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Bekenntnisse zum Antikapitalismus Teil 7: Ausbeutung in der Fleischindustrie

Antikapitalismus

Um es gleich zu sagen: Die Lösung gegen das Problem der Ausbeutung von meist ausländischen Arbeitern in der Fleischindustrie kann nicht sein, dass alle Menschen auf den Fleischkonsum verzichten. Dies würde allen radikalen Tierschutzvereinen und Anhängern der vegetarisch-veganen Lebensweise wohl gefallen, die mit den miesen Arbeitsbedingungen in der Fleischindustrie ein weiteres Argument für ihre Kampagne gegen (übermäßigen) Fleischkonsum in der Hand haben. Doch genauso wie es an Wahnsinn grenzt, Tieren, die zur Mästung und zum Fleischverzehr vom Menschen seit Jahrhunderten gehalten werden, menschenrechtsähnliche Rechte zusprechen zu wollen, wäre es undemokratisch und unfreiheitlich, den Menschen vorzuschreiben, auf Fleisch als Nahrungsmittel völlig zu verzichten.

Dass der Kapitalismus zu ausbeuterischen Arbeitsverhältnissen tendiert, ist seit Marx keine besondere Neuigkeit mehr, auch wenn es (hallesche) Ökonomieprofessoren geben sollen, die von Ausbeutung von Arbeitern nichts wissen wollen und sogar von Ausbeutung der Arbeitgeber im Kapitalismus sprechen (siehe Video der SDS-Veranstaltung „Seeking price“). Auch Sozialdemokraten und andere bürgerliche Politiker weisen gerne auf die großen sozialpolitischen Fortschritte seit der Zeit des Manchesterkapitalismus hin, wonach doch im Vergleich zu den Zeiten von Marx heute gar nicht mehr von Ausbeutung in Deutschland gesprochen werden kann. Ja, da gab es durchaus mühevoll von der kämpferischen Arbeiterbewegung dem Kapital und seiner politischen Klasse abgepresste Verbesserungen im Bereich Sozialversicherungen und Arbeitsbedingungen.

Das schützt aber noch lange nicht jeden Arbeitnehmer in Deutschland (und anderswo) vor Niedriglöhnen von 5 Euro oder weniger die Stunde. Darauf weist auch die aktuelle Reportage Lohnsklaven in Deutschland – Miese Jobs für billiges Fleisch, die am 24. Juni in der ARD gezeigt wurde, hin. Diese Ausbeutung durch einen seit der neoliberalen Regierung Schröder massiv angewachsenen Niedriglohnsektor bringt nicht nur den betroffenen Arbeitern aus Bulgarien, Rumänien etc. in wirtschaftliche Not. Damit werden auch die noch gut bezahlten Arbeiter in anderen Fleischbetrieben in Deutschland und vor allem seinen Nachbarländern niederkonkurriert. Kein Wunder, dass es von Belgien schon Beschwerden über die Preisdrückerei in Deutschland gibt.

Das ist nur ein Beispiel für das generelle Prinzip des modernen deutschen Wirtschaftsimperialismus: Durch den deutschen Niedriglohnsektor und die angesichts der großen Produktivität starke Lohnzurückhaltung (also zu geringe Lohnsteigerungen) wird die Konkurrenz im Binnenmarkt der EU bekämpft. Der wirtschaftliche Erfolg in Deutschland führt in erheblichen Maßen zu den ökonomischen Problemen in den EU-Ländern der Peripherie bzw. dem wirtschaftlichen Ungleichgewicht in der EU. Und dann verfügt die Merkel-Regierung noch über die unverschämte Dreistigkeit, den durch deutsche Lohndrückerei geschundenen Ländern in Südeuropa Austeritätsprogramme zur noch stärkeren Vernichtung der Ökonomien dieser Länder aufzudrücken.

Wer etwas an diesen Verhältnissen verändern will, der wählt am 22. September

1. nicht (schon wieder) die CDU, die kein ernsthaftes Politikangebot zum Wohle der Menschheit bietet und als einzigen ernsthaften Programmpunkt ihre Kanzlerin vorstellt,

2. auf keinen Fall die FDP, denn diese Partei braucht niemand, dem es um den Wohlstand von 99 Prozent der Menschen geht,

3. möglichst DIE LINKE, weil sie momentan die einzige politische Kraft ist, die eine Aussicht auf den Einzug in den Bundestag und damit die Möglichkeit hat, einen konsequent kapitalismuskritischen Kurs gegen die Spardiktatpolitik von CDU und FDP zu fahren. Ohne die LINKE wird es niemanden geben, der die derzeitige Europapolitik ernsthaft hinterfragt. Von SPD und Grünen, die die meisten Rettungspakete für Banken und Spekulanten mitgetragen haben, kann man seit der Agenda 2010-Einführung keine sozialen Wohltaten mehr erwarten. Da wird nur noch vor der Wahl links geblinkt und dann nach der Regierungsübernahme der fast gleiche Merkelkurs fortgesetzt.

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