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8. Jun 2011

Die Eskapaden des Abgeordneten Weiner

Verfasst von

Eines muss man den amerikanischen Politikern lassen: sie produzieren immer noch die besten politischen Skandale. Jüngstes Beispiel: der Demokrat Anthony Weiner, der als hoffnungsvolles Talent der Demokraten galt und demnächst das Bürgermeisteramt in New York erobern sollte. Nicht nur, dass er per Facebook und Twitter mehr oder weniger eindeutige Fotos seiner körperlichen Vorzüge an junge Frauen verschickte; auch das Krisenmanagement, bei dem er u. a. behauptete, sein Account sei gehackt worden, trug nicht wirklich zur Entschärfung bei – bis er am Montag in einer Pressekonferenz kleinlaut die gesamte Geschichte eingestehen musste.
Die Details gibt es hier, einen Bericht über die Pressekonferenz hier. Die New York Times beleuchtet die Konsequenzen des Skandals, offen ist derzeit, ob Weiner – wie von vielen, auch in seiner eigenen Partei, gefordert – von seinem Amt zurücktritt, die Washington Post berichtet ebenfalls.

Über Michael Kolkmann

15 Kommentare

  1. Christian Bach sagt:

    Solche Fälle mehren sich in letzter Zeit. Egal wo man hinschaut: Fußball, Politik… Weiner Woods, Giggs, Strauss-Kahn, Schwarzenegger usw. Da fragt man sich doch was passiert! War das schon immer so oder wird es jetzt einfach aufgedeckt?

  2. Michael Kolkmann sagt:

    Will man vielleicht gar nicht so genau wissen…

  3. Christian Bach sagt:

    Denken Sie, dass dieser Skandal auf Obama im Wahlkampf zurückfallen wird oder hatte Weiner nicht direkt mit ihm zu tun?

  4. Michael Kolkmann sagt:

    Dürfte nicht auf Obama zurückfallen. Präsident und Kongressabgeordnete werden diesbezüglich doch als relativ unabhängig voneinander wahrgenommen. Außerdem ist bis zur Wahl noch viel Zeit, da dürften andere Themen (und Skandale) in den Vordergrund rücken. So zynisch es klingt: es ist nicht der erste Sexskandal eines Abgeordneten. Interessant ist nur, inwiefern sich die Sache auf die Demokraten im Kongresswahlkampf auswirkt. Die Demokraten wollen 2012 die Mehrheit im Repräsentantenhaus zurückgewinnen, und da könnte es am Ende auf wirklich jeden Sitz ankommen. Hab leider nicht im Kopf, wie „sicher“ Weiners Sitz für die Demokraten ist. Bleibt die Frage, ob bzw. wann er zurücktritt/zurücktreten muss. Und bei 14 Prozent Zustimmung zur Arbeit des Kongresses (Quelle: CNN von heute morgen) dürften die schlechten Werte nicht weiter sinken können…

  5. Michael Kolkmann sagt:

    Inzwischen ist Weiner zurückgetreten, und selbst die Rücktrittspressekonferenz ist nicht ohne Störungen verlaufen…Schauen Sie hier: http://www.youtube.com/watch?v=mr0afNDFsg8

  6. Christian Bach sagt:

    Da scheinen nicht nur neutrale Journalisten anwesend gewesen zu sein… Ein ziemliches Chaos diese PK.

  7. Michael Kolkmann sagt:

    Einige Senioren waren auch da – schließlich handelte es sich beim Ort der Pressekonferenz um das Seniorenheim, in dem Weiner vor vielen Jahren seinen Einstieg in die Politik verkündet hat. Der Kreis schließt sich.

  8. Christian Bach sagt:

    Ist diese Auswahl der Örtlichkeit in den Staaten verbreitet? Ich habe noch nie von einer PK in einem Seniorenheim gehört. 😉

  9. Michael Kolkmann sagt:

    Durchaus üblich. Man betont damit den Bezug zu den Wählern (nach dem Motto „sie dort abholen, wo sie stehen“, oder in diesem Fall: wo sie sitzen). Evtl. hatte man auch beruflich dort zu tun oder man pointiert damit ein Thema seines Wahlkampfes (in der Art von „meine Oma hat in diesem Krankenhaus/Altenheim/etc. jahrelang unter Krankheit XY gelitten, und ich werde mich dafür einsetzen, dass wir alles tun, um gegen diese Krankheit XY anzugehen…“). Manchmal ist es aber auch ganz einfach die – im Wortsinn – naheliegendste Örtlichkeit, oder man findet dort den größten Saal, etc.

  10. Michael Kolkmann sagt:

    Dass Anthony Weiner sich durchaus engagiert für eine Sache einsetzen kann, können Sie übrigens in diesem Video sehen: http://www.youtube.com/watch?v=_O_GRkMZJn4
    Es geht um die Gesundheitsreform, und Weiner spricht sich gegen prozedurale Tricks der Republikaner aus und fordert, eine direkte Abstimmung über die Vorlage selbst abzuhalten (also eine klare Nein- oder Ja-Entscheidung). Selbst für das durch Parteilichkeit dominierte Repräsentantenhaus ist das eine, sagen wir, sehr kraftvolle Rede.

  11. Michael sagt:

    Herr Weiner hat seinen Wahlkreis New York 9 (meines Erachtens in etwa Brooklyn) im Jahr 2010 mit 69,9 % der Stimmen gewonnen. Quelle: http://elections.nytimes.com/2010/house/new-york/9
    Damit dürfte dieser Sitz für die Demokraten auch im Jahr 2012 ähnlich sicher sein, wie der Bundestagswahlkreis 240 (Kulmbach) für die CSU.

    P.S: Mich würde schon interessieren, ob solche „emotionalen Ausbrüche“ in den USA bei Pressekonferenzen üblich sind. Lautstarke Meinungsäußerungen durch Journalisten ist man ja von unseren Pressekonferenzen nicht unbedingt gewohnt.

  12. Michael sagt:

    Oh, es waren wohl doch „nur“ 58,5 % gegenüber 41,5 % für den republikanischen Kandidaten. Dennoch scheint dieser Wahlkreis nach wie vor relativ eindeutig zu sein.

  13. Christian Bach sagt:

    Nicht annähernd so chaotisch, aber trotzdem keine „normale“ PK (vor allem das Ende): http://trimr.de/XlG

  14. Michael Kolkmann sagt:

    Ja, auch sehr schön. Einen Weiner suchen wir bei uns (aus Gründen der Unterhaltung: leider) vergebens. Oder einen Christopher Lee. Oder einen Eric Massa. Oder einen Mark Foley. Die Liste ist lang…

  15. Christian Bach sagt:

    Finde ich gar nicht so schlimm. Es wird sie aber wohl auch auch in Deutschland geben – nur noch im Verborgenen.

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