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Über die Einkommensungleichheit in den USA

Antikapitalismus

Die in der folgenden jW-Meldung berichtete Einkommensungleichheit in den USA ist einfach abartig asozial und ein Hohn für die Abermillionen Niedriglöhner in den USA. Kein Mensch kann sich so viel mehr anstrengen oder so viel mehr gebildeter sein, dass es einen 335mal höheren Lohn für Spitzenkräfte in den Top-Unternehmen im Vergleich zu den einfachen Produktionsarbeitern rechtfertigt. Dies ist m.E. ein weiterer Beleg für die Theorie der Ausbeutung der Arbeiter durch die sog. „Arbeitgeber“.


Chefs verdienen 335mal mehr als Beschäftigte

Boston. Die Bosse großer US-Konzerne haben im vergangenen Jahr im Schnitt 335mal so viel verdient wie die Arbeiter derselben Unternehmen. Das hat eine Studie ergeben, die der Gewerkschaftsverband AFL-CIO am Dienstag veröffentlichte. Demnach lag das Chefgehalt von Konzernen im Aktienindex S&P 500 im vergangenen Jahr bei 12,4 Millionen Dollar. Angestellte in der Produktion erhielten nur rund 36.900 Dollar. Laut den Gewerkschaften hat die Ungleichheit in den zurückliegenden Jahrzehnten drastisch zugenommen. 1980 sei das Gehalt der Kapitalfunktionäre 42mal so hoch wie das der Arbeiter gewesen, im Jahr 1990 das Verhältnis 1:107. Im Vergleich zu 2014 sei der Lohnunterschied leicht zurückgegangen. (Reuters/jW)

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Zahl des Tages: Löhne wie in Griechenland der 1980er

Antikapitalismus

Wie die Junge Welt heute berichtet, sind die Löhne in der griechischen Privatwirtschaft 2013 im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent gesunken. Im Monat verdiene ein Vollzeitbeschäftigter laut einer Studie der griechischen Rentenkasse im Durchschnitt 1265,08 Euro brutto – bei einem de dt. Verhältnissen ähnelnden Preisniveau. Das bedeutete, dass die Kaufkraft der Griechen auf das Niveau der 1980er Jahre zurückgegangen ist.

Ähem, sollten die Maßnahmen der sog. Troika (EZB, EU-Kommission und IWF) nicht eigentlich zu einem Ende der Krise in Griechenland und zu einem wirtschaftlichen Aufschwung führen?? Wer noch immer an das Gute im Kapitalismus glaubt, der hat den Verstand schon verloren – oder steht auf der richtigen Seite: denn für eine kleine Schicht von Kapitaleigentümern lohnt sich jede Krise, denn deren Kosten werden dank Lobbyarbeit auf die breiten Massen abgeschoben.

Dazu passt auch die Meldung, dass die 2012 sogar von Euro-Königin Merkel angekündigte Finanztransaktionssteuer zum Bettvorleger mutiert ist. Statt waghalsige Finanzspekulationen einzudämmen und den Staaten der EU ein paar Extraeinnahmen in Milliardenhöhe zu bescheren, werden mit der erfolgreich von der Lobby des Finanzkapitals durchlöcherten Steuer ausgerechnet die Finanzmarktprodukte besteuert, die am unschädlichsten für das Gemeinwesen sind. Das führt selbst in bürgerlichen Kommentaren für leichte Empörung (siehe Print-Ausgabe der MZ vom 17.08., S. 4 – Teilabdruck hier; siehe auch Berliner Zeitung und v.a. kurier.at)

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Bekenntnisse zum Antikapitalismus Teil 4: Neue Daten zur Lohnentwicklung

Antikapitalismus

Vor Kurzem erschien der „Verteilungsbericht 2012“ vom WSI (Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliches Institut der Hans-Böckler-Stiftung), der wieder einmal Zahlen lieferte, die die große Ungerechtigkeit des kapitalistischen Gesellschaftssystems deutlich machen.

Hier eine kleine Auswahl:

Zwar sind die Bruttolöhne 2011 gegenüber dem Vorjahr effektiv um 3 Prozent gestiegen; doch für Minijobber (die dank FDP ab 2013 bis zu 450 statt 400 Euro verdienen dürfen, was wiederum nur für Unternehmer im Niedriglohnbereich wirklich positive Effekte beim Sparen von sog. Lohnnebenkosten bedeutet) stiegen sie nur um 1,9 Prozent. Die 3 Prozent kommen zum Teil nur durch überproportional erhöhte Sonderzahlungen zustande, dies berücksichtigt, gab es nur ein Plus von 2,4 Prozent. Einrechnen muss man noch eine um 0,5 Prozent erhöhte Wochenarbeitszeit, sodass das Lohnplus nur bei 1,9 Prozent liegt.

Die deutsche Einheit ist übrigens bei den Löhnen weiterhin nicht vollzogen worden: In Ostdeutschland stiegen die Bruttolöhne nur um 1,4 Prozent – die Schere zwischen Ost und West bewegt sich wieder auseinander. Ostdeutsche verdienten 2011 nur gut drei Viertel der Westlöhne.

Arbeit zu haben, bedeutet schon länger nicht mehr, nicht mehr arm zu sein. Zwischen 2004 und 2009 nahm die Armutsquote unter Arbeitnehmern um 2,2 Prozent zu – dieser Wert (die Zunahme) war nur in Spanien noch größer. 7,1 Prozent aller Beschäftigten in Deutschland leben in einem einkommensarmen Haushalt. Daher müssen immer mehr Beschäftigte zusätzliche einen Minijob aufnehmen. Der Zuwachs an Minijobs basierte zwischen 2003 und 2011 zu 72 Prozent, seit 2006 allein auf solchen Minijobs von Arbeitnehmern.

Besonderes Kennzeichen des Kapitalismus ist die ungleiche Einkommensentwicklung: Die Bruttomonatsverdienste aller Beschäftigten stiegen zwischen 2007 und 2011 im Schnitt um 9,4 Prozent. Bei leitenden Angestellten stiegen sie um 12,4, bei herausgehobenen Fachkräften um 9,8, bei Facharbeitern um 8,3 und bei Un- und Angelernten nur um 8,0 bzw. 7,1 Prozent. Arbeitslose und Rentner dürften noch geringere Einkommenssteigerungen erhalten haben, die nicht einmal die Inflationssteigerung abdecken. Wer einmal oben ist, bekommt noch viel mehr, wer weiter unten in der Hierarchie steht, darf weniger am Wohlstandszuwachs partizipieren.

Die Kluft zwischen Arbeitseinkommen und Unternehmensgewinnen steigt ebenfalls unaufhaltsam, dem entfesselten Neoliberalismus sei Dank. 1975 lag der Anteil der Beschäftigteneinkommen am Volkseinkommen (die Bruttolohnquote) in der BRD noch bei mehr als 75 Prozent. 1991 (Gesamtdeutschland) waren wir bei 70,8 Prozent. 2011 erreichte die Bruttolohnquote 66,9 Prozent. Entsprechend nahm die Bruttogewinnquote zu. Und trotzdem muss immer mehr Profit aus den abhängig Beschäftigten herausgepresst werden, länger gearbeitet werden, müssen Kündigungsschutz und andere Arbeitnehmerrechte abgebaut werden, um im weltweiten Konkurrenzkampf zu bestehen. Trotz der gegenwärtigen Krise der (ungeregelten) (Finanz-)Marktwirtschaft fordert ein seltsamer FDP-Chef weniger Staat. Ist das alles rational oder irrational? Es ist die unbarmherzige Logik des Kapitalismus! Und eine gute Zeit für Reiche.

Siehe:

http://www.jungewelt.de/2012/12-27/019.php

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