußte Verheimlichung durch die »öffentlich (!)-rechtlichen Körperschaften« vermuten.“ Und schließlich kritisiert er die völlig abstrusen „Staatsleistungen“, die die Bundesländer aufgrund eines Gesetzes von 1803 wegen der Kirchenfürstenenteignung unter Napoleon noch heute verfassungswidrigerweise zahlen. Und obwohl überall in den Landesetats gespart werden muss, bleibt die Kirche außen vor. Und das Absurdeste: Die Kirchen wären auf die etwa 481 Mio. Euro jährlich gar nicht angewiesen, da sie aus den Kirchensteuern und eigenen Wirtschaftsunternehmungen viel mehr Einnahmen haben. Zum Wahnsinn/ zur mangelhaften Trennung von Sttat und Kirche bezüglich der Finanzen siehe auch: Carsten Frerk, »Violettbuch Kirchenfinanzen«, Alibri-Verlag 2010.

Auch lesenswert ist Tomasz Konicz‘ Beitrag zum Extremismus der Mitte, der am Montag noch fortgesetzt wird.

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