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Lese-Tipps der Woche aus der jungen Welt

Antikapitalismus

Heute eine thematisch breit gefächerte Presseschau aus der einzigen marxistischen Tageszeitung Deutschlands, der jungen Welt:

Weniger arme Kinder mit Statistiktricks

Arbeitsagentur deklariert mehr als 126.000 unter 15jährige in Hartz-IV-Haushalten als nicht bedürftig

(Von Susan Bonath)

Millionen außen vor

Bertelsmann-Stiftung beklagt Massenphänomen Langzeiterwerbslosigkeit in Deutschland und der gesamten EU. Helfen soll ein »sozialer Arbeitsmarkt«

(Von Ralf Wurzbacher)

Vermögensweltmeister

Laut Studie besitzt ein Prozent der Weltbevölkerung fast die Hälfte des Vermögens. Sahra Wagenknecht fordert: »Mit den Reichen anlegen«

Von Simon Zeise

»Gegen Neofaschismus hilft nur Aufklärung«

Erhard Stenzel desertierte aus der Wehrmacht und schloss sich der Résistance an. In ihren Reihen kämpfte er bis zur Befreiung Frankreichs – und ging dann in die DDR, wo er als Kommunist und Gewerkschafter politische Verantwortung übernahm

(Interview: Horsta Krum)

Mit antikommunistischer Brille

Die Thüringer Landesregierung unter der Führung der Partei Die Linke delegitimiert die DDR und reproduziert herrschende Mythen über den sozialistischen Staat

(Von Ludwig Elm, Ekkehard Lieberam)

Braunkohle kostet und kostet und kostet

Studie: Konzernrückstellungen reichen nicht für Beseitigung der Langzeitschäden des Tagebaus

 

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Lese-Tipp zur Vermögensungleichheit

Antikapitalismus

Heute als Nachtrag zu meinem Bericht zur Vermögensungleichheit in Deutschland  ein Lektürehinweis von der Onlineplattform kommunisten.de:

Vermögensverteilung in Deutschland: Mega-Reichtümer werden verschleiert

29.01.2016: Die Kluft zwischen Arm und Reich reißt immer mehr auf. Wie das Bundessozialministerium jetzt in Vorbereitung des fünften Reichtums- und Armutsberichts, der im Jahr 2016 erscheinen soll, feststellt, ballen sich die Vermögen an der Spitze immer mehr zusammen. Nach den jüngsten Daten, beruhend auf der alle fünf Jahre erhobenen Einkommens- und Verbrauchsstatistik (EVS), verfügten die reichsten zehn Prozent der Haushalte 2013 über mehr als die Hälfte des gesamten Netto-Vermögens: 51,9%.

[…]

Das reichste 1% der Haushalte besitzt 33 Prozent der Vermögen

Ein Beweis!? Mitnichten! Die publizistischen Freunde der Reichen mogeln sich nur an den Tücken der Reichtumserfassung vorbei und haben zudem die zunehmende Konzentration in der Spitze nicht kapiert. Da in Deutschland seit 1997 keine Vermögensteuer mehr erhoben wird, gibt es auch keine einigermaßen zuverlässige Vermögensstatistik. Die EVS, die alle fünf Jahre erhoben wird, basiert auf Stichproben/Erhebungen, die gerade bei der Kartierung reicher Haushalte Schwachstellen aufweisen:

  • die Teilnahme ist freiwillig – Vermögende gelten bezüglich ihres Reichtums nicht gerade als auskunftsfreudig;
  • die Vermögenswerte werden von den Befragten selbst geschätzt – -problematisch bei Immobilien, Aktien, Kunst. Zudem gibt es Lücken bei der Erfassung von Kapitaleinkommen, wie Zinsen, Dividenden. Dazu kommt: Wohlhabende neigen eher zum Understatement, zumal sie das Finanzamt wittern.

Der Clou aber: Die reichsten 0,2 Prozent der Haushalte werden statistisch überhaupt nicht erfasst. Begründung: Nicht ranzukommen – klingeln Sie mal mit einem Vermögens-Fragebogen in der Hand bei Susanne Klatten (BMW)! Weiter: Keine repräsentative Erhebung möglich, Gefahr der Verzerrung durch Größtvermögen.

Nun hat aber die Vermögenskonzentration gerade in der Spitze der Vermögenspyramide stark zugenommen; d.h. immer mehr Spitzenvermögen schlagen sich in den Top 0,2% nieder, die bei der normalen EVS eben gar nicht mehr erfasst werden, aus der Statistik raus- bzw. in ein Schwarzes Loch fallen. Die zunehmende Verschleierung von Giga-Vermögen ist den Unternehmerverbänden und ihrer Presse aber Beweis für eine abnehmende Vermögenskonzentration.

 

Eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforchung (DIW), die genau das Top-Segment der Superreichen zum Gegenstand hatte, kommtdeshalb zu sehr viel aufschlussreicheren Ergebnissen. Die DIW-Forscher werteten dabei weitere Quellen aus, wie die Forbes-Liste, die Reichenlisten der Wirtschaftsmedien, Reichtumsberichte von Banken, Versicherungen und Fonds. Die Ergebnisse sind frappierend:

  • Der Anteil der Top-10-Prozent der Vermögensbesitzer ist weit höher als angenommen. „Insgesamt leitet sich daraus ab, dass die reichstenzehn Prozent der Vermögensverteilung 74 Prozent des gesamten Nettovermögens 2012 halten“ (DIW-Wochenbericht, 7/2015, S. 131).
  • Die reichsten ein (1%) Prozent der Haushalte in Deutschland besitzen 33% der Vermögen (S. 131).
  • Und die Spitze der Spitze: Das oberste Promille (1 %o ) – das sind ungefährt 40.000 Haushalte, buchstäblich die Oberen Zehntausend – halten mehr als 17 Prozent des Reichtums (ebenda).

Dieses Promille und auch das zweite – insgesamt ja 0,2% – werden im Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung überhaupt nicht erfasst. Die Kluft zwischen Arm und Reich tut sich weiter und abgrundtief auf, sie verringert sich nicht etwa.

Mega-Reiche

Dazu sei folgendes ergänzt. Die Entwicklungshilfe-Organisation Oxfam hatte zur Jahreswende mit ihrer Studie für Aufsehen gesorgt, wonach die 62 reichsten Menschen der Welt so viel besitzen wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.

Eine ähnliche Rechnung lässt sich auch für Deutschland aufmachen: Danach besitzt die ärmere Hälfte der Bevölkerung 1% des Nettovermögens, was gerade mal 63 Milliarden Euro entspricht (2012: 6,3 Billionen Euro gesamtes Nettovermögen). Das Managermagazin listet jedes Jahr die 500 reichsten Deutschen und Familienclans auf. Sie brachten es 2015 auf ein gesamtes Vermögen von 654 Milliarden Euro – 6,9 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Null-Zinsen auf Sparbücher jucken sie nicht, im Gegenteil: Sie greifen auf die spottbilligen EZB-Gelder zu und verwenden sie zu Spekulationszwecken.

Hier die Reichtums-Rechnung: Die Top 3 der Milliardärs-Clans bringen es zusammen auf 65,5 Milliarden Euro Vermögen (Quandt/Klatten (BMW): 26,5 Mrd.; Georg und Maria Schaeffler: 20,0 Mrd; Albrecht und Hester (Aldi Süd): 19 Mrd. Euro). Die drei allerreichsten Familien in Deutschland haben mehr Vermögen als die zwanzig Millionen ärmeren Haushalte.

[…]

Vollständiger Artikel hier

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Armut und Reichtum sind untrennbar

Antikapitalismus

Eines der charakteristischsten Merkmale des Kapitalismus ist seine stetige Produktion von Ungleichheit. Wettbewerb und stetige Kapitalakkumulation sorgen dafür, dass die Menschen in kapitalistischen Gesellschaften in zwei Klassen geteilt werden: in die Gewinner, deren Vermögen und damit auch politische Macht fast exponentiell stetig wächst, und in die Verlierer, deren Vermögen und Macht entsprechend sinkt. Der kapitalistisch erzeugte Reichtum verteilt sich eben nicht egalitär (gleichmäßig) unter allen Menschen; da die Produktionsmittel Privateigentum sind, werden die Gewinne aus der Produktion von den (wenigen) Besitzern von Produktionsmitteln angeeignet. Durch den Wettbewerb auf Märkten werden einige Produzenten immer größer, verdrängen oder kaufen andere Konkurrenten auf. So entsteht wirtschaftliche und politische Ungleichheit. Und wegen dieser Ungleichheit entstehen übrigens auch sog. „Flüchtlingsströme“, liebe Asylgegner und Pegidafreunde. Wer keine Flüchtlinge ins Land lassen will, sollte dafür sorgen, dass der Reichtum einer winzigen Minderheit hier und überall in den Industrieländern ordentlich besteuert wird und in den Aufbau einer nachhaltigen Wirtschaft in den Entwicklungsländern investiert wird.

Neue Studien belegen, dass die Vermögensungleichheit immer weiter zunimmt. So meldet Oxfam:

„Ein Prozent der Weltbevölkerung hat mehr Vermögen als der Rest der Welt zusammen. Nur 62 Menschen besitzen genauso viel wie die ärmere Hälfte der Weltbevölkerung. Die weltweite soziale Ungleichheit hat einen neuen Höchststand erreicht.

Ein Grund ist die Steuervermeidung von Unternehmen und reichen Einzelpersonen durch ein System von Steueroasen, das vor allem den Reichen zugutekommt und die Kluft zwischen Arm und Reich vertieft.

Neun von zehn weltweit agierenden Konzernen haben mindestens eine Tochterfirma in Steueroasen. Durch die Steuervermeidung von Unternehmen gehen Entwicklungsländern jährlich mindestens 100 Milliarden US-Dollar an Steuereinnahmen verloren. Reiche Einzelpersonen halten in Steueroasen rund 7,6 Billionen US-Dollar versteckt – unversteuert. Multinationale Konzerne und viele reiche Einzelpersonen entziehen sich damit ihrer gesellschaftlichen Verantwortung.

Durch das globale Steuervermeidungssystem werden den Bürger/innen in armen Ländern die notwendigen Gelder vorenthalten, die zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ungleichheit dringend benötigt werden, insbesondere Investitionen in Bildung, Gesundheitsversorgung und soziale Sicherung. Auch in reichen Ländern fehlen dringend benötigte Ressourcen zur Finanzierung des Wohlfahrtsstaats und der öffentlichen Infrastruktur, von der auch große Unternehmen abhängig sind. Steuervermeidung verhindert eine gerechtere Verteilung von Ressourcen, ohne die soziale Ungleichheit nicht bekämpft werden kann.

Wer soziale Ungleichheit und Armut bekämpfen will, muss Steuergerechtigkeit schaffen und Steueroasen trockenlegen.“

Das Vermögen der 62 Reichsten wuchs binnen fünf Jahren um mehr als eine halbe Billion US-Dollar, während das Gesamtvermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung um rund eine Billion Dollar zusammenschmolz (Quelle: Neues Deutschland). Link zur Oxfam-Studie (deutsch)


 

Was die einen im Überfluss besitzen, fehlt den anderen, oder nach B. Brecht:

„Reicher Mann und armer Mann
standen da und sahn sich an.
Und der Arme sagte bleich:
»Wär ich nicht arm, wärst du nicht reich«.“

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Vermögensboom setzt sich laut Allianz fort

Antikapitalismus

Die Allianz hat wieder ihren Allianz Global Wealth Report veröffentlicht, um uns über den wachsenden, leider völlig ungleich verteilten Reichtum zu informieren (mein Bericht zum letztjährigen Report). Ich könnte den letztjährigen Bericht einfach kopieren, die Tendenz ist immer noch die gleiche: die Reichen werden reicher, die Armen werden nicht weniger. Dass der Reichtum wächst wäre auch gar nicht schlecht, wenn dieser Reichtum nur ordentlich besteuert würde und damit auch der Allgemeinheit (also auch den Armen) zugute käme. Doch leider schließen die von der Mehrheit gewählten Politiker aus den Ergebnissen der zig Reichtumsstudien nicht die richtigen Schlüsse und verweigern sich der Erhebung einer progressiven Vermögenssteuer.


 

Hier die wichtigsten Ergebnisse der Studie (zitiert nach Allianz):

  • Globales Netto-Geldvermögen übertrifft 100-Billionen-Euro Marke
  • China überholt Japan
  • Erstmals über eine Milliarde Menschen in der Vermögensmittelklasse
  • Deutschland auf Platz 18 der globalen Rangliste
  • Starke Umverteilung zwischen den Euroländern durch Nullzinspolitik
  • Gini-Koeffizient zeigt ungleiche Vermögensverteilung in Deutschland

Die Allianz hat heute die aktuelle Ausgabe ihres „Global Wealth Reports“ vorgestellt, der die Vermögens- und Schuldenlage der privaten Haushalte in über 50 Ländern analysiert. 2014 ist die globale Vermögensentwicklung durch drei Ereignisse gekennzeichnet: Das globale Netto-Geldvermögen der privaten Haushalte überstieg 100 Billionen Euro, Chinas privates Vermögen übertraf dasjenige Japans und mehr als eine Milliarde Menschen gehörten zur globalen Vermögensmittelklasse. Im Detail:

 

2014 erzielte das globale Brutto-Geldvermögen der privaten Haushalte eine Zuwachsrate von 7,1%; das robuste Wachstum der Vorjahre setzte sich damit mit nur leichten Abstrichen fort. Getragen wird dieses Wachstum zunehmend von gesteigerten Sparanstrengungen; in Asien und Amerika gaben auch die Aktienmärkte weiter Rückenwind. Rund um den Globus summierte sich der Brutto-Vermögensbestand auf ein neues Rekordniveau von EUR 136 Billionen. Damit übertrifft das Vermögen der privaten Haushalte den Wert aller weltweit an einer Börse gelisteten Unternehmen sowie sämtlicher Staatsschulden. „Viele Beobachter werden diese Zahl als Beleg für die viel beschworene Ersparnisflut interpretieren“, sagte Michael Heise, Chefvolkswirt der Allianz. „Doch das ist die falsche Perspektive. Viel zu viele Haushalte sparen angesichts der sehr niedrigen Zinsen immer noch zu wenig, um ihre Altersversorgung abzusichern. Die Politik sollte daher nicht versuchen, Ersparnis zurückzudrängen, sondern Möglichkeiten und Anreize für eine steigende Kapitalnachfrage schaffen; an Herausforderungen und Investitionsmöglichkeiten sollte es in unserer heutigen Welt nicht mangeln, die Stichworte heißen Klimawandel, Armut und Migration, Digitalisierung und Infrastruktur.“

 

Langsamer als die Vermögen kletterten 2014 die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte, nämlich weltweit um 4,3% auf insgesamt EUR 35 Billionen. Damit erreichte der globale Schuldenzuwachs im vergangenen Jahr den höchsten Wert seit Ausbruch der Krise. Aus der Differenz von Brutto-Geldvermögen und Verbindlichkeiten errechnet sich das Netto-Geldvermögen, das Ende 2014 ein neues Rekordhoch von über EUR 100 Billionen weltweit erreichte. Dies bedeutet ein Plus von 8,1% gegenüber dem Vorjahr.

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Deutschland wird ein Land von Erben

Antikapitalismus

Wie der Tagesspiegel und andere Medien heute berichten,  werden in den nächsten zehn Jahren 3,1 Billionen Euro vererbt, wobei Betriebsvermögen noch gar nicht mitgezählt werden. Dank unseres kapitalistischen Gesellschaftssystems dürfen sich aber nicht alle Erben auf theoretisch mögliche 242.000 Euro (pro Erbfall) freuen, denn durch die äußerst ungleiche Verteilung des Vermögens bzw. des Kapitals (verursacht durch die Konzentration der Produktionsmittel in den Händen weniger Kapitalfamilien und deren „Topmanager“) fallen die Erbschaften natürlich sehr ungleich aus. Die oberen zwei Prozent der Vermögenspyramide sacken schon mal 700 Mrd. Euro ein; das sind Familien wie die der kürzlich verstorbenen BMW-Großaktionärin Johanna Quandt oder der Klatten-Clan, der – oh je! – gar nicht weiß, wie er die vielen Milliarden ausgeben soll. Also ich wüsste durchaus, was man mit 17 oder 30 Mrd. Euro anfangen könnte: menschenwürdige Unterkünfte für hunderttausende Flüchtlinge, Sprach- und Integrationskurse für diese, höhere Löhne für prekär Beschäftigte im eigenen Unternehmen, dauerhafte Finanzierung von (mehr) Künstlern und Bibliotheken etc.

Bleiben wir bei den Erbschaften. Auch unter den Erbschaften der Normalverdienern, die immerhin mit 1,4 Billionen Euro rechnen können, gäbe es nach einer Studie der DIA (Deutsches Institut für Altersvorsorge, finanziert von der Deutschen Bank) große Unterschiede: In jedem achten Erbfall gibt es nämlich gar kein Geld für die Erben, sondern teils sogar Schulden; bei Menschen, die zur Miete wohnten, beträgt dieser Anteil sogar 25 %. Die Ungleichheit zeigt sich vor allem an den regionalen Unterschieden:

Große Unterschiede: In Bayern sind die Erbschaften deutlich größer als in Mecklenburg-Vorpommern.

Quelle: Tagesspiegel

In den wirtschaftlich starken Westländern Bayern und Hessen werden pro Erbschaft über 170.000 Euro fällig, in den ärmeren Ländern im Osten nicht mal 60.000 Euro. Welche politischen Schlussfolgerungen sind hieraus zu ziehen? Um die ökonomische Ungleichheit nachhaltig zu bekämpfen, sind wesentlich höhere, mit dem Erbschaftsvolumen wachsende Erbschaftssteuern einzuführen. Ökonomen wie Thomas Piketty haben das schon seit Jahren gefordert.

Mehr zur Studie kann bei der DIA oder konkret in der Studie nachgelesen werden.

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Aktuelle Lektüren: Reiche werden geschont – Altersarmut nimmt zu

Antikapitalismus

Die beiden folgenden aktuellen Meldungen passen zum kapitalistischen System, denn beides liegt mehr oder weniger in dessen Systemlogik.

Das Handelsblatt meldet, dass die OECD Deutschland wegen des zu starken Schonens von Bestverdienenden bei der Besteuerung: „Eine OECD-Studie prangert die Steuersysteme an: Viel zu häufig könnten Reiche Steuern vermeiden oder hinterziehen – auch in Deutschland. Dabei gäbe es eine einfache Möglichkeit, das zu verhindern.“ Weiterlesen hier.


 

Das Statistische Bundesamt gab folgende Pressemitteilung heraus:

KORREKTUR der Pressemitteilung 280/15 vom 6. August 2015: März 2015: 512 000 Personen beziehen Grundsicherung im Alter

WIESBADEN – Im März 2015 bezogen in Deutschland rund 512 000 Personen Leistungen der Grundsicherung im Alter nach dem 4. Kapitel des Zwölften Buches Sozialgesetzbuch (SGB XII „Sozialhilfe“). Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, waren unter diesen Leistungsbeziehern mit 61 % mehr Frauen als Männer (39 %).

In der Pressemitteilung 280/15 vom 6. August 2015 ist die Anzahl der Empfänger/innen je 1 000 Einwohner für den 31.12.2014 und März 2015 fehlerhaft berechnet worden. Die korrigierten Werte sind im weiteren Text hervorgehoben und in der Tabelle aufgeführt 

Im März 2015 erhielten im früheren Bundesgebiet 34 von 1 000 Einwohnern im Rentenalter ab 65 Jahre und 3 Monate Leistungen der Grundsicherung; in den neuen Ländern einschließlich Berlin waren es 20 von 1 000 Einwohnern. Spitzenreiter unter den Bundesländern war der Stadtstaat Hamburg (74 je 1 000 Einwohner). Die Bevölkerung in Thüringen (10 je 1 000 Einwohner) und Sachsen (11  je 1 000 Einwohner) nahm diese Leistungen am seltensten in Anspruch.

Auf Grundsicherung sind im Rentenalter insbesondere Frauen im früheren Bundesgebiet angewiesen: Im März 2015 bezogen im früheren Bundesgebiet 36 von 1 000 Frauen und 30 von 1 000 Männern dieses Alters Leistungen der Grundsicherung. In den neuen Ländern einschließlich Berlin waren es jeweils 20 von 1 000 Frauen beziehungsweise 1 000 Männern.

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Geldvermögen in Deutschland wächst ungebremst

Antikapitalismus

Die Deutsche Bundesbank sorgt wieder für Propagandamaterial für Merkel und andere Mitglieder der Herrschaftselite, die uns permanent das Märchen vom Aufschwung in Deutschland erzählen. In einer Pressemitteilung wird darauf verwiesen, dass im ersten Quartal 2015 das Geldvermögen der privaten Haushalte gegenüber dem Vorquartal außergewöhnlich kräftig um knapp 140 Mrd. Euro oder 2,8 % zugenommen hat. Insgesamt beträgt das Geldvermögen damit 5212 Mrd. Euro, das ist das Vermögen ohne Einbeziehung von Immobilien und anderem Sachwerten (wie Gemälden, Gold etc.). Weiter erfahren wir:

„Dieser Vermögenszuwachs setzt sich zusammen aus einer auf Transaktionen basierenden Geldvermögensbildung in Höhe von knapp 53 Mrd € und Bewertungsgewinnen im Umfang von gut 87 Mrd €. Hinsichtlich der Anlageformen war der bereits seit Längerem zu beobachtende Trend hin zu liquiden und risikoarmen Anlagen im Berichtsquartal erneut deutlich ausgeprägt. Die Verbindlichkeiten der privaten Haushalte nahmen in ähnlichem Umfang wie im Vorquartal zu, sodass das Nettogeldvermögen im ersten Quartal 2015 kräftig um knapp 137 Mrd € oder 3,9 % auf 3 624 Mrd € anstieg.“

Über die ungleiche Verteilung dieses Vermögens schweigt die Bundesbank, insofern sagen uns diese Zahlen wenig über die wirtschaftliche Lage der Durchschnittsbevölkerung. So können sie aber prima zum Erzählen des Wirtschaftswunders in Deutschland beitragen, ohne mit dem sozialen Elend der deklassierten Klassen in Deutschland und vor allem im Rest Europas, der unter der Wirtschaftspotenz Deutschlands leiden, zu konfrontieren.

Siehe Downloads:

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Reichtum wächst und wächst und wächst

Antikapitalismus

Der „Global Wealth Report 2015: Winning the Growth Game“, veröffentlicht Mitte Juni von der Boston Consulting Group BCG, verkündet nichts Neues, was nicht heißt, dass diese Entwicklung uns nicht beunruhigen sollte. „Super-Reiche werden noch schneller reicher“ titelt die Internetplattform kommunisten.de, deren Bericht ich hier vollständig zitieren möchte:

20.06.2015: Die Boston Consulting Group BCG veröffentlichte Mitte Juni ihren ”Global Wealth Report 2015: Winning the Growth Game“. Der Bericht strotzt vor Erfolgsmeldungen. Die weltweiten privaten Finanzvermögen (Betriebsvermögen, Immobilien, Luxusgegenstände sind nicht dabei) stiegen von 2013 auf 2014 um 17,5 Billionen US$ (17.500.000 Millionen US$) auf 164,3 Bio US$.

Dabei bedeutet “weltweit“ nur 62 Länder, etwa ein Drittel der knapp 200 UNO-Mitglieder. Weggelassen wurden vor allem alle afrikanischen Länder südlich der Sahara (außer Südafrika) und die meisten des früheren RGW, der sich von Jugoslawien bis Vietnam erstreckte. Hier gibt es zwar viele Menschen, aber kein Finanzkapital. In den kommenden fünf Jahren bis 2019 soll das weltweite Finanzvermögen auf 222 Bio US$ steigen. Dies ist das 2,4-fache der vom Internationalen Währungsfonds für 2019 erwarteten Welt-Wirtschaftsleistung, dem Welt-BIP, in Höhe von 93 Bio US$.

BCG notiert eine starke Alte-Welt- gegen Neue-Welt-Dynamik. Erstere besteht aus Nordamerika, Westeuropa und Japan; in ihnen lagern derzeit mit 105 Bio US$ noch 64 % des Weltvermögens, aber die Neue Welt – das sind dann alle anderen Regionen, insbesondere die asiatischen Schwellenländer – holen auf: 2019 sollen sie schon 43 % des Weltvermögens auf sich konzentrieren. Asien ohne Japan ist seit 2014 die Region mit dem zweithöchsten Vermögen und wird bis 2019 den Spitzenplatz einnehmen, vor Nordamerika und Westeuropa. Angesichts des viel höheren Tempos beim Wirtschaftswachstum ist das wenig verwunderlich.

Woher kommt das Finanzvermögen?

Bei dieser Frage diskutiert BCG nicht etwa die Marxsche Ausbeutungstheorie, sondern sie unterscheidet zwischen Neuem Reichtum und Erträgen aus bestehendem Reichtum. Im Weltdurchschnitt stammen etwa drei Viertel des Zuwachses von 17,5 Bio US$ in 2013/14, also 13 Bio US$, aus Erträgen aus bestehendem Reichtum (in Nahost und Lateinamerika etwas weniger, in Japan mehr). Der wesentliche Punkt hier sind Anlagen in Aktien und ähnliche Beteiligungen. Sie brachten 2014 über Kurssteigerungen und Dividendenzahlungen eine Rendite von 11 %. Nicht zu verachten sind auch Schuldverschreibungen (Staatsanleihen usw.) mit einer Rendite von 6 %. Der so genannte Neue Reichtum brachte 2014 die restlichen 5 Bio US$. Sie resultieren laut BCG aus den Ersparnissen aus der gestiegenen Wirtschaftsleistung 2014. Das Welt-BIP betrug 2014 laut IWF 77 Bio US$. Aus diesem Wert wurden also die genannten 5 Bio US$ und ein wesentlicher Teil der obigen 13 Bio US$ für die Aufschatzung von Finanzvermögen verwendet – ungeheuer riesige Mengen an geronnener Arbeit, die denjenigen zukommen, die 2013 schon ein ordentliches Finanzvermögen hatten.

Wer besitzt das Finanzvermögen?

Laut BCG gab es 2014 weltweit 17 Millionen Millionäre. Auch wenn das mehr sind als Bayern Einwohner hat, so ist das im Verhältnis zur Weltbevölkerung ein verschwindend geringer Prozentsatz. Sie hielten mit 68 Bio US$ 41 % des privaten Finanzreichtums von 164 Bio US$. In nur fünf Jahren, bis 2019, soll ihr Anteil auf 46 % von 222 Bio US$ steigen. Weit übertroffen wird das noch von der Untergruppe der UHNW (ultra-high-net-worth), das sind die Leute mit mindestens 100 Millionen Vermögen. Es dürften etwa 20.000 weltweit sein, also wiederum ein winziger Bruchteil unter den Millionären. Ihr Vermögen soll von heute 10 auf 18 Bio US$ steigen, ein Anstieg um 80 %.

Geld in Steueroasen

Rund 10 Bio US$ liegen heute Offshore – das ist bei BCG ausländisches Geld, das den Banken und Vermögensverwaltern in den einschlägigen Steueroasen von der Schweiz bis zu den Britischen Jungferninseln zugeflossen ist (allein ein Viertel davon in der Schweiz). Leider gibt BCG keine Auskunft, auf welche Vermögenshalter diese 10 Bio US$ entfallen. Mutmaßlich der größte Teil auf die Millionäre – dann hätten sie ein Siebtel ihres Vermögens in Steueroasen angelegt. Bei den UHNW mag der Prozentsatz höher sein.

Und der Rest der Gesellschaft …

Es gibt ziemlich viel mehr Menschen, die knapp am Verhungern sind, als es Millionäre gibt: 800 Millionen Menschen nach der Statistik der UNO-Organisation FAO. Anfang der 1990er Jahre wurden die Millenniumsziele der UNO formuliert, ein Katalog von hehren Zielen für die Jahrtausendwende, der bis 2015 abgearbeitet sein soll. Ein Ziel war, den Hunger zu halbieren (eigentlich ein furchtbar anspruchsloses Ziel in einer so reichen Welt). 1991 hungerten gut 1 Milliarde Menschen – das Halbierungsziel ist also grandios verfehlt worden. In den letzten Jahren reduzierte sich die Zahl der Hungernden noch weniger als vorher. Von der Reduzierung um 215 Millionen zwischen 1991 und 2015 leistete allein China 165 Millionen.

Es ist gerade der G7-Gipfel in Elmau beendet worden. 7 Staatschefs und 7000 mitgebrachte Hiwis formulierten einen Text über die Klimaänderungen, der in der Presse bejubelt wurde. Das isw hat bereits deutlich gemacht, wie völlig unzulänglich diese Lippenbekenntnisse sind. Inzwischen ist eine weitere Vorbereitungsrunde für die Pariser Klimakonferenz Ende 2015 ohne nennenswerte Ergebnisse, ohne nachhaltigen Konsens zu Ende gegangen. Inzwischen gehen immer mehr Experten in der Weltbank, UNO, IEA usw. davon aus, dass realistischerweise das 2°-Ziel nicht erreicht werden kann – unter den gegebenen politischen Umständen: Das ist in erster Linie der Umstand, dass die im Boden lagernden Energiestoffe in Hunderttausende Milliarden Dollar umgewandelt werden können, wenn man sie fördert. Ein Umstand, der die UHNWs mehr interessieren und elektrisieren dürfte als die Kollateral- und Folgeschäden, vor allem die in den armen Ländern (wo es eh kein Finanzkapital gibt) – vor allem, da man diese Probleme mit Militär (also wiederum Gewinnmöglichkeiten) bekämpfen kann, siehe den Weiterbau der Festung Europa (und der Festung USA) mit vorgelagertem Militäreinsatz gegen die Flüchtlinge, die es zu Hause nicht mehr aushalten.

Der Anti-G7-Alternativgipfel und die Anti-G7-Demos waren inhaltlich und optisch geprägt durch eine außergewöhnliche Breite an Organisationen und Themen, die alle die Sorge und das Bemühen einte: Wie können wir eine andere Welt schaffen, die in sozialer, umweltmäßiger und friedenspolitischer Hinsicht bewohnbar bleibt und ein gutes Leben auch für Nicht-Millionäre ermöglicht? Und überall fand sich die explizite Position oder auch nur die Ahnung, dass dieses Ziel zu den Finanzmaximierungszielen, die BCG bedient, absolut konträr steht. Mittlerweile ist sogar der Papst gesellschaftspolitisch auf unserer Seite. Das zeigt, dass in der breiten Gesellschaft die Meinung zunehmend Raum gewinnt, dass die Lebensinteressen der 99 % nur gegen die Finanzinteressen der Top 1 % durchzusetzen sind.

txt: Franz Garnreiter, übernommen von isw

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Armut und Reichtum: Zwei Seiten einer Medaille

Antikapitalismus

Diese Woche erschienen zwei Studien, die wieder einmal die zwei Seiten des Kapitalismus aufzeigen: Der in ihm produzierte, fast unermessliche Reichtum ist nur möglich, indem breite Massen der eigenen wie der ausländischen Bevölkerung ausgepresst werden. Je größer der Reichtum, desto größer werden die Massen an Armen und Deklassierten, das ist spätestens seit Marx bekannt.

Das DIW (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung) hat neue Zahlen zur Vermögensungleichheit publiziert (siehe Studie hier), die verdeutlichen, dass der bislang bei den am höchsten Vermögenden konzentrierte Reichtum noch größer ist als bislang angenommen. Durch die in Deutschland nicht mehr erhobene Vermögenssteuer fehlen amtliche Daten und sind vorliegende Reichtumsstatistiken ungenau. Durch eine Berücksichtigung der Daten aus den Forbes-Listen der vermögendsten Personen der Welt und anderen Quellen zeige sich, dass das Privatvermögen in der BRD, wenn man die Superreichen einbezieht, erheblich größer ist als gedacht und vor allem, dass dessen Verteilung noch erheblich ungleicher ist als angenommen. Nach bisherigen Angaben des Sozioökonomischen Panels (SOEP) lag das Privatvermögen im Jahr 2012 in Deutschland bei knapp 6,3 Billionen Euro. Nach den neuen Daten es beträgt mindestens rund 8,6 Billionen Euro, maximal sogar etwa 9,3 Billionen Euro. Nach den SOEP-Daten gingen die Forscher bislang von einer Konzentration von 18 Prozent des Reichtums bei einem Prozent der Personen aus. Nun rechnen sie mit 31 bis 34 Prozent. Demgegenüber besitzen die untersten 50 Prozent nahezu nichts (siehe auch Junge Welt).

Und wie gesagt, diese Reichtumskonzentration ist nur möglich, wenn noch mehr Menschen aus der Mittelklasse in die verarmten Klassen abrutschen. Das ifo-Institut Dresden hat neue Daten zur Zahl der Sozialhilfeempfänger veröffentlicht: „Die Sozialhilfeausgaben je Einwohner stiegen deutschlandweit zwischen 2006 und 2013 um mehr als 4 % jährlich. Diese Entwicklung kann im Wesentlichen auf einen Anstieg der Zahl der Leistungsempfänger (Fälle) zurückgeführt werden, während die Ausgaben je Fall seit Jahren weitgehend stagnieren.“ Demnach stieg die Zahl der Sozialhilfebezieher von 2,1 auf 2,7 Millionen. Die Studie zum kostenlosen Download.

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Immer weniger Reiche häufen mehr Reichtum an

Antikapitalismus

Nach einer Allianz-Studie waren die Bürger Deutschlands 2013 mit einem Bruttogeldvermögen von 5153 Milliarden Euro (plus vier Prozent gegenüber 2012) statistisch so reich wie nie. Weltweit kletterte der Besitz privater Haushalte in Form von Bargeld, Bankeinlagen, Aktien etc. um 9,9 Prozent gegenüber 2012 und damit so stark wie seit 2003 nicht mehr. Auf der ganzen Welt gibt es ein Geldvermögen von 118,3 Billionen Euro. Das bedeutet bei einer Erdbewohnerzahl von aktuell etwa 7,138 Mrd., dass jeder Bewohner der Erde bei absolut gleicher Verteilung dieses Vermögens über rund 16.573 Euro verfügen könnte. Das wiederum hieße, niemand müsste hungern oder obdachlos sein; viele Weltprobleme ließen sich also lösen, aber der Kapitalismus als weltweit dominierendes ökonomisches (und gesellschaftliches) Prinzip sorgt für eine maximale Ungleichverteilung des von den Arbeitern weltweit erzeugten Reichtums. Wobei Letzteres korrigiert werden muss, denn laut Allianz sei das Wachstum des Geldvermögens im Wesentlichen auf die gute Entwicklung der Börsenkurse zurückzuführen, also hat mittlerweile vor allem das künstliche Wertschöpfen der Finanzmärkte für Vermögenszuwachs gesorgt.

In Deutschland besitzt jeder Bürger im Schnitt ein Netto-Geldvermögen von 44.280 Euro. Damit erreicht die BRD im weltweiten Ranking Platz 16. Spitzenreiter ist die Schweiz, gefolgt von den USA, wie in dieser Grafik von Spiegel Online zu sehen:

Eine weitere Erkenntnis der Studie ist, dass die Ungleichheit des Vermögens abgenommen habe, da die Mittelklasse gewachsen und die Oberklasse kleiner geworden ist: „Fast eine halbe Milliarde Menschen ist demnach in den vergangenen 13 Jahren in die globale Vermögensmittelklasse aufgestiegen. Zwischen 2012 und 2013 waren es 60 Millionen. Zur Mittelklasse zählt in der Allianz-Definition, wer ein Vermögen zwischen 5300 und 31.800 Euro besitzt. Im vergangenen Jahr waren das laut Allianz weltweit 912 Millionen Menschen.“ (Spiegel Online) Das ist eine sehr interessante Definition von „Mittelklasse“, in der Mehrzahl der Länder der Welt – nämlich in den Entwicklungsländern – wäre ein Vermögen von mehr als 10.000 Euro auf jeden Fall schon Kennzeichen der Zugehörigkeit zur obersten Klasse, in Nepal wäre jede Mittelklasse-Familie sehr froh, über 20.000 Euro auf der hohen Kante zu verfügen. Sieht man sich die methodischen Anmerkungen der Allianz-Studie an (S. 120ff.), so erfährt man, dass die Grenzen für die Vermögensmittelschicht bei 30% bis 180% des durchschnittlichen Pro-Kopf-Vermögens liegen, was eine großzügig breite Definition von Mittelklasse darstellt und ermöglicht, eine sehr große Zahl von Menschen zur Mittelklasse zu zählen. Na ja, Statistiken zurechtbiegen, muss gekonnt sein. Zur Wahrheit der Allianz-Studie gehört, dass nur 19,8 % der Bevölkerung der Erde (912 Mio.) zur Mittelklasse zählt (S. 12f).

Hingewiesen wird noch darauf, dass das Wachsen der globalen Mittelschicht auch einigen Absteigern aus der Oberschicht zu verdanken ist, die im Zuge der Wirtschaftskrisen Vermögen verloren haben, und dass die Unterklasse immer noch die größte Gruppe bleibt. 3,55 Milliarden Menschen besitzen also weniger als 5300 Euro. Länder, in denen die Ungleichheit der Vermögen zugenommen hat, seien z. B.: Russland, Indien, Frankreich, Italien, Griechenland, USA und Irland. Und schließlich ist interessant zu lesen, dass Deutschland im internationalen Vergleich noch immer zu den Ländern gehört, in denen das Vermögen ungleich verteilt ist.

 

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Gutachten: Steigender Reichtum, wachsende Spaltung in Deutschland

Antikapitalismus

Gutachten zur sozialen Lage in Deutschland: Steigender Reichtum, wachsende Spaltung ? Paritätischer fordert Kurswechsel

Pressekonferenz vom 24.04.2014:

Nach einem aktuellen Gutachten des Paritätischen Gesamtverbandes hat die soziale Spaltung in Deutschland deutlich zugenommen. Immer weniger Menschen haben am wachsenden Wohlstand teil, immer größer werde die Kluft zwischen Arm und Reich. Die Analyse ausgewählter Kennziffern ergebe, dass der soziale Zusammenhalt in Deutschland akut gefährdet sei. Der Verband fordert die Bundesregierung auf, das weitere Auseinanderdriften der Gesellschaft zu stoppen. Notwendig seien ein sozialpolitischer Kurswechsel und eine andere Steuerpolitik.

„Uns geht es darum, ein Korrektiv zur einseitigen ökonomistischen Perspektive des Sachverständigenrates zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu etablieren. Denn: Deutschland ist nicht nur Wirtschaftsstandort, sondern vor allem Lebensstandort“, erläutert Prof. Dr. Rolf Rosenbrock, Vorsitzender des Paritätischen Gesamtverbandes, anlässlich der Vorstellung des ersten Jahresgutachtens zur Entwicklung des sozialen Zusammenhalts in Deutschland, das der Verband ab sofort in jedem Frühjahr vorlegen wird.

Die Ergebnisse seien alarmierend. „Hinter den volkswirtschaftlichen Erfolgsbilanzen verbirgt sich eine fortschreitende Spaltung der Gesellschaft. Immer größere Bevölkerungsgruppen werden sozial abgehängt, der Trend ist bedrohlich“, bilanziert Dr. Joachim Rock, Verfasser des Gutachtens. Noch nie habe es so viele Erwerbstätige gegeben, aber ebenfalls noch nie so viele prekäre Tätigkeiten und Teilzeitbeschäftigungen. Zudem stagniere laut Gutachten die Zahl der Langzeitarbeitslosen trotz guter Wirtschaftslage auf hohem Niveau und auch die Armutsquote habe einen Höchststand erreicht.

„Das soziale Bindegewebe, der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält, bröckelt. Diese Entwicklung gefährdet langfristig auch den Wirtschaftsstandort Deutschland“, warnt Verbandsvorsitzender Rosenbrock. Aus dem Gutachten erwachse die deutliche Mahnung an die Bundesregierung, einen politischen Kurswechsel vorzunehmen: „Wir brauchen eine entschlossene Politik der Arbeitsförderung und konkrete Maßnahmen gegen Armut und Ausgrenzung. Dies ist auch eine Frage des Geldes. Wer die soziale Spaltung wirklich bekämpfen will, kommt um einen steuerpolitischen Kurswechsel zurück zu einer solidarischen Finanzierung unseres Gemeinwesens nicht herum.“

Das Gutachten „Das Soziale – in der Krise? Paritätisches Jahresgutachten 2014“ sowie das Pressestatement von Prof. Dr. Rolf Rosenbrock anlässlich der Präsentation des Gutachtens in Berlin finden Sie hier:

 

 

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Bekenntnisse zum Antikapitalismus Teil 2: Arm bleibt arm, Reich wird reicher

Antikapitalismus

Seit einigen Tagen beschäftigen sich die bürgerlichen Medien mit dem Thema Armut, angefangen hat alles mit „Vize-Muttis“ (von der Leyens) schockierenden Zahlen zu zukünftigen Renten, bei denen plötzlich alle vom Sessel gefallen sind, obwohl doch all dies ganz logische Folge der eigenen Politik ist. Rot-Grün-Schwarz-Gelb hat nun einmal Rente mit 67 und Absenken des Rentenniveaus auf 43 % des letzten Arbeitslohns beschlossen – wir „mussten“ doch unbedingt konkurrenzfähig für den Weltmarkt sein!? Dann kamen ganz kurz neue Armutszahlen vom Statistischen Bundesamt und letzte Woche nun als finaler Nachschlag der Entwurf des vierten Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, wo die FDP gleich wieder die üblichen Reflexe bekam, weil sich von der Leyen erlaubte, verbotene Sätze in Richtung Umverteilung von oben nach unten als Ideen für zukünftige Politik anzuführen – so wissen wir wenigstens, dass die FDP immer noch nicht lernfähig ist und konsequent Partei der Reichen und Steuerverweigerer bleiben möchte (ob die Zahl der Reichen für das Überspringen der Fünfprozenthürde reicht??).

Jedenfalls sind diese ganzen Statistiken doch eigentlich Anlass genug, sich vom hiesigen Wirtschafts- und Gesellschaftsmodell zu verabschieden. Die Renten sind ein Thema für sich, das hebe ich mir für später auf. Widmen wir uns der gegenwärtigen Armut: 15 Prozent der Deutschen droht Armut, sagt das Statistische Bundesamt. In fast allen Bundesländern ist das Armutsrisiko gestiegen, obwohl (oder weil?) unsere Volkswirtschaft dank der „schmerzhaften“ Strukturreformen a la Hartz doch so wettbewerbsfähig geworden ist, wir doch von der Superkrise bislang relativ gut verschont wurden und bislang relativ wenig für Rettung für unsere südeuropäischen Problemkinder ausgegeben haben. Die Ost-West-Unterschiede wollen einfach nicht kleiner werden (denn 0,5 Prozent weniger Ost-West-Unterschied ist wohl kaum der Rede wert):“ Im Westen Deutschlands ohne Berlin betrug die Quote 14,0 Prozent, in den ostdeutschen Bundesländern einschließlich der Hauptstadt 19,5 Prozent“, schreibt der Spiegel. Dieser Personenkreis muss (als Einpersonenhaushalt) mit weniger als 848 Euro im Monat zurechtkommen.

Spannend ist ja vielmehr, was dieser Armut für ein ungeheurer Reichtum entgegensteht. Damit befasst sich der Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung, der zuletzt 2008 herausgegeben wurde. Im aktuellen Entwurf wurde auch die Studie „Wahrnehmung von Armut und Reichtum in Deutschland“ ausgewertet, wofür 2040 Erwachsene telefonisch befragt worden waren. Danach glauben mehr als zwei Drittel, dass reiche Menschen zu Unrecht Vorteile genießen, 77 Prozent fürchten große soziale Konflikte durch zu große Vermögensunterschiede. Und weniger als 20 Prozent sind überzeugt, dass Reiche in Deutschland ihr Geld zum Wohle der Gesellschaft einsetzen. Hohes Ansehen genießt nur selbsterarbeiteter Reichtum, nur das ist ja immer weniger anzutreffen. Das Problem des gegenwärtigen „finanzmarktgetriebenen Kapitalismus“ ist, dass Reichtum vor allem durch Investitionen/Spekulationen auf dem recht unregulierten Feld der Finanzmärkte, äh, „verdient“ wird und nicht mehr durch Aufbau eines eigenen Unternehmens, das in realwirtschaftliche Güter investiert. Und dass sehr viel geerbt wird, ohne diese Erbschaften groß zu besteuern – nicht gerade ein Indiz für eine Leistungsgesellschaft, wenn Reichtum und gesellschaftlicher Status vorwiegend über Erbschaften weitergegeben werden.

Bemerkenswert an der deutschen Gesellschaft ist das Wachstum, und zwar das auch durch die Krise kaum gestörte Wachstum der Millionäre: Fast eine Million sind es mittlerweile. 1,4 Billionen Euro größer ist das Privatvermögen in Deutschland seit 2007 – die Verteilung blieb gleich: Die oberen zehn Prozent der Gesellschaft besitzen nun 53 % des Gesamtvermögens (2003: 49 %), die unteren 50 Prozent gerade einmal ein % des Vermögens in Deutschland (2003: 3 %). Wie kommen die Vermögenden dem GG-Artikel 14 Abs. 2 („Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohl der Allgemeinheit dienen.“) nach? Viele wollen ja keine Vermögenssteuer zahlen, Spenden ist da angesagter. Seit Beginn des Jahrhunderts „spenden die Deutschen insgesamt weniger – obwohl ihre Einkommen gestiegen sind. Im Schnitt gibt jeder Haushalt 0,36 Prozent seines Nettoeinkommens für wohltätige Zwecke aus.“ Bei den wohlhabenden oberen 10 Prozent sind es 0,57 Prozent. Damit lässt sich ja viel Ungleichheit ausgleichen bzw. Chancengleichheit durch Bildung finanzieren.

Kein ernsthafter Sozialist ist gegen Reichtum bzw. Produktion von Wohlstand. Nur ist ein einseitiger Reichtum weniger zu Lasten der vielen Armen kaum demokratietheoretisch begründbar. Niemand kann überzeugend argumentieren, dass Freiheit für jeden in diesem Land garantiert ist. Freiheit im Sinne von freier Auswahl von Handlungsmöglichkeiten gibt es nur für diejenigen, die sich etwas leisten können, denn so gut wie alle Güter und Dienstleistungen in diesem Land kosten Geld. Vermögende haben viel bessere Voraussetzungen, um an politischen Entscheidungen teilzuhaben: Welcher Obdachlose, Arbeitslose oder Geringverdiener hat das Geld, um sich eine Tageszeitung (also nicht Quark a la BILD) zu leisten, um sich Bücher zu kaufen, um eine Parteimitgliedschaft zu leisten? Oder die Zeit bzw. das Sozialkapital, um an Bürgerinitiativen und Demonstrationen in Berlin (oder anderen Großstädten) teilzunehmen oder Einfluss auf Bundestagsabgeordnete auszuüben?

Die hier beschriebenen Vermögensunterschiede sind nicht akzeptabel, genauso wenig wie eine totale Vermögensgleichheit nicht sonderlich erstrebenswert ist (wobei dies herzustellen, sowieso technisch kaum möglich ist). Was Antikapitalisten verlangen, ist, dass der Reichtum der oberen Zehntausend im gleichen Maße steigt wie das Vermögen der unteren Schichten. Abseits der Wachstumsgrenzen ist Wirtschaftswachstum in Deutschland sehr schön, wenn sich dadurch der Lebensstandard aller Deutschen erhöhen würde, und nicht nur der Besitzer der Produktionsanlagen bzw. der Aktionäre. Unter der Voraussetzung, dass sich dieser dann egalitäre Wohlstandszuwachs nicht zu Lasten der ausländischen Zulieferer (in China, Vietnam, Bangladesch etc.) auswirkt. Wenn wir in Deutschland nur reicher werden, weil dafür in Afrika die Menschen sich keine Gesundheitsversorgung oder Bildung leisten können, dann ist das inakzeptabel. Dann muss das Wirtschaftswachstum zunächst für Entwicklungshilfe (aber nachhaltige, nicht Daueralimentation) ausgegeben werden. Eine Demokratie (auch im Weltmaßstab) ist eine Gesellschaft der Freien und Gleichen – ohne ein Mindestmaß an Gleichheit (vor dem Gesetz, als Konsumenten, als gleichberechtigte Nutzer von öffentlichen Gütern wie Bildung) kann keine freiheitliche Gesellschaft verwirklicht werden. Ungleichheit sät sozialen Unfrieden, Kriminalität, Aufstände, politische Instabilität, die niemandem wirklich nutzt.

Dass diese Erkenntnisse sich nicht flächendeckend in die Köpfe der Menschen einbrennen, dafür werden auch die Medien sorgen, die dieses Thema nach der üblichen Haltbarkeitszeit von Neuigkeiten im Nachrichtenüberfluss wieder versenken werden.

 

http://www.spiegel.de/politik/deutschland/die-armutsgefaehrdung-ist-2011-in-deutschland-gestiegen-a-855560.html (Armutsstatistik)

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/armuts-und-reichtumsbericht-was-die-deutschen-ueber-die-reichen-denken-1.1471182-2

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/regierungsbericht-deutschlands-reiche-werden-noch-reicher-a-856397.html

http://www.sueddeutsche.de/karriere/oecd-bildungsstudie-arm-bleibt-arm-dumm-bleibt-dumm-1.1465199

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