Hamburg wählt „Scholzomat“ und straft CDU ab

Wahlen

Die Hamburger haben zwar ihren Bürgermeister Olaf Scholz (diffamierend „Scholzomat“ genannt) und dessen Partei, die SPD, im Amt bestätigt, was angesichts der Umfragewerte nicht überraschen konnte. Aber eine Überraschung gab es doch wieder einmal: Die CDU hat ihr sagenhaft schlechtes Ergebnis von 2011 (22 Prozent) noch einmal deutlich unterboten. Es bleibt also dabei, dass die CDU ein massives Großstadtproblem hat; das städtische Bürgertum orientiert sich eher Richtung Grüne, FDP und auch SPD; neuerdings zieht auch die AfD Wähler vom rechten Rand des CDU-Wählerspektrums an. Die AfD konnte zum ersten Mal in ein westdeutsches Parlament einziehen, was insofern beruhigend ist, weil nun hoffentlich die Diskussion, ob die AfD ein ostdeutsches Phänomen ist, ein Ende findet. Rechtskonservative, mit der CDU und anderen Rechtsparteien Unzufriedene sowie Protestwähler gibt es überall.

Sehr zufriedenstellend ist das Ergebnis der LINKEN, die ihr Ergebnis neben der AfD am stärksten verbessern konnten. Außer der CDU konnten überhaupt alle Oppositionsparteien leicht zulegen, was aber bei einer Regierung mit absoluter Mehrheit im Rahmen des Erwartbaren liegt. Die Hamburger SPD scheint solide bürgerliche Politik zu machen, die Kapitalisten sind sehr zufrieden, anders sind die unwesentlichen Stimmenverlsute der SPD nicht zu erklären. Bei den kleinen Parteien sieht es so aus, dass die Piraten nicht mehr auf die Beine kommen, dass die NPD zum Glück tief in der Versenkung bleibt und die FDP-Abspaltung „Neue Liberale“ (ich berichtete) erfolglos blieb, auch weil sich die FDP recht medienwirksam als erneuerte Kraft in Szene setzen konnte (dahinter verbergen sich aber die alten neoliberalen Phrasen).

 

Vergleich Umfragen-Wahlergebnis:

SPD CDU Grüne FDP LINKE AfD Sonstige
Umfrage Infratest Dimap 05.02. 46 18 11 5,5 9 5,5 5
Umfrage FG Wahlen 13.02. 47 17 12 6 8,5 5 4,5
Wahlergebnis (in %) 45,7 15,9 12,2 7,4 8,5 6,1 4,1
Differenz zu 2011 -2,7 -6,0 +1,0 +0,7 +2,1 +6,1 -1,4
Sitzverteilung 58 20 15 9 11 8 0

 Ergebnisse der Sonstigen:

Stimmen % Sitze
PIRATEN 52 758 1.5 -0,6 0
NPD 11 349 0.3 ±0 0
Die PARTEI 32 353 0.9 ±0 0
ÖDP 13 602 0.4 +0,1 0
RENTNER 9 812 0.3 -0,2 0
HHBL 7 312 0.2 neu 0
Neue Liberale 18 172 0.5 neu 0

 

Die Umfragen der beiden Meinungsforschungsinstitute haben dieses Mal eine außerordnetlich gute Qualität, v. a. die Umfrage der Forschungsgruppe (FG)Wahlen vom 13. Februar. Alle Werte sind höchstens um die ein Prozent daneben. Weitere statistische Daten, z. B. zur Wählerwanderung findet der Interessierte hier. Die Wahlbeteiligung sank übrigens leicht von auf 56,6 Prozent. Das CDU-Ergebnis ist übrigens das drittschlechteste der CDU-Geschichte (auf Landesebene):

Quelle: tagesschau.de

 

Ergebnisse in den Stadtbezirken:

Bezirk Altona Bergedorf Eimsbüttel Hamburg-Mitte
SPD 40,70% 49,70% 44,60% 46,00%
CDU 13,60% 18,00% 15,00% 11,90%
DIE LINKE 11,80% 6,80% 8,60% 12,30%
FDP 9,20% 5,70% 7,70% 4,80%
GRÜNE 16,20% 8,50% 15,10% 12,20%
AfD 4,50% 7,50% 4,90% 6,80%
PIRATEN 1,70% 1,10% 1,60% 2,40%
NPD 0,20% 0,50% 0,20% 0,50%
Die PARTEI 1,10% 0,60% 1,00% 1,50%
ÖDP 0,40% 0,80% 0,30% 0,40%
RENTNER 0,20% 0,30% 0,20% 0,30%
HHBL 0,20% 0,20% 0,20% 0,20%
Neue Liberale 0,50% 0,30% 0,60% 0,50%

 

Bezirk Hamburg-Nord Harburg Wandsbek
SPD 44,80% 47,20% 48,40%
CDU 15,60% 17,20% 19,00%
DIE LINKE 8,20% 7,60% 5,60%
FDP 7,70% 6,20% 7,90%
GRÜNE 14,10% 8,80% 8,60%
AfD 5,10% 8,70% 7,20%
PIRATEN 1,70% 1,40% 1,10%
NPD 0,20% 0,60% 0,40%
Die PARTEI 0,90% 0,80% 0,50%
ÖDP 0,40% 0,40% 0,30%
RENTNER 0,30% 0,30% 0,30%
HHBL 0,20% 0,20% 0,20%
Neue Liberale 0,70% 0,70% 0,40%

Übersicht der direkt gewählten Kandidaten (SPD: 35 Direktmandate, CDU: 18, Grüne: 13, LINKE: 4, FDP: 1)

Presseschau:

»Sozial gespaltene Stadt« (Junge Welt)

Inhalte und ein »No Go« (ebd. zum Ergebnis der LINKEN)

Die Erben des »Richter Gnadenlos« (ebd.)

„Hamburg ist anders“ (tagesschau.de)

Hamburg: Linke will weiter »Dampf machen« (Neues Deutschland)

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