{"id":218,"date":"2019-03-10T22:21:19","date_gmt":"2019-03-10T21:21:19","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/blogsbypolina\/?p=218"},"modified":"2019-04-19T14:01:06","modified_gmt":"2019-04-19T12:01:06","slug":"historische-entwicklung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/blogsbypolina\/historische-entwicklung\/","title":{"rendered":"Historische Entwicklung"},"content":{"rendered":"<h2><strong>\u00a0Mittelalter\u00a0<\/strong><\/h2>\n<p>Die Geschichte der Satire an sich reicht bis in die Antike. Im deutschsprachigem Raum wurde die satirische Darstellungsweise erstmals im sp\u00e4ten Mittelalter verwendet.\u00a0Satiren des Mittelalters waren tendenziell konservativ, von christlichen Werten und der Richtigkeit der St\u00e4ndeordnung \u00fcberzeugt. Weil sie die unaufhebbare S\u00fcndhaftigkeit des Menschen darstellen und auf Besserung hinwirken k\u00f6nnen, geh\u00f6ren sie zur christlichen Didaktik.<\/p>\n<p>Im Mittelalter tritt Satire daher meist als St\u00e4ndesatire auf. Ausgehend von der hierarchischen Feudalordnung kritisiert sie Verletzungen der Standespflichten und jede Art von \u00dcbertretung der von Gott geschaffenen Sozialordnung. Dazu z\u00e4hlt die Auflehnung der unteren St\u00e4nde (Bauern), aber auch die Grausamkeit des Adels oder die s\u00fcndhafte Leichtlebigkeit der Geistlichen. Zu der Vertretern der St\u00e4ndesatire geh\u00f6rten\u00a0Heinrich von Melk, Wernher der Gartenaere, Seifried Helbling und Walther von der Vogelweide.<\/p>\n<h2><strong>Renaissance<\/strong><\/h2>\n<figure id=\"attachment_308\" aria-describedby=\"caption-attachment-308\" style=\"width: 230px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/blogsbypolina\/files\/2019\/03\/Narrenschiff02.png\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-308\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/blogsbypolina\/files\/2019\/03\/Narrenschiff02.png\" alt=\"\" width=\"240\" height=\"334\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/blogsbypolina\/files\/2019\/03\/Narrenschiff02.png 426w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/blogsbypolina\/files\/2019\/03\/Narrenschiff02-216x300.png 216w\" sizes=\"(max-width: 240px) 100vw, 240px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-308\" class=\"wp-caption-text\">Holzschnitt-Illustration aus dem <em>Narrenschiff<\/em> von Sebastian Brant<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die Satiren des Humanismus geh\u00f6ren meist zur Gattung der Narrenliteratur. Fast bruchlos steht Sebastian Brants <strong><em>Narrenschiff<\/em><\/strong> (1494) in der Tradition des Mittelalters; es ist haupts\u00e4chlich auf die humanistische Kritik von Sitten und Untugenden der Zeitgenossen gerichtet, die sie mit didaktischer Strenge zu verbessern trachten. Das <em>Narrenschiff <\/em>fand in lateinischer \u00dcbersetzung in ganz Europa Leser und Nachahmer.<\/p>\n<p>Das Volksbuch <strong><em>Till Eulenspiegel<\/em> <\/strong>(circa 1510) folgte einer anderen Tradition: der des Hofnarren oder Schelmen, der Streiche spielt. Auf B\u00fchnen und bei Volksfesten findet sich politischer Spott gegen Herrschende und Beherrschte in Fastnachtsspielen und Burlesken.<\/p>\n<h2><strong>Reformation<\/strong><\/h2>\n<p>Die Reformation entdeckte die Satire als publizistisches Mittel der polemischen Agitation im Streit um die christliche Lehre. Je nach religi\u00f6ser Zugeh\u00f6rigkeit ihrer Autoren richteten sich die satirischen Streitschriften und Flugbl\u00e4tter gegen die Katholische Kirche bzw. gegen die Vertreter der Reformation. Dabei wurden sowohl die widerstreitenden Gruppen, als auch erstmals ihre individuellen Exponenten Ziel der satirischen Angriffe. Der Papst als Esel oder Drache, Johannes Eck als Schwein, Thomas Murner als Katze, oder der Theologe Lemp als bissiger Hund und dazu kontrastierend Luther als siebenk\u00f6pfiges Ungeheuer oder des Teufels Dudelsack.<\/p>\n<p>Bildsatiren der Reformationszeit wurden in hoher Zahl und vielf\u00e4ltigen originellen und vor allem derb-volkst\u00fcmlichen Exemplaren aufgelegt und verbreitet. Gleichwohl erfolgten die Ver\u00f6ffentlichungen der Karikaturen aus Gr\u00fcnden des Selbstschutzes h\u00e4ufig anonym. Berichtet wird von Haftstrafen f\u00fcr Zeichner, Drucker und Kolporteure f\u00fcr ihre \u201eSchm\u00e4hschriften\u201c.<\/p>\n<figure id=\"attachment_306\" aria-describedby=\"caption-attachment-306\" style=\"width: 190px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/blogsbypolina\/files\/2019\/03\/Simplicissimus_Cover_page1669.jpg\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><img loading=\"lazy\" class=\"wp-image-306\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/blogsbypolina\/files\/2019\/03\/Simplicissimus_Cover_page1669-170x300.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"352\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/blogsbypolina\/files\/2019\/03\/Simplicissimus_Cover_page1669-170x300.jpg 170w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/blogsbypolina\/files\/2019\/03\/Simplicissimus_Cover_page1669.jpg 509w\" sizes=\"(max-width: 200px) 100vw, 200px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-306\" class=\"wp-caption-text\">Frontispiz von Grimmelshausens Roman Der abenteuerliche Simplicissimus<\/figcaption><\/figure>\n<h2><strong>Barock<\/strong><\/h2>\n<p>Satiren dienten auch im Barock der Kritik an der h\u00f6fischen Welt und den Zeitgenossen, indem sie die Verkehrtheit der gegenw\u00e4rtigen Welt pointiert herausstellten und mit dem Ideal christlicher Sitten, Ehrbarkeit und Tugend verglichen. Zu den heute bekanntesten satirischen Romanen des Barock geh\u00f6ren Grimmelshausens herausragender<strong> <em>Simplicissimus Teutsch<\/em> <\/strong>(1662) und Christian Reuters <em>Schelmuffsky<\/em> (1696\/97), die beide \u2013 auf jeweils sehr unterschiedliche Weise \u2013 der komisch-satirischen Tradition des Schelmenromans oder pikaresken Romans zugeordnet werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<h2><strong>Aufkl\u00e4rung und Romantik<\/strong><\/h2>\n<p>Im Zeitalter der Aufkl\u00e4rung florierte die Satire als didaktisches Mittel, mit der die philosophischen und p\u00e4dagogischen Ziele der Aufkl\u00e4rung bef\u00f6rdert werden sollten. Die Kritik der M\u00e4chtigen blieb jedoch lange Zeit ausgespart; sicher vor allem aus Furcht vor Zensur. Gottlieb Wilhelm Rabeners Satiren blieben \u201emenschenfreundliche\u201c Kritik von Verst\u00f6\u00dfen gegen guten Geschmack und Sittlichkeit. Gerade die Satire der Sp\u00e4taufkl\u00e4rung \u00fcbte aber auch scharfe Kritik an den Idealvorstellungen der Aufkl\u00e4rung. Zu den namhaftesten Satirikern der Sp\u00e4taufkl\u00e4rung z\u00e4hlen Georg Christoph Lichtenberg, der den kurzen, geschliffenen Aphorismus popul\u00e4r machte, und Jean Paul, dessen gesamtes Werk eine Neigung zur Satire zeigt.<\/p>\n<p>Zu den Literatursatiren der Romantik z\u00e4hlen Ludwig Tiecks St\u00fccke <em>Der gestiefelte Kater<\/em> (1797) und<em> Die Verkehrte Welt<\/em> (1798).\u00a0In Philistersatiren wurden der brave Spie\u00dfb\u00fcrger und dessen geistige Vertreter (\u201ePhilister\u201c) ver\u00e4ppelt. Bei Clemens Brentano und Joseph G\u00f6rres, aber auch bei Joseph von Eichendorff finden sich Texte dieses Genres. Sp\u00e4ter auch Spie\u00dfb\u00fcrgersatire genannt, hat diese Form praktisch bis heute Bestand.<\/p>\n<h3>Quelle:\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Satire\">https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Satire<\/a><\/h3>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a0Mittelalter\u00a0 Die Geschichte der Satire an sich reicht bis in die Antike. Im deutschsprachigem Raum wurde die satirische Darstellungsweise erstmals im sp\u00e4ten Mittelalter verwendet.\u00a0Satiren des Mittelalters waren tendenziell konservativ, von christlichen Werten und der Richtigkeit der St\u00e4ndeordnung \u00fcberzeugt. 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