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TV-Tipp des Tages: Gesichter der Armut

Antikapitalismus

Sie nähen unsere Kleidung, gerben Leder für Schuhe und Taschen – und sind oft bitterarm: Millionen Menschen aus Bangladesch. Manfred Karremann zeigt im ZDF-Magazin 37 Grad am Beispiel von Bangladesch, woher unsere Produkte kommen:

http://www.zdf.de/ZDFmediathek#/beitrag/video/2496242/Gesichter-der-Armut


 

Wie kommt es zu Armut, wie sie in diesem Film dargestellt wird? Max Uthoff präsentiert eine kapitalismuskritische Erklärung (verkleidet in gutem, aber ernstem Kabarettton):

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Gedanken zu einem Flugzeugabsturz und öffentlicher Trauer

Was sonst noch in der Welt passiert

Am Dienstag dieser aus medienkritischer Perspektive bemerkenswerten Woche ist ein Flugzeug mit 150 Insassen in den französischen Alpen abgestürzt, genauer gesagt: Wurde vom Kopiloten absichtlich zum Absturz gebracht. Das ist natürlich zutiefst bedauerlich und den Hinterbliebenen gebührt unser aller Mitleid. Doch was ist zu der in den vergangenen Tagen betrieben öffentlichen Trauer bei gleichzeitiger Dauermedienberieselung zu sagen? Ist das noch angemessen gewesen und die Würde der Menschen beachtend zu nennen?

Nein, was in den vergangenen Tagen an Katastrophenjournalismus abgelaufen ist, ist (wieder einmal) unerträglich gewesen, was die vernünftigeren Köpfe der Journaille nach einigen Tagen selbstkritisch reflektieren. Ich will nicht kritisieren, dass angesichts der Katastrophe das TV-Programm verändert wird, längere Sondersendungen (a la „Brennpunkt“) geschaltet werden und Satiresendungen ausfallen. Das ist selbstverständlich richtig. Doch unangemessen erscheint mir, dass bspw. die ARD als seriös sich verkaufender Sender nach der Katastrophe 3-5 Stunden fast ununterbrochen über das Unglück berichtet, ohne Kenntnis der wahren Hintergründe und ohne Erwartung, neue Erkenntnisse vermitteln zu können. Denn es ist ja nicht möglich, die Ursachen des Absturzes bereits zwei, drei Stunden nach dem Absturz in allen Einzelheiten aufzuklären. Die Sendezeit wird daher mit den üblichen Betroffenheitserklärungen von führenden Politikern, von „Normalbürgern“, mit Expertenbefragungen („was glauben Sie, könnten die Ursachen sein?“) und mit Erinnerungen an vergangene Flugzeugunglücke gefüllt. Das Ganze dann in Endlosschleife, bis der erste Abend vorbei ist.

Dann wird es richtig unwürdig, denn die nächsten Tage schwärmen die Journalisten von ARD bis BILD und ähnlichen Ekel-Schreiberlingen, um im ganzen Land die Hintergründe der Angehörigen der Opfer zu „recherchieren“. Besonders in den Fokus gerückt wird, und das ist überhaupt nicht nachvollziehbar, die Schulklasse aus Haltern. Es gab 60, 70 Deutsche unter den Toten, und natürlich ist der (sinnlose) Tod von jungen Menschen besonders tragisch – aber wieso wird tagelang fast nur aus der Sicht der Toten von Haltern, von der dort herrschenden Fassungslosigkeit berichtet, sind die anderen Toten nicht würdig, ebenfalls in das öffentliche Gedenken aufgenommen zu werden? Und welche Menschen erwarten eigentlich von dieser Journaille, dass sie den Hinterbliebenen und Bekannten der Opfer in Haltern oder anderswo so auf die Pelle rückt und zu ihren Gefühlen und Gedanken zu befragen? Ich möchte nicht, stundenlang über die Gefühle dieser Personen unterrichtet werden; und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass nicht wenige der Hinterbliebenen einfach in Ruhe gelassen werden wollen.

Dann stellte sich heraus, dass auch eine gebürtige Hallenserin unter den Opfern ist (siehe MZ). Und hieran ist ein weiteres für mich nicht nachvollziehbares Verhalten der Menschheit zu beobachten, denn nicht nur Journalisten scheint es heutzutage schwer zu fallen, sich vernünftig nach menschlichen Unglücken, wie es der Flugzeugabsturz ist, zu verhalten. Denn wieso neigen einige Menschen nach Unglücken dazu, öffentliche Trauerorte zu errichten? Und wieso legen dort wildfremde Menschen Blumen, Plüschtiere und die (unvermeidlichen und kaum noch zu ertragenden) brennenden Kerzen in Gedenken an die Tote nieder? Ich kann doch nicht um mir völlig fremde Menschen trauern, auch wenn ich natürlich Mitleid mit den Angehörigen der Opfer habe. Das ist doch völlig heuchlerisch nach so einem Unglück Kerzen anzuzünden, aber wenn andere Menschen unglücklich sterben (z. B. wegen Ärztepfusch im Krankenhaus, wegen Keimen, wegen eines Verbrechens etc.), interessiert das die breite Öffentlichkeit doch überhaupt nicht – und braucht es ja auch nicht, denn der Tod von Menschen ist doch i. d. R. eine private Sache, die nur die Familie und Freunde der Toten angeht, wenn es sich nicht um eine Persönlichkeit der Zeitgeschichte (wie den Kanzler oder einen sehr bekannten Musiker) geht.

Am allerschlimmsten ist aber die Sensationslust der Medien, die sich nicht beherrschen können, mit Berichten zu warten, bis es genaue Informationen über die Unglücksursache gibt. Nein, selbst die ARD und ZDF spekulieren munter mit vorgeblichen Experten, warum könnte es so und nicht anders gekommen sein, wie sind die acht Minuten Sinkflug zu erklären. Seit feststeht, dass der Kopilot das Unglück absichtlich herbeigeführt hat, wurde es besonders schlimm (v. a., wenn man an die Angehörigen dieses Kopiloten denkt), da wird über seine Krankheitsgeschichte spekuliert und intimste Details berichtet, ohne Genaues und Gesichertes zu wissen.

Diese Mechanismen des Katastrophenjournalismus wiederholen sich seit einiger Zeit immer wieder, die Menschenwürde geht regelmäßig dabei mit zugrunde. In Sonntagsreden wird dann immer wieder beschworen, dass man sich nicht an Spekulationen beteiligen sollte, die Privatsphäre der Betroffenen respektieren sollte, aber beim nächsten Unglück ist das alles vergessen und die Journalisten, die da Grenzen überschreiten, brauchen keine Konsequenzen zu befürchten. Und das Publikum quittiert dies mit hohen Einschaltquoten und voyeuristischem Gieren nach Pseudoinformationen sowie nach öffentlichen Trauerbekundungen, die den Angehörigen doch nicht helfen können.

 

Der MDR-Kabarettist Pölitz fasst meine Gedanken zum Ganzen sehr gut zusammen: http://www.mdr.de/mdr-sachsen-anhalt/podcast/poelitz/audio1127738.html

 

Diese Gesellschaft ist schon sehr nahe an der zivilisatorischen Barbarei!

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Schaut mehr Pispers!

Was sonst noch in der Welt passiert

Statt Günter Jauch sollte die ARD mehr Sendungen mit Leuten wie Volker Pispers bringen. Kaum jemand kann das kapitalistische System so auf den Punkt bringen wie er, zuletzt beim Kleinkunstpreis 2015:

Die ganze Sendung hier:

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