{"id":236,"date":"2019-01-09T14:38:31","date_gmt":"2019-01-09T13:38:31","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/?page_id=236"},"modified":"2019-01-29T12:16:40","modified_gmt":"2019-01-29T11:16:40","slug":"benita-blessing","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/benita-blessing\/","title":{"rendered":"Von Rabenv\u00e4tern und Piraten: Defizit\u00e4re Vaterfiguren im DEFA-Kinderfilm"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<h4>Von Rabenv\u00e4tern und Piraten: Defizit\u00e4re Vaterfiguren im DEFA-Kinderfilm<\/h4>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Mit diesem Vortrag werde ich dem ostdeutschen kinderfilmischen Umgang mit der \u201eallgemeinen Krise in der Funktion des [DDR-]Vaters\u201c (Pinkert, 2008) nachgehen, die je nach Dekade anders definiert wurde. \u00a0Ich argumentiere, dass die Figur des defizit\u00e4ren Vaters im DEFA-Kinderfilm schon nach Kriegsende behandelt wurde und ein wichtiges Thema bis zum Ende der DDR blieb. In den Nachkriegsjahren sollten Zuschauer lernen, dass M\u00e4nnern geholfen werden musste, ihre gesellschaftliche Rolle als funktionale V\u00e4ter und Ehem\u00e4nner wiederzufinden, wie schon in Gerhard Lamprechts 1946 \u201eIrgendwo in Berlin\u201c. Wo aber in den ersten Nachkriegsjahren die heimkehrenden M\u00e4nner mit ihren k\u00f6rperlichen und seelischen Wunden f\u00fcr ihre Dissoziation von der Familie entschuldigt werden konnten, wurde die Disfunktionalit\u00e4t der M\u00e4nner in sp\u00e4teren Jahren in Kinderfilmen kritischer betrachtet. Als z.B. der Vater von L\u00fctt Matten in Hermann Zschoches \u00a0<\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">L\u00fctt Matten und die wei\u00dfe Muschel<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\"> (1964) seinem Kind verspricht, ihm eine Reuse zu bauen, weswegen ihn seine Freunde beneiden, erwidert dieser resigniert, der Vater verspreche immer viel, halte es aber nie ein \u2013 eine Eigenschaft, die Mattens Vater sp\u00e4ter im Film jedoch ablegt.<\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">In den 1970ern spiegelten DEFA-Kinderfilme die Konsequenzen der zunehmenden Scheidungen in dem Land wider. Hier wurden V\u00e4ter haupts\u00e4chlich als abwesend dargestellt. Beispielsweise wird der \u201eMeister Clasen\u201c zur guten Fee, der auf die Anzeige vom kleinen Matten in Hans Kratzerts <\/span><i><span style=\"font-weight: 400\">Wir kaufen eine Feuerwehr<\/span><\/i><span style=\"font-weight: 400\"> (1970) reagiert. Er kauft ihm ein altes Feuerwehrfahrzeug, so dass Matten neue Freunde gewinnt. <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">In den letzten Jahren des Sozialismus verloren V\u00e4ter, die ihre v\u00e4terlichen Pflichten ignorierten, immer mehr an gesellschaftlicher Akzeptanz (\u201eRabenvater\u201c [1986 R: Karl-Heinz Heymann] und \u201eDas Herz des Piraten\u201c [1988, J\u00fcrgen Brauer]). <\/span><\/p>\n<p><span style=\"font-weight: 400\">Wie ich in meinem Vortrag aufzeigen werde, vollzog sich diese Entwicklung in der Gesellschaft langsam aber deutlich und wurde von DEFA-Kinderfilmen aufgegriffen. Im Laufe der Zeit zog die ostdeutsche Kamera V\u00e4ter immer mehr zur Verantwortung. Neue Familienkonstellationen, wie beispielsweise getrennt lebende Eltern, stellten nicht nur ein allgemeines postindustrielles Ph\u00e4nomen dar, sondern wurden als soziales Problem der modern sozialistischen Gesellschaft verstanden, das gel\u00f6st werden musste und konnte. DEFA Kinderilme, wie ich hier argumentiere, bieten uns einen einmaligen Einblick in die Gesamtwirkung neuer gesellschaftlicher und kultureller (Familen-)entwicklungen hinter der Mauer.<\/span><\/p>\n<h4><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-468 alignleft\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/files\/2019\/01\/Benita-photos-300x300.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"300\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/files\/2019\/01\/Benita-photos-300x300.jpg 300w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/files\/2019\/01\/Benita-photos-290x290.jpg 290w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/files\/2019\/01\/Benita-photos.jpg 691w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/>Kurzvita<\/h4>\n<p><span style=\"font-family: Verdana\"><strong>Benita Blessing, PhD<\/strong> arbeitet seit 2015 an der Oregon State University, wo sie als ausgebildete Historikerin und P\u00e4dagogin jetzt\u00a0unter\u00a0Germanisten arbeitet. Ihr erstes Buch \u201cThe Antifascist Classroom: Re-education in the Soviet-occupied Zone, 1945-1949\u201d untersuchte wie Sch\u00fcler und Sch\u00fclerinnen das antifaschistische,\u00a0sozialistische,\u00a0humanistische Klassenzimmer in den unmittelbaren Nachkriegsjahren erfuhren nach 12 Jahren Erziehung in der NS-Gesellschaft. Ihr Buchmanuskript\u00a0\u201cTeaching Socialism at the Cinema: A\u00a0History of East German Children\u2019s Films, 1945-1949\u201d liegt jetzt bei Palgrave und erscheint im Laufe des n\u00e4chsten Jahres.\u00a0<\/span><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Von Rabenv\u00e4tern und Piraten: Defizit\u00e4re Vaterfiguren im DEFA-Kinderfilm Mit diesem Vortrag werde ich dem ostdeutschen kinderfilmischen Umgang mit der \u201eallgemeinen Krise in der Funktion des [DDR-]Vaters\u201c (Pinkert, 2008) nachgehen, die je nach Dekade anders definiert wurde. \u00a0Ich argumentiere, dass die Figur des defizit\u00e4ren Vaters im DEFA-Kinderfilm schon nach Kriegsende behandelt wurde und ein wichtiges Thema &hellip; <\/p>\n<p><a class=\"more-link btn\" href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/benita-blessing\/\">Weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3054,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/236"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3054"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=236"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/236\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":469,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/236\/revisions\/469"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/defakinderfilmtagung\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=236"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}