Berufsbildungsbericht zeigt Probleme des Ausbildungsmarktes auf

Antikapitalismus

Gestern berichtete ich von den Problemen, die Hauptschüler beim Finden einer Ausbildungsstelle haben. Diese Woche wurde nun der Berufsbildungsbericht 2015 der Bundesregierung vorgestellt, der auch auf dieses Problem, aber auch einige andere hinwies. Interessant ist doch einmal, sich die Berichte dreier unterschiedlicher Zeitungen über ein Thema, den Berufsbildungsbericht, anzusehen. Folgende Fakten präsentierte die marxistische Junge Welt (in dieser Reihenfolge):

  • „Im vergangenen Jahr bekamen Hunderttausende Jugendliche keinen Ausbildungsplatz in der Bundesrepublik.“
  • „[…]auch die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge gesunken ist […].“
  • „Mit Blick auf die grassierende Jugendarbeitslosigkeit in anderen EU-Ländern liege die Erwerbslosenquote junger Menschen in der Bundesrepublik mit 7,4 Prozent vergleichsweise niedrig. Zudem gebe es einen »Höchststand« von insgesamt 37.100 freien und unbesetzten Ausbildungsplätzen.“
  • „Denen stünden zwar die sogenannten unversorgten Bewerber und Bewerberinnen gegenüber, […]. Doch deren Zahl sei […] auf 20.900 Personen gesunken.“
  • „Für »Gruppen von besonders schwierigen Fällen«, so Nahles, soll außerdem eine sogenannte assistierte Ausbildung mit maximal 10.000 Plätzen eingerichtet werden, die die Lehrlinge über drei Jahre hinweg »begleitet«.“
  • „Denn die Zahl derer, die im vergangenen Jahr trotz entsprechender Wünsche keinen Ausbildungsplatz bekamen, beläuft sich nicht nur auf die 20.900 unversorgten Bewerber. Über 256.000 Jugendliche befinden sich in »Warteschleifen« […]. Insgesamt bekamen 288.000 Jugendliche 2014 keine Lehrstelle – über 2.000 mehr als im Jahr zuvor.“

 

Die konservative FAZ notiert:

  • „In technischen Berufen, aber auch im Gast- und Sicherheitsgewerbe wird schon bald in vielen Regionen das Fachpersonal knapp“
  • „Im vergangenen Jahr wurden nur noch 522.000 neue Ausbildungsverträge abgeschlossen, 100.000 weniger als noch 2007 und überdies so wenige wie noch nie seit der Wiedervereinigung.“
  • „Während die Zahl der neuen Lehrlinge 2007 noch um die Hälfte höher war als die der neuen Studenten, gab es 2013 erstmals mehr Studien- als Ausbildungsanfänger.“
  • „Abermals rückläufig war im 2014 aber auch die Zahl der Betriebe, die Lehrstellen anboten, wie der Regierungsbericht zeigt. Von insgesamt rund 850.000 Betrieben, die ausbilden dürfen, boten 438.000 tatsächlich Lehrstellen an; das sind 9000 weniger als im Jahr zuvor.“
  • „Bisher warten noch 250.000 Jugendliche in Förderprogrammen des sogenannten Übergangssystems auf Ausbildungsplätze. Drei neue Programme mit zusammen mehr als 100.000 Plätzen sollen nun dafür sorgen, dass häufiger der Direkteinstieg ohne Warteschleife klappt“

 

Die linksliberale Süddeutsche Zeitung schreibt:

  • „Demnach bildete von den 2,1 Millionen Betrieben mit mindestens einem Beschäftigten nur noch etwa jeder fünfte (20,7 Prozent) einen jungen Menschen aus. 2007 lag die Quote noch bei 24,1 Prozent.“
  • „Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge 2014 sank erneut um 1,4 Prozent auf etwa 522 000. In dem Regierungsreport wird dies auf die gestiegene Studierneigung und auf die sinkende Zahl von Schulabgängern zurückgeführt. Zugleich erreichte die Zahl der unbesetzten Ausbildungsstellen mit mehr als 37 000 einen Höchststand.“
  • „Die Zahl unversorgter Bewerber sei auf 20 872 Fälle (minus 0,8 Prozent) gesunken. Auch die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge war mit 522 232 leicht rückläufig (minus 1,4).“
  • „Die Zahl der jungen Erwachsenen ohne Berufsabschluss ist rückläufig. Waren es im Jahr 2008 noch 1,46 Millionen Menschen zwischen 20 und 29 Jahren, sank die Zahl derer ohne Berufsabschluss im gleichen Alterssegment im Jahr 2012 auf 1,29 Millionen.“

 

Die Fakten sprechen für sich, die meisten wurden in allen drei Zeitungen benannt. Dass es gerade noch 20 Prozent der Betriebe sind, die überhaupt ausbilden, dass seit Jahren, fast Jahrzehnten hunderttausende Menschen ohne abgeschlossene Ausbildung gibt, trotz unbesetzter Stellen, sind gesellschaftliche Zustände, die unerträglich sind und schnellstens durch eine kollektive Organisierung der jungen (und alten) Arbeitnehmer in Gewerkschaften und radikalen Arbeiterparteien überwunden werden müssen. Keiner der ausbildungs- und arbeitslosen Menschen in den kapitalistischen Ländern darf sich der Illusion hingeben, dass sich diese Zustände im Rahmen des Systems überwinden lassen. Gute Ausbildung, gute Arbeit und ein Leben in humanistischen Werten kann es nur in einer postkapitalistischen Gesellschaft, meist Sozialismus genannt, geben.

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