Armut in Berlin – eine Studie

Antikapitalismus

Eine Studie des Instituts für Sozialarbeit und Sozialpädagogik (ISS), die vom Berliner Beirat für Familienfragen in Auftrag gegeben wurde, beschreibt die Armut in Berlin. „Die qualitative Studie, der 32 Interviews mit betroffenen Familien zugrunde liegen, gerät dabei zur erschütternden Zustandsbeschreibung von Armut in der Hauptstadt.

Von der sind wohl Hunderttausende zumindest bedroht. Bei über 15 Prozent lag 2012 die Armutsgefährdungsquote der Hauptstadt. Betrachtet man nur Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, waren es gar 17,8 Prozent. Die Auftragsarbeit des Berliner Beirats für Familienfragen lässt nun betroffene Familien exemplarisch zu Wort kommen.

Zu sagen haben die eine Menge, gerade bezüglich Armut und Arbeit. »Ich möchte gerne eine feste Anstellung wieder. Aber über 40 und ein Kind, das kannst du vergessen«, so eine der Befragten mit Hochschulabschluss, allerdings auch alleinerziehend. Eine andere Mutter sieht es ganz ähnlich: »Ich meine, ich war Geringverdiener eine Zeit lang, dann war ich wieder arbeitslos, dann bin ich wieder in Arbeit gewesen. Also es war immer ein Hoch und Runter.«“ (zitiert nach Junge Welt)


Ein Auszug aus der Studie (S. 1):

„Armut in Familien wirkt sich auf die Teilhabechancen von Eltern und Kindern in allen Lebensbereichen aus. Bildung, Gesundheit, aber auch soziale Netzwerke und die Freizeitgestaltung sind davon betroffen. Familiäre Armut wirkt sich damit auch auf die weiteren Chancen von Kindern und Jugendlichen im Lebensverlauf aus. Um familiäre Armut zu mindern und zu vermeiden, dass sie sich über die Generationen hinweg verstetigt, ist daher ein umfassender Ansatz zur Armutsprävention von Familien notwendig. Kommunen als Ort der Lebenswelt spielen dabei eine entscheidende Rolle: Nicht nur die Verteilung von Armut, sondern auch, wie Armut erlebt wird, ist stark von den kommunalen Gegebenheiten abhängig. Die vorliegende Expertise wurde im Auftrag der Stiftung für die Familien des Landes Berlin für den Berliner Beirat für Familienfragen erstellt, um im Rahmen des Berliner Familienberichts 2015 kommunale und landespolitische Strategien zur Armutsprävention entwickeln zu können.

Für Berlin beträgt die durchschnittliche Armutsgefährdungsquote[1] im Jahr 2012 15,2%[2], allerdings sind Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren mit 17,8% überdurchschnittlich betroffen. Berlin liegt mit der allgemeinen Armutsgefährdungsquote damit zwar im Bundesdurchschnitt (15,2%) und bei Personen unter 18 Jahren sogar etwas darunter (18,9%), allerdings ist das Armutsrisiko über die Berliner Bezirke hinweg sehr ungleich verteilt. So verzeichnet Neukölln den höchsten Anteil an armutsgefährdeten Einwohnern (mit 24,1%), gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg mit 21,1%. Am geringsten ist das Armutsrisiko in Steglitz-Zehlendorf mit 9,1%. (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2014)

Das Armutsrisiko ist dabei stark von der Zusammensetzung der Familien abhängig. So sind Erwachsene und Kinder in Alleinerziehendenhaushalten in Berlin mit 23,8% sowie in ZweiEltern-Familien mit drei und mehr Kindern mit 25,1% überproportional häufig einem Armutsrisiko ausgesetzt. Auch Menschen mit Migrationshintergrund haben ein deutlich erhöhtes Armutsrisiko (27,3%) (Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 201: 8ff.; 18f.). Bereits in der Expertise „Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse. Bekämpfung und Prävention von Kinder- und Familienarmut in Berlin“ (IFAD 2010), deren Ergebnisse in die „Empfehlungen des Berliner Beirats für Familienfragen zur Prävention und Bekämpfung von Familienarmut in Berlin“ (2010) und den Familienbericht 2011 (Berliner Beirat für Familienfragen 2011) eingeflossen sind, wurde darauf verwiesen, dass die Datenlage zu Armut von Familien in Berlin quantitativ im Hinblick auf die Armutsbetroffenheit gut erfasst ist. […]

[1] Die Armutsgefährdungsquote ist der gebräuchlichste Indikator zur Messung relativer Einkommensarmut. Sie gibt den Anteil der Personen an, deren bedarfsgewichtetes Pro-Kopf-Einkommen (Äquivalenzeinkommen) weniger als 60% des mittleren Äquivalenzeinkommens der Bevölkerung beträgt.

[2] Die Armutsquoten beziehen sich auf dem Landesmedian von Berlin, d.h. die Referenz bildet das mittlere Äquivalenzeinkommen der Berliner Bevölkerung. Bei Verwendung des Bundesmedians, d.h. im Vergleich zu den Einkommen der gesamten deutschen Bevölkerung, falls die Armutsgefährdungsquoten für Berlin deutlich höher aus (vgl. Amt für Statistik Berlin-Brandenburg 2014)“

 

No Comments

Leave a Reply

Allowed tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>