Erwarteter Sieg der Rechten in Frankreich

Wahlen

Nach der zweiten Runde der französischen Départementswahlen steht das Ergebnis nun fest und größere Überraschungen sind ausgeblieben. Die Wahlen sind die erwartbare Schlappe für die regierende Sozialistische Partei (die in Wahrheit eine völlig normale sozialdemokratische Partei ist, die ihre „natürlichen Anhänger“ – Arbeiter und kleine Beamte – verrät), doch bei näherer Betrachtung ist die Niederlage noch halbwegs verkraftbar:

Résultats pour la France entière d’après les catégories établies par le ministère de l’Intérieur54.
Nuance du binôme
ou coalition
Premier tour Second tour Total
Voix % Sièges Voix % Sièges
Union de la droite (UD) 4 254 050 20,88 5 102 317 27,61
Divers droite (DVD) 1 386 466 6,81 115 1 279 623 6,92 784 899
Union pour un mouvement populaire (UMP) 1 339 412 6,57 74 1 596 391 8,64 1006 1080
Union des démocrates et indépendants (UDI) 263 209 1,29 30 247 714 1,34 334 364
Mouvement démocrate (MoDem) 72 410 0,36 1 48 038 0,26 47 48
Union du centre (UC) 58 985 0,29 39 078 0,21
Debout la France (DLF) 81 971 0,40 0 9 797 0,05 1 1
Droite 7 413 333 36,60 230 8 322 958 45,03 2166 2396
Parti socialiste (PS) 2 708 427 13,30 29 2 967 883 16,06 925 954
Union de la gauche (UG) 1 663 466 8,17 1 679 114 9,08
Divers gauche (DVG) 1 383 318 6,79 27 828 537 4,48 376 403
Front de gauche (FG) 962 394 4,72 1 266 896 1,44 18 19
Europe Écologie Les Verts (EÉLV) 412 729 2,03 0 29 888 0,16 35 35
Parti communiste français (PCF) 269 285 1,32 5 100 413 0,54 116 121
Parti radical de gauche (PRG) 62 372 0,31 4 64 110 0,35 59 63
Parti de gauche (PG) 12 027 0,06 0 2 498 0,01 2 2
Gauche 7 441 729 36,70 66 5 939 339 32,12 1533 1 597
Front national (FN) 5 141 897 25,24 8 4 108 404 22,23 54 62
Extrême droite (EXD) 13 382 0,07 0 12 851 0,07 4 4
Extrême droite 5 155 279 25,31 8 4 121 255 22,30 58 66
Extrême gauche (EXG) 14 723 0,07 0 0 0
Divers (DIV) 271 065 1,33 4 98 781 0,53 45 49
Inscrits 42 693 564 100,00 40 334 807 100,00
Abstentions (Nichtwähler) 21 273 037 49,83 20 173 945 50,02
Votants (Wähler) 21 420 527 50,17 20 160 862 49,98
Blancs 702 354 3,28 1 148 108 5,69
Nuls 346 585 1,62 530 421 2,63
Exprimés 20 371 588 95,10 18 482 333 91,67

Quelle: frz. Wikipedia

Insgesamt waren 4108 Mandate in den Départementräten zu verteilen, davon errang die Mitte-rechts-Opposition der UMP, MoDem und andere 2396 Mandate, also „nur“ 58,3 Prozent (bei den letzten Wahlen errangen sie 37,8 Prozent der Mandate). Damit konnten sie aber immerhin zwei Drittel der etwa 100 Départements erobern, was für entsprechendes Siegesgeheul von Sarkozy und seinen Mannen sorgt, das aber angesichts ihrer eigenen Konzeptionslosigkeit und politischen Verkommenheit (Sarkozy wurde nicht umsonst 2012 abgewählt) nicht angemessen ist. Die Sozialisten und ihre verbündeten Parteien (u. a. die Parti radical de gauche und die grüne EÉLV) konnten immerhin noch 1455 Mandate, also 35,4 Prozent gewinnen. Die Kommunistische Partei (PCF) und die Linksfront (FG und PG) errangen zusammen 142 Mandate (3,5 Prozent), was im Vergleich zur letzten Regionalwahl 2011 (6,1 Prozent) fast eine Halbierung der Mandatsanteile bedeutet. Von der Schwäche der Linken profitierte der faschistische Front National, der 62 Mandate bekam, aber glücklicherweise in keinem Département die absolute Mehrheit gewinnen konnte.

Theoretisch müssten die Sozialisten politische Konsequenzen ziehen und ihre derzeit betriebene „Reform“politik a la Agenda 2010, die ihnen auch von der neoliberalen EU aufgezwungen wird, beenden und zurück zu ihrem Wahlprogramm von 2012 zurückkehren. Sie müssten der griechischen Syriza folgen und einen Linksruck in der EU einleiten. Doch wenn man sich den uncharismatischen Technokraten Hollande und sein Kabinett anschaut, weiß man, dass derlei Dinge nicht zu erwarten sind und der PS (genau wie unsere SPD) lieber in der politischen Versenkung verschwinden wird, als den Kapitalismus zu bekämpfen.

Genauso sind den Linksradikalen der PCF und FG konzeptionelle Überlegungen anzuraten, denn wie kann es sein, dass von einer neoliberalen Politik, die für die Unterklassen verheerende Auswirkungen hat, nicht die linke Opposition profitiert? Mehr Klassenkampf und keine reformistischen Illusionen!

Presse:

Neues Deutschland

Süddeutsche Zeitung

Tagesspiegel

Junge Welt

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