Browsing the archives for the Erbschaft tag.


Deutschland wird ein Land von Erben

Antikapitalismus

Wie der Tagesspiegel und andere Medien heute berichten,  werden in den nächsten zehn Jahren 3,1 Billionen Euro vererbt, wobei Betriebsvermögen noch gar nicht mitgezählt werden. Dank unseres kapitalistischen Gesellschaftssystems dürfen sich aber nicht alle Erben auf theoretisch mögliche 242.000 Euro (pro Erbfall) freuen, denn durch die äußerst ungleiche Verteilung des Vermögens bzw. des Kapitals (verursacht durch die Konzentration der Produktionsmittel in den Händen weniger Kapitalfamilien und deren „Topmanager“) fallen die Erbschaften natürlich sehr ungleich aus. Die oberen zwei Prozent der Vermögenspyramide sacken schon mal 700 Mrd. Euro ein; das sind Familien wie die der kürzlich verstorbenen BMW-Großaktionärin Johanna Quandt oder der Klatten-Clan, der – oh je! – gar nicht weiß, wie er die vielen Milliarden ausgeben soll. Also ich wüsste durchaus, was man mit 17 oder 30 Mrd. Euro anfangen könnte: menschenwürdige Unterkünfte für hunderttausende Flüchtlinge, Sprach- und Integrationskurse für diese, höhere Löhne für prekär Beschäftigte im eigenen Unternehmen, dauerhafte Finanzierung von (mehr) Künstlern und Bibliotheken etc.

Bleiben wir bei den Erbschaften. Auch unter den Erbschaften der Normalverdienern, die immerhin mit 1,4 Billionen Euro rechnen können, gäbe es nach einer Studie der DIA (Deutsches Institut für Altersvorsorge, finanziert von der Deutschen Bank) große Unterschiede: In jedem achten Erbfall gibt es nämlich gar kein Geld für die Erben, sondern teils sogar Schulden; bei Menschen, die zur Miete wohnten, beträgt dieser Anteil sogar 25 %. Die Ungleichheit zeigt sich vor allem an den regionalen Unterschieden:

Große Unterschiede: In Bayern sind die Erbschaften deutlich größer als in Mecklenburg-Vorpommern.

Quelle: Tagesspiegel

In den wirtschaftlich starken Westländern Bayern und Hessen werden pro Erbschaft über 170.000 Euro fällig, in den ärmeren Ländern im Osten nicht mal 60.000 Euro. Welche politischen Schlussfolgerungen sind hieraus zu ziehen? Um die ökonomische Ungleichheit nachhaltig zu bekämpfen, sind wesentlich höhere, mit dem Erbschaftsvolumen wachsende Erbschaftssteuern einzuführen. Ökonomen wie Thomas Piketty haben das schon seit Jahren gefordert.

Mehr zur Studie kann bei der DIA oder konkret in der Studie nachgelesen werden.

No Comments