Die Eskapaden des Abgeordneten Weiner

US-Politik

Eines muss man den amerikanischen Politikern lassen: sie produzieren immer noch die besten politischen Skandale. JĂŒngstes Beispiel: der Demokrat Anthony Weiner, der als hoffnungsvolles Talent der Demokraten galt und demnĂ€chst das BĂŒrgermeisteramt in New York erobern sollte. Nicht nur, dass er per Facebook und Twitter mehr oder weniger eindeutige Fotos seiner körperlichen VorzĂŒge an junge Frauen verschickte; auch das Krisenmanagement, bei dem er u. a. behauptete, sein Account sei gehackt worden, trug nicht wirklich zur EntschĂ€rfung bei – bis er am Montag in einer Pressekonferenz kleinlaut die gesamte Geschichte eingestehen musste.
Die Details gibt es hier, einen Bericht ĂŒber die Pressekonferenz hier. Die New York Times beleuchtet die Konsequenzen des Skandals, offen ist derzeit, ob Weiner – wie von vielen, auch in seiner eigenen Partei, gefordert – von seinem Amt zurĂŒcktritt, die Washington Post berichtet ebenfalls.

15 Antworten

15 Antworten

  1. Christian Bach

    Solche FĂ€lle mehren sich in letzter Zeit. Egal wo man hinschaut: Fußball, Politik… Weiner Woods, Giggs, Strauss-Kahn, Schwarzenegger usw. Da fragt man sich doch was passiert! War das schon immer so oder wird es jetzt einfach aufgedeckt?

  2. Michael Kolkmann

    Will man vielleicht gar nicht so genau wissen…

  3. Christian Bach

    Denken Sie, dass dieser Skandal auf Obama im Wahlkampf zurĂŒckfallen wird oder hatte Weiner nicht direkt mit ihm zu tun?

  4. Michael Kolkmann

    DĂŒrfte nicht auf Obama zurĂŒckfallen. PrĂ€sident und Kongressabgeordnete werden diesbezĂŒglich doch als relativ unabhĂ€ngig voneinander wahrgenommen. Außerdem ist bis zur Wahl noch viel Zeit, da dĂŒrften andere Themen (und Skandale) in den Vordergrund rĂŒcken. So zynisch es klingt: es ist nicht der erste Sexskandal eines Abgeordneten. Interessant ist nur, inwiefern sich die Sache auf die Demokraten im Kongresswahlkampf auswirkt. Die Demokraten wollen 2012 die Mehrheit im ReprĂ€sentantenhaus zurĂŒckgewinnen, und da könnte es am Ende auf wirklich jeden Sitz ankommen. Hab leider nicht im Kopf, wie „sicher“ Weiners Sitz fĂŒr die Demokraten ist. Bleibt die Frage, ob bzw. wann er zurĂŒcktritt/zurĂŒcktreten muss. Und bei 14 Prozent Zustimmung zur Arbeit des Kongresses (Quelle: CNN von heute morgen) dĂŒrften die schlechten Werte nicht weiter sinken können…

  5. Michael Kolkmann

    Inzwischen ist Weiner zurĂŒckgetreten, und selbst die RĂŒcktrittspressekonferenz ist nicht ohne Störungen verlaufen…Schauen Sie hier: http://www.youtube.com/watch?v=mr0afNDFsg8

  6. Christian Bach

    Da scheinen nicht nur neutrale Journalisten anwesend gewesen zu sein… Ein ziemliches Chaos diese PK.

  7. Michael Kolkmann

    Einige Senioren waren auch da – schließlich handelte es sich beim Ort der Pressekonferenz um das Seniorenheim, in dem Weiner vor vielen Jahren seinen Einstieg in die Politik verkĂŒndet hat. Der Kreis schließt sich.

  8. Christian Bach

    Ist diese Auswahl der Örtlichkeit in den Staaten verbreitet? Ich habe noch nie von einer PK in einem Seniorenheim gehört. 😉

  9. Michael Kolkmann

    Durchaus ĂŒblich. Man betont damit den Bezug zu den WĂ€hlern (nach dem Motto „sie dort abholen, wo sie stehen“, oder in diesem Fall: wo sie sitzen). Evtl. hatte man auch beruflich dort zu tun oder man pointiert damit ein Thema seines Wahlkampfes (in der Art von „meine Oma hat in diesem Krankenhaus/Altenheim/etc. jahrelang unter Krankheit XY gelitten, und ich werde mich dafĂŒr einsetzen, dass wir alles tun, um gegen diese Krankheit XY anzugehen…“). Manchmal ist es aber auch ganz einfach die – im Wortsinn – naheliegendste Örtlichkeit, oder man findet dort den grĂ¶ĂŸten Saal, etc.

  10. Michael Kolkmann

    Dass Anthony Weiner sich durchaus engagiert fĂŒr eine Sache einsetzen kann, können Sie ĂŒbrigens in diesem Video sehen: http://www.youtube.com/watch?v=_O_GRkMZJn4
    Es geht um die Gesundheitsreform, und Weiner spricht sich gegen prozedurale Tricks der Republikaner aus und fordert, eine direkte Abstimmung ĂŒber die Vorlage selbst abzuhalten (also eine klare Nein- oder Ja-Entscheidung). Selbst fĂŒr das durch Parteilichkeit dominierte ReprĂ€sentantenhaus ist das eine, sagen wir, sehr kraftvolle Rede.

  11. Herr Weiner hat seinen Wahlkreis New York 9 (meines Erachtens in etwa Brooklyn) im Jahr 2010 mit 69,9 % der Stimmen gewonnen. Quelle: http://elections.nytimes.com/2010/house/new-york/9
    Damit dĂŒrfte dieser Sitz fĂŒr die Demokraten auch im Jahr 2012 Ă€hnlich sicher sein, wie der Bundestagswahlkreis 240 (Kulmbach) fĂŒr die CSU.

    P.S: Mich wĂŒrde schon interessieren, ob solche „emotionalen AusbrĂŒche“ in den USA bei Pressekonferenzen ĂŒblich sind. Lautstarke MeinungsĂ€ußerungen durch Journalisten ist man ja von unseren Pressekonferenzen nicht unbedingt gewohnt.

  12. Oh, es waren wohl doch „nur“ 58,5 % gegenĂŒber 41,5 % fĂŒr den republikanischen Kandidaten. Dennoch scheint dieser Wahlkreis nach wie vor relativ eindeutig zu sein.

  13. Christian Bach

    Nicht annĂ€hernd so chaotisch, aber trotzdem keine „normale“ PK (vor allem das Ende): http://trimr.de/XlG

  14. Michael Kolkmann

    Ja, auch sehr schön. Einen Weiner suchen wir bei uns (aus GrĂŒnden der Unterhaltung: leider) vergebens. Oder einen Christopher Lee. Oder einen Eric Massa. Oder einen Mark Foley. Die Liste ist lang…

  15. Christian Bach

    Finde ich gar nicht so schlimm. Es wird sie aber wohl auch auch in Deutschland geben – nur noch im Verborgenen.

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