{"id":32,"date":"2011-03-23T22:10:05","date_gmt":"2011-03-23T21:10:05","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/?p=32"},"modified":"2011-03-23T22:10:05","modified_gmt":"2011-03-23T21:10:05","slug":"sandmann-oder-sandhasen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/2011\/03\/sandmann-oder-sandhasen\/","title":{"rendered":"Sandmann oder Sandhasen"},"content":{"rendered":"<p>Mit dem Sandmann verbinden wir heute jenes putzige kleine M\u00e4nnchen, das allabendlich den Kindern eine gro\u00dfe Portion Sand in die Augen bl\u00e4st, damit diese zur Freude aller Eltern schnell und friedlich in einen langen Schlaf sinken. Bis das Sandm\u00e4nnchen in den sp\u00e4ten 1950iger Jahren sowohl in Ost- wie in Westdeutschland eine Karriere als Kinderfreund begann, hatte das Wort des Sandmanns bereits eine lange Geschichte hinter sich gebracht.<\/p>\n<p>Bereits aus dem Mittelalter ist die Berufsbezeichnung \u201eSandmann\u201c bekannt. Es handelte sich dabei um den Lieferanten von quarzhaltigen Sanden, die sich gut f\u00fcr Putz- und Schleifarbeiten verwenden lie\u00dfen. Scheuersand fand in vielen Bereichen des Alltags Verwendung, besonders zum Putzen von Fu\u00dfb\u00f6den oder Zinn-, Kupfer- und Holzkesseln. F\u00fcr den Wochenendputz am Samstag breitete man den Sand einfach auf dem Fu\u00dfboden aus, lief den ganzen Tag \u00fcber den Sand, kehrte ihn abends wieder ab und freute sich anschlie\u00dfend \u00fcber den polierten Belag.<\/p>\n<p>Der Job des Sandmanns war weder sozial besonders anerkannt, noch einfach oder reich belohnt. Leicht fiel die Arbeit noch aus, wenn der Sand im Tagebau zu gewinnen war. Weniger gem\u00fctlich wurde es, wenn zum Sandabbau gr\u00f6\u00dfere Schachtanlagen erforderlich waren. Die Klagen \u00fcber die Verw\u00fcstung der Landschaft durch den Sandabbau nahmen im 18. Jahrhundert zu, so dass teilweise gar Verbote erlassen wurden. Im Tagelohn galt der Sandabbau h\u00e4ufig auch als ein Minijob neben anderen. Frauen und Kinder halfen um den Sand zu hacken, sieben und zu verpacken. Anschlie\u00dfend zog der Sandkerl mit schrillem Trillern seiner Sandfl\u00f6te durch die Stadt und bot den Sand an.<\/p>\n<div id=\"attachment_36\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/files\/2011\/03\/Sandmann.png\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-36\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-36\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/files\/2011\/03\/Sandmann-300x211.png\" alt=\"Sandmann nach E. T. A. Hoffmann\" width=\"300\" height=\"211\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/files\/2011\/03\/Sandmann-300x211.png 300w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/files\/2011\/03\/Sandmann.png 1024w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-36\" class=\"wp-caption-text\">Sandmann nach E. T. A. Hoffmann<\/p><\/div>\n<p>In der Literatur und Musik firmierte der Sandmann aufgrund seines geringen Sozialprestige bis ins sp\u00e4te 19. Jahrhundert vor allem als Kinderschreckgestalt. Besonders die Erz\u00e4hlung &#8222;Der Sandmann&#8220; von E. T. A. Hoffmann n\u00e4hrte diesen Mythos einer Gestalt, die Kindern die Augen ausstach. Erst um die Jahrhundertwende kehrte sich das Motiv um, nun erschien das Sandm\u00e4nnchen als Freund der Kinder und W\u00e4chter des Schlafs.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>Barbara Boock, Kinderlieder im sozialen Wandel. Einleitung, in: Dies. (Hg.), Kinderliederb\u00fccher 1770-2000. Eine annotierte, illustrierte Bibliografie, M\u00fcnster 2007, S. 7-22.<\/p>\n<p>Michaela Vieser und Irmela Schautz, Der Sandmann, in: Der Tagesspiegel vom 27.09.2009, <a href=\"http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/der-sandmann\/1606722.html\">http:\/\/www.tagesspiegel.de\/wirtschaft\/der-sandmann\/1606722.html<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mit dem Sandmann verbinden wir heute jenes putzige kleine M\u00e4nnchen, das allabendlich den Kindern eine gro\u00dfe Portion Sand in die Augen bl\u00e4st, damit diese zur Freude aller Eltern schnell und friedlich in einen langen Schlaf sinken. 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