{"id":44,"date":"2011-04-18T16:35:39","date_gmt":"2011-04-18T14:35:39","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/?p=44"},"modified":"2011-04-18T16:35:39","modified_gmt":"2011-04-18T14:35:39","slug":"apengeter-oder-affengieser","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/2011\/04\/apengeter-oder-affengieser\/","title":{"rendered":"Apengeter oder Affengie\u00dfer"},"content":{"rendered":"<p>Heute besch\u00e4ftigt uns der Werdegang des Apengeters. Dieser Beruf, der heute nur noch \u00fcberaus selten zu finden ist, verk\u00f6rpert sozusagen die umgekehrte Geschichte des Hasennegers. Hier ist es nicht die Verballhornung des Wortes, die uns bei der etymologischen Erschlie\u00dfung des T\u00e4tigkeitsfeldes wenig weiter hilft. Sondern es handelt sich hier eher um eine Verlustgeschichte des Berufes selbst. Denn der Apengeter \u00fcbte bereits im 14. Jahrhundert einen im mittelniederdeutschen Sprachbereich sehr h\u00e4ufig ausge\u00fcbten Beruf aus. Es geht um den sogenannten Rotgie\u00dfer. Im 18.\/19. Jahrhundert \u00fcbersetzten die Autoren des lexikalischen Weltwissens dieses Wort mit der T\u00e4tigkeitsbezeichnung des &#8222;Affengie\u00dfers&#8220;.<\/p>\n<p>Wie in vielen Z\u00fcnften so teilte sich die Arbeit auch im Gie\u00dferhandwerk entlang einzelner Verfahren, Techniken, verarbeiteten Materialien oder Arbeitsschritten. Sehr viele Z\u00fcnfte arbeiteten daher hoch spezialisiert. Neben den Rotgie\u00dfern (Bronze, Messing) existierten andere Berufsgruppen wie etwa die Gelb- oder Grapengie\u00dfer. Daneben produzierten Kannengie\u00dfer, St\u00fcckgie\u00dfer oder Glockengie\u00dfer. Wie strikt auf solche Differenzierungen noch im 19. Jahrhundert gepocht wurde, zeigt die Definition des Rotgie\u00dfers in Pierers Universal-Lexikon von 1862. Danach oblag dem Berufszweig nur das Gie\u00dfen von hohlen und nicht zusammengel\u00f6teten, sondern lediglich verschraubten Waren.<\/p>\n<div id=\"attachment_45\" style=\"width: 210px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/files\/2011\/04\/becher_affe.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-45\" loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-45\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/files\/2011\/04\/becher_affe.jpg\" alt=\"Affenbecher, http:\/\/www.affen.ch\/DesktopDefault.aspx?tabindex=11&amp;tabid=2058&amp;langid=1\" width=\"200\" height=\"272\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-45\" class=\"wp-caption-text\">Affenbecher<\/p><\/div>\n<p>Die zahlreichen genealogischen Online-Berufsdatenbanken beschreiben den Apengeter als Produzent von Handwassergef\u00e4\u00dfen, B\u00fctten, Taufbecken bzw. anderem liturgischen Ger\u00e4t und kleineren Glocken. Dies ist zwar nicht grunds\u00e4tzlich falsch, allerdings d\u00fcrfte sich in dieser T\u00e4tigkeit bereits eine Ausdifferenzierung ihres einstigen Handwerks handeln. \u201eApen\u201c ist urspr\u00fcnglich ein mittelniederdeutsches Wort. Nach Schiller\/L\u00fcbben bedeutet es \u201everspotten\u201c. Wie aber gie\u00dft man eine \u201eVerspottung\u201c in ein Gef\u00e4\u00df? Der Affengie\u00dfer ist aber durchaus sprichw\u00f6rtlich zu verstehen.<\/p>\n<p>Eine klare Antwort fanden die \u201eBraunschweigischen Alterth\u00fcmern\u201c im 19. Jahrhundert: Der Affengie\u00dfer produzierte einst vorrangig die kleine Figuren, Schmuckwerk, Tiere und zahlreiche andere kuriose Fabelwesen, die vornehmlich liturgisches Gef\u00e4\u00df sp\u00e4ter aber auch Gebrauchsgest\u00e4nde bev\u00f6lkerten und &#8222;Apen&#8220; genannt wurden (Sack, 1861, S. 25). Sie trugen eine Vielzahl von symbolischen Bedeutungen. Der Affe selbst &#8211; oft mit einem Spiegel dargestellt &#8211; repr\u00e4sentiert die S\u00fcnde der Eitelkeit oder weltlichen Begierde.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>C. W. Sack, Alterth\u00fcmer der Stadt und des Landes Braunschweig, Braunschweig 1861.<\/p>\n<p>Pierer&#8217;s Universal-Lexikon, Band 14. Altenburg 1862, S. 394. [<a href=\"http:\/\/www.zeno.org\/nid\/2001077663X\">http:\/\/www.zeno.org\/nid\/2001077663X<\/a>]<\/p>\n<p>Karl Schiller und August L\u00fcbben, Mittelniederdeutsches W\u00f6rterbuch, Bremen\u00a0 u.a., Bd. 1, 1875 \u2013 Bd. 6, 1881., hier Bd. 1, S. 119 [<a href=\"http:\/\/www.rzuser.uni-heidelberg.de\/~cd2\/drw\/F4\/schill1\/g118-119.htm\">http:\/\/www.rzuser.uni-heidelberg.de\/~cd2\/drw\/F4\/schill1\/g118-119.htm<\/a>].<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Heute besch\u00e4ftigt uns der Werdegang des Apengeters. 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