Überall & Nirgends

Meine Rezension zur Produktion „Überall & Nirgends“, Puppentheater Halle
http://buehnen-halle.de/ueberall_und_nirgends

Jeder Mensch „sammelt“ zu Lebzeiten Beziehungen, Emotionen, Gedanken – am Ende unzählige Erinnerungen. Daraus strickt man sich selbst im metaphorischen Sinne einen langen, bunten, einzigartigen Lebensschal. So ein Leben verläuft nie linear und eine Sicherheit für den Ausgang gibt es auch nicht…
„War ich schon, bevor’s mich gab? Gab’s mich schon, bevor ich war? Ich laufe auf der Erde auf und ab und Ende, das ist absehbar, als Asche oder als Gebein tief im Grab. Dann kehr ich wieder dorthin, wo ich war, zurück nach wo ich mich befand, bevor mein Sein ich noch verstand und jemand wurde oder jemand war.“ Kaum einer spricht über diese Fragen, die Autorin Bette Westera in ihrem Gedichtband treffend formuliert. Tod, Abschied, die eigene und fremde Existenz werden immer mehr zum Tabuthema. Trotzdem schafft es das gesamte Team der Produktion „Irgendwo & Nirgends“ (Regie Ania Michaelis) diese schwere Kost unglaublich liebevoll und behutsam zu behandeln. Genau richtig für Jung UND Alt. Ein eher abstraktes Bühnenbild (Angela Baumgart), welches gekonnt mit Symbolik und Raum spielt, geht Hand in Hand mit den zwei außerirdisch, doch gar nicht fremd wirkendenden Charakteren des Erinnerungsinstiuts (grandios verkörpert durch Franziska Rattay und Nico Parisius). Das stimmige Gesamtpaket spricht dafür, dass es hier um ein wichtiges Anliegen geht, bei dem alle Beteiligten an einem Strang ziehen. Das Stück vermittelt dem Zuschauer vieles. Abschied nehmen ist immer schmerzvoll, besonders für diejenigen, die zurückbleiben. Aber: Nicht nur das Leben, sondern auch der Tod ist eine Reise auf die wir mit Zuversicht, in Dankbarkeit und ohne Angst gehen sollten. Definitiv sehenswert!

Fotos: Anna Kolata


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