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Wider den Krieg: 125. Geburtstag von Kurt Tucholsky

Was sonst noch in der Welt passiert

Wie gut könnten wir dieser Tage einen Journalisten und Schriftsteller wie Kurt Tucholsky gebrauchen! Heute vor 125 Jahrenw urde er in Berlin geboren. Unter den Pseudonymen Kaspar Hauser, Peter Panter, Theobald Tiger und Ignaz Wrobel schrieb er u. a. für die Wochenzeitschrift Die Weltbühne (als Mitherausgeber), das Berliner Tageblatts und der Vossischen Zeitung. Viele Medien, auch die bürgerlichen, über deren Kriegspropaganda er sicher heute heftig polemisiert hätte, widmen ihm Gedenkartikel: die (sehr empfehlenswerte) marxistische Junge Welt, Deutschlandradio Kultur, die konservative Welt oder auch die LINKE-Parteizeitung Neues Deutschland.

Zu Ehren von Kurt Tucholsky gebe ich eines seiner bekanntesten Gedichte wider, neben vielen weiteren Texten von zu finden auf textlog.de:

Drei Minuten Gehör!

Drei Minuten Gehör will ich

von euch, die ihr arbeitet -!

Von euch, die ihr den Hammer schwingt,

von euch, die ihr auf Krücken hinkt,

von euch, die ihr die Feder führt,

von euch, die ihr die Kessel schürt,

von euch, die mit den treuen Händen

dem Manne ihre Liebe spenden –

von euch, den Jungen und den Alten –:

Ihr sollt drei Minuten inne halten.

Wir sind ja nicht unter Kriegsgewinnern.

Wir wollen uns einmal erinnern.

 

Die erste Minute gehöre dem Mann.

Wer trat vor Jahren in Feldgrau an?

Zu Hause die Kinder – zu Hause weint Mutter …

Ihr: feldgraues Kanonenfutter –!

Ihr zogt in den lehmigen Ackergraben.

Da saht ihr keinen Fürstenknaben:

der soff sich einen in der Etappe

und ging mit den Damen in die Klappe.

Ihr wurdet geschliffen. Ihr wurdet gedrillt.

Wart ihr noch Gottes Ebenbild?

 

In der Kaserne – im Schilderhaus

wart ihr niedriger als die schmutzigste Laus.

Der Offizier war eine Perle,

aber ihr wart nur ›Kerle‹!

Ein elender Schieß- und Grüßautomat.

»Sie Schwein! Hände an die Hosennaht –!«

Verwundete mochten sich krümmen und biegen:

kam ein Prinz, dann hattet ihr stramm zu liegen.

Und noch im Massengrab wart ihr die Schweine:

Die Offiziere lagen alleine!

Ihr wart des Todes billige Ware …

So ging das vier lange blutige Jahre.

Erinnert ihr euch –?

 

Die zweite Minute gehöre der Frau.

Wem wurden zu Haus die Haare grau?

Wer schreckte, wenn der Tag vorbei,

in den Nächten auf mit einem Schrei?

Wer ist es vier Jahre hindurch gewesen,

der anstand in langen Polonaisen,

indessen Prinzessinnen und ihre Gatten

alles, alles, alles hatten – –?

Wem schrieben sie einen kurzen Brief,

dass wieder einer in Flandern schlief?

Dazu ein Formular mit zwei Zetteln …

wer mußte hier um die Renten betteln?

Tränen und Krämpfe und wildes Schrein.

Er hatte Ruhe. Ihr wart allein.

Oder sie schickten ihn, hinkend am Knüppel,

euch in die Arme zurück als Krüppel.

So sah sie aus, die wunderbare

große Zeit – vier lange Jahre …

Erinnert ihr euch –?

 

Die dritte Minute gehört den Jungen!

Euch haben sie nicht in die Jacken gezwungen!

Ihr wart noch frei! Ihr seid heute frei!

Sorgt dafür, dass es immer so sei!

An euch hängt die Hoffnung. An euch das Vertraun

von Millionen deutschen Männern und Fraun.

Ihr sollt nicht strammstehn. Ihr sollt nicht dienen!

Ihr sollt frei sein! Zeigt es ihnen!

Und wenn sie euch kommen und drohn mit Pistolen –:

Geht nicht! Sie sollen euch erst mal holen!

Keine Wehrpflicht! Keine Soldaten!

Keine Monokel-Potentaten!

Keine Orden! Keine Spaliere!

Keine Reserveoffiziere!

Ihr seid die Zukunft!

Euer das Land!

Schüttelt es ab, das Knechtschaftsband!

Wenn ihr nur wollt, seid ihr alle frei!

Euer Wille geschehe! Seid nicht mehr dabei!

Wenn ihr nur wollt: bei euch steht der Sieg!

– Nie wieder Krieg –!

 

 

Theobald Tiger

Republikanische Presse, 29.07.1922, Nr. 6,

wieder in: Mit 5 PS.

 

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Lese-Tipp des Tages: Erster Weltkrieg und Sozialdemokratie

Was sonst noch in der Welt passiert

Das ganze Jahr wird schon intensiv dem Ersten Weltkrieg gedacht, leider nicht immer mit intellektuellem Tiefsinn und redlicher Aufklärung über dessen Ursachen und Verursacher. Aktuell sind mehrere Beiträge der Jungen Welt erschienen, die einer gründlichen Lektüre wert sind:

Die Mitmacher

Im Sommer 1914 begann die Integration der SPD in das System bürgerlicher Herrschaft in Deutschland.

Von Leo Schwarz

Die Schlammflut

Im Sommer 1914 begann die Integration der SPD in das System bürgerlicher Herrschaft (Teil 2 und Schluß).

Von Leo Schwarz

Ein deutscher Mythos

»Augusterlebnis«: Nicht jubelnd, aber naiv marschierten viele Deutsche in den Ersten Weltkrieg.

Von Kurt Pätzold

K. k. Mordbrenner

Österreich-Ungarn begann am 28. Juli 1914 seinen Sonderkrieg gegen Serbien.

Von Hans Hautmann
Für einen schnellen Gesamtüberblick über Ersten und Zweiten Weltkrieg folgende aktuellen Empfehlungen aus dem PapyRossa Verlag:
Gerd Fesser: Deutschland und der Erste Weltkrieg
Kurt Pätzold: Zweiter Weltkrieg
Ausführlicher und heftigen Attacken von C. Clark & Co. ausgesetzt:Fritz Fischer (1967): Griff nach der Weltmacht. Die Kriegszielpolitik des kaiserlichen Deutschland 1914/18
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Die neue Zeitschrift für Marxistische Erneuerung erschienen

Was sonst noch in der Welt passiert

Die neue Z. Zeitschrift für Marxistische Erneuerung Nr. 98 mit den Hauptthemen TTIP und August 2014 erscheint dieser Tage mit folgenden Beiträgen:

Editorial

TTIP und Freihandelsideologie Peter Wahl
Der kranke Mann des Multilateralismus Krise und Bedeutungsverlust der WTO – Ursachen, Hintergründe, PerspektivenGuido Speckmann
Ein atlantisches Klassenprojekt Das EU-USA-Freihandelsabkommen (TTIP)Pia Eberhardt
EU-Investitionspolitik am Scheideweg:   Riss oder Kitt im globalen Parallelrecht für Konzerne? Christa Luft
Freihandel und Machtverhältnisse Zur Kritik klassischer Freihandelstheoreme
August 1914 – Kriegsursachen und Kriegsschuld Peter Scherer
Zum 100. Jahrestag des Ersten WeltkriegesWerner Röhr
Bremser in der Wiener Kriegsfabrik Dokumentation: Friedrich Wiesners Tagebuchblätter 4.- 8. Juli 1914Kurt Pätzold
Im Sumpf Zur Debatte um Kriegsursachen und Kriegsschuld vor dem 100. Jahrestag des Weltkrieg-I-BeginnsStefan Bollinger
„Sonst kriege ich die Sozialdemokraten nicht mit“ Deutsche Arbeiterbewegung und Linke im Ersten Weltkrieg

Weitere Beiträge

Jörg Wollenberg

Rosa Luxemburg und die „Freiheit der Andersdenkenden“

Teil II: Rosa Luxemburgs „Gefängnismanuskripte“ und die „Luxemburgisten“ am Beispiel von Walter Fabian

Gert Hautsch

117 Medienwirtschaft: Umstrukturierung durch DigitalisierungJürgen Leibiger
130 Wem gehört die Republik? Empirisches zum Eigentum im deutschen FinanzmarktkapitalismusChristian Stache
150 Deutsche Militärparade bei Olympia Die Bundeswehr und die militärische Spitzensportförderung in Deutschland
Nachrufe Gudrun Hentges/Gerd Wiegel
157 Zum Tod von Reinhard Kühnl (1936 – 2014)Gretchen Binus/André Leisewitz
159         Horst Heininger 1928 – 2014

Berichte

André Leisewitz

Zukunft der (Industrie-)Arbeit

Frankfurt am Main, 30. Januar 2014

Armin Stolle

1914 – 2014. 100 Jahre Krieg – 100 Jahre Pazifismus und Friedensbewegung

Köln, 21. bis 22. Februar 2014

Valentin Johannes Hemberger

Stalin-Hitler-Pakt?

Berlin, 21. bis 22. Februar 2014

Hermann Dworczak

Ukrainische Krise und Extreme Rechte in Osteuropa

Brüssel, 27. Februar 2014 / Budapest, 3. April 2014

Olaf Gerlach

Vorbild skandinavischer Sozialstaat?

Frankfurt am Main, 1. März 2014

Sarah Nagel

Kapitalismus in der BRD – Neoliberaler Umbau, Alternativen, Kräfte der Veränderung

Frankfurt am Main, 10. bis 14. März 2014

David Salomon

Wallenstein, Mittenzwei und ein Bronzekopf

Berlin, 10. April 2014

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Buchbesprechungen

Zwei neue Briefbände der MEGA (Georg Fülberth zu MEGA III/12 und III/30)

Rosa Luxemburg 1893 – 1906 (Hartmut Henicke zu Laschitza/Müller [Hrg.])

Zur Kritik der reinen Politik (Hermann Klenner zu Frank Deppe)

„Marburger Schule“ (Rainer Rilling zu Lothar Peter)

Aide-Mémoire (Joachim Schwammborn zu Heinz Düx)

Gewerkschafter: Kritische Haltung, fehlende Perspektive? (Michael Boedecker zu Richard Detje u.a.)

Anregungen für politische Bildungsarbeit in den Gewerkschaften (Falk Prahl zu Heinz-J. Bontrup)

„Uns hat der Krieg behütet für den Krieg“ (Manfred Weißbecker zu Arndt Weinrich)

Weißer Fleck der Faschismusforschung (Karl-Heinz Roth zu Manfred Wichmann)

Kolonialismus und Siedlergesellschaften (Jörg Goldberg zu Thomas Kiefer)

Demografie und Ökologie (Guido Speckmann zu Horst Hesse/Dieter Jancke [Hrsg.])

EU – Krise ohne Ende? (Patrick Ölkrug zu Leo Mayer/Fred Schmid)

Kämpfe um Hegemonie im „Staatsprojekt Europa“ (Sebastian Klauke zu Sonja Buckel u.a.)

 

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Vortrag zu Ursachen bzw. Verursachern des Ersten Weltkrieges

Was sonst noch in der Welt passiert

Das Jahr 2014 ist ein Gedenkjahr, das besonders mit dem Thema Krieg und Frieden verbunden ist. 100 Jahre nach Beginn des Ersten und 75 Jahre nach Beginn des Zweiten Weltkrieges will sich der Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät I der MLU kritisch mit Vergangenheit und Gegenwart von Kriegen auseinandersetzen.
Am 29. April, 18 Uhr c.t. spricht Gerd Fesser über sein neues Buch „Deutschland und der Erste Weltkrieg“. Dabei geht es um die Schuldfrage, die mit C. Clarks „Die Schlafwandler“ seit einigen Monaten die mediale Debatte um die Verursacher des Ersten Weltkrieges befeuert hat. Fesser wird die von vielen Historikern infrage gestellte These der Hauptverantwortung Deutschlands verteidigen.

Zum Referenten:
Geb. 1941 in Sömmerda, Historiker; 1973-91 wiss. Mitarbeiter an der Akademie der Wissenschaften der DDR, 1993-96 am Historischen Institut der Universität Jena;
Autor zahlreicher Bücher zur deutschen Geschichte von 1789-1917; aktuell: „Deutschland und der Erste Weltkrieg“, Köln: PapyRossa Verlag, 2014.

Zeit: 18 Uhr c.t.
Ort: HS XIV a/b (Löwengebäude)
Veranstalter: Fachschaftsrat der Philosophischen Fakultät I; Homepage: http://fachschaft.philfak1.uni-halle.de/, E-Mail: fachschaft@philfak1.uni-halle.de

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen! Wir freuen uns auf einen spannenden Vortrag und eine gute Diskussion.
Veranstaltung bei Facebook: https://www.facebook.com/events/221834578026780/?ref_newsfeed_story_type=regular

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