{"id":48,"date":"2011-05-09T16:00:36","date_gmt":"2011-05-09T14:00:36","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/?p=48"},"modified":"2011-05-09T16:24:32","modified_gmt":"2011-05-09T14:24:32","slug":"geschlachtwandners-gewandschlachter-oder-schlachtgewanter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/2011\/05\/geschlachtwandners-gewandschlachter-oder-schlachtgewanter\/","title":{"rendered":"Geschlachtwandner, Gewandschlachter oder Schlachtgewanter"},"content":{"rendered":"<p><span style=\"font-size: small;font-family: Arial\">Nachdem mich die Leiterin der <a href=\"http:\/\/archive.ekmd-online.de\/portal\/bibliotheken\/1-marienbibliothekhalle\/\">Marienbibliothek Halle<\/a> heute zur Mittagspause mit einem sch\u00f6nen Link zum Angebot von <a href=\"http:\/\/einestages.spiegel.de\/static\/topicalbumbackground\/22603\/womit_opa_so_sein_geld_verdiente.html\">einestags<\/a> zu alten Berufen und ihrer Bebilderung an meine Blogpflichten erinnerte, m\u00f6chte ich die Pause doch gleich f\u00fcr die Erkl\u00e4rung des Berufes des Geschlachtwandners, <span style=\"font-family: Arial\">Gewandschlachter <\/span>oder <span style=\"font-family: Arial\">Schlachtgewanter <\/span>nutzen. <\/span><\/p>\n<div id=\"attachment_50\" style=\"width: 207px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/files\/2011\/05\/Tuchmacher_Weigel_959.jpg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-50\" loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-50 \" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/files\/2011\/05\/Tuchmacher_Weigel_959-219x300.jpg\" alt=\"Christoph Weigel, Abbildung und Beschreibung der Gemein-N\u00fctzlichen Hauptst\u00e4nde, Tuchmacher, SLUB Dresden\" width=\"197\" height=\"270\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/files\/2011\/05\/Tuchmacher_Weigel_959-219x300.jpg 219w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/files\/2011\/05\/Tuchmacher_Weigel_959-749x1024.jpg 749w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/alteberufe\/files\/2011\/05\/Tuchmacher_Weigel_959.jpg 2000w\" sizes=\"(max-width: 197px) 100vw, 197px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-50\" class=\"wp-caption-text\">Christoph Weigel, Abbildung und Beschreibung der Gemein-N\u00fctzlichen Hauptst\u00e4nde, Tuchmacher, SLUB Dresden<\/p><\/div>\n<p><span style=\"font-size: small;font-family: Arial\">Im Internet hat dieser alte Beruf schon eine kleine Deutungsgeschichte hinter sich gebracht und mutierte dabei etwa zum &#8222;<a href=\"http:\/\/de.narkive.com\/2005\/12\/14\/1396847-alte-berufsnamen-geschlachtswanderer.html\">Geschlachtswanderer<\/a>&#8222;, einer vermuteten Art von mobilen Metzger. Auch wenn die direkte \u00dcbertragung des Wortteils &#8222;Geschlacht&#8220; solche Schl\u00fcsse nahelegen k\u00f6nnte, mit dem Tipp des Fleischers liegt der Ratende leider deutlich, wenn auch nicht v\u00f6llig daneben. Allerdings repr\u00e4sentiert das Metzgerhandwerk Vertreter eines &#8222;ungeschlachten&#8220; Berufszweiges. Man bewegt sich also im Bereich der Antonyme zum Wort &#8222;geschlacht&#8220;. W\u00e4hrend jedoch das Wort &#8222;geschlacht&#8220; aus unser heutigen Sprache mit Ausnahme einiger weniger Dialekte verschwunden ist, blieben Bezeichnungen f\u00fcr &#8222;ungeschlacht&#8220; in einigen Formen und Bedeutungen erhalten: Eben auch in der Berufsbezeichnung des Schlachters. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;font-family: Arial\">Schaut man in einem einschl\u00e4gigen W\u00f6rterbuch nach, so findet man im Grimmschen W\u00f6rterbuch etwa den Verweis auf das althochdeutsche Wort &#8222;gislaht&#8220; oder mittelhochdeutsch &#8222;geslaht&#8220;, was so viel wie &#8222;Geschlecht&#8220; bedeutet. Aber nat\u00fcrlich haben wir es hier auch nicht mit einem Geschlechtswandner oder etwa Geschlechtswandler im wortw\u00f6rtlichem Sinn zu tun! Dennoch wandete der gesuchte Beruf Geschlechter. &#8222;Geschlacht&#8220; bedeutet nach Grimm so viel wie &#8222;von Natur und Art eigen&#8220; oder &#8222;angemessen&#8220;. <a href=\"http:\/\/dwb.uni-trier.de\/Projekte\/WBB2009\/Adelung\/wbgui_py?lemid=DG01608&amp;mode=Vernetzung&amp;prefix=ges&amp;patternlist=\">Adelung<\/a> und <a href=\"http:\/\/www.kruenitz1.uni-trier.de\/xxx\/g\/kg01767.htm\">Kr\u00fcnitz<\/a> verweisen eher auf die Wortbedeutung &#8222;wohlgestaltet&#8220; und &#8222;von guter Art&#8220;. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;font-family: Arial\">Der zweite Wortteil &#8222;wandner&#8220; ist einfacher zu erschlie\u00dfen. Das Gewand ist bis heute eine wenn auch nicht mehr allzu moderne, so doch durchaus g\u00e4ngige Bezeichnung f\u00fcr Bekleidung aus Stoffen aller Art. Eine umf\u00e4ngliche etymologische Herleitung des erst im 12. Jahrhundert auftauchenden Begriffes legte bereits vor mehr als hundert Jahren <a href=\"http:\/\/www.reference-global.com\/doi\/pdf\/10.1515\/9783110242560.406\">H. Wunderlich<\/a> vor. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;font-family: Arial\">Zusammengesetzt ergibt der Beruf also die T\u00e4tigkeit eines &#8222;Feintuchmachers&#8220; oder &#8222;Feintuchwebers&#8220;. Es handelte sich, im Gegensatz zur Berufsgruppe der Loder (Grobtuchmacher), also um die Spezialisten bei der Verfertigung edler und hochwertiger Stoffe. Welche Stoffe von welchem Geschlecht bzw. Stand zu tragen waren, regelten vor allem die zahlreichen Kleiderordnungen der Fr\u00fchen Neuzeit bis ins kleinste Detail. Von daher w\u00e4re also selbst die Vorstellung eines &#8222;Geschlechtsgewandners&#8220; nicht grundverkehrt. Die Zunft der Feintuchmacher bzw. Geschlachtwander ist aus vielen St\u00e4dten als h\u00e4ufig einflussm\u00e4chtige\u00a0Berufsgruppe bekannt. 1555 nennt der Augsburger Reichsabschied sie als eine der wichtigsten Z\u00fcnfte des Tuchmacherhandwerks, die relativ fr\u00fchzeitig zur gewinnorientierten Produktion \u00fcbergingen und daher in dieser Quelle reglementiert wurden. <\/span><\/p>\n<p><strong><span style=\"font-size: small;font-family: Arial\">Quellen:<\/span><\/strong><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;font-family: Arial\">Abschied der R\u00f6m[isch] k\u00f6nigl[ichen] Majest\u00e4t und gemeiner St\u00e4nde auff dem Reichs-Tag zu Augsburg auffgericht, im Jahr 1555, \u00a7 136, Digitale Quelle in: Internetportal Westf\u00e4lische Geschichte [<a href=\"http:\/\/www.lwl.org\/westfaelische-geschichte\/portal\/Internet\/finde\/langDatensatz.php?urlID=739&amp;url_tabelle=tab_quelle\">http:\/\/www.lwl.org\/westfaelische-geschichte\/portal\/Internet\/finde\/langDatensatz.php?urlID=739&amp;url_tabelle=tab_quelle<\/a>].<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;font-family: Arial\">Adrian Beier, Allgemeines Handlungs- Kunst- Berg- und Handwercks-Lexicon, Jena 1722, S. 146 [Google.Buchsuche: <a href=\"http:\/\/books.google.de\/books?id=goRHAAAAYAAJ&amp;dq\">http:\/\/books.google.de\/books?id=goRHAAAAYAAJ&amp;dq<\/a>]. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;font-family: Arial\">Deutsches W\u00f6rterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm, 16 Bde. in 32 Teilb\u00e4nden, Leipzig 1854-1961, hier Bd. 5, Sp. 3896 sowie Bd.\u00a06,\u00a0Sp.\u00a05237, [<a href=\"http:\/\/dwb.uni-trier.de\/Projekte\/WBB2009\/DWB\/wbgui_py?bookref=5,3896,65&amp;mode=&amp;prefix=ges&amp;patternlist=%5d.\">http:\/\/dwb.uni-trier.de\/Projekte\/WBB2009\/DWB\/wbgui_py?bookref=5,3896,65&amp;mode=&amp;prefix=ges&amp;patternlist=].<\/a><\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;font-family: Arial\">Wilfried Reininghaus, Gewerbe in der fr\u00fchen Neuzeit, M\u00fcnchen 1990, S. 25f.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-size: small;font-family: Arial\">H. Wunderlich, Gewand und Gewaete, in: Indogermanische Forschungen. Zeitschrift f\u00fcr Indogermanische Sprach- und Altertumskunde 14, 1903, S-. 406-420, [Reprint Online: De Gruyter: [<a href=\"http:\/\/www.reference-global.com\/doi\/pdf\/10.1515\/9783110242560.406\">http:\/\/www.reference-global.com\/doi\/pdf\/10.1515\/9783110242560.406<\/a>]], S. 406-420.<\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachdem mich die Leiterin der Marienbibliothek Halle heute zur Mittagspause mit einem sch\u00f6nen Link zum Angebot von einestags zu alten Berufen und ihrer Bebilderung an meine Blogpflichten erinnerte, m\u00f6chte ich die Pause doch gleich f\u00fcr die Erkl\u00e4rung des Berufes des Geschlachtwandners, Gewandschlachter oder Schlachtgewanter nutzen. 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