Durchsuche das Archiv nach Kommunalwahl Tag

Kommunalwahl (II): Kandidatenkür geht weiter

Wahlen

Weitere Parteien und Wählergruppen nominieren ihre Kandidaten. So auch die größte parteilose Wählergruppe „MitBürger für Halle“ (Quelle: Hallespektrum):

Wahlbereich 1
Marcel Pythka
Mario Kerzel
Juliane Blech
Serdar Kaymak
Heiko Bergt

Wahlbereich 2
Tom Wolter
Martin Bauersfeld
Johannes Spengler
Ingrid Hoffmann Heinroth
Elke Schwabe
Thomas Wittenbecher
Conny Demuth

Wahlbereich 3
Yvonne Winkler
Matthias Erben
Matthias Weiland
Wolfgang Matschke
Matthias Dreßler
Thea Ilse
Stefan Wuttke

Wahlbereich 4
Denis Häder
Claudia Capeller
Julia Zirzlaff
Stefan Person
Dorothea Vent
Georgios Kapetsis

Wahlbereich 5
Manfred Sommer
Annette Wunderlich
Carsten Hoheisel
Steffen Strykowski
Joachim Knauerhase

Die AfD hat folgende Kandidaten aufgestellt (Quelle: Hallespektrum):

Wahlbereich 1:
– Alexander Raue
– Gisela Wagner

Wahlbereich 2:
– David Hügel
– Oliver Dick
– Markus Klätte

Wahlbereich 3:
– Thomas Rateiczak
– Ines Wolter
– Dirk Domicke
– Detlev Steinkampf

Wahlbereich 4:
– Marcus Geppert
– Torsten Radtke
– Gerd Bungenberg
– Burkhard Bader
– Frau Bungenberg
– Martin Sehrndt

Wahlbereich 5:
– Dipl.-Phys. Helmut-Ernst Kaßner
– Gernot Nette

Zu den Kommunalwahlen in Sachsen-Anhalt treten insgesamt 17 Parteien an. Dazu kommt das Neue Forum und eine weitere Gruppierung, denen keine Parteieigenschaft zugesprochen wurde. Die Liste findet ihr auch bei Hallespektrum.

Keine Antworten

Kommunalwahl (I): Parteien in Halle küren Kandidaten

Wahlen

DIe Kommunalwahlen in Sachsen-Anhalt sind nicht mehr fern (Termin: 25.05.2014, parallel zur Europawahl). Das merkt man unter anderem daran, dass die Parteien und Freien Wählervereinigungen ihre Kandidaten küren. Folgende Parteien haben ihre Listen für Halle schon zusammengestellt:

LINKE (Quelle: Hallespektrum):

Wahlbereich 1 (Neustadt, Nietleben):
1. Hendrik Lange (37 Jahre) (124 Ja, 8 Nein , 6 Enthaltungen)
2. Manuela Plath (29 Jahre)
3. Frigga Schlüter-Gerboth (63 Jahre)
4. Erwin Bartsch (74 Jahre)
5. Heike Deuerling-Kalsow (43 Jahre)
6. Daniel Möbus (23 Jahre)

Wahlbereich 2 (Landrain, Frohe Zukunft, Trotha, Industriegebiet Nord, Gottfried-Keller-Siedlung, Giebichenstein, Seeben, Tornau, Mötzlich, Lettin, Heide-Nord/Blumenau, Kröllwitz, Heide-Süd, Dölauer Heide, Dölau):
1. Dr. Bodo Meerheim (54 Jahre) (132 Ja, 3 Nein, 3 Enthaltungen)
2. Anja Krimmling-Schoeffler (34 Jahre)
3. Marcel Kieslich (31 Jahre)
4. Dirk Gernhardt (28 Jahre)
5. Christian Kirchert (33 Jahre)

Wahlbereich 3 (Nördliche Innestadt, Paulusviertel, Am Wasserturm/Thaerviertel, Gebiet der DR, Freiimfelde/Kanenaer Weg, Dieselstraße, Diemitz, Dautzsch, Reideburg, Büschdorf, Kanena/Bruckdorf):
1. Rudenz Schramm (59 Jahre) (129 Ja, 6 Nein, 3 Enthaltungen)
2. Sarah Heinemann (25 Jahre)
3. Swen Knöchel (40 Jahre)
4. Renate Krimmling (59 Jahre)
5. Mamad Mohamad (33 Jahre)
6. Henninger Lübbers (26 Jahre)

Wahlbereich 4 (Altstadt, Südliche Innenstadt, Lutherplatz/Thüringer Bahnhof, Gesundbrunnen, Saaleaue):
1. Elisabeth Nagel (47 Jahre) (133 Ja, 5 Enthaltungen)
2. René Trömel (48 Jahre)
3. Marianne Böttcher (50 Jahre)
4. Hans-Jürgen Krause (54 Jahre)
5. Josephine Jahn (26 Jahre)
6. Sten Meerheim (30 Jahre)

Wahlbereich 5 (Südstadt, Damaschkestraße, Ortslage Ammendorf/Beesen, Radewell/Osendorf, Planena, Böllberg/Wörmlitz, Silberhöhe):
1. Ute Haupt (56 Jahre) (132 Ja, 6 Nein, 3 Enthaltungen)
2. Frank Rösler (23 Jahre)
3. Marion Krischok (60 Jahre)
4. Jan Rötzschke (26 Jahre)
5. Katja Müller (34 Jahre)

FDP (Quelle: Hallespektrum):

Wahlbereich 1:
Andreas Hajek (79,6%)
Klaus Adam (40,7%)
Sören Kohse (40,7%)
Dr. Jörg Erdsack
Dagmar Loos
Dr. Wilfried Fuchs
Thomas Mergen
Jürgen W. Schmidt
Dr. Horst-Joachim Erbe

Wahlbereich 2:
Dr. Hans-Dieter Wöllenweber (57,4%)
Thoralf Thämelt (46,3%)
Dr. Renate Thiele (29,6%)
Temba Schuh
Olaf Schöder
Uwe Detloff
Undine Klein
Dr. Klaus Röhl
Florian Endt
Kerstin König
Ralf Scheibe

Wahlbereich 3:
Beate Fleischer (66,0%)
Thomas Hoffmann (50,9%)
Helga Schubert (43,4%)
Robert Gmeiner
KLaus Hänsel
Frank Sitta
Andreas Godenrath
Markus Dunkel
Siefried Rademacher
Ingo Herrmann

Wahlbereich 4:
Peter Kehl (67,9%)
Katja Raab (64,2%)
Stefan Thormann (43,4%)
Karin Bauermeister
Yana Mark
Wolfgang Bartels
Steffen Matz

Wahlbereich 5:
Martin Hoffmann (66,0%)
Gerry Kley (54,7%)
Achim Kertscher (39,6%)
Birgit Kansy
Michael Labuschke
Petra Meißner
Frank Ludwig

SPD (Quelle: Hallespektrum):

Wahlbereich 1
Eric Eigendorf
Gabriele Maier
Gottfried Koehn
Annett Berkes
Satenik Roth
Günter Kraus
Christian-Heinrich Wunderlich
Carlo Wegener
Steven Mansour
Andreas Schmidt

Wahlbereich 2
Kay Senius
Rüdiger Fikentscher
Chris Rüdrich
Anika Knüppel
Christian Annecke
Kora Maurer
Lukas Wanke
Matthias Schmidt
Tobias Born
Magnus Neubert
Jonas Ganter
Volker Schwerdtner

Wahlbereich 3
Karamba Diaby
Birgit Meininger
Detlef Wend
Annika Seidel-Jähnig
Fabian Borggrefe
Felix Peter
Holger Krause
Clemens Wagner
Sibylle Reinhardt
Rene Pankrath
Marcel Muschter
Alexander Lubenow
Karolin Heyne

Wahlbereich 4
Katharina Hintz
Klaus Hopfgarten
Marcel Dörrer
Jonas Liebing
Christian Uhlig
Albrecht Riedel
Igor Matviyets
Christoph Kirchner
Steffen Stahl
Jürgen Weißbach
Miriam Hack

Wahlbereich 5
Johannes Krause
Bernward Rothe
Burkhard Feißel
Franca Meye
Torsten Schiedung
Irmgard Lawnik
Jürgen Schiedlowski
Paul Hoyer
Torsten Krüger
Maria Schuster
Klaus-Uwe Heinicke
Tobias Neumann
Andreas Tilgner

CDU (Quelle: Hallespektrum):

Wahlbereich 1:
1. Andreas Schachtschneider (99 Ja-Stimmen von 110)
2. Petra Tomczyk-Radji (72 Ja-Stimmen)
3. Gernot Töpper (86 Ja-Stimmen)
4. Beate Bechmann (76 Ja-Stimmen)
5. Olga Ebert (91 Ja-Stimmen)
6. Manfred Czok (98 Ja-Stimmen)
7. Helmut Herbrich (73 Ja-Stimmen)
8. Atilla Bistriker (75 Ja-Stimmen)

Wahlbereich 2:
1. Annegret Bergner (69 Ja-Stimmen von 108)
2. Christoph Bernstiel (99 Ja-Stimmen von 108)
3. Matthias Havranek (94 Ja-Stimmen von 108)
4. Axel Hesse (65 Ja-Stimmen von 108)
5. Dirk Radde (69 Ja-Stimmen von 108)
6. Klaus Bardo (76 Ja-Stimmen von 108)
7. Günter Herrmann (85 Ja-Stimmen von 108)
8. Eberhard Doege (76 Ja-Stimmen von 108)
9. Christoph Haredt (82 Ja-Stimmen von 108)
10. Mathias Ulmer (96 Ja-Stimmen von 108)
11. Ralf Lehmann (58 Ja-Stimmen von 108)

Wahlbereich 3:
1. Bernhard Bönisch (76 Ja-Stimmen von 109)
2. Roland Hildebrandt (61 Ja-Stimmen von 109)
3. Michael Sprung (83 Ja-Stimmen von 109)
4. Ralf John (85 Ja-Stimmen von 109)
5. Harald Bartl (86 Ja-Stimmen von 109)
6. Manuela Theuring (63 Ja-Stimmen von 109)
7. Christian Kenkel (91 Ja-Stimmen von 109)
8. Frank Segebarth (66 Ja-Stimmen von 109)
9. Axel Knapp (70 Ja-Stimmen von 109)
10. Bede Nwancha (91 Ja-Stimmen von 109)
11. Ingo Kautz (79 Ja-Stimmen von 109)
12. Francois Girard (63 Ja-Stimmen von 109)

Wahlbereich 4:
1. Andreas Scholtyssek (82 Ja-Stimmen von 106)
2. Ulrich Peinhardt (82 Ja-Stimmen von 106)
3. Heike Wießner (82 Ja-Stimmen von 106)
4. Andre Cierpinski (86 Ja-Stimmen von 106)
5. Werner Misch (54 Ja-Stimmen von 106)
6. Lothar Dieringer (75 Ja-Stimmen von 106)
7. Stefan Schulz (77 Ja-Stimmen von 106)
8. Jürgen Busse (69 Ja-Stimmen von 106)
9. Roland Sessner (84 Ja-Stimmen von 106)
10. Mario Schaaf (86 Ja-Stimmen von 106)
11. Tobias Kühne (89 Ja-Stimmen von 106)

Wahlbereich 5:
1. Ulrike Wünscher
2. Joachim Geuther
3. Michael Lämmerhirt
4. Frank Sänger
5. Julian Rosenberger
6. Maik Naumann

Bündnis 90/Grüne (Quelle: Hallespektrum):

Wahlbereich 01:
1. Andreas Müller
2. Sandra Loley
3. Dr. Gerhard Kotte

Wahlbereich 02:
1. Melanie Ranft
2. Wolfgang Aldag
3. Elisabeth Krausbeck
4. Grit Michelmann
5. Stephan Kindling
6. Volker Preibisch

Wahlbereich 3:
1. Dr. Inés Brock
2. Dietmar Weihrich
3. Birgitt Berthold
4. Henrik Helbig
5. Rebecca Plassa
6. Dr. Werner Lederer
7. Dennis Helmich
8. Stephan Arnold
9. Roland Gruner

Wahlbereich 04:
1. Christian Feigel
2. Marko Rupsch
3. Ann-Sophie Bohm-Eisenbrandt
4. Ulrike Rühlmann
5. Gerit Kranich
6. Mandy Stobbe
7. Daniel Rumpold

Wahlbereich 05:
1. Dr. Sebastian Kranich
2. Julia Burghardt
3. Steffen Ahrens
4. Torsten Bau
5. Marcus Pöckelmann

Zur Wahl wird auch eine neue Liste mit dem Namen “SoLiDe” (Soziale – Liberale – Demokraten) unter Führung des ehem. OB-Wahlkandidaten der Piraten, Christian Kunze, antreten. Die Kandidatenliste ist aber noch nicht bekannt. Mehr zum Thema hier und hier.

Weitere Berichte zur Kommunalwahl in Halle:

Langjährige Stadträte führen die Linkspartei

Gerry Kley tritt zurück

Kay Senius für SPD auf Listenplatz eins

Machtkampf in der halleschen CDU bleibt aus

Grüne schicken Kandidaten ins Rennen

Keine Antworten

Linksrutsch in New York?

Wahlen

Bricht der Sozialismus in den USA aus? Nein keineswegs, das ist in etwa so vorstellbar wie eine Konversion aller Deutschen zu Veganern. Aber die New Yorker haben mit Bill de Blasio den ersten Demokraten seit 20 Jahren zum Bürgermeister gewählt. Und di Blasio ist nicht ein durchschnittlicher Demokrat, sondern ein Vertreter vom äußerst linken Flügel, wobei dieser linke Flügel in Europa sicherlich keine Schlagzeilen auslesen würde. Doch für US-amerikanische Verhältnisse hat er doch ganz schön radikale Forderungen erhoben: Steuererhöhungen für Bürger mit einem Einkommen von mehr als $ 500.000, um in das völlig marode öffentliche Bildungssystem zu investieren; 150-Millionen-Dollar-Investitionen in die City University of New York; Senkung von Studiengebühren; außerdem hatte di Blasio steigende Mieten, die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich sowie ausufernde Polizeikontrollen gegenüber Schwarzen und anderen Minderheiten angeprangert. Sprich, er hat die soziale Spaltung im größten kapitalistischen Land thematisiert, was an sich im politischen Establishment verpönt ist. Ob er die soziale Spaltung aber wirklich politisch angehen wird und soziale Verbesserungen durchsetzen kann, bleibt abzuwarten. Vielleicht ist er nur ein typischer Sozialdemokrat, der vor der Wahl links blinkt und soziale Wohltaten verspricht, sich dann aber gegen die herrschenden Kreise nicht durchzusetzen traut. Also bitte abwarten und keine übermäßigen Erwartungen schüren!

Gewonnen hat er jedenfalls mit deutlicher Mehrheit: 73,3 Prozent gegen den Republikaner Joseph J. Lhota. Auch die anderen Wahlergebnisse aus der vergangenen Woche deuten auf eine Tendenz zur Mäßigung der politischen Rechtsentwicklung hin. Der Kandidat der Tea Party verlor in Virginia und in New Jersey konnte sich ein gemäßigter Republikaner die Wiederwahl zum Gouverneur sichern. Im Moment scheint der Höhepunkt dieser antietatistischen Rechtspopulisten vorbei zu sein.

 

http://www.taz.de/Wahlen-in-den-USA/!126930/

http://www.welt.de/politik/ausland/article121623762/Tea-Party-scheitert-mit-bedingungsloser-Opposition.html

http://www.sueddeutsche.de/politik/bill-de-blasio-neuer-buergermeister-von-new-york-triumph-des-linken-populisten-1.1811517

http://www.jungewelt.de/2013/11-07/038.php

http://www.jungewelt.de/2013/11-08/034.php

Keine Antworten

Linkstrend in Albanien und Tokio

Wahlen

Bei den Parlamentswahlen in Albanien am vergangenen Sonntag und den Kommunalwahlen in Japan gibt es erfreuliche Resultate für linke und Mitte-links-Parteien.

In Albanien wurde der konservative Premier Sali Berisha und seine „Allianz für Arbeit, Wohlfahrt und Integration“ abgewählt. Vor vier Jahren gewannen sie die Wahl mit 46,9 Prozent der Stimmen und 70 Mandaten. Bei der diesjährigen Wahl kamen sie nur auf 56 Mandate. Die 2009 unterlegene Sozialistische Partei und ihre Verbündeten (45,34 Prozent und 66 Sitze) gewannen dieses Jahr deutlich mit 84 von 140 Mandaten. Andere Parteien oder Parteiallianzen konnten keine Mandate gewinnen. Nach dem es bei der letzten Wahl zu erheblichen Unregelmäßigkeiten und dadurch zu Protesten der Linken kam, verlief die Wahl aus Sicht der OSZE-Wahlbeobachter zufriedenstellend. Dies war zur Bedingung für Beitrittsverhandlungen mit der EU gemacht worden. Bei der derzeitigen Verfassung der EU würde ich den Albanern dringend von einem EU-Beitritt abraten, aber wenn sie es nicht lassen können …

Siehe auch: Wikipedia, Tagesspiegel

Bei der Kommunalwahl (bzw. Präfekturparlamentswahl) in Tokio konnte die Kommunistische Partei Japans (KPJ) einen überraschenden Erfolg feiern. Mit 13,6 Prozent und 17 von 127 Sitzen erreichte sie das beste Ergebnis seit 1997, als sie 26 Sitze gewannen. Bei der letzten Wahl in Tokio gewann sie nur acht Mandate. „[E]s gelang ihr, einen jahrelangen Abwärtstrend zu stoppen und sich als »die einzig wahre Oppositionspartei« zu profilieren. Umfragen der Tageszeitung Asahi Shinbun ergaben, daß rund ein Fünftel der zuvor noch unentschlossenen Wähler für die KPJ gestimmt hatten“ (Junge Welt). Sieger der Wahl war die regierenden Liberaldemokraten mit ihrem buddhistischen Koalitionspartner Komeito, die zusammen die absolute Mehrheit erreichten. Die vor der Fukushima-Katastrophe regierende Demokratische Partei fiel mit 15 Mandaten (bei 15,2 Prozent der Stimmen) noch hinter die KPJ und ist in Japans Hauptstadt nur noch viertstärkste Kraft.

Siehe auch: Wikipedia

Keine Antworten

Kommunalwahlen in Belgien und Spanien – Linke Erfolge

Wahlen

Im europäischen Ausland gibt es wieder einmal ermutigende Zeichen, dass sich die vom Kapitalismus und seiner derzeitigen Krisenpolitik verelendeten Menschen doch von linken, solidarischen Alternativen überzeugen.

Bei den Kommunalwahlen in Belgien gab es eine kleine Wiederauferstehung der Partij van de Arbeid, die  ein marxistisches Programm für unverzichtbar hält. Mit den Themen zu hohe Mieten, zu teure medizinische Versorgung und schlechtes Bildungssystem konnte sie in einigen Gemeinden und Städten erhebliche Stimmenzuwäche erzielen. In Antwerpen kam sie mit acht Prozent und vier Sitzen in den Stadtrat, in Lüttich erreichte sie 6,5 Prozent und zwei Sitze und im Stahlarbeiterort Seraing wurde sie mit 14 Prozent zweitstärkste politische Kraft. Als einzige belgische Partei, die sich nicht der separatistischen Zwei-Regionen-Logik der anderen Parteien anpasst und landesweit antritt (die anderen Parteien haben je eine Parteigruppierung für Wallonie und Flandern), konnte sie in 52 Gemeinden Mandate erringen. Die oben genannten Themen könnten doch auch für deutsche LINKE relevant für eigene Wahlkämpfe sein, da sollte man sich etwas abschauen.

Siehe auch: http://www.jungewelt.de/2012/10-17/009.php?sstr=belgien

 

Im Baskenland war die linke Nationalbewegung schon immer eine der wichtigsten politischen Größen, wurde aber durch zentralstaatliche Repression in ihren politischen Aktivitäten massiv ausgebremst und illegalisiert. Das Parteienbündnis EH Bildu konnte nun nicht mehr verboten werden, schon 2011 trat es zu Regionalwahlen in Navarra und den baskischen Provinzen Gipuzkoa, Bizkaia und Araba an. Bei der diesjährigen Wahl zum Regionalparlament konnte Bildu seine starke Position festigen: Im Baskenland insgesamt wurde das Linksbündnis zweitstärkste Kraft mit 25,0 % (+15,3 %), in Gipuzkoa sogar stärkste Kraft. Alle anderen Parteien erlitten Verluste, auch die Wahlsiegerin, die konservative PNV (Baskische Nationalistische Partei) verlor 3,9 % (insgesamt erhielt sie 34,6 % der Stimmen). Die zentralstaatlichen Parteien erlebten ein nie dagewesenes Desaster: die regierende PP bekam 11,7 % (-2,4 %), die Sozialisten (PSOE) 19,1 % (-11,6 %). Damit haben zwei Drittel der Wähler deutlich gemacht, dass sie ein vom Zentralstaat unabhängigeres Baskenland fordern. Für das kriselnde Spanien ist das nach der beeindruckenden Demonstration vom 11. September in Katalonien das nächste Problem, was auf eine ungewisse Zukunft des Zentralstaates hindeutet.

Siehe auch:

http://www.jungewelt.de/2012/10-23/033.php

http://www.jungewelt.de/2012/10-23/044.php

http://en.wikipedia.org/wiki/Basque_parliamentary_election,_2012


Keine Antworten

Blamage für hallesche Linke bei OB-Wahl

Wahlen

Die Hallenser  bzw. 34,8 % der Hallenser haben entschieden, wer ihr neues Stadtoberhaupt sein soll. Die Wahlbeteiligung stieg also um zwei Prozent, was nicht viel ist, aber immerhin ein Fortschritt. Es ist bekanntlich ein allgemeines Problem in unserer Demokratie bürgerlich-kapitalistischen Typs, den vorgeblichen Souverän zur Wahl zu motivieren. Doch auf der kommunalen Ebene sind die Probleme noch größer als sonst, weil es zum einen nur um sehr profane Probleme geht (die richtig harten Beschlüsse über Krieg und Frieden, Ausgestaltung von Sozial- und Arbeitsrecht etc. werden nun einmal auf nationaler und europäischer Ebene beschlossen) und zum anderen die Grenzen des Spielraums politischen Handelns in einer dauerhaft finanziell klammen Stadt wie Halle sehr eng gesetzt sind. Wo kein Geld ist, kann nur wenig gestaltet werden. Wenn dann noch bestimmte Stadtteile wie Halle-Neustadt zugunsten einer „Überpräsenz“ am Markt bzw. in der Innenstadt im Wahlkampf vernachlässigt werden, dann braucht man sich über Beteiligungsraten unter 20 % in bestimmten Vierteln der Stadt nicht wundern.

Das Ergebnis des ersten Wahlgangs kann hier detailliert betrachtet werden. Die Rangfolge der Kandidaten lautet: Bernhard Böhnisch 35,30 %, Bernd Wiegand 19,88 %, Kay Senius 17,39 %, Swen Knöchel 12,41 %, Oliver Paulsen 8,34 %, Christian Kunze 3,25 %, Antje Schwarz 1,54 %, Andreas Karl 0,96 % und Ingolf Schöppe 0,92 %. Damit kommt das Ergebnis den Umfragewerten sehr nahe und bedeutet demnach ein blamables Ergebnis für die linken und mitte-links Parteien SPD, Linke, Grüne und Piraten. Die Piraten durften wohl kaum mehr als drei Prozent erwarten. Auch die Grünen können mit ihrem Ergebnis aus meiner Sicht zufrieden sein, obwohl sie bei der letzten Landtagswahl 2011 in Halle 12,9 % der Stimmen bekamen. Desolat ist das Ergebnis der SPD und der Linken. Die Linke hat immer Schwierigkeiten, auch im Osten, Bürgermeister- oder Landratsämter zu gewinnen. Aber das Swen Knöchel selbst in Neustadt nicht über magere 18 bis 21 % hinauskommt, deutet auf einen schwachen Wahlkampf und ungenügende Thematisierung der Probleme in Neustadt hin.

Die SPD hat es trotz eines aufwendigen Wahlkampfs nicht geschafft ihren Kandidaten Kay Senius, der anfangs sehr unbekannt in Halle war, den Bürgern „schmackhaft“ zu machen. Sie hat es geschafft, nach 13 Jahren Regentschaft in Halle nicht einmal in die Stichwahl zu kommen. Das sollte der Landespartei zu denken geben, in der MZ wird schon über Auswirkungen auf die Landes-SPD spekuliert. Statt kostenlosen Kaffee unter den Studierenden zu verteilen, sollte die SPD zukünftig überlegen, lieber gestandene SPD-Stadträte wie Johannes Krause statt unbekannte Beamte aus der unbeliebten Arbeitsagentur als Kandidaten auszuwählen.

Erfreulich schlecht war das Ergebnis der NPD, die aber außer Plakaten und deutschtümelnde Postkarten nicht viel Aufwand betrieben hat. In der Stichwahl haben die Linken nun die Wahl ähnlich wie zwischen Pest und Cholera. Gut, Herr Böhnisch ist ein respektabler, kompetenter Kommunalpolitiker mit gutem Draht nach Magdeburg – insofern sollte er nicht auf eine Stufe mit dem pseudo-visionären Bürokraten Wiegand gestellt werden. Doch ein Kreuz bei einem CDU-Mann zu machen, ist für mich und viele anderen Anhänger linker Ideen sehr schwierig. Zu überlegen bleibt, ob den beiden Kandidaten mit einer ungültigen Stimme nicht die rote Karte gezeigt werden sollte. Ich bin mir noch nicht sicher und werde wohl erst am 15. Juli entscheiden.

Keine Antworten

Nachtrag zu italienischen Kommunalwahlen

Wahlen

In Italien wurde in der 2. Runde der Kommunalwahlen der positive Trend der Mitte-links-Parteien bestätigt. In Palermo siegte der Kandidat der Zentristen (Italien der Werte) und Kommunisten, Leoluca Orlando, mit 72,4 Prozent gegen den sozialdemokratischen Herausforderer. In Parma unterlag der Sozialdemokrat (Demokratische Partei) überraschend gegen die Anti-Parteienbewegung von Komiker Grillo (5-Sterne-Bewegung) mit 39,8 zu 60,1 Prozent. In Genua gewann Marco Doria von Sinistra Ecologia Libertà (deutsch: Linke Ökologie Freiheit) mit 59,7 Prozent gegen den Kandidaten der neuen Fini(früher Partner von Berlusconi und Chef der Neofaschisten)-Partei Nuovo Polo per l’Italia.

Wie Gerhard Feldbauer in der Jungen Welt (siehe unten) darstellt, kann sich die Linke in Italien nun nicht uneingeschränkt freuen. Zum einen ist die Anti-Establisment-Bewegung von Grillo, eine Art ital. Piratenpartei, die der Demokratischen Partei (aber auch den rechten Parteien) Stimmen wegnimmt. Zum anderen sammeln sich auch die rechten Kräfte, so der Neofaschist Fini in einem neuen „Dritten Pol“. Die Hoffnung der Linken könnte sein, dass sich die Rechte, wo ja immer noch Berlusconis PdL, die derzeitige Oppositionspartei Lega Nord (allerdings in einem Korruptionsskandal verwickelt) und noch eine weitere neue Partei um Cordero di Montezemolo wirken, aufspaltet und gegenseitig schwächt. Nur eine eigene Stärke hat die Linke auch nicht: Die Demokratische Partei ist kaum noch links, daneben gibt es die Anti-Mafia-Partei „Italien der Werte“, die gespaltenen Kommunisten (Rifondazione, PdiC, PCL), die Linkspartei „Linke Ökologie Freiheit“ und die Grünen. Also alles wie immer in Italien: sehr unübersichtlich, keine dominante Partei.

Siehe auch:

taz

Junge Welt

Wikipedia

Keine Antworten

Kommunalwahlen in Großbritannien – Erfolg von Labour

Wahlen

Bei den Kommunalwahlen in Großbritannien am 03. Mai musste die regierende Konservative Partei erhebliche Verluste erleiden. Einziger Trost war, dass London auch weiterhin vom konservativen Boris Johnson, einem innerparteilichen Kritiker von Premierminister Cameron, regiert wird. Er setzte sich mit 51,5 % gegen den Labour-Kandidaten Livingstone (48,5 %) durch. Landesweit kam Labour auf etwa 38 %, 1 PP mehr als bei der letzten Kommunalwahl. Die Tories erhielten 31 % (minus 4 PP), ihr Koalitionspartner, die Liberaldemokraten, steigerten sich um 1 PP auf 16 %. Die Tories verloren insgesamt 42 Wahlkreise und 405 Sitze in den kommunalen Parlamenten von England, Wales und Schottland. Labour gewann über 800 Sitze und 32 Wahlkreise im Vergleich zur letzten Wahl.

„Die Gründe für die Niederlage der regierenden Parteien liegen in der überzogenen Austeritätspolitik, die zu hohen Arbeitslosenzahlen führt und den einfachen Leuten schwer zu schaffen macht. Großbritannien befindet sich zudem nun offiziell wieder in der Rezession, das Bruttoinlandsprodukt ging im ersten Quartal 2012 um 0,2 % zurück und damit zum zweiten Mal hintereinander, so dass man per Definition von einer Rezession sprechen kann.“ (Sozialismus.de)

Die Wahlbeteiligung war mit 32 % auf einem niedrigen, aber mit Deutschland vergleichbaren Niveau. Kritisiert werden muss die oben zitierte Analyse von Sozialismus.de dahin gehend, dass sie in Labour eine echte linke Alternative zur Regierungskoalition sieht. Doch Labour hat schon längst die Verbindungen zur einst starken Gewerkschaftsbewegung gekappt und ist lediglich eine zweite, scheinbar (!) etwas sozialer angehauchte Interessenvertretung der City of London, dem Zentrum des Finanzkapitals. Wichtiger wären daher Erfolge der linken Alternativen, wie der TUSC. Diese erzielte in Liverpool mit Tony Mulhearn, der zu den Bürgermeisterwahlen antrat, 4792 Stimmen und kam damit vor dem konservativen Kandidaten auf den fünften Platz. In Bradford holte George Galloways Respect Partei nach dessen Sieg bei einer Nachwahl zum Unterhaus fünf Stadtratssitze. Im nordwestenglischen Preston zog Michael Lavalette für die TUSC in den Stadtrat ein. Insgesamt war der Erfolg der linken Parteien aber gering.

In Schottland sah das Gesamtergebnis so aus: die Regionalpartei SNP 34,7 % (+6,8); Labour 32,2 % (+4,1); Conservative Party 9,4 (- 6,2); Liberal Democrats 5,8 % (-6,9); Greens 1,0 % (+0,3).

 

Siehe auch:

Stern

Junge Welt

Keine Antworten

2. Runde der Kommunalwahlen in Thüringen

Wahlen

Auch die Thüringer mussten (zum Teil) am großen Wahlsonntag noch mal zur Urne schreiten. Dies sind die Ergebnisse der Stichwahlen zu den Oberbürgermeister bzw. Landratsämtern:

 

Schmalkalden-Meiningen Michael Heym (CDU) Peter Heimrich (SPD)
40,0 % 60,0 %
Altenburger Land Sieghardt Rydzewski (EB) Michaele Sojka (LINKE)
50,2 % 49,8 %
Nordhausen Egon Primas (CDU) Birgit Keller (LINKE)
44,5 % 55,5 %
Kyffhäuserkreis Peter Hengstermann (CDU) Antje Hochwind (SPD)
47,3 % 52,7 %
Sömmerda Harald Henning (CDU) Udo Hoffmann (FW)
65,3 % 34,7 %
Ilm-Kreis Dr. Benno Kaufhold (CDU) Petra Enders (LINKE)
42,2 % 57,8 %
Saale-Orla-Kreis Thomas Fügmann (CDU) Frank Roßner (SPD)
52,7 % 47,3 %
Eisenach Raymond Walk (CDU) Katja Wolf (LINKE)
48,4 % 51,6 %
Weimar Martin Kranz (weimarwerk) Stefan Wolf (SPD)
43,8 % 56,2 %
Jena Prof. Dr. Dietmar Schuchardt (CDU) Dr. Albrecht Schröder (SPD)
27,1 % 72,9 %
Gera Hahn, Dr. Viola (EB) Dr. Norbert Vornehm (EB)
59,7 % 40,3 %

Die CDU musste einige Niederlagen einstecken, so in Schmalkalden-Meiningen, Nordhausen, im Kyffhäuserkreis, Ilm-Kreis, Saale-Orla-Kreis und in Sömmerda. Dort verlor sie ihre Landratsposten. Drei dieser Posten konnte die LINKE gewinnen, die zum ersten Mal seit 1990 überhaupt Landratsämter übernehmen konnte. Der große Erfolg der LINKEN wurde durch die Wahl Katja Wolfs zur Oberbürgermeisterin in Eisenach gekrönt. Die LINKE kann damit nachweisen, weiterhin eine bedeutende politische Kraft in Thüringen zu sein. Zu verdanken waren diese Erfolge auch den abgesprochenen Wahlbündnissen mit SPD und Grünen. Diese Absprachen führen nun zu Diskussionen innerhalb der schwarz-roten Landesregierung, wo die CDU natürlich einige Fragen zu diesen rot-roten Bündnissen haben dürfte. Die SPD hat zwar Eisenach, Saalfeld-Rudolstadt und das Altenburger Land verloren, aber immerhin den Kyffhäuserkreis und Schmalkalden-Meiningen gewonnen.

 

Quelle:

http://www.mdr.de/thueringen/kommunalwahlen/ergebnisse/ergebnisse102.html

http://www.mdr.de/thueringen/kommunalwahl-stichwahl108.html

Keine Antworten

Kommunalwahlen in Thüringen

Wahlen

In Thüringen wurden gestern die Bürgermeister und Landräte gewählt. Die Ausgangssituation in den Landkreisen und kreisfreien Städten sah folgendermaßen aus:

SPD-regiert:

Kreis/Stadt Bürgermeister/Landrat: Stimmanteil 2006
Unstrut-Hainich-Kreis Harald Zanker 72,3 %
Eisenach Matthias Doht 53,2 %
Erfurt Andreas Bausewein 60,2 %
Weimar Stefan Wolf 58,3 %
Jena Albrecht Schröter 54,4 %
Saalfeld-Rudolstadt Marion Philipp 62,2 %
Altenburger Land Sieghardt Rydzewski 55,7 %

 

CDU-regiert:

Kreis Bürgermeister/Landrat: Stimmanteil 2006
Eichsfeld Werner Henning 74,3 %
Wartburgkreis Reinhard Krebs 56,4 %
Schmalkalden-Meiningen Ralf Luther 54,2 %
Hildburghausen Thomas Müller 65,1 %
Ilm-Kreis Benno Kaufhold 51,0 %
Saale-Holzland-Kreis Andreas Heller 52,6 %
Saale-Orla-Kreis Thomas Fügmann 52,7 % (Jan. 2012)
Greiz Martina Schweinsberg 50,6 %
Sonneberg Christina Zitzmann 53,5 %
Kyffhäuserkreis Peter Hengstermann 54,0 %
Nordhausen Joachim Claus 52,7 %
Sömmerda Ralf Dohndorf 52,2 %
Gotha Konrad Gießmann 60,3 %

 

Parteilos-regiert:

Kreis/Stadt Bürgermeister/Landrat: Stimmanteil 2006
Suhl Jens Triebel 52,7 %
Weimarer Land Helmut Münchberg 56,3 %
Gera Norbert Vornehm 56,4 %

 

Das Ziel der CDU war es, eine der kreisfreien Städte (Gera, Erfurt, Jena, Weimar, Eisenach) zu gewinnen, die LINKE wollte wenigstens einen Landratsposten erobern.

 

Die Ergebnisse sehen nun so aus:

Kreis/Stadt CDU SPD LINKE Parteilose/Wählergruppen Sonst.
Unstrut-Hainich-Kreis 41,7 51,0 3,2 (EB) 4,2 (Grüne)
Eisenach 38,9 17,4 24,4 10,5 (EB) 8,8 (Grüne)
Erfurt 14,9 59,2 9,8 3,2 (FW) 12,8 (Piraten, Grüne, FDP)
Weimar 43,8 37,5 (weimarwerk), 6,5 12,2 (Grüne)
Jena 17,9 48,8 14,2 9,0 (EB) 9,9 (Grüne, AfB, FDP)
Saalfeld-Rudolstadt 41,0 59,0 (EB)
Altenburger Land 21,7 12,0 30,3 35,9 (EB)
Eichsfeld 70,3 29,7
Wartburgkreis 56,4 22,3 18,4   2,9 (FDP)
Schmalkalden-Meiningen 40,8 43,7 15,5
Hildburghausen 64,7 27,9 3,9 (EB), 3,5 (BZH)
Ilm-Kreis 39,7 17,7 38,0 4,6 (Grüne)
Saale-Holzland-Kreis 56,3 27,8 9,9 6,0 (Grüne)
Greiz 60,4 15,4 3,7 (EB), 17,7 (IWA/BIZ/Grüne) 2,9 (FDP)
Sonneberg 69,8 30,2
Kyffhäuserkreis 44,2 23,1 16,2 7,6 (EB), 7,6 (VIK) 5,1 (FDP, Grüne)
Nordhausen 35,2 24,6 30,9 9,3 (Grüne, FDP)
Sömmerda 43,8 14,7 17,6 23,9 (FW)
Gotha 63,6 19,2 10,3 6,9 (Grüne)
Suhl 22,8 26,5 50,7 (EB)
Weimarer Land 10,7 77,8 (EB für SPD/CDU) 11,5 (Grüne)
Gera 47,6; 29,7 (für SPD); 19,9 (für CDU); 2,8 (alle EB)

Fett markierte sind (ohne Stichwahl) gewählt. EB=Einzelbewerber; FW= Freie Wähler.

 

Als Landesergebnis ergibt sich Folgendes:

  CDU SPD LINKE Grüne FDP Sonst.
2012 33,8 23,8 15,3 3,0 1,1 23,0
2009* 33,0 20,3 20,7 4,5 7,4 13,8

* Wahl der Stadt-, Gemeinderäte und Kreistage sowie einzelner Bürgermeister.

 

In den SPD-regierten Städten und Kreisen sieht es so aus, dass die SPD in Erfurt, Jena und im Unstrut-Hainich-Kreis ihre Position halten kann, wobei sie in Jena noch die Stichwahl gewinnen muss. In Weimar gibt es noch gute Chancen in der Stichwahl, aber das Altenburger Land, Eisenach und Saalfeld-Rudolstadt sind definitiv und eindeutig verloren. Die CDU konnte in einigen Kreisen bereits im ersten Wahlgang ihre Amtsträger bestätigen, doch in mancher Stichwahl droht der Verlust von Ämtern: In Schmalkalden-Meiningen lag die SPD drei Prozent vorn, im Ilm-Kreis lag die LINKE nur knapp zwei Prozent hinter der CDU und in Nordhausen lag die LINKE fünf Prozent zurück. In Suhl und dem Weimarer Land wurden die parteilosen Amtsträger eindrucksvoll wiedergewählt; und auch in Gera wird eine parteilose Kandidatin gewinnen. Die LINKE wollte ja mindestens ein Landratsamt gewinnen und es sieht sehr gut aus, vor allem im Ilm-Kreis und in Nordhausen.

Aus dem Landesergebnis, das auf Grund des personalisierten Charakters einer Bürgermeister-/Landratswahl nur wenig Aussagekraft besitzt, kann man ablesen, dass die regierenden Landesparteien – CDU und SPD – im Vergleich zur Wahl der kommunalen Räte 2009 leicht zulegen konnten, die LINKE über fünf Prozent verlor, die FDP auch kommunal nur noch eine Splitterpartei ist und dass die Freien Wählergemeinschaften bzw. die Parteilosen deutlich politisches Terrain gewinnen können und damit die etablierten Parteien vor große Herausforderungen stellen.

Die Wahlbeteiligung erhöhte sich erfreulicherweise von 42,3 (2006) auf 46,6 Prozent.

 

Quellen:

Südthüringen.de

Election.de

MDR

Keine Antworten

Klarer Sieg der SPD in Frankfurt

Wahlen

Nach zwei Wochen fand am vergangenen Sonntag die Stichwahl zur Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt am Main statt (zum ersten Wahlgang seihe hier). Nachdem der CDU-Kandidat Boris Rhein damals sechs Prozent Vorsprung vor dem SPD-Mann Peter Feldmann hatte, war wohl allgemein ein Sieg von Rhein erwartet worden. Doch es kam anders: Feldmann siegte mit 57,4 %, Rhein erhielt bei einer Wahlbeteiligung von 35,1 Prozent (1. Wahlgang: 37,5 Prozent) nur 42,6 Prozent. So überraschend ist das, aus meiner Außensicht, nicht, da es in Frankfurt – wie auch im Saarland – eine strukturelle Mehrheit links der CDU gibt. Die einzige Hoffnung der CDU war, dass die Grünen, genauer die Grünen-Wähler, wegen der schwarz-grünen Koalition im Römer (dem Stadtparlament) brav den sehr konservativen CDU-Mann wählen. Doch so konservativ sind selbst die Grünen in Frankfurt nicht; Feldmann von der SPD konnte auf die Stimmen von SPD (33,0 %), Grüne (14,0 %), Linke (3,8 %), Piraten (3,8 %) und auch einige der anderen Kanidaten aus dem ersten Wahlgang bauen.

Siehe auch:

Hessischer Rundfunk

Keine Antworten

Stichwahl in Frankfurt notwendig

Wahlen

Bei der gestrigen Oberbürgermeisterwahl, bei der die bekannte Amtsinhaberin Petra Roth (CDU) nicht mehr antreten wollte, konnte wenig überraschend keiner der zehn Kandidaten eine absolute Mehrheit erringen, sodass eine Stichwahl erforderlich ist. Die meisten Stimmen erhielt der hessische Innenminister Boris Rhein (CDU) mit 39,1 %, es folgen Peter Feldmann (SPD) mit 33,0 % und Rosemarie Heilig (Grüne) mit 14,0 %. Es folgen:

Wissler (Linke) 3,8
Förster (Piraten) 3,8
Schulte (unabh.) 0,1
Fechter (FAG) 4,0
Frenzel (unabh.) 0,2
Tatchouop (unabh.) 0,2
Schmitt (Die Partei) 1,8

Für die Stichwahl sind vor allem die Stimmen der Grünen entscheidend, bei Linken und Piraten kann man wohl davon ausgehen, dass sie den SPD-Mann eher bevorzugen als den Mann der reaktionären hessischen CDU, wo ein Roland Koch mit ausländerfeindlichen Standpunkten im Wahlkampf punkten wollte/ konnte und rechtslastige Aussagen kein Problem darstellen. Bei den Grünen herrscht eine interessante Debatte: Während Heilig und der grüne Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour als Richtung vorgaben, keine Wahlempfehlung auszusprechen, da die Wähler am besten wüssten, wer zu wählen ist (sehr richtig), meinten einige lokale Grünen-Spitzen, dass es besser sei, dem Wähler den CDU-Mann Rhein schmackhaft zu machen, vor allem, damit die schwarz-grüne Koalition im Römer (Frankfurter Stadtrat) nicht im Chaos versiegt. „Den Koalitionsvertrag mit unseren schönen grünen Punkten hat Boris Rhein mit ausgehandelt. Daran ist er gebunden. Feldmann nicht.“, sagt die Landtagsabgeordnete Martina Feldmayer. Tja, wenn Herr Feldmann nicht den schönen grünen Punkt mitgemalt hat, kann er nicht der Richtige sein :).

Auf den Punkt bringt es wahrscheinlich Daniel Cohn-Bendit, einer der Grünen mit dem besten politischen Sachverstand: <Der Europaabgeordnete Daniel Cohn-Bendit (Grüne) hat zur kommenden Stichwahl eine klare Meinung: „Boris Rhein kommt überhaupt nicht in Frage.“ Der Grünen-Politiker will daher den SPD-Herausforderer Peter Feldmann wählen: „Es wäre doch witzig, wenn Peter Feldmann beweisen kann, dass er mehr drauf hat, als nur Regale aufbauen. Das würde alle Parteien zwingen, zu kooperieren.“ Viele Grüne, mit denen er am Wahlabend gesprochen habe, wollten ebenfalls Feldmann wählen: „Ich schätze zwei Drittel der Grünen hat er hinter sich. Mein Gemütszustand ist: Casino. Und ich setze auf Rot!“ Das Argument, die Stadt wäre mit einem Oberbürgermeister ohne Mehrheit nicht handlungsfähig, will Cohn-Bendit nicht gelten lassen: „Das ist Quatsch. Petra Roth war zunächst auch Oberbürgermeisterin einer rot-grünen Mehrheit. […] Außerdem wäre es ein Signal, dass Hessen wieder rot-grün wird.> (Journal Frankfurt)

Quellen:

http://www.hr-online.de/website/specials/obwahl12/index.jsp?rubrik=71034

http://www.hr-online.de/website/specials/obwahl12/index.jsp?rubrik=71048&key=standard_document_44239188

Keine Antworten

Niedergang der Bürgerlich-Liberalen geht weiter

Wahlen

Etwas abseits der großen Gedenkveranstaltungen zum 11. September und der sich wieder einmal zuspitzenden Schulden-, Börsen- und Eurokrise haben die Niedersachsen ihre kommunalen Vertretungen gewählt und die aktuellen Trends bestätigt. Praktisch in allen Gemeinden können die Grünen klar zulegen und verbesserten ihr landesweites Ergebnis von 7,8 (2006) auf 14,3 %. Verlierer waren die CDU, die auf 37 % (minus 4,3) kam, und die FDP mit 3,4 % (2006 waren es 6,7). Die SPD, die einst in Niedersachsen ein Stammland besaß und deren Partei- und Fraktionsvorsitzende von dort stammten, erzielte 34,9 %, was 1,7 % weniger als 2006 waren.

Die LINKE konnte dort, wo sie bereits Mandate zu verteidigen hatte, nicht überzeugen. Sie trat aber nun landesweit an und kam im Landesschnitt auf 2,4 %, ein Plus von 1,5 %. Große Bedeutung auf kommunaler Ebene haben natürlich die Freien Wählergruppen; besonders erfolgreich waren sie im Landkreis Lüchow-Dannenberg (wo das Atomendlagergorleben liegt) mit 27,2 %.

Bemerkenswert war der Sieg eines CSU-Mannes bei der Oberbürgermeisterwahl in Goslar, der Heimat von Sigmar Gabriel. Überhaupt braucht die CDU zunehmend Exporte von außerhalb, wie die Kandidatur eines Niederländers in Nordhorn zeigt, die aber knapp am SPD-Bewerber scheiterte. Der Niedergang der FDP zeigt sich beispielhaft im Stadtrat Hannovers, wo sie mit 2,8 % nur noch siebtstärkste Fraktion ist, noch hinter den LINKEN (4,3 %), „Die Hannoveraner“ (3,3 %) und der Piratenpartei (3,5 %). Erfreulich, dass die Wahlbeteiligung leicht anstieg und bei 52,5 % lag, wobei das natürlich kein Ruhmesblatt ist, aber angesichts der massiven (durch falsche Steuereinnahmenverteilung in Deutschland verursachten) Verschuldung der Kommunen in Deutschland doch beachtlich ist.

Siehe auch:

http://www.aktuelle-wahlen-niedersachsen.de/KW2011/kommunalwahlen_2011.html

http://www.stern.de/politik/deutschland/kommunalwahlen-in-niedersachsen-hoehenflug-der-gruenen-geht-weiter-1726844.html

http://www.dein-niedersachsen.de/politk-artikel/items/niedersachsen-kommunalwahl-2011-ergebnisse-0000053.html

http://www.jungewelt.de/2011/09-13/015.php

http://www.noz.de/lokales/57218987/cdu-laesst-federn-bleibt-aber-weiter-dominant

http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/kommunalwahlen_2011/wahl741.html

http://www.election.de/cgi-bin/showcandres_ns11kw.pl?land=mv11

Keine Antworten

Regionalwahlen im Spanien der Protestbewegung

Wahlen

Seit mehreren Tagen ist der arabische Frühling auch in Europa, genauer in Spanien angekommen. Die Lage in Spanien ist in manchen Punkten sehr vergleichbar mit der wirtschaftlichen Lage in Nordafrika: hohe allgemeine Arbeitslosigkeit, besonders große Arbeitslosigkeit unter der Jugend, auch unter Hochschulabsolventen. Heute kann man in der MZ schon lesen, dass deutsche Firmen versuchen, spanische Ingenieure nach Deutschland abzuwerben. Zur Protestbewegung empfehle ich den Beitrag auf der SDS-Seite.

In diesem Klima des Protestes und der Wut der Bürger auf alle Parteien fanden am Sonntag nun Regionalwahlen in 13 Autonomen Gemeinschaften und Kommunalwahlen in ganz Spanien statt. Die regierenden Sozialisten (PSOE) durften eine krachende Niederlage erwarten und wenig überraschend waren sie der große Verlierer. In keiner Region ist sie stärkste Kraft geblieben, nicht einmal in ihrer Hochburg Kastilien-La Mancha. Die prozentualen Verluste betrugen zwischen 6,6 (Navarra) und 13,5 Prozent (Kanarische Inseln). Die größte Oppositionspartei, die konservative, postfranquistische Volkspartei (PP), konnte davon profitieren, obwohl die Protestbewegung ausdrücklich dazu aufgerufen hatte, keine der großen Parteien zu wählen. In 11 der 13 Regionen wurde sie stärkste Kraft, in acht errang sie sogar die absolute Mehrheit. In Asturien verhinderte eine PP-Abspaltung, dass dort ebenfalls die PP triumphierte. Navarra, ähnlich wie das Baskenland, ist – wie immer – ein Sonderfall. Dort siegte die konservative PP-Schwesterpartei UPN mit 43,5 % vor der PSOE mit 15,8 % und den Regionalisten des Bündnisses NaBai 2011 mit 15,4 %. Das neugebildete Linksbündnis Bildu wurde viertstärkste Kraft mit 13,3 %.

Die regionalistischen Parteien haben in Spanien schon vor dieser Wahl bedeutenden Einfluss auf die Politik, auch auf nationaler Ebene. Bei dieser Wahl konnten sie auch zulegen, vor allem in Asturien, Kantabrien, Kanarische Inseln. Auch die Listenverbindung aus Kommunisten und Grünen, die IU, konnte Sitze gewinnen: insgesamt 9 Sitze in allen Regionalparlamenten. Die Stimmengewinne schwanken zwischen 0,6 und 2,1 %. Am stärksten war sie in Asturien (10,3 %) und Madrid (9,6 %). Nach der schweren Krise nach der letzten Parlamentswahl 2008, als sie nur noch zwei Abgeordnete im Parlament stellte, deutet sich ein kleiner Aufschwung an. Sie muss die aktuellen Proteste nutzen und versuchen, die Stimmen der wütenden Bürger aufzunehmen und (system-)alternative Politik-Angebote machen. Vielleicht wäre es auch sinnvoll, mit der neuen Linkspartei im Baskenland bzw. mit der baskisch-nationalistischen Linken insgesamt stärker zusammenzuarbeiten.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass die politische Entwicklung in Spanien sehr interessant ist und genau verfolgt werden muss, denn es könnte eine Vorhut für antikapitalistische Proteste, Umstürze in ganz Europa sein, in deren Ergebnis endlich die Banken, Hedgefonds und andere Finanzmarktakteure für die von ihnen verantworteten Krisen der Volkswirtschaften Europas zur Verantwortung gezogen werden [man darf ja mal träumen]. Bislang wurden jedenfalls noch nicht die Lehren aus der großen Finanzmarktkrise 2007ff. gezogen, oder hat es hinsichtlich einer Finanzmarktregulierung irgendwelche Veränderungen gegeben, die den angesprochenen Akteuren weh getan haben??

Siehe:

http://de.wikipedia.org/wiki/Spanische_Regional-_und_Lokalwahlen_2011

http://de.wikipedia.org/wiki/Spanische_Parlamentswahlen_2008#Congreso_de_los_Diputados

http://resultados.elpais.com/elecciones/2011/

http://www.jungewelt.de/2011/05-25/031.php, http://www.jungewelt.de/2011/05-24/046.php, http://www.jungewelt.de/2011/05-24/045.php

 

Keine Antworten

Gute Erfolge der LINKEN in Hessen

Wahlen

Die Wahlen in 2011 sind bisher für die LINKEN mittelprächtig bis mies gelaufen: solide in Hamburg, kleine Niederlage in Sachsen-Anhalt und Pleiten in Baden-Würt. und Rh.-Pfalz. Die Kommunalwahlen in Hessen waren der wohl größte Erfolg bisher. Die Stimmen sind immer noch nicht endgültig veröffentlicht, aber so lautet das vorläufige Endergebnis im Landesschnitt:

in % 2011 2006
CDU 33,7 -4,8 38,5
SPD 31,5 -3,2 34,7
FDP 3,9 -1,9 5,8
GRÜNE 18,3 +9,1 9,2
DIE LINKE* 2,7 +1,7 1,0*
REP 0,7 -0,8 1,5
NPD 0,4 0,0 0,4
BüSo 0,0 0,0 0,0
Tierschutzpartei 0,1 0,1 0,0
APPD 0,0
AGP 0,0
BIG 0,1
Die PARTEI 0,0
PIRATEN 1,3
Wählergruppen 7,2 -1,4 8,6
darunter
FW 5,7 +0,5 5,2
ZL* 0,6 -1,5 2,1*
 
Wahlbeteiligung: 47,7 % (+1,8)

Grob gesagt, gibt es zwei Gewinner: an vorderster Front wieder die Grünen, dann die Linkspartei. Einen kleinen Gewinn feiern auch die Freien Wähler. Klar verloren haben CDU und SPD, woran man wieder den Trend der Auflösung der Volksparteien erkennt. FDP und Republikaner haben erfreulicherweise auch Stimmen verloren, die FDP auch in Hessen unter fünf Prozent.

Die Linkspartei hat um 1,7 Prozent zugelegt, bleibt aber bei 2,7 Prozent insgesamt hängen. Das ist noch ausbaufähig, bietet aber eine solide Basis. Wenn man sich die großen Städte anschaut, dann sehen die Dinge besser aus:

Kasseler 6,7 % (5 Sitze), Offenbach 5,5 % (4 Sitze), Frankfurt/Main 5,4 % (5 Sitze), Wiesbaden 4,1 % (3 Sitze), Darmstadt 3,9 % (3 Sitze)

Auch gut: Wetter (bei Marburg) 5,7 %, Hanau 5,3 %, Wächtersbach (Südhessen) 5,3 %. Insgesamt hat die Linke die Zahl der errungenen Mandate um etwa 35 erhöht.

Die SPD hat in einer Großstadt (Kassel) und elf Landkreisen die meistem Stimmen gewonnen, die CDU in drei Großstädten und zehn Landkreisen. Die Grünen haben Darmstadt klar gewonnen mit 8,1 % Vorsprung auf die CDU und 11,6 % auf die SPD.

Weitere Details:

http://wahl.hr-online.de/aktuell/index.html

http://www.statistik-hessen.de/K2011/index.htm

Eine Antwort

Landtagswahlen vorbei – verändern sie die Politik?

Wahlen

Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz haben nun auch gewählt, Hessens Kommunalwahlen sollten auch nicht übersehen werden. Überall grünes Wunder und alle Parteien wollen jetzt grün sein. Doch was wird sich nach diesen Wahlen nachhaltig und grundlegend verändern?

Zunächst muss man festhalten, dass sich in der Tat einiges so entwickelt, wie es noch vor ein paar Jahren unmöglich erschien: im urkatholischen „schwarzen“ Baden-Württemberg wird es aller Voraussicht nach einen grünen Ministerpräsidenten geben, nach 58 Jahren CDU-Regentschaft! Das ist gut so, und zwar nicht, weil hier der größte Grünen-Fan überhaupt sich äußert, sondern weil sich damit unser politisches, etwas erstarrte System auflockert. Es gibt kein Regierungschef-Duopol für CDU/CSU und SPD mehr. Was auf kommunaler Ebene (siehe Tübingen, Freiburg) Normalität ist, wird vielleicht auch auf Landes- und Bundesebene normaler: grüne Regenten. In Ostdeutschland hat auch eine vierte Partei das Potenzial, Ministerpräsidenten zu stellen, nämlich die LINKE. Landräte (Rügen) und Oberbürgermeister (z.B. Schwerin) stellt sie schon längere Zeit. Auch die Wahl in Sachsen-Anhalt zeigt, dass es Mehrheiten für rot-rote Koalitionen geben könnte, wenn denn die SPD ihr „S“ im Namen etwas ernster nehmen und antikommunistische Verschnupfungen ablegen würde.

Im Bundesrat gibt es jetzt acht verschiedenfarbige Regierungskonstellationen: CDU-FDP, CDU-SPD, CDU-FDP-Grüne, SPD-Alleinreg., SPD-CDU, SPD-Grüne, SPD-LINKE und Grüne-SPD. Das bedeutet, dass vor den nächsten Wahlen schon lange nicht mehr klar ist, wer mit wem regieren kann und wird. Der Atomschwenk der CDU und auch der FDP kann auch so gedeutet werden, dass man weiterhin bündnisfähig sein will mit den Grünen. Im Moment ist zwar klar, dass die politische Ehe von SPD und Grünen so eng ist wie fast noch nie, aber zukünftig kann ja viel passieren; und da ist es auch für die Grünen nicht verkehrt, ein paar Optionen mehr zu haben.

Doch nun zur Ausgangsfrage zurück: was bringt mehr Grün für die aktuelle und zukünftige Politik? Was verändert sich konkret. Die Grünen in Baden-Württemberg haben ja schon klar gestellt: „Wir machen nicht alles anders, aber vieles besser.“ Winfried Kretschmann hörte gar nicht auf, immer wieder zu betonen, dass es jetzt nicht zu einer Revolution kommen wird. Das kann es auch gar nicht, denn die Grünen haben sich schon lange von ihrem früheren anarchisch-linken, unkonventionell-unangepassten Inhalten verabschiedet. Mit der Regierungsbeteiligung unter Schröder 1998-2005 hat sich endgültig der sog. Realo-Flügel durchgesetzt und prominente Grünen-Linke wie Jutta Ditfurth haben schon zu Beginn der Neunziger die Partei verlassen. Die Grünen haben sich zu einer Kriegspartei gewandelt und schreien am lautesten, wenn die Regierung nicht engagiert genug beim Lybien-Bombardement mitmacht. Sie hat den Kosovo- und den Afghanistankrieg mitgetragen, natürlich immer unter dem Denkmantel der Menschenrechte. Heute propagieren die Grünen einen „Green New Deal“, um die Ökonomie und die Ökologie in Einklang zu bringen und die Wirtschaft nachhaltiger und umweltgerechter zu gestalten. Kann der Kapitalismus auf diese Weise reformiert werden, sodass es den Menschen und der Umwelt wirklich besser geht – Schluss mit Ausbeutung auf Kosten der Dritten Welt? Schluss mit schmelzendem Gletschern und Aussterben von Tier- und Pflanzenarten? Wird die Arbeitswelt humaner und kann sich der Mensch bald frei von kapitalistischen Zwängen verwirklichen?

Der Green New Deal meint, dass man die Wirtschaft revolutionieren kann, ohne Zwangsmaßnahmen und unfriedliche Konfrontationen, nur indem man stärker die „grünen“ Industriezweige stärker fördert und sie wachsen lässt. Und da beginnen die Probleme: die Grünen wollen den Kapitalismus mit seiner Wachstums- und Profitlogik nicht überwinden, sondern nur grün anstreichen. Sie glauben (überspitzt gesagt), wenn wir nur noch Solarzellen, Windanlagen und Fahrräder industriell fertigen, dann wird schon alles gut. Doch sie belassen die Produktionsmittel in der Hand von (dann grünen) Unternehmern, sie wollen profitabel wirtschaften und lassen mit Emmisionsrechten handeln. Keine Verstaatlichungen, keine stärkere Einbindung der Bevölkerung/ der Arbeitenden in wirtschaftliche Entscheidungen und keine Entmachtung des Kapitals – das unterscheidet den grünen Ansatz von wirklichen revolutionären Politikvorstellungen.

Und nur so bleibt grün wählbar – würden die Grünen echte fortschrittliche Positionen vertreten (Schluss mit Überproduktion und Massenkosum, Ende der Wegwerfgesellschaft, echte demokratische Mitbestimmung der Arbeitnehmer in Unternehmen, völlige Verstaatlichung von Wasser, Energie und Verkehrsunternehmen, Bändigung der unregulierten Banken und Finanzmärkte, Erleichterung von Volksentscheiden und anderen diskursiven Teilhabemöglichkeiten auf allen politischen und gesellschaftlcihen Ebenen), hätten sie in Baden-Württemberg keine zehn Prozent geholt und wären in der Medienlandschaft von BILD bis ZEIT marginalisiert und als grüne Spinner verschrien –  genau wie in ihren Anfängen, als die Grünen noch für NATO-Auflösung und alternative Wirtschaftskonzepte kämpften.

Die Grünen vertreten in Oppositionszeiten viele gute Positionen, die auch ich unterschreiben könnte. Doch sie verbinden die ökologische Frage nicht mit der sozialen Frage; und in Regierungszeiten mutiert auch ein Jürgen Trittin zum Gegner von Anti-Castor-Demos. Die Grünen sind in der Regierung schnell dabei, sich vom Koalitionspartner SPD (und neuerdings auch CDU) weichspülen zu lassen; das haben sie mit den LINKEN in Berlin und Brandenbrug gemeinsam. Kämpferisch vorgetragene Parolen und „rote Haltelinien“ werden dann pragmatisch vergessen.

Abschließend, wo im Moment doch alles möglich scheint, mal eine utopische Idee für Berlin: warum nicht eine grün-rote Landesregierung unter Führung von Frau Künast mit Beteiligung der LINKEN. Zwei idealistische Parteien, die ungestört von sozialdemokratischen Pragmatikern ihre Ideen einer sozialgerechteren und nachhaltigeren Politik umsetzen??

 

(Wird leider nicht funktionieren, weil die Berliner LINKEN von Leuten geführt wird, die Herrn Wowereits SPD manchmal noch rechts überholen wollen)

 

Siehe auch:

http://www.freitag.de/positionen/1031-instabile-reformblase

http://www.gruene.de/fileadmin/user_upload/Dokumente/Wahlprogramm/BTW_Wahlprogramm_2009_final_screen_060709.pdf

http://www.boell.de/oekologie/marktwirtschaft/oekologische-marktwirtschaft-green-new-deal-6656.html

 

Wahlergebnisse:

 

in % CDU SPD Grüne FDP LINKE Sonst.
Baden-Württemberg 39,0 23,1 24,2 5,3 2,8 5,6
Rheinland-Pfalz 35,2 35,7 15,4 4,2 3,0 6,4
Hessen 33,7 31,5 18,3 3,9 2,7 WG 7,2, Sonst. 3,9
Keine Antworten
« Ältere Einträge
Neuere Einträge »