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TV-Tipp: Share Economy – Die Schattenseiten

Antikapitalismus

Share Economy heißt vereinfacht gesagt, dass Privatleute wie du und ich über Internetplattformen (Airbnb, Wimdu, Uber, Helpling etc.) Dienstleistungen an andere Privatleute anbieten und dafür Geld zu bekommen; z. B. kann ich ein Zimmer der Wohnung an Touristen vermieten oder als „Taxifahrer“ Leute durch die Stadt kutschieren. Doch das hat mit gemeinnützigem Teilen nichts zu tun, es ist warenförmiger Kapitalismus, bloß ohne sozialstaatliche oder andere rechtliche Absicherung. Die Risiken dieser Einkommensquelle müssen die Privatleute und nicht die vermittelnde Internetplattform, die sich ordentlich Provisionen sichert, tragen. Die Probleme mit Uber & Co. können bei dieser TV-Dokumentation vom ZDF angesehen werden:

Kommunismus wäre, wenn jeder Mensch die angebotenen Dienste entgeltlos untereinander tauschen würden bei staatlich oder gesellschaftlich gesicherter Existenz, wenn die Internetplattform diese Tauschbeziehungen rechtsstaatlich absichert und keinen Profit aus der Vermittlung der Dienstleistungen ziehen würde.

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Preisdruck durch »Sharing Economy« in Berlin

Antikapitalismus

„Teilen, was man hat, und nutzen, was andere besitzen – die erklärte Idee die hinter der »Sharing Economy« steckt, klingt nachbarschaftlich, sozial und kommunikativ. Und das ist Teil der Marketingstrategie. Sie entpuppt sich aber als Geschäft. Und als äußerst lukratives noch dazu, wenn man sich etwa die Plattform »Airbnb« ansieht, auf der Reisende ein Zimmer buchen können. Im Rahmen eines Projekts an der Fachhochschule Potsdam haben Studenten sich die Verteilung der Angebote, deren Konzentration und Preise in Berlin genauer angesehen.“ (Siehe Junge Welt)

Die ausführlichen Ergebnisse der Untersuchung können unter http://www.airbnbvsberlin.de/eingesehen werden. Das Problem bei airbnb-Vermietern ist es, dass diese entgegen den Verlautbarungen der Plattform (Zimmervermittlung von Privat zu Privat, nicht um Gewinn zu erzielen, sondern um interessante Leute kennenzulernen und nicht genutzten Wohnraum zu teilen) für Gewinninteressen nutzt. Laut Aairbnbvsberlin stellt ein Nutzer in Berlin im Durchschnitt 1,3 Angebote auf die Vermittlungsseite: Zehn Prozent der Nutzer vermieten in Berlin mehr als ein Zimmer oder eine Wohnung. Dies sind immerhin knapp 1.200 Personen.« Dies trägt bei einem ohnehin knappen Wohnungsangebot sicher nicht zur Dämpfung der Mietpreise bei.

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Keine schöne neue Welt: Share Economy

Antikapitalismus

Das ARD-Politmagazin Panorama hat sich in einer kompletten Ausgabe kritisch und aufklärend um den aktuellen kapitalistischen Trend „Share Economy“ gekümmert, die besonders seit Jeremy Rifkins Publikation „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ ein größeres öffentliches Interesse gewinnt. Meiner Meinung wird hier – mal wieder – eine fortschrittliche Idee, nämlich das Teilen von Gütern in einem kollektiven Rahmen, für das kapitalistische Profitinteresse ausgenutzt und vereinnahmt. Das ist ja wirklich auch ökologisch sinnvoll, wenn ungenutzte Wohnungen oder Zimmer von Privatleuten anderen Menschen über Internetplattformen zeitweilig zur Verfügung gestellt werden. Das ist aber dann kein progressives „Unternehmen“, wenn dafür Gebühren anfallen, der Untermieter dafür bezahlen muss und dabei nicht über die verbraucherrechtlichen Absicherungen wie in einem Hotel verfügen kann. Wer haftet denn, wenn ein Untermieter in der Wohnung ein Feuer verursacht? Die Onlineplattform, die die Provisionen für die Untervermietung einstreicht? Nein, der Vermieter. Und das ist nur ein kleiner „Nachteil“ solcher Share Economy-Modelle a lá Airbnb und Uber. Hier einfach mal ansehen, es könnte die zukünftige Form des Kapitalismus sein, die noch mehr vom Gemeinwesen und Demokratie zerstört als schon bislang:

Der Programmtext:

„Die Share Economy will eine bessere, eine effektivere Welt schaffen. Die immer knapper werdenden Ressourcen sollen nicht sinnlos verschwendet werden. Menschen sollen via Internet gleichermaßen Zugang zu Dingen haben, ohne sie besitzen zu müssen: Sharing is caring, lautet ein beliebter Slogan der Branche.

Doch was ist die Share Economy? Welches Weltbild prägt die milliardenschweren Konzernlenker, aber auch die Nutzer der schönen neuen Welt des Teilens? Welche Visionen haben sie? Und wie wollen wir leben? Und wie passen diese Fragen mit einer neuen Gesellschaftsform zusammen, die selbstbewusst immer mehr Gesellschaftsbereiche einnimmt?

Wer bestimmt die Zukunft der Demokratie?

Selbstbewusst fordern die neuen Gründer – ausgestattet mit Milliarden von Dollars – die Änderung von aus ihrer Sicht vorsintflutlichen Gesetzen und letztendlich die Abschaffung der in ihren Augen zerschlissenen Demokratie. Eine neue Zeit habe begonnen und diese funktioniere nach neuen Regeln. Regeln, die offenbar von Investoren und Bossen der Sharing-Unternehmen gemacht werden sollen.

Voraussetzung für den Zugang zur schönen neuen Welt sind allerdings Besitz und Zahlungsfähigkeit: Nur wer eine Wohnung oder ein Auto hat, kann auch teilen, nur wer Dienstleistungen kostenpflichtig in Anspruch nehmen kann, kann die Angebote auch nutzen. Der Markt wird größer, der Verdrängungswettbewerb aggressiver.

Daten als wertvollste Ware

Datenanalystin Yvonne Hofstätter hat selbst viele Jahre im Silicon Valley gearbeitet und verurteilt kreative Zerstörung nicht per se. Sie betrachtet die Share Economy als disruptive Kraft, als zerreißend, im fortschrittlichen Sinne als zerstörerisch, denn Neues brauche Platz. Doch die Datenanalystin sieht auch die Gefahr des Verlustes der Privatsphäre: „Unsere Daten werden ausgewertet, und schließlich werden Korrelationen hergestellt“, so Hofstätter. Vom Bewegungsprofil bis hin zur Interpretation unserer Verhaltensweisen und Vorlieben sei alles lesbar.

Ist der gläserne Mensch erstrebenswert?

Doch die totale Transparenz und damit das Verschwinden des Privaten ist für den amerikanischen Ökonomen Jeremy Rifkin kein Alptraum, sondern sogar erstrebenswert. Auch sei die Offenheit geradezu angelegt in der Natur des Menschen: „Menschen haben lange Zeit gemeinsam in großen Räumen geschlafen und sich aneinander geschmiegt – wie alle anderen Säugetiere auch. Wir haben die längste Zeit unserer Geschichte als soziale Wesen gelebt.“

Diese Sicht der Technikwelt ist vom Glauben an das Gute geprägt. Doch die Tatsache, dass Daten verkauft und miteinander verknüpft werden, lassen Internetkritiker wie Evgeny Morozov die Entwicklung kritisch betrachten. Er befürchtet, dass der wahre Angriff der Share Economy nicht im Abhören intimer Geheimnisse besteht, sondern darin, dass wir gar keine Zeit mehr haben werden, welche zu haben.

Die totale Verwertbarkeit

Die Gefahr liege beim unkontrollierten Nutzungsmonopol durch die Datenbesitzer, einer kleinen Geld-Elite, die nicht den besten Ruf genießt, wie Digitalexperte Sascha Lobo meint: „Das Silicon Valley hat ein Arschlochproblem, denn viel von der disruptiven Kraft, die die Gesellschaft voran bringen könnte, wird von solchen Unternehmen ins Aggressive, ins Bösartige, ins Destruktive gewendet“, so Lobo. Vizekanzler Sigmar Gabriel spricht gar von einem „ganz erzkapitalistischen Modell, bei dem nichts anderes passiert, als dass der Mensch bis in seine letzte Regung verwertbar gemacht wird“.

Entscheidet die Technik und nicht die Politik?

Der deutsche Investor Peter Thiel meint hingegen pragmatisch, dass Politiker sowieso nicht mehr allzu viel auszurichten hätten: „Natürlich denken die Politiker, dass das, was sie tun, wichtig ist, und dass die Politik alle wichtigen Fragen der Gesellschaft entscheidet. Ich bin eher der Meinung, dass die Politik eigentlich nicht mehr sehr viel leistet und viel mehr von der Technologie kommen wird. Wir bauen eine bessere Welt, viel mehr durch die Technologie als durch die Politik“, so formuliert Thiel das Heilsversprechen der digitalen Welt.

„Fake Economy“?

Der preisgekrönte Informatiker und Mathematiker Jaron Lanier – er hat den Begriff der „Virtuellen Realität“ erfunden – warnt bereits vor einem technologiegetriebenen Turbokapitalismus: Dieser sei das Gegenteil von Freiheit. Statt der Rückkehr wahrhaftiger Gemeinnützigkeit drohe ihr Ende. Sharing is caring? Lanier spricht von einer „Fake Economy“ – einer Schwindelindustrie – die von Gemeinschaft und altruistischer Hilfe rede, in Wirklichkeit aber auf der gnadenlosen Verwertung von Effizienzpotentialen beruhe.“


 

Lesenswert zum Thema Internet, soziale Medien und Silicon Valley:

Christian Fuchs: Digitale Klassengesellschaft – Ausbeutung, Ideologie und Widerstand im Zeitalter sozialer Medien (Junge Welt)

Thomas Wagner: Der große Wurf – Christian Fuchs stellt die Diskussion über soziale Medien auf eine marxistische Grundlage (ebd.)

Derselbe: Digitale Aufholjagd – Jaron Lanier, Jeremy Rifkin und das EU-Projekt »Industrie 4.0«

Derselbe Unsterblichkeit für Milliardäre – Singularität: Hinter den technologischen Wahnideen des Silicon Valley stehen wirtschaftliche Kalküle

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