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Neue Ausgabe der Zeitschrift Z.

Antikapitalismus

Zeitschrift Marxistische Erneuerung, Nr. 106 (Juni 2016) wird in den nächsten Tagen ausgeliefert und kann jetzt bestellt werden.

  • Themenschwerpunkt „Krisenreaktionen in Europa“
    mit Beiträgen von Walter Baier (Radikale Rechte in Europa), Gerd Wiegel (AfD in D), Klaus Dräger (Bilanz „Linker Aufbruch in Europa?“), Sebastian Chwala (Nuit Debout) und einem Gespräch zwischen Alexander Charlamenko und Gudrun Havemann (Russland)
  • Untersuchungen zu „Weltwirtschaft und Finanzmarktkapitalismus“ von Jörg Goldberg (Weltkonjunktur und Finanzmarktkrise), Dieter Boris (BRICS und neue Weltordnung) und Mohssen Massarrat (Theorie des Finanzmarktkapitalismus)
  • Weitere Beiträge zu Migration (Dominik Feldmann/John Lütten/Patrick Ölkrug und Max Pichl), zur „Jahrhundertrede“ auf dem XX. Parteitag und zum KPD-Verbot 1956 (Karl-Heinz Gräfe, Hans-Henning Adler), zur Methodik der Streikberichterstattung (Lea Schneidemesser/Juri Kilroy), zu „Heiligen Kühen“ des Marxismus (Georg Fülberth) sowie Fortsetzung der Debatte um Innovationsökonomie (Friedrich Carl/Paul Oehlke) plus Tagungsberichte und Buchbesprechungen

Für nähere Informationen siehe Inhaltsverzeichnis und Editorial im Anhang.
Vorschau: Z 107 (September 2016) Schwerpunkt: Debatte um „Transformation des Kapitalismus“

 **

Z 106 (Juni 2016), 232 Seiten. Einzelheftbezug (10,-Euro) oder Abonnement (35.- Euro, vier Hefte)

+    über redaktion@zme-net.de
oder www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de

+    Rückwirkendes Abonnement ist möglich.

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Der neue Rotfuchs

Antikapitalismus

Im Januar-Heft des Rotfuchses gibt es Folgendes zu lesen (alles online kostenlos lesbar, Spende erbeten):


Bemerkenswert ist auch dieser an Pegida-Wutbürger gerichtete Brief, der hier im Volltext zu lesen ist:

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Guter Marxismus zum Jahresanfang

Antikapitalismus, Politische Theorie

Ich genoss gerade die Lektüre eines hervorragenden marxistischen Aufsatzes, den ich allen Lesern als mutmachende und den Widerstand gegen unsere katastrophale Welt (oder in den Worten Jean Zieglers „kannibalische Weltordnung“) anfachende Lektüre empfehlen möchte. Der Aufsatz heißt Von der Notwendigkeit der Utopie in finsteren Zeiten und ist geschrieben von Thomas Metscher.

Einige Auszüge hier:

[…]

  1. Alltägliches Bewusstsein und Bewusstseinsindustrie

Zu konstatieren ist auf allen Ebenen des gesellschaftlichen Seins: der Verlust begriffener Zukunft als Teil des Verlusts von Geschichtlichkeit ist so universal geworden, dass er sich ins alltägliche Leben und im Bewusstsein des Alltags bis zur Unerkennbarkeit eingenistet hat. Er ist factum brutum des Alltags – Tatsache alltäglichen Lebens – geworden, Teil dessen, ‚was der Fall ist’ und deshalb doppelt schwer auszumachen. Er durchdringt die Poren des Alltags in einer Weise, dass er als etwas Selbstverständliches erfahren wird, die Menschen seiner Allmacht kaum mehr bewusst sind. Die Welt ist schlecht, klagen die Leute, die Politiker korrupt, die Kapitalisten geldgeil, die Banker omnipotent, doch was ist dagegen zu machen? Selten geworden ist bei den gewöhnlichen Leuten die Haltung, die Verhältnisse, so wie sie sind, für richtig zu befinden. Doch werden sie als unabänderlich erlebt. Die Verhältnisse sind wie sie sind, und sie sind nicht zum Guten zu wenden. Was einst die Götter waren, ist heute das Kapital. Es ist das Schicksal. Krisen ereignen sich wie das Wetter, Kriege wie Orkane, Sturmfluten, Tsumanis. Charakteristisch deshalb die Resignation, nichts tun zu können.

[…] Was dem alltäglichen Bewusstsein also mangelt, ist die Erkenntnis, dass die Welt, in der wir leben, ihre Dinge, ihre Relationen, die Weltverhältnisse von Menschen gemacht sind und von Menschen verändert werden können – vielleicht verändert werden müssen bei Strafe des Untergangs. Verstellt ist das Erkennen der Wirklichkeit des Vergangenen wie der Wirklichkeit des Möglichen und damit das Denken konkreter Zukunft. Verstellt ist das Erkennen des Künftigen im Gegenwärtigen, mit Walter Benjamins griffiger Formulierung.[1] Solche Art von Erkennen ist gemeint, wenn ich von begriffener Zukünftigkeit spreche und die konkrete Utopie als einen Modus der Wissenschaft und der Künste verstehen will. Für diese Überlegung wesentlich ist, dass solche Utopie im Leben und Bewusstsein des Alltags ihre Wurzel hat oder haben muss und nichts ihm Aufgesetztes sein kann – deshalb hier auch die Reflexion auf ihn. Der Begriff von Zukunft, dies ist zu erkennen, gehört zu den elementaren Bedingungen menschlich-kultureller Reproduktion.

Im alltäglichen Bewusstsein nun ist, wie wir erkennen müssen. der Begriff von Zukunft deformiert. In ihm ist Zukunft auf Horizonte eingeschmolzen, die allein noch den Bereich des Privaten betreffen: Beruf, Karriere, soziale Beziehungen, Familie, Freizeit. Nur in den seltensten Fällen wird im gegenwärtigen Alltagsbewusstsein der Horizont des Privaten überschritten und aus Politisch-Geschichtliche hin erweitert. Zwar gibt es immer wieder politischen Widerstand und sozialen Protest, es gibt Ansätze zur Entwicklung selbstbestimmten Bewusstseins (und dass es sie gibt, ist stets ein Hoffnungszeichen), doch bleibt die Revolte punktuell und fällt folgenlos in sich zurück. Dass eine andere Welt möglich sei, erklingt wie ein Aufschrei, und in ihm hörbar werden Stimmen von Zukünftigkeit. Sie fügen sich jedoch nicht mehr zu einem Ganzen, bleiben ohne Perspektive und Folgerungen, enden in Rückfall und Resignation. Auch gibt es Ansätze von Zusammenschluss und Organisation, doch sind sie noch nicht stark genug, um die Vereinzelten zum Ganzen einer Bewegung zu formen, und sie haben, wie es im Fidelio heißt, „mächtige Feinde“ – die herrschenden Mächte, ihre Vertreter, Agenturen, Institutionen. Jeder Versuch der Befreiung stößt auf sie, zumal dann, wenn die Agenturen der Macht das Gespenst wieder auftauchen sehen, das sie tot und beerdigt glauben, den Kommunismus.

Die Agenturen der Macht sind wohlorganisiert. Eine ganze Bewusstseinsindustrie arbeitet daran, den weltgeschichtlichen Status quo zum finalen Geschichtszustand zu erklären. Dazu gehört, die Erinnerung an alternative geschichtliche Formen auszulöschen, mit ihr jeden Ansatz einer begriffenen Zukunft, die zukünftige Formen erkennbar machen könnte. Mit der Erinnerung an die Vergangenheit werden auch die Bilder der Zukunft liquidiert. Die Bewusstseinsindustrie weiß sehr wohl, dass im geschichtlichen Wissen Zukunft und Vergangenheit zusammengeschweißt sind. So liegt der Sinn in der Diskreditierung der ersten Versuche des Aufbaus einer sozialistischen gesellschaftlichen Ordnung gerade darin, den Blick auf eine zukünftige zu verstellen. Denn ginge es auch nur dem Ansatz nach um ein wahres Geschichtsverständnis, so wären Widersprüche auszumachen, Falsches wäre neben Richtigem zu stellen, zu den beträchtlichen Fehlern träten Leistungen, die schwierigsten Bedingungen abgerungen wurden. Aus einem solchen Geschichtsverständnis könnte für die Zukunft gelernt werden – ein neues Bild der Zukunft könnte entstehen. Doch genau dies soll nicht sein. Zementiert wird das oktroyierte Bewusstsein. Verhindert werden Lernen und Lernfähigkeit. Konstituiert wird, was in der Aufklärung ‚Vorurteil’ hieß, und gegen das diese die Kraft der Kritik richtete.

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Zur neuen Ausgabe der marxistischen Zeitschrift Z

Politische Theorie

Folgende Nachricht der Z-Redaktion möchte ich hiermit dokumentieren:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,
hiermit möchten wir Sie auf das Heft Nr. 104 (Dezember 2015) von Z. Zeitschrift Marxistische Erneuerung aufmerksam machen, das jetzt mit folgenden Themen bestellt werden kann:

 

„Griechenland, die EU und die Linke“

–         Fortsetzung der sozialreaktionären Austeritäts- und Umverteilungspolitik (J. Goldberg)

–         Rolle der europäischen und griechischen Linken (C. Schuhler)

–         Debatte um das „Wie weiter?“ in der europäischen Linken (K. Dräger)

–         SYRIZA vor der Zerreißprobe? (N. Biver)

–         Risiken der Exit-Option (M. Schrooten)

 

„Kapitalismusanalysen“

–         Theorie der digitalen Arbeit (Chr. Fuchs)

–         Marxistische Geldtheorie (St. Krüger)

–         Staat und Ökonomie (Fr. Carl/P. Oehlke)

–         Wirtschafts- und Lebensverhältnisse in Ost- und Westdeutschland (K. Steinitz)

 

Weitere Themen

–         Fluchtabwehr und Aufstieg der Rechten (G. Wiegel)

–         Thomas Morus’ Utopia (Th. Metscher)

–         Marx-Engels-Forschung (J. Lütten)

–         Film- und Literaturanalysen (W.D. Hund, E. Abendroth)

–         Stadt als soziales Kampffeld (Ölkrug, Dieckmann, Clausen, Kaltenegger)
Für nähere Informationen siehe Inhaltsverzeichnis und Editorial.

 

Vorschau: Z 105 (März 2016) Schwerpunkt „Kapitalismus und Migration“

 

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Z 104 (Dezember 2015), 224 Seiten. Einzelheftbezug (10,-Euro) oder Abonnement (35.- Euro, vier Hefte)

über redaktion@zme-net.de

oder www.zeitschrift-marxistische-erneuerung.de

Rückwirkendes Abonnement ist möglich.

 

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Der neue Rotfuchs

Antikapitalismus, Politische Theorie

Das von den Leserzahlen her größte marxistische Monatsmagazin Rotfuchs hat nun einen neuen und wie ich meine schöneren Internetauftritt. Dies erleichtert auch die Verlinkung zu den Artikeln der aktuellen November-Ausgabe:

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Leseprotokoll Digitale Arbeit (Teil 3)

Politische Theorie

Heute folgt der zweite Teil meiner Leseprotokolle, in denen ich Beiträge aus der aktuellen Ausgabe der Z. Zeitschrift für Marxistische Erneuerung zusammenfasse (zu Teil 1 hier). Aus meiner Sicht wichtige Aussagen sind wieder fett hervorgehoben. Heute geht es um zwei Beiträge, einmal um arbeits- und gesellschaftspolitische Perspektiven der Industrie 4.0 und zum anderen um zur aktuellen Verbreitung und Nutzung digitaler Arbeitsmittel

Butello/Engel: Industrie 4.0: arbeits- und gesellschaftspolitische Perspektiven, in: Zeitschrift Marxistische Erneuerung, H. 103/2015, S. 29-41

  • In Folge der Digitalisierung sei „qualitativer Umbruch in der Entwicklung der Produktivkräfte“ zu erwarten
  • Versprechungen der Ind. 4.0: 78 Mrd. Euro zusätzl. Wachstumspotenzial, 1,7 PP jährlich bis 2025; Erhalt industrieller Beschäftigung in Hochlohnländern; „humanorientierte Gestaltung der Arbeitsorganisation“ und mehr Selbstorganisation und Autonomie für Arbeitnehmer (S. 29)
  • Besondere Wirkungsweisen dig. Technologien nach Brynjolfsson/McAfee:
    • Exponentielles Wachstum ihrer Leistungsfähigkeit seit 1960er
    • Kostenlose Vervielfältigung v. Produkten und Nutzbarmachung einer fast grenzenlosen Datenmenge für best. Anwendungen
    • Auf ihr aufbauende Innovationen profitieren von vielfältiger werdenden Verknüpfungsmöglichkeiten mit vorhanden Technologien
  • Beide Autoren verbinden technolog. Euphorie mit skeptischem Gesellschaftsbild: befürchten, dass soz. Ungleichheit zw. Arm und Reich größer werde, Löhne sinken u. technolog. Bedingte Arbeitslosigkeit steige (31)
  • In Fn. (S. 31) Def. von Digitalisierung: „Prozess des sozio-ökonomischen Wandels […], der durch Einführung digitaler Technologien, darauf aufbauender Anwendungssysteme und vor allem ihrer Vernetzung angestoßen wird.“ (nach Hirsch-Kreinsen 2015: 10)
  • Ind. 4.0 kurz: „eine neue Stufe er Organisation und Steuerung der gesamten Wertschöpfungskette über den Lebenszyklus von Produkten“ (32)
  • Erwartet werden „Sprünge in der Automatisierung und Selbststeuerung von Produktionsanlagen“ sowie „Produktivitätsfortschritte durch die effizientere und flexiblere Prozessorganisation“ → dies möglich durch „cyberphysische Systeme“ (CPS)

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Lesetipp: Wahre Gedanken zum Fernsehen

Was sonst noch in der Welt passiert

Selten habe ich das Wesen des Fernsehens so trefflich beschrieben gefunden wie in der Wochenendbeilage der Jungen Welt vom 22.08.:

„Wie schon der bayerische Medien- und Erkenntnistheoretiker Edmund Stoiber in einem seiner wenigen lichten Momenten erkannte, schafft das Fernsehen Wirklichkeit, bildet also weniger Realität ab, als eine neue hinzuzufügen. Die politische Aufgabe des Fernsehens als Informationsmedium besteht darin, die Wirklichkeit so zu zeigen, dass man von ihr entweder nichts, zuwenig oder das Falsche erfährt. Es stellt Oberflächenphänomene der Realität dar, ohne diese selbst erfassen zu können bzw. zu wollen.

In den Nachrichten wird jeder Zusammenhang zwischen den Ereignissen ignoriert. So werden die unmittelbaren Erscheinungen für das Ganze genommen, das sich als zersplittert und zusammenhanglos, als scheinbares Chaos präsentiert. Das Fernsehen bietet eine ungeschichtliche und atomisierte Sicht auf die Welt, die als schrecklich, aber alternativlos wahrgenommen wird. Sie erscheint als ständige Abfolge sinnloser Tragödien, die sich wie Naturkatastrophen dem menschlichen Handeln entziehen. Indem man also über die einzelnen Ereignisse berichtet, ohne sie dabei in einen rational begründbaren Erklärungszusammenhang zu bringen, verschweigt man mehr, als man zeigt […]“. Weiterlesen hier.

Der erste Teil dieser Kolumne ist hier zu finden.

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Neues Lesefutter für Marxisten

Politische Theorie

Marxisten können sich über neue Ausgaben von marxistischen Zeitschriften freuen.

1) Das Heft 3 der Z. Zeitschrift marxistische Erneuerung beschäftigt sich mit dem hochaktuellen und für ein Verständnis des gegenwärtigen Kapitalismus höchst bedeutsamen Thema „Digitale Arbeit und Gewerkschaften“. Folgende Beiträge sind hierzu zu lesen:

 

  • Ursula Huws

    Widersprüche der digitalen Ökonomie – Informationskapitalismus und Kybertariat

  • Florian Butollo/Thomas Engel

    Industrie 4.0 – arbeits- und gesellschaftspolitische Perspektiven – Zwischen Dystopie und Euphorie

  • André Leisewitz

    Zur aktuellen Verbreitung und Nutzung digitaler Arbeitsmittel

  • Marcus Schwarzbach

    Work around the clock? Digitale Arbeit – Herausforderung für Betriebsräte und Gewerkschaften

  • Ursula Schumm-Garling

    Gewerkschaften und die digitale Arbeitswelt

  • Falk Prahl

    Die Digitalisierung der Arbeitswelt und die Debatte um eine neue Arbeitszeitpolitik

  • Thomas Hagenhofer

    Produktivkraftsprung: Digitale Vernetzung

  • Peter Brödner

    Industrie 4.0 und Big Data -Kritik einer technikzentrierten Perspektive

  • Christian Fuchs

    Zur Theoriebildung und Analyse der digitalen Arbeit – Die globale Produktion digitaler Hard- und Software (Teil I)

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Lenin zu „Vereinigte Staaten von Europa“

Antikapitalismus

Genau heute vor 100 Jahren hat sich der prominente Marxist und Staatsmann Wladimir Lenin zu der politischen Idee der Vereinigten Staaten von Europa geäußert. Lenin zu zitieren gilt in der postmodernen, sich von Klassentheorie und -kampf distanzierenden Linken als absolutes „No go“ und unschicklich, weil Lenin ja Vorbote bzw. Vollstrecker des Totalistarismus in Russland war. Wie auch immer man zu Lenins politischer Praxis stehen mag, so lohnt sich die Lektüre des einen oder anderen Gedankens von Lenin, um die heutige kapitalistische Wirklichkeit (z. B. die EU) zu verstehen. So auch seine Äußerungen zu den Vereinigten Staaten von Europa im Sozial-Demokrat Nr. 44 vom 23. August 1915 (nachzulesen in: Lenin Werke, Band 21, Seite 342-346; Dietz Verlag Berlin, 1972; siehe auch Interview mit Alfred Kosing in jW):


 

In Nr. 40 des „Sozial-Demokrat“ teilten wir mit, dass die Konferenz der Auslandssektionen unserer Partei beschlossen hat, die Frage der Losung „Vereinigte Staaten von Europa“ bis zur Erörterung ihrer ökonomischen Seite in der Presse zu vertagen (1).

Die Diskussion über diese Frage hatte auf unserer Konferenz einseitig politischen Charakter angenommen. Das war zum Teil vielleicht dadurch hervorgerufen, dass diese Losung im Manifest des Zentralkomitees direkt als politische Losung formuliert ist („die nächste politische Losung …“ – heisst es dort), wobei nicht nur von republikanischen Vereinigten Staaten von Europa gesprochen, sondern noch speziell betont wird, dass diese Losung sinnlos und verlogen ist, „wenn die deutsche, die österreichische und die russische Monarchie nicht auf revolutionärem Wege beseitigt werden.“

Gegen eine solche Fragestellung im Rahmen der politischen Beurteilung dieser Losung zu polemisieren – z.B. von dem Standpunkt aus, dass sie die Losung der sozialistischen Revolution verdunkle oder abschwäche u. dgl. mehr, wäre vollkommen falsch. Politische Umgestaltungen in wahrhaft demokratischer Richtung, erst recht aber politische Revolutionen können keinesfalls und niemals, unter keinen Umständen die Losung der sozialistischen Revolution verdunkeln oder abschwächen. Im Gegenteil, sie bringen sie stets näher, verbreitern ihre Basis, ziehen neue Schichten des Kleinbürgertums und der halbproletarischen Massen in den sozialistischen Kampf hinein. Andererseits aber sind politische Revolutionen unvermeidlich im Verlauf der sozialistischen Revolution, die man nicht als einzelnen Akt betrachten darf, sondern als eine Epoche stürmischer politischer und ökonomischer Erschütterungen, des schärfsten Klassenkampfes, des Bürgerkriegs, der Revolutionen und Konterrevolutionen betrachten muss.

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In eigener Sache

Was sonst noch in der Welt passiert

„Ökodepaso“ ist der etwas merkwürdig klingende neue Name dieses Blogs, der nun seit über fünf Jahren die gesellschaftliche Entwicklung des entwickelten Kapitalismus in Deutschland und anderen Teilen der Welt beobachtet. Der neue Name reflektiert eine persönliche Weiterentwicklung des Autors, dessen am Anfang des Studiums bestehenden Studieninteressen (die Entwicklung des Wahlgeschehens und der Parteiensysteme in Europa) sich stärker auf die antikapitalistische politische Theorie und Praxis verschoben haben.

Ökodepaso steht für einen Blog, der für Politische Ökologie, Demokratie, Pazifismus und Sozialismus streiten möchte. Grundlegende Ansicht des Autors ist, dass die bestehenden kapitalistischen Verhältnisse radikal überwunden werden müssen, weil bei Fortbestehen des kapitalistischen Systems früher oder später die Existenz der Menschheit nicht mehr möglich ist. Der Kapitalismus ruft eine Reihe von Problemen hervor, die er nicht mehr in seiner Systemlogik beherrschen oder überwinden kann: Hunger, Massenarmut, soziale Ungleichheit, Klimaerwärmung, kriegerische Konkurrenz unter den Nationalstaaten etc. Alle diese Probleme betreffen (in unterschiedlichem Ausmaß) die ganze Welt und können meiner Ansicht nach nur überwunden werden, wenn wir die grundlegenden Prinzipien, die in „unserer“ (ich habe diese Prinzipien nie gewählt) Gesellschaft wirken, völlig umkrempeln.

Ich kenne nur eine Gesellschaftstheorie auf dieser Welt, die erfolgsversprechend erscheint, dieses Anliegen zu ermöglichen: der auf Karl Marx und Friedrich Engels aufbauende Marxismus. Daher ist es das Ziel dieses Blogs, in dessen Sinne Aufklärung über die zerstörerischen und menschenverachtenden Gesellschaftsverhältnisse zu betreiben und die Leser zu einer antikapitalistischen Haltung zu bringen, über kritikwürdige Entwicklungen zu berichten und alternative Politik zu informieren, die in den von profitsüchtigen Medien ignoriert werden, damit die Menschen nicht auf „falsche“ Gedanken kommen.

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Übersicht linksalternative Medien

Antikapitalismus

Tages- und Wochenzeitungen

Tageszeitung „Junge Welt“ – einzige parteiunabhängie, marxistische Tageszeitung in Deutschland

Neues Deutschland – LINKE-nahe, sozialistische Tageszeitung

„Der Freitag“ – linksbürgerliche Wochenzeitung (Chefredakteur: Jakob Augstein)

Unsere Zeit – Wochenzeitung der DKP

Vorwärts – Zweiwochenzeitung der Partei der Arbeit (Schweiz)

Neue Rheinische Zeitung – parteiunabhängie Wochenzeitung in Tradition der alten NRhZ

Monats- und Quartalszeitschriften

Blätter für deutsche und internationale Politik – gesellschaftskritische, bürgerliche Monatsschrift

Hintergrund – Das Nachrichtenmagazin – einmal im Quartal erscheinendes linkes Nachrichtenmagazin

Zeitschrift Z. Marxistische Erneuerung – wissenschaftliche, marxistische Vierteljahresschrift

Kommunistische Arbeiterzeitung – marxistische Vierteljahresschrift

Arbeiterstimme – marxistischische Vierteljahresschrift

Marxistische Blätter – DKP-nahe Zweimonatsschrift (Theorieorgan)

Theorie & Praxis – DKP-nahe Zeitschrift

RotFuchs – marxistische, parteiunabhängige Monatsschrift („Tribüne für Kommunisten und Sozialisten in Deutschland)

Ossietzky – Zweiwochenschrift für Politik

express – Zeitschrift für sozialistische Betriebs- und Gewerkschaftsarbeit

Zeitschrift Luxemburg – Zeitschrift der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Analyse & Kritik – Monatsschrift der radiaklen Linken

Das Argument. Zeitschrift für Philosophie und Sozialwissenschaften (wissenschaftliche Publikation)

Prokla – Zeitschrift für kritische Sozialwissenschaft

Marx21 – Zeitschrift und Homepage der LINKE-Strömung Marx21

Zeitschrift Widersprüche – Forum für Theorie & Politik des Sozialen, Kritik & Kontroverse sowie Entwürfe alternativer Praxis

New Left Review – brit. Zeitschrift des westlichen Marxismus

Internetportale/Blogs

altonabloggt – Blog der „Hartz IV-Rebellin“ Inge Hannemann

Nachdenkseiten – Internetprojekt auf Initiative von Albrecht Müller (SPD) und Wolfgang Lieb

kommunisten.de – DKP-nahes Nachrichtenportal

www.redglobe.de – (Informationsangebot des Hans-Beimler-Zentrums)

Online-Magazin Freiheit-durch-Sozialismus – Onlinemagazin für antikapitalistische Politik (viele Autoren der Antikapitalistischen Linken in der LINKEN)

Robert Katzenstein Online – Schriften Robert Katzensteins (1928 – 2006), eines marxistischen Wirtschaftswissenschaftlers

Homepage von Mohssen Massarrat (marxistischer emer. Politikwissenschaftler der Uni Osnabrück)

Portal amerika21.de – Nachrichten und Analysen aus Lateinamerika und der Karibik

Civaka Azad – Kurdisches Zentrum für Öffentlichekitsarbeit e.V.

Informationen über Kuba

https://cubaheute.wordpress.com/

Granma – deutschsprachige Ausgabe der Granma, der Zeitung der Kommunistischen Partei Kubas

http://www.netzwerk-cuba-nachrichten.de/cuba/ (Netzwerk Cuba Deutschland)

https://redcuba.wordpress.com/ – Blog des Netzwerks Kuba Österreich

https://berichteaushavanna.wordpress.com/

amerika.21.de

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Neue Ausgabe der marxistischen Zeitschrift Z

Politische Theorie

Die neue Ausgabe der marxistischen Zeitschrift Z. Marxistische Erneuerung (Editorial) beschäftigt mit folgenden Themen (Inhaltsverzeichnis zum Download):

Themenschwerpunkt Literatur (in) der Krise

Salomon – Krise, Kunst und Politische Ästhetik /

Amlinger – Von der Schreibkrise zur Krise des Schreibens /

Gringmuth – Das trunkene Schiff – bürgerliche Fluchtbewegungen /

Göcht – Realismus als Prinzip – Lukács/

Peter – „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq /

Köhler – Privatheit und Krise /

Solty – Die Tragödie des Leistungsträgers – Enno Stahl /

Jung – Literatur und Überwachung /

Rümmler – Werkkreis Literatur der Arbeitswelt

 

Thema Flüchtlingspolitik und Neuformierung der Rechten

Jakob – EU-Flüchtlingspolitik /

Wiegel – Bürgerbewegung von rechts – PEGIDA

 

Thema Internationale Linke

Gkolfinopoulos – Syrizas Weg /

Amini – Internationale Gewerkschaftsstimmen /

Biver – Die europäische Linke seit den 1970er Jahren

 

Thema Staat und Recht

Booß-Ziegling – Berufsverbote im Niedersächsischen Landtag /

Lieberam – Marxistische Sicht auf Staat, Politik, Recht und Verfassung

 

Und: Schleifstein – Mehring und die Oktoberrevolution /

Harich – Über Jean Paul

Sowie: Berichte, Buchbesprechungen


 

Die Inhaltsverzeichnisse der Ausgaben Z.01 – Z.80 als PDF-Datei zum Download

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Neue Z erschienen

Antikapitalismus, Politische Theorie

Dieser Tage erschien die letzte Ausgabe der Zeitschrift Z. Marxistische Erneuerung für dieses Jahr. Themenschwerpunkt ist „1974-2014 – Epochenumbruch?“ Hier eine Übersicht aller Beiträge:

Editorial

1974-2014 – Epochenumbruch?

Dieter Boris: Der „Erdrutsch“ – zentraler Epochenbruch? Reflexionen über neuere Zäsuren: 1945 – 1973ff. – 1989/91

Elmar Altvater: Wertform, Naturform, der Doppelcharakter der Ware und das ökologische Weltsystem. Ein vorausschauender Rückblick auf das Kapitalozän

Eine neue Phase des Kapitalismus

Lucas Zeise: Der Sieg des Neoliberalismus

Joachim Bischoff: Das neue Gesicht des Kapitalismus. Der Aufstieg des finanzgetriebenen Kapitalismus und die Große Krise 2007ff.

Jörg Goldberg: Die Große Krise und der Aufstieg des Südens

Heinz Petrak: SMK-Theorie und gegenwärtige Weltwirtschaftskrise

Georg Fülberth: Piketty: Verteilungsgeschichte des 20. Jahrhunderts

Globalisierung – Digitalisierung – Umweltkrise

Jörg Roesler: Globalisierung und Digitale Revolution – Totengräber des Realsozialismus?

Werner Goldschmidt: Alle reden von der Digitalen Revolution – wir nicht?

Wolfgang Pomrehn: Umweltpolitik: Kann die Industriegesellschaft noch rechtzeitig umgebaut werden?

Soziale Brüche

André Leisewitz: Klassenverhältnisse: Aktivierung der Konkurrenz

Ursula Schumm-Garling: Veränderte Geschlechterbeziehungen?

Steffen Lehndorff: Moderne Zeiten in der Arbeitswelt

Michael Zander: Wachsende Unsicherheit, zunehmende psychische Beanspruchung. Zu veränderten Lebens- und Arbeitserfahrungen im „High-Tech-Kapitalismus“

Neue Weltordnung

Werner Ruf: Vom Ende der Bipolarität zurück in die Anarchie?

Karin Kulow: Der Aufstieg des politischen Islamismus in der arabisch-islamischen Welt

Helmut Peters: Das Kapital und die „sozialistische Marktwirtschaft” in der VR China

Postdemokratie und die Linke

David Salomon: Postdemokratisierung und Strukturwandel der Öffentlichkeit

Stefan Schmalz: Das Ende des Niedergangs? Deutsche Gewerkschaften in der Krisenperiode seit 2008

Frank Deppe: Die Linke in der großen Transformation

Optionen der Linken

Michael Brie:Die „Produktivität“ des Kapitalismus und Optionen der Linken

Ekkehard Lieberam: Gegenmacht entwickeln, Anpassungspolitik stoppen

Conrad Schuhler: Transformation heißt: den Kapitalismus überwinden

Margarete Tjaden-Steinhauer, Karl Hermann Tjaden: Heilige Kühe

Archiv

Rosa Luxemburg: Taktik der Revolution (1906), Mit einem Kommentar von Holger Politt

Marx-Engels-Forschung

Thomas Kuczynski: Die historisch-kritischen Editionen von Kapital Band I in der MEGA – unabdingbarer Ausgangspunkt einer neuen Textausgabe

Klaus Müller: Welche Arbeitszeit ist gesellschaftlich notwendig?

Weitere Beiträge

Klaus Steinitz: Wirtschaftstheorie und -praxis in der DDR

Buchbesprechungen

Jörg Goldberg zu Hans Jürgen Krysmanski: Marx und die neuen Themen

Sebastian Klauke zu „Marx und Russland“. Neues aus der Marx-Engels-Forschung

Reiner Zilkenat zu Heiner Karuscheit: Ungewollt das Geschäft der Kriegspartei erledigt

Günter Benser zu Axel Weipert: Das Rote Berlin

Friedrich Sendelbeck zu Klaus Brill u.a. [Hrg.]:NS-Geschichte im Saarland

Karl Unger zu Hans Hautmann u.a.:Historische Streifzüge durch Österreich

Günter Benser zu Theodor Bergmann: Kämpferische Generation

Gerd Wiegel zu Reinhard Kühnl: Faschismustheorien

Harald Werner zu Steffen Lehndorff: EU: Spaltende Integration

John Lütten zu Hao Ren u.a.: Streikberichte aus China

Klaus Steinitz zu Michael Brie [Hrg.]:Transformationsstrategie der Linken – Vorschläge

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Historisch-Kritisches Wörterbuch des Feminismus

Antikapitalismus, Politische Theorie

Gerade ist der dritte Band das Historisch-kritischen Wörterbuchs des Feminismus „KOLLEKTIV BIS LIEBE“ im Argument Verlag erschienen.

Hier ein Zitat aus der Verlagsinformation:

„Das feministische Wörterbuch versammelt Stichworte aus dem großen
„Historisch-kritischen Wörterbuch des Marxismus“, die insbesondere für
Frauenbewegung, Frauenforschung, Frauen im Aufbruch wesentlich und
nützlich sind. In vielen Disziplinen gibt es inzwischen
Wissenschaftlerinnen, die den tradierten Wissenschaftskorpus mit ihren
Fragen nach Frauen aufgebrochen haben. Es wächst die Nachfrage nach
marxistisch-feministischem Wissen. Dieses liefert das kleine Wörterbuch
in theoretisch versiertester Form: mit historischem Hintergrund,
umsichtig zutage geförderten Widersprüchen und nützlichen Verweisen.
Einstieg in kritischen Diskurs, Überblick über theoretische Grundlagen
werden mitgeliefert. Die Stichwörter umfassen sowohl kundige
Diskussionen klassischer Begriffe als auch denkrelevant gewordenes
Vokabular aus der Lexik der Gegenwart. Band 1 ging von „Abtreibung bis
Hexe“, Band 2 von „Hierarchie/Antihierarchie bis Köchin“, der 3. Band
umfasst die Stichwörter „Kollektiv bis Liebe“.“

Hier finden die Leser mehr Informationen zum Inhalt sowie ein paar Kostproben, ein Angebot und eine Liste aller Stichwörter.

Rezension in der Jungen Welt

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Bibliographie von Andre Gorz‘ Gesamtwerk

Politische Theorie

Heute veröffentliche ich eine nahezu vollständige Bibliographie der Schriften von André Gorz, einem der zu Unrecht vergessenen und heute missachteten Vordenkern der 68er Bewegung und einer demokratischen Strategie zum Erreichen einer sozialistischen und kommunistischen Gesellschaft.

Systematisch lässt sich das politische Denken von Gorz in mindestens drei Perioden unterteilen: bis ca. 1973 (Idee der revolutionären Reformen, politisierter Gewerkschaften und der Selbstorganisation der Arbeiter), 1973-1980 (Begründung der marxistischen politischen Ökologie, Wachstumskritik) und nach 1980 (Neudenken des Marxismus, Ende der Arbeitsgesellschaft und Konzept der dualistischen Gesellschaft, bedingungsloses Grundeinkommen und Idee des Wissenskommunismus)

 

  1. Bücher Gorz, Andre (2008): Der Verräter. Vorwort von Jean-Paul Sartre. Frankfurt am
    Main 1980 (Suhrkamp). Neuauflage Zürich (Rotpunkt) [Orig.: Le traitre, preface de Jean-Paul Sartre. Paris (Edition de Seuil) 1958].

    Ders. (1959): La morale de l’histoire. Paris (Edition de Seuil). [nur frz.]

    Ders. (1964 / 1967): Zur Strategie der Arbeiterbewegung im Neokapitalismus. Frankfurt
    am Main 1967 (Europäische Verlagsanstalt) [Orig.: Strategie ouvriere et neocapitalisme. Paris (Edition de Seuil) 1964].

    Ders. (1968): Der schwierige Sozialismus. Frankfurt a. M. (Europäische Verlagsanstalt).

    Ders. (1970): Die Aktualität der Revolution. Nachtrag zur „Strategie der Arbeiterbewegung im Neokapitalismus“. Frankfurt a. M. (Europäische Verlagsanstalt).

    Ders. (Hrsg.) (1972a): Schule und Fabrik. Internationale Marxistische Diskussion 30. Berlin (Merve).

    Ders. (1974): Kritik der Arbeitsteilung. Frankfurt a. M. (Europäische Verlagsanstalt) [Orig.: Critique de la division du travail. Paris (Éditions Galilèe) 1973].

    Ders. (1975/1977): Ökologie und Politik. Beiträge zur Wachstumskrise 1. Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) [Orig.: Écologie et Politique. Paris (Éditions Galilèe) 1975].

    Ders. (1977 /1980a): Ökologie und Freiheit. Beiträge zur Wachstumskrise 2. Reinbek bei Hamburg (Rowohlt) [Orig.: Écologie et Liberté. Paris (Éditions Galilèe) 1977].

    Ders. (1980b): Abschied vom Proletariat. Jenseits des Sozialismus. Frankfurt a.M. (Europ. Verlagsanstalt) [Orig.: Adieux au proletariat, Au-delà du socialisme. Paris (Éditions Galilèe) 1980].

    Ders. (1983): Wege ins Paradies. Thesen zur Krise, Automation und Zukunft der Arbeit. Berlin (Rotbuch) [Orig.: Les chemins du paradis. L’agonie du capital. Paris (Éditions Galilèe) 1983].

    Ders. (1988/1994): Kritik der ökonomischen Vernunft. Sinnfragen am Ende der Arbeitsgesellschaft. Hamburg (Rotbuch Verlag) 1994 [Orig.: Metamorphoses du travail. Quête du sens. Critique de la raison éconornique. Paris (Éditions Galilèe) 1988].

    Ders.; Kallscheuer, O. (1991). Und jetzt wohin? Zur Zukunft der Linken, Berlin (Rotbuch).

    Ders, (1997/2000): Arbeit zwischen Misere und Utopie. Edition Zweite Moderne.

    Frankfurt a. M. (Suhrkamp) 2000 [Orig.: Misères du présent, richesse du possible. Paris (Éditions Galilèe) 1997].

    Ders. (2003/2004): Wissen, Wert und Kapital. Zur Kritik der Wissensökonomie. Zürich
    (Rotpunktverlag) [Orig.: L’immatériel. Connaissance, valeur et capital. Paris (Éditions Galilèe) 2003].

    Ders. (2006/2007): Brief an D. Geschichte einer Liebe. Zürich (Rotpunktverlag) 2007
    [Orig.: Lettre à D. Histoire d’un amour. Paris (Éditions Galilèe) 2006].

    Ders. (2009): Auswege aus dem Kapitalismus. Beiträge zur politischen Ökologie, Zürich (Rotpunkt).

  2. Aufsätze

Ders. (1961/1962): „Über das Altern«, in: Der Verräter (2008) [Orig.: »Le vieillissement«; in: Les Temps Modernes, Paris, Dezember 1961 /Januar 1962].

Ders. (1967/1968):  Reform und Revolution. Frankfurt a. M. (Europäische Verlagsanstalt) [Orig.: Réforme et Révolution, in: Les Temps Modernes, Nr. 249, pp. 1345-1388].

Ders. (1969): „Revolutionäre Organisation und studentische Bewegung“, in: alternative, Nr. 64 (Febr. 1969).

Ders. (1969): „Weder Bolschewik noch Gewerkschaftler“, in: Klassenanalyse, Berlin, Karin Kramer.

Ders. (1970): „Studium und Facharbeit heute“, in: Arbeiterkontrolle, Streiks, Klassenanalyse Berlin, Karin Kramer.

Ders. (1970): „Kapitalismus in den 70er Jahren“, in: Sozialistisches Jahrbuch 2, Berlin, (Wagenbach, Rotbuch 23).

Ders. (1971a). Ist der Westen reif für die Revolution. Zur Plattform von“ ll Manifesto“. Vorabdruck der Zeitschrift links, Stuttgart: Plakat-Kollektiv (Orig. in “ Le nouvel observateur“, nr. 315, 23.-29.11. 1970. Übers, von Dieter Meyer und Caroline Neubaur.).

Ders. (1971b): Über die Bedeutung einer revolutionären Strategie in den kapitalistischen Metropolen, in: N.N.: Kapitalismus in den siebziger Jahren. Referate vom Kongreß in Tilburg im September. Frankfurt a. M., S. 247-270 (Europäische Verlagsanstalt).

Ders. (1972b): „Technologie, Techniker und Klassenkampf“: in: Gorz (1972a), S. 14-58.

Ders. (1972c): „Die Zukunft der Gewerkschaften. Neue Widersprüche und neue Inhalte gewerkschaftlicher Kämpfe“, in: Aufgabe Zukunft. Qualität des Lebens, Bd.9: Zukunft der Gewerkschaften. Beiträge zur 4. int. Arbeitstagung der IGM für die Bundesrepublik Deutschland (11.- 14.04. 1972), Frankfurt a. M. (Europäische Verlagsanstalt), S.94-116.

Ders. (1972d): Zerschlagt die Universität. Sozialistisches Jahrbuch, 3, 75-80.

Ders. (1973a): „Technische Intelligenz und kapitalistische Arbeitsteilung“, in: Vahrenkamp, Richard (Hrsg.), Technologie und Kapital. Frankfurt a.M. (Suhrkamp),
S.94-116 [gekürzte Fassung von Gorz (1972b).

Ders. (1977): Kritik der Arbeitsteilung, in: Technologie und Politik. Hrsg. v. F. Duve, Bd. 8, 137-147 (Rowohlt).

Ders. (1980a): Das Goldene Zeitalter der Arbeitslosigkeit, in: André Gorz: Abschied vom Proletariat. Jenseits des Sozialismus, Frankfurt/M, 123-135.

Ders. (1980b): Das Ende der Politik der Vollbeschäftigung, in: Technologie und Politik. Hrsg. v. F. Duve, Bd. 15, 8-28.

Ders./ Jacques, A. (1980c): Leben, ohne zu arbeiten, in: Technologie und Politik. Hrsg. v. F. Duve, Bd. 15, 29-43.

Ders. (1983/1984): „Au-delà du salariat“, in: Projet, Nr. 177, ungenaue deutsche Übers.
in: Wiener Tagebuch, November, ferner in: Links, Nr. 170/1984;

Ders. (1984): Recht auf Einkommen … aber wie?, in: Wiener Tagebuch Nr. II; [Orig.: Droit au travail, droit au revenu, in: Alternatives economiques, Nr. 23].

Ders. (1984): Dualisierung der Arbeit in den USA, in: Links, Nr. 174.

Ders. (1985/1986): Garantierte Grundversorgung aus rechter und linker Sicht, in: M. Opielka/G. Vobruba (Hrsg.): Das garantierte Grundeinkommen, Frankfurt a.M. 1986 (Fischer-Taschenbuch-Verl.).

Ders. (1985): Abkoppelung von Einkommen und Arbeit oder von Einkommen und Arbeitszeit? Thesen zur Diskussion um das Grundeinkommen, in: Kommune, H. 5, wiederabgedruckt in: Bundesministerium für Arbeit und Soziales (Hrsg.): Basislohn/ Existenzsicherung. Garantiertes Grundeinkommen für alle?, Wien 1987.

Ders. (1985): „Arbeitszeitverkürzung und was dann? Für ein strategisches Konzept“, in: DGB Bundesschule Hattingen (Hrsg.): Hattinger Forum 4 vom 20.-24. Nov. 1985: „Weniger arbeiten – anders arbeiten – besser leben?“, Einleitungsreferat, abgedruckt in: Frankfurter Rundschau 23. und 25.11.85.

Ders. (1985): Europäische Sicherheit: Wogegen? Wofür? Womit?, in: Merkur, H.4/1986.

Ders. (1986): „Garantierte Grundversorgung aus rechter und linker Sicht“, in: Michael Opielka und Georg Vobruba (Hg.): Das garantierte Grundeinkommen. Entwicklungen und Perspektiven einer Forderung. Frankfurt am Main (Fischer-Taschenbuch-Verl.), S. 53–62.

Ders. (1986/1987): „Richtziele für eine Neugestaltung des Wohlfahrtsstaates«, in: Michael Opielka/Ilona Ostner (Hrsg.): Umbau des Sozialstaats, Essen 1987 (Klartext-Verl.).

Ders. (1986): „Jenseits von Arbeitsutopie und Arbeitsmoral“, in: Widerspruch. Beiträge zur sozialistischen Politik, H.12, Wiederabdruck in: R. Zoll (Hrsg.): Zerstörung und Wiederaneignung von Zeit, Frankfurt a. M., 1988, S. 172-192 (Suhrkamp).

Ders. (1989): »Sozialismus, Ökologie und kultureller Umbruch«, in: Die Neue Gesellschaft (Diskussion: Bremer Programm der SPD), Nr. 8, S. 732-738.

Ders (1990): Des zentralen Konfliktes alte und neue Akteure, in: Gewerkschaftliche Monatshefte, 41 (1990), Nr. 2, S. 67 – 77.

Ders. (1990): Eine Neudefinition des Sozialismus, in: Die Neue Gesellschaft, Nr. 6, S. 519 – 523.

Ders./ Keane, John (1990): Und jetzt wohin? Technologie, Ökonomie, Ökologie und die Zukunft der Arbeit, in: Lettre International, H. 8/1990, 62-69.

Ders. (1993): „Das Subjekt steht links. Perspektiven der Befreiung“, in: Bobbio, Norbert u. a. (1993): WHAT’S LEFT? Prognosen zur Linken. Berlin (Rotbuch).

Ders. (1994): „Ökonomische Rationalität und Lebenswelt“, in: Axel Honneth (Hrsg): Pathologien des Sozialen. Die Aufgaben der Sozialphilosophie. Frankfurt am Main (Fischer), S. 235-259.

Ders. (1996): Zur Zukunft der Industriegesellschaft, in: Fricke, Werner (Hrsg.): Jahrbuch Arbeit und Technik 1996, Bonn (Verl. J. H. W. Dietz Nachf.).

Ders. (1998): Jenseits der Erwerbsarbeit, in: Politische Ökologie, Nr. 54 (Mai/Juni 1998), S. 50-55 (gekürzte, überarbeitete Fassung von Gorz (1996)).

Ders. (1998): Gorz, André. „Enteignung und Wiederaneignung der Arbeit.“ Gewerkschaftliche Monatshefte 49 (1998): 6-7.

Ders. (1998). Abschied von der Erwerbsarbeit, in: taz-mag, Nr. 30 (29. Jg.), S. 8.

Ders. (2000): „Eine ganz andere Weltzivilisation denken“, in: Blätter für deutsche und internationale Politik, Nr. 5 (2000): S. 1383-1394.

Ders. (2002). „Welches Wissen? Welche Gesellschaft„, in: Heinrich-Böll-Stiftung (Hg.): Gut zu wissen. Links zur Wissensgesellschaft. Münster 14.4 (2002): 35.

Ders. (2004): Wa(h)re Arbeit, in: Tatjana Freitag/Marcus Hawel (Hrsg.): Arbeit und Utopie. Oskar Negt zum 70. Geburtstag. Humanities Online, S. 29-37.

Ders. (2004): Der neue Reichtum, in: Die Presse, 2.

Ders. (2009): Das Ende von etwas, in: Die Presse.

 

  1. Gespräche, Interviews und Diskussionsbeiträge

Ders./ Mansholt, Sicco (1973b): »Ökologie und Revolution. Eine Debatte«, in: Kursbuch Nr. 33, S. 134-144.

Leggewie, Claus (1980): Die Ökologiebewegung in Frankreich – Ein Gespräch mit André Gorz und Brice Lalonde, in: Roland Roth (Hrsg.): Parlamentarisches Ritual und politische Alternativen. Frankfurt am Main/New York (Campus), S. 179-191.

Gorz, André (1981): „Es lebe die Arbeitslosigkeit, Lohn für alle.“ Gespräch mit H. Arenz, in: Sozialismus, Nr.34.

Ders. (1981): „Laßt Rosen aus den Fäusten blühen“. Zusammenstellung von Gesprächen und Zitaten von R. Schilling, in: Tagesanzeiger. Magazin (Zürich), 25.7.81.

Ders. (1981): Gespräch mit Oxenius, in: Aesthetik und Kommunikation, H.43.

Ders. (1982): SPIEGEL-Gespräch über die Deutschland-Kritik der franz. Linken zu Polen, in: Der Spiegel, Nr. 4.

Ders. (1982): Gespräch mit C. Leggewie, in: Links. Sonderausgabe. Zeitung z. Frankfurter Friedenskongreß (17.-20.6.82), auch in: Frankfurter Rundschau (Dokumentation), 15.6.1982.

Ders. (1983): Abschied vom Proletariat? Eine Diskussion mit und über Andre Gorz. Protokoll einer Arbeitstagung vorn 30. 5. bis 3.6. 1983. Im Anhang: Interview von R. Maischein u. M. Jander mit Andre Gorz, hrsg. von DGB-Bundesvorstand, Abt. Jugend, Wiederabdruck in: Soziale Bewegungen. Jahrbuch 2, Frankfurt a. M. (Campus), 1985, S. 113-146: “Der Mensch ist ein Wesen, das sich zu dem zu machen hat, was es ist!“

Ders. (1983): „20000 Stunden sind genug“, Gespräch mit J. Altwegg, in: Bilanz 10/83.

Ders. (1984): »Die Zukunft der Arbeit«. Gespräch mit J. Altwegg u. A. Schmidt in: Basler Magazin (Beilage), 26.5.

Ders. (1984): »Ins Paradies – aber mit den Gewerkschaften!« Ein Gespräch mit K. Podak, in: Prokla, H. 55, S. 10-21

Ders. (1984): »Geld für alle ohne Arbeit?«. Gespräch mit C. Leggewie, in: Stadt Revue. Kölns Stadtillustrierte, Nr. 10;

Ders. (1985): Die Zukunft der Arbeit. T. Jahn und T. Kluge sprechen mit A. G. über die »Wege ins Paradies«, in: W. Hammann/T, Kluge (Hrsg.): In Zukunft. Berichte über den Wandel des Fortschritts, Reinbek b. Hamburg, Rowohlt, S.213-239.

Ders. (1986): »Kapitalistisches Konsummodell und Emanzipation«. Ein Streitgespräch mit P. Glotz und T. Fichter, in: Die Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte Nr. 5;

Ders. (1986): »Zukunft mitgestalten«. Gespräch mit M.Jander, in: ran (DGB-Jugend), Oktober.

Ders. (1994): „Die Lohnarbeitsgesellschaft ist nicht zu retten“. Gespräch mit Martin Kempe, in: Die Neue Gesellschaft/Frankfurter Hefte, H. 7/1994 (41. Jg.), S. 592-602.

Ders. (1997): „Das letzte Aufgebot“. Gespräch mit Peter Glotz, in: Die Neue Gesellschaft, H. 11/1997 (44. Jg.), S. 967-972.

Ders./ Völker, Wolfgang (2001): Antworten zu: Arbeit und Lohnverhältnis, Selbstentwicklung und Grundeinkommen, in: Widersprüche. Zeitschrift für sozialistische Politik im Bildungs-, Gesundheits- und Sozialbereich, Nr. 82, 21. Jg., S. 83-95.

 

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André Gorz‘ Strategie der Arbeiterbewegung

Was sonst noch in der Welt passiert

Folgender Beitrag ist die erweiterte Fassung eines Beitrags für den Blog der AG Politische Theorie in der DNGPS und befasst sich mit der Frage nach der Aktualität von André Gorz‘ politischer Theorie in seinem Werk „zur Strategie der Arbeiterbewegung im Neokapitalismus“ (1964).

Mit André Gorz betreten wir nun ein theoretisches Feld, das meiner Wahrnehmung nach gegenwärtig kaum noch nennenswerte Beachtung geschenkt wird. Bei Gorz haben wir es mit einem Autoren aus dem Umfeld von Jean-Paul Sartre zu tun, also einem Anhänger der Existentialphilosophie, der genau wie Sartre diese philosophische Richtung mit dem Marxismus zu verbinden sucht. Gorz ist ein Marxist, der sich im Gegensatz zu den Anhängern des von ihm kritisieren Parteimarxismus nicht scheut, die alten Lehren von Karl Marx zu überdenken und, fall es die zeitgeschichtlichen Umständen erforderlich machen, auch zu verabschieden (Siehe Gorz 1980). Seine theoretischen Grundannahmen sind eng mit seiner Biografie verbunden. Darauf möchte ich hier nicht en detail eingehen (vgl. dazu Krämer 2013 und Schafroth 2008), bemerkenswert ist aber, dass Gorz 1923 geboren wurde, aber seiner Umwelt suggerierte 1924 geboren worden zu sein; dass er als Jude in Wien in einem antisemitischen Umfeld aufgewachsen ist und deshalb seine Mutter das erste Mal seinen Namen veränderte, Gorz später unter zwei verschiedenen Namen publizierte (als Michael Busquet die journalistischen Texte, als André Gorz seine theoretisch-philosophischen Schriften) und dass er aufgrund der unheilbaren Krankheit seiner Frau den gemeinsamen Freitod wählte. Die Themen seiner Texte sind sowohl arbeitssoziologischer, politischer, ökologischer als auch sozialphilosophischer Natur.

Der von mir ausgesuchte Text „Zur Strategie der Arbeiterbewegung im Neokapitalismus“ ist genau 50 Jahre alt und ähnlich vergessen wie die meisten Schriften des Autors. Er steht exemplarisch für das praxisphilosophische Gesamtwerk von Gorz, der eigentlich in allen seinen Werken Antworten auf die Frage sucht: „Was hindert die Menschen zu sich selbst zu kommen, d. h. die bewußten Subjekte ihrer Handlungen zu werden und sich durch diese allseitig zu entfalten?“ (DGB-Bundesvorstand 1984: 20) Die Antworten, die Gorz in über 10 auf deutsch erschienenen Monografien und Sammelbänden gibt, haben in den 1960er bis 1980er Jahren die sozialen Bewegungen, von den 68ern über ökologische bis zu linken Gewerkschaftsbewegungen, angeregt und Anfang der 1970er sogar die politische Programmatik der Jusos und des Studierenverbandes SDS beeinflusst. Warum das Interesse an Gorz spätestens Ende der 1980er schwand, soll hier nicht erörtert werden. Meine These lautet, dass Gorz’ theoretischen Schriften mehr Aufmerksamkeit der gegenwärtigen emanzipatorischen Linken verdienen, da sie eine dem modernen Kapitalismus angepasste neomarxistische Theorie anbieten, die zugleich selbstkritisch mit den Irrtümern und theoretischen Fehlentwicklungen der im 20. Jh. dominierenden linken Strömungen (Sozialdemokratie und Marxismus-Leninismus) umgeht. Die Stärken von Gorz sind auch die auf seine eigenen politischen Ideen bezogene Selbstkritik und eine m. E. für breite gesellschaftliche Kreise verständliche Ausdrucksweise.

In der hier zu lesenden Einleitung zu diesem Text fasst Gorz die wesentlichen Thesen und Argumente aus dem 1. Teil von „Zur Strategie der Arbeiterbewegung im Neokapitalismus“ zusammen. Es handelt sich hier also weniger um eine empirisch fundierte, nach akademischer Methodik verfasste Theorie, sondern um eine normative, essayistische, in der politischen Praxis handelnde Akteure zu überzeugen versuchende Theorie. Dieses praxisphilosophische Essay befasst sich mit den Fragen, warum politischer Wandel hin zum Sozialismus überhaupt notwendig ist, was die Alternative, also der Sozialismus, sein soll und welche Akteure den Wandel mit welchen politischen Mitteln durchsetzen können bzw. sollen.

Begründung des Sozialismus

Die Einsicht und der Wille, dass der Sozialismus notwendig ist, entstehe nicht spontan aus einer Revolte heraus; dies sei seit Marx unverändert gültig. Die Notwendigkeit des Sozialismus begründet Gorz aber im Gegensatz zu den Parteimarxisten der Kommunistischen Partei Frankreichs (KPF) nicht mit dem wachsenden Elend der Arbeiter, denn es sei objektiv feststellbar, dass die absolute Armut, wie sie im Manchesterkapitalismus des 19. Jahrhunderts noch zu beobachten war, stark zurückgegangen ist. Im hochentwickelten Kapitalismus (dem Neokapitalismus) habe also die Ablehnung der kapitalistischen Gesellschaftsordnung ihre „natürliche Grundlage“ verloren (Vgl. Gorz 1969: 7). Im 19. Jh. war es noch möglich, die Notwendigkeit eines revolutionären Umsturzes der Verhältnisse von selbst zu verstehen, d. h., die Arbeiter sahen die Notwendigkeit des Klassenkampfes für den Sozialismus ein, ohne dass sie genau wussten, was der Sozialismus genau sein solle. Gorz stellt nun die These auf, dass im Neokapitalismus eine rein negative Kritik des Kapitalismus, ohne positive Definition dessen, was der Sozialismus sein soll, die Arbeiter nicht von der Notwendigkeit des Sozialismus überzeugen könne, denn mit der Entwicklung des Wohlfahrtsstaates, Mindestlöhnen und anderen Formen der sozialen Absicherung hätten die Arbeiter mehr zu verlieren als nur ihre Ketten.

Der zweite Grund, warum die Notwendigkeit des Sozialismus nicht mehr mit der Marxschen Verelendungstheorie begründet werden kann, sei, dass der Neokapitalismus Konsumenten für seine Produkte braucht und daher die Arbeiter so ausstattet, dass sie grundlegende Bedürfnisse stillen können. Kurz gesagt: Der Kapitalismus des 19. Jahrhunderts erwirtschaftete Profit, indem er die Arbeiter maximal ausbeutete; der Neokapitalismus des 20.Jahrhundert generiert Profit, indem er immer schneller neue Produkte auf den Markt bringt, die von zahlungskräftigen, ideologisch verblendeten Konsumenten gekauft werden. Gorz’ Fragestellung ist, welche neuen Bedürfnisse der entwickelte Kapitalismus erzeugt (darauf geht Gorz v. a. im IV. und V. Kap. ein) und welche Bedürfnisse heute den Sozialismus notwendig machen. Wenn man hiernach frage, komme man laut Gorz automatisch zu einer Kritik der althergebrachten Strategien der Arbeiterbewegung (Vgl. ebd.: 8f.).

Die politische Strategie zum Sozialismus

Das Problem an den Strategien der KPF und der deutschen Sozialdemokratie sei, dass der Kampf für das Ziel Sozialismus nicht mehr mit den Tageskämpfen für Verbesserungen im bestehenden Systems verbunden werde. Die Kommunisten verweisen mit der Verelendungstheorie auf den zwangsläufig geschehenden Zusammenbruch des Kapitalismus, sodass Kämpfe für soziale Teilreformen (z. B. für höheres Arbeitslosengeld) im Kapitalismus nicht notwendig bzw. sogar schädlich seien, weil solche Reformen das Klassenbewusstsein der Arbeiter unterminieren würden (Vgl. ebd.: 9f.). Hinsichtlich der Sozialreformisten kritisiert Gorz, dass sie keine Forderungen formulieren, die das herrschende System sprengen würden, selbst wenn sie den Bedürfnissen der Menschen entsprechen würden. Sie widmen sich ausschließlich dem Kampf für Teilreformen und verlören das Endziel Sozialismus dabei aus den Augen (Vgl. ebd.: 12). Gorz sieht die strategischen Möglichkeiten der Arbeiterbewegung folgendermaßen: Es gibt nicht mehr die Wahl zwischen Revolution und Reform, denn im militärisch hochentwickelten Neokapitalismus verspräche der bewaffnete Aufstand wenig Erfolg. Die Alternative sei reformistische oder revolutionäre Reformen, wobei Gorz für letztere plädiert. Unter revolutionären Reformen versteht er Forderungen, die sich „nicht danach richten, was in einem gegebenen System […] möglich ist, sondern nach dem, was möglich gemacht werden muß, um menschliche Bedürfnisse und Ansprüche zu erfüllen“ (Ebd.). Sie sind antikapitalistisch, denn sie messen die Berechtigung von Reformen nicht anhand der Kriterien kapitalistischer Rationalität.

Veränderungen durch antikapitalistische Reformen setzen Veränderung der Kräfteverhältnisse voraus, indem die Arbeitnehmer Machtpositionen erringen, von denen sie aus neue Perspektiven jenseits des Kapitalismus aufzeigen können. Denn ein weiteres Merkmal antikapitalistischer Reformen sei, das sie von denen durchgeführt werden, die sie einfordern, und nicht vom Staat oder von Parteibürokratien. Gorz’ Strategie setzt auf Massenaktionen von der Basis und auf Arbeiterselbstverwaltung, wie sie bspw. beim französischen Uhrenhersteller Lip umgesetzt wurde. Hiermit sollten die Arbeiter eine Gegenmacht aufbauen, die zu autonomer Macht in den Betrieben führt und mit deren Hilfe die Arbeiter die Grundlagen (und nicht nur Einzelaspekte) der Wirtschaftspolitik bestimmen können (Vgl. ebd.: 13-15).

Diese Strategie entwirft einen schrittweisen Übergang in den Sozialismus: Wenn die autonomen Machtpositionen in den Großbetrieben und der öffentlichen Verwaltung erobert wurden, könne der Kampf dialektisch auf eine höheren Ebene fortgesetzt und eine antikapitalistische Gesamtpolitik erarbeitet werden. Der Übergang soll durch eine permanente Mobilisierung der Arbeitermassen, die durch die permanenten Tageskämpfe für den Kampf für den Sozialismus geschult werden, organisiert werden (Vgl. ebd.: 16). Nicht zufällig klingt hier die Theorie des Massenstreiks von Rosa Luxemburg an, denn Gorz bezieht sich in dieser Zeit auch auf Lelio Basso, der sich intensiv mit Luxemburg beschäftigte. Nach Gorz sollen die Massen den Sozialismus als ein Ziel der gegenwärtigen Praxis, nicht wie bei der KPF als fernes Ziel in der Zukunft erleben, und über Teilziele, die das Endziel schon in sich einschließen, erreichen.

Definition des alternativen Gesellschaftsmodells

Was versteht Gorz nun unter Sozialismus? Hierzu ist anzumerken, dass Gorz seine Utopie einer alternativen Gesellschaft mit der Zeit immer wieder veränderte und neu konzipierte. In späteren Schriften spricht er meist von einer dualistischen oder multiaktiven Gesellschaft (Vgl. Gorz 1983 oder Gorz 2000 und Howard 2013: 56). In der Strategie-Schrift von 1964 versteht er unter Sozialismus nicht nur „die Vorherrschaft der Arbeiterklasse, […] das gesellschaftliche Eigentum an den Produktionsmitteln“, sondern „auch eine neue Art der Beziehungen zwischen den Menschen, eine neue Rangordnung der Aufgaben, ein neues Modell des Lebens und der Kultur“ (Vgl. Gorz 1969: 17 und 18). Ohne letzteres wäre der Sozialismus aus Gorz’ Sicht ohne Sinn, denn der Sinn des Sozialismus sei die Unterordnung der Produktion unter die Bedürfnisse der Menschen: „Sowohl das, was produziert wird, als auch die Art, es zu produzieren, soll sich nach den Bedürfnissen richten“ (Ebd.: 18), wobei diese Bedürfnisse im entwickelten Kapitalismus vor allem qualitativ seien. Die Menschen wollen eine vielseitige Entwicklung ihrer Fähigkeiten; daher seien rein quantitative Lohnforderungen, wie sie von den trade-unionistischen Gewerkschaften meist als vorrangige Forderungen vorgetragen werden, unzureichend. Sie wollen nicht nur von Ausbeutung, sondern auch von Entfremdung und Unterdrückung in Arbeit und Freizeit befreit werden, daher spielt die Analyse der Entfremdungsmechanismen eine herausragende Rolle nicht nur in diesem Buch (Vgl. ebd.: 73-149), sondern in allen Schriften von Gorz.

Die Akteursfrage

1964 geht Gorz davon aus, dass „in der neokapitalistischen Gesellschaft die Gewerkschaft viel mehr als die Partei der Katalysator und Ort der Bildung des Klassenbewußtseins ist“ (ebd.: 19). Diese Position vertritt Gorz aufgrund seiner äußerst kritischen Haltung zu allen damals existierenden Parteien und zur Berufspolitik im Allgemeinen: Nach Gorz versucht in der modernen Massenzivilisation die Werbung alle Kommunikationsmittel der Individuen ihren kommerziellen Erfordernissen zu unterwerfen und die Konflikte zwischen den Einzelnen zu verhüllen. Gorz versteht Entfremdung nicht nur als Faktum in der Arbeitssphäre, sondern beschreibt auch die Entfremdung der Konsumenten mit Hilfe der Marketingabteilungen der Unternehmen, die den Konsumenten den Kauf von Waren einreden wollen, die gar keinen höheren Gebrauchswert als bereits vorhandene Waren haben. Da die Unternehmen, die Presse etc. eine heterogene Zielgruppe gewinnen wollen, versuchen sie die Unterschiede zwischen den Menschen, also auch die Existenz von Klassen, durch Reklame zu vertuschen. Diese die Massenkultur tragende Ideologie dringe unvermeidlich auch in die Politik ein, sodass auch die Parteien mit Methoden des Marketings versuchen, die Gunst des Publikums zu gewinnen (Vgl. ebd.: 19f.). „Auf die ‚Massenkultur’ folgt so die ‚Massendemokratie’; […] der Wettbewerb aller Parteien um die Stimmen der ‚Mitte’, um die Gunst der am wenigsten politisierten Massen“ (ebd.: 20), wodurch die Parteien Konflikte und alles Trennende im Wahlkampf zu verschleiern versuchen.

Daher sei die Autonomie der Gewerkschaften als einzige Massenorganisation, die nicht der Logik der Massendemokratie folgt, wichtig. Gorz sieht in den 1960er Jahren in ihnen den Ort, wo die Bedürfnisse und Forderungen der Menschen formuliert werden und der Konflikt zwischen Kapital und Arbeit von den Arbeitern unmittelbar erlebt wird. Dass dieses klassenkämpferische Bild der Gewerkschaften zu optimistisch war, wurde später auch Gorz klar, der in vielen Interviews und Aufsätzen der 1980er und 1990er Jahre die trade-unionistische, fast ausschließlich auf quantitative Lohnforderungen setzende Politik der deutschen und französischen Gewerkschaftsführungen kritisierte. Gorz plädiert für eine Politisierung der Gewerkschaften, die die Bedürfnisse der Arbeiter also nicht nur im Betrieb, sondern auch im politischen Bereich vertreten sollen, dabei aber ihre Autonomie gegenüber den Parteien bewahren sollen (Vgl. ebd.: 20-23). Dieses Argument ist nur im französischen Kontext verständlich, wo die Gewerkschaften (CGT, CGT-FO, CFDT, CFNT) anders als in Deutschland strikt nach Sympathien zu bestimmten Parteien geordnet waren und noch immer sind.

Befreiung von Entfremdung und die Rolle der Wissenschaft

Abschließend erscheint mir bemerkenswert, dass Gorz’ Entfremdungskritik sowohl das kapitalistische als auch das sowjetische System betraf. Im Sozialismus der Sowjetunion sieht er nicht das Vorbild für das alternative Lebens- und Konsummodell der westlichen Gesellschaften. Dieses Modell bestand auch in den sozialistischen Ländern noch nicht, denn auch dort waren die Bedürfnisse und Kultur der Produktion untergeordnet und existierte entfremdete Arbeit (Vgl. ebd.: 25). Sozialismus ist eben nicht nur Vergesellschaftung des Eigentums an Produktionsmitteln, sondern auch die autonome Selbstbestimmung der Arbeiter. Was der Sozialismus als Gesellschaftsmodell konkret bedeuten soll, sollen die Menschen basisdemokratisch selbst bestimmen. Das Ziel der revolutionären Reformen ist aber für Gorz klar: die Befreiung der Menschen nicht nur von Ausbeutung, sondern auch von Entfremdung und Unterdrückung in Arbeit und Freizeit (Vgl. ebd.: 19).

In dem kurzen Ausschnitt aus „Die Aktualität der Revolution“ geht es unter anderem um das Thema der Beziehung zwischen Wissenschaft (Theorie) und Praxis, das ich angesichts der derzeitigen Krise der gesellschaftlichen Linken für sehr relevant halte. Gorz’ Wissenschaftsverständnis schließt an Marx an, der eine revolutionäre Kritik des Kapitalismus nur dann für möglich erachtet, wenn sie nicht allein auf Theorie, sondern auch auf eine revolutionäre Praxis beruht. Ohne die politischen Aktionen der unterdrückten Arbeiter gibt es keine revolutionäre Wissenschaft, aber genauso gilt, dass ohne theoretische Orientierung durch Wissenschaft eine erfolgreiche revolutionäre Praxis schwer vorstellbar erscheint. Gorz argumentiert gegen die Intellektuellenfeindlichkeit mancher Arbeiterrepräsentanten und betont die Rolle der Intellektuellen v. a. bei der politischen Bildung in der sozialistischen Partei, der theoretischen Analyse des Kapitalismus und der Erarbeitung einer alternativen Politik (Vgl. Gorz 1970: 6f. und 42-51).

Die Aktualität des Gorzschen Denkens

Abschließend betrachtet, worin besteht die Aktualität von Gorz’ politischer Theorie? Meines Erachtens zum einen in seinem Versuch einer ständigen theoretischen Anpassung der marxistischen Theorie an die Weiterentwicklung des Kapitalismus, die sich stärker als in den hier gelesenen Texten in Spätwerken ab „Abschied vom Proletariat“ (1980) zeigt. Weiterhin in seiner kritischen Distanz sowohl zum Sozialreformismus als auch zu orthodoxen Marxismus-Konzeptionen der Ost-Kommunisten. Die Geschichte hat gezeigt, dass sowohl der reformistische als auch der revolutionäre Weg (von Kuba abgesehen) nicht zu einem langfristigen Erfolg der sozialistischen Kräfte geführt hat. Wer wie Gorz am Sozialismus als Gesellschaftsmodell festhalten will, muss einen Mittelweg finden, bei dem bei aller Kritik an Selbstverwaltung und Basisdemokratie die Menschen die Politik selbst bestimmen bzw. machen. Die Politisierung der Gewerkschaften ist ebenfalls ein aktuelles Thema, denn bis heute sind es die Gewerkschaftsführungen, die mit ihrer sozialpartnerschaftlichen, zu stark auf tarifpolitischen Forderungen orientierten Politik die Ausprägung von Klassenbewusstsein und das Erreichen von sozial emanzipatorischen Zielen verhindern. Ohne antikapitalistische Gewerkschaften scheint mir eine Überwindung des Kapitalismus schwer vorstellbar, selbst wenn es eine starke sozialistische Partei gäbe. Und schließlich finde ich den utopischen Aspekt des Gorzschen Denkens spannend, dass also die Einsicht in die Notwendigkeit des Sozialismus heute nicht allein durch eine negative Kritik des Kapitalismus (bspw. Kapitalismus ist schlecht, weil er die Umwelt zerstört), gewonnen werden kann, sondern durch eine positive Kritik, die dem Kapitalismus eine gesellschaftliche, vielleicht utopisch erscheinende Alternative gegenüberstellt. Die Theorie bzw. linke Politik muss den Mut und die Phantasie aufbringen, um ein Konzept einer sozialistischen Gesellschaft zu entwerfen, auch wenn das sehr schwer sein mag.

Mit Gorz plädiere ich gegen Utopielosigkeit sowie für mehr Selbstkritik und Strategiedebatten in der marxistischen Gesellschaftstheorie!

 

Literatur:

Gorz, André (1969 [1964]): Zur Strategie der Arbeiterbewegung im Neokapitalismus. Frankfurt/M.: Europ. Verl.-Anstalt.

Gorz, André (1980): Abschied vom Proletariat. Frankfurt/M.: Europ. Verl.-Anstalt.

Gorz, André (2000): Arbeit zwischen Misere und Utopie. Frankfurt/M.: Suhrkamp.

Howard, Dick (2013): André Gorz und die philosophischen Voraussetzungen des Politischen, in: Berliner Debatte Initial 24, H. 4, S. 50-66. Online verfügbar unter: http://dickhoward.com/wp-content/uploads/2014/03/Gorz-Initial1.pdf.

Krämer, Hans-Leo (2013): André Gorz. Leben und Werk – eine Skizze, in: Ders. (Hrsg): „Der Horizont unserer Handlungen: den Zusammenbruch des Kapitalismus denken“. Kongress über die Ideen von André Gorz. Saarbrücken: universaar, S. 13-22. Online verfügbar unter: http://universaar.uni-saarland.de/monographien/volltexte/2013/104/pdf/ Kraemer_Gorz.pdf .

Schaffroth, Thomas (2008): Auch Ratten haben Utopien!, in: André Gorz: Der Verräter, Zürich: Rotpunktverl., S. 5-20.

 

Zum Einstieg in das politische Denken von André Gorz kann ich empfehlen:

Münster, Arno: André Gorz oder der schwierige Sozialismus: eine Einführung in Leben und Werk. Zürich: Rotpunktverl.

Bluhm, Harald/ Häger, André (2013): André Gorz – Querdenker, Philosoph, Häretiker, in: Berliner Debatte Initial 24, H. 4, S. 3-7.

Und oben zitierten Aufsatz von Hans-Leo Krämer.

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