Buch-Tipp: Wider antisowjetischer Propaganda

Was sonst noch in der Welt passiert

Anlässlich des 70. Jahrestages des Endes des Zweiten Weltkrieges wird der Büchermarkt sicher wieder mit allerhand Literatur von Historikern und solchen, die sich für so etwas halten, überschwemmt werden. In der gestrigen Jungen Welt wird von Sabine Kebir ein Buch rezensiert, dessen Lektüre sich zu lohnen scheint: Miriam Gebhardt: Als die Soldaten kamen. Die Vergewaltigung deutscher Frauen am Ende des Zweiten Weltkriegs. DVA, München 2015, 352 Seiten, 21,99 Euro.

Miriam Gebhardts Buch über sexuelle Gewalt der Alliierten korrigiert nach Kebir antisowjetische Propaganda, wonach vor allem die Russen damals durch Massenvergewaltigungen aufgefallen seien. Durch umfangreiche Quellenstudien in Pfarrämtern sowie Archiven des US-amerikanischen und französischen Militärs stellte sich heraus, dass auch in den von den Westalliierten befreiten Zonen massenhafte Plünderungen und Vergewaltigungen, sexuelle Verbrechen gegen Minderjährige und gelegentlich auch gegen Männer dokumentiert sind. Zitat Kebir: „Gebhardts Studie korrigiert das ins kollektive Gedächtnis der Deutschen eingebrannte Bild, wonach nur Angehörige der Sowjetarmee vergewaltigten, während Amerikaner Frauen mit Zigaretten und Schokolade köderten. Die Autorin schätzt, das von den geschätzten mehr als 860.000 Vergewaltigungsopfern mindestens 190.000 und »vielleicht auch mehr (…) sexuelle Gewalt durch einen amerikanischen Armeeangehörigen, andere durch britische, belgische oder französische Soldaten« erfuhren. Auch die von der Roten Armee begangenen Verbrechen an Frauen werden dargestellt. Doch räumt das Buch mit der bis heute fortwirkenden Nazipropaganda auf, wonach Stalin einen Befehl dazu gegeben haben soll.“

Weitere Literaturempfehlungen zum Zweiten Weltkrieg:

Hervé, Florence (Hsg.) / Graf, Martin: (Fotograf) Oradour „Geschichte eines Massakers / Histoire d’un massacre „. PapyRossa Verl.

Kurt Pätzold: “ Zweiter Weltkrieg“. PapyRossa Verl.

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