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Kanada: Konservative abgewählt

Wahlen

In Kanada fanden am Montag die 42. Unterhauswahlen statt (letzte Wahl 2011). Nach neun Jahren Herrschaft des konservativen Stephen Harper konnte die zweite große Partei Kanadas, die Liberale Partei, die absolute Mehrheit der Mandate erringen. Allerdings bekam sie nur 39,5 Prozent der Stimmen, was aber aufgrund des für englischsprachige Länder typischen relativen Mehrheitswahlrechts für eine absolute Mehrheit ausreichte. Die Konservativen verloren über sieben Prozent der Stimmen und 67 ihrer einst 166 Sitze. Zweiter großer Wahlverlierer war die sozialdemokratische Oppositionspartei (Neue Demokratische Partei), die wohl aufgrund taktischen Wählens (vieler ihrer Anhänger stimmten für einen Liberalen, um den Regierungswechsel zu sichern) über zehn Prozent und 59 Sitze verloren. Ein gutes Ergebnis erzielten der separatistische Bloc Québécois, der seine Mandatszahl von 4 auf 10 steigern konnte. Die Grünen konnten ihren einzigen Sitz von 2011 in Vancouver halten.

Gespannt kann man sein, ob der Wahlsieger, Justin Trudeau, sein Wahlversprechen, die Steuern für Reiche zu erhöhen und viel Geld in die Infrastruktur zu stecken, um die Wirtschaft anzukurbeln, nun in die Tat umsetzt.

Das Provisorisches Ergebnis (99,84 % der Wahlbüros gemeldet) im Überblick:

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Kanadas Parteiensystem umgekrempelt

Wahlen

Die Parlamentswahlen in Kanada vom Montag haben ein überraschendes Ergebnis gebracht und das stabile Parteiensystem, in dem die Liberalen seit über 100 Jahren der wichtigste Faktor waren, heftig ins Wanken gebracht. Konkret sehen die Ergebnisse so aus:

Partei Sitze 2008 Sitze 2011 +/- Stimmen Anteil +/-
Konservative Partei 143 167 + 24 5.832.401 39,62 % + 1,99 %
Neue Demokratische Partei 37 102 + 65 4.508.474 30,62 % + 12,49 %
Liberale Partei 77 34 – 43 2.783.175 18,91 % – 7,31 %
Bloc Québécois 49 4 – 45 889.788 6,05 % – 3,92 %
Grüne Partei 1 + 1 576.221 3,91 % – 2,89 %
Unabhängige 2 – 2 9.391 0,43 % – 0,34 %

 

Nach vielen Jahren der Minderheitsregierung konnten die Konservativen, da sie als einzige Partei im rechten Spektrum antraten, die absolute Mehrheit gewinnen. Die Parteien, die im Mitte-Links-Spektrum anzusiedeln wären (Liberale, Grüne und Bloc Québécois) nahmen sich gegenseitig die Stimmen weg und wurden Verlierer durch das Mehrheitswahlsystem. Spektakulär war der Erfolg der klar linkssozialistischen Neuen Demokratischen Partei (NDP), die bislang ziemlich bedeutungslos war und nun durch die Verdreifachung ihrer Mandatszahl zur stärksten Oppositionskraft wurden, was zuvor die Liberalen waren. Die NDP sorgte auch für die herben Verluste der regionalistischen Bloc Québécois, die nach mehr Unabhängigkeit des französischsprachigen Kanada streben, in Quebec. Eine besondere Premiere gelang mit dem Einzug der Grünen-Chefin Elizabeth May, die die erste Parlamentarierin ist, die in Nordamerika für die Grünen in das (Bundes-)Parlament einziehen kann.

Da können die Wahlforscher nur staunen, denn die Umfragen haben dieses Ergebnis nicht erwarten lassen.

 

Quellen:

http://www.jungewelt.de/2011/05-04/027.php

http://www.stern.de/news2/aktuell/vorgezogene-neuwahlen-in-kanada-klarer-sieg-fuer-harpers-konservative-1680688.html

http://www.tagesschau.de/ausland/kanada138.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Kanadische_Unterhauswahlen_2011

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