RSS-Feed abonnieren

Passwort vergessen?

v Anmelden

11. Feb 2019

Tag 2

Verfasst von

Mein Tag begann mit einem sehr langen Ausschlafen. Gestern wurden noch Unterrichtseinheiten vorbereitet – so weit es ging. Die Vorkenntnisse der Studenten weiß ich noch nicht. Bis jetzt habe ich nur Studenten eines anderen Programms kennengelernt, deren Wortschatz sich vermutlich auf die Größe meines russischen Wortschatzes beschränkt. Der Unterricht wird ein Riesenspaß mit Händen und Füßen – und möglichst wenig Smartphones. Mal sehen, wie weit es geht. Heute sprach ich mit einer anderen Deutschlehrerin, die hier von dem anderen Programm da ist und schon wesentlich länger als DaF-Lehrerin tätig ist. Sie zeigte mir hilfreiche Arbeitsblätter aber wir beide sind uns einig, dass wir versuchen werden, so aktiv wie möglich zu arbeiten. Der Unterricht wird immer abends stattfinden und dementsprechend müde und demotiviert werden vermutlich die Studenten sein. Morgen werden wir sie endlich treffen.

Heute nutzten wir die Zeit, um in die Stadt mit dem Bus zu fahren. Für eine Fahrt zahlt man immer 25 Cent. Man steigt in einen kleinen Omnibus ein, bezahlt und sagt irgendwann, dass man aussteigen muss. Wenn man nicht Bescheid gibt, fährt er weiter. Die Hinfahrt klappte problemlos. Von der Peripherie in die Stadt wollten viele…auf der Rückfahrt sah es ein wenig anders aus. Aber nun waren wir in der Stadt. Nach planlosem Herumschlendern durch die Mall landeten wir zunächst in einem Schuhladen, wo ich mir meine ersehnten neuen Schnüre für die Schuhe kaufte, die um weiten robuster aussehen als meine alten. Danach wurde typisch russischer, sehr köstlicher Salat gegessen – mit viel roten Bohnen, Kraut und Petersilie. Nach weiteren Herumschlendern- und schlittern durch die Stadt wurden die sauberen Straßen und Fußwege entdeckt, nachdem wir keinen einzigen Programmflyer im Konzerthaus von Pensa gefunden hatten. Da können sich so manche Staaten noch viel abschauen.

Am Konzerthaus bogen wir links auf eine sehr breite Fußgängerzone ab, gerahmt von Bäumen und Laternen und gefüllt von Menschen. Die Allee lief auf eine Kirche zu, die sich gerade noch im Bau befindet. Von weit weg eine imposante und schlicht geschmückte Kirche mit typischen goldenen Zwiebeltürmchen. Von nahen ein eiskalter Betonbau.

Auf dem Weg dorthin kamen wir an mehreren Plätzen vorbei. Zuerst wurde Lenin in Hochformat gezeigt, später Brecht auf einem Banner, davor liefen die Kinder Schlittschuhe auf einem zugefrorenen See. Irgendwann musste ich gestehen, dass mir meine Gesichtszüge entglitten wegen der Kälte. Ein warmer Tee hat alles wieder gelöst und weiter ging es zur Busstation. Wir stiegen nun auf der anderen Straßenseite wieder in unseren Bus ein und der Busfahrer bejahte auf unsere Frage hin, dass wir zu Agraruniversität fahren werden. Draußen wurde es allmählich dämmrig und von Minute zu Minute entfernten wir uns vom Zentrum und es erschienen wieder die Schlafstädte am Rande der Stadt und die Nadelwälder. Und als es im Bus immer kahler wurde, fragten wir die letzten Frauen, wo wir denn seien. Mir war nichts mehr bekannt. Nun fingen alle Frauen es gut zu meinen und redeten. Wir müssten dahin und dorthin. Auf Russisch. Wir endeten im finsteren Walde, stiegen aus dem Bus aus, wie befohlen und warteten, bis derselbe Bus 10 Minuten später wieder abfuhr, nun mit uns wieder im Gepäck und der selben Frage: Fährt der Bus zur Agraruniversität? Accademia agrari? Universita agrari?… „Dat, dat…Kopfnicken“. Zwanzig Minuten später war es soweit. Wieder erkannte ich nichts. Voller Hoffnung gab ich unsere Adresse bei GoogleMaps ein und voller Schrecken stellte ich fest: wir wären wohl am anderen Ende der Stadt. Wir stellten nun wieder dieselbe Frage und alle antworteten wieder „dat, dat“. An einer Haltestelle stiegen nun erstaunlich viele Studenten aus und ein. Da fragte ich wieder und der Busfahrer schüttelte die Hand. Wir waren da. Endlich. Halberfroren stiefelten wir wieder ins Studentenwohnheim und nun wusste ich, warum die Russen immer durchheizen. Manchmal ist es einfach schön, die vielen Schichten an Kleidung abzulegen.

Über Maura Elisabeth Gaube

Kommentieren


Letzte Kommentare

Schlagworte