{"id":100,"date":"2017-04-20T16:41:10","date_gmt":"2017-04-20T14:41:10","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/?p=100"},"modified":"2017-05-05T11:44:34","modified_gmt":"2017-05-05T09:44:34","slug":"mortalitaet-von-joerg-voegele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/2017\/04\/mortalitaet-von-joerg-voegele\/","title":{"rendered":"&#8222;Mortalit\u00e4t&#8220; von J\u00f6rg V\u00f6gele"},"content":{"rendered":"<p>Die Lebenserwartung in Westeuropa hat sich in den letzten 150 Jahren mehr als verdoppelt. Dieser enorme Anstieg der Lebenserwartung in Westeuropa und Nordamerika w\u00e4hrend der Neuzeit war von einem grundlegenden Wandel des Todesursachenpanoramas begleitet. Zahlreiche Krankheiten sind aus den Industrienationen verschwunden, andere haben ihren Charakter ver\u00e4ndert oder sind beherrschbar geworden, und wiederum andere befinden sich auf dem Vormarsch. Die Mechanismen dieses Wandels sind nach wie vor unklar. Der folgende kurze Beitrag soll die Diskussion und den Forschungsstand kurz referieren. Dazu ist ebenfalls eine knappe Kl\u00e4rung zentraler Begriffe sowie ein Blick auf Quellen und Methoden notwendig.<!--more--><\/p>\n<p><strong>1. Begriffe<\/strong><\/p>\n<p>Die Mortalit\u00e4t bezeichnet die Anzahl der Todesf\u00e4lle in einer Bev\u00f6lkerung w\u00e4hrend eines bestimmten Zeitraums im Verh\u00e4ltnis zur Anzahl der lebenden Individuen der betreffenden Population in diesem Zeitraum. Sie wird durch die Sterberate ausgedr\u00fcckt. Man versteht unter der so genannten rohen Sterberate, die Zahl, der in einem bestimmten Zeitraum (i.d.R. ein Kalenderjahr) Gestorbenen je 1.000 Lebende der beobachteten Bev\u00f6lkerung. Eine Erfassung der Risikogruppen mit gleichzeitiger Kontrolle der unterschiedlichen Bev\u00f6lkerungsstrukturen erm\u00f6glicht die altersspezifische Ausdifferenzierung der Sterbeziffern bzw. der Lebenserwartung nach so genannten Sterbetafeln. Die Sterbetafeln bilden sowohl das historisch \u00e4lteste Modell demographischer Forschung (etwa John Graunt&#8217;s Bills of Mortality, 1662 oder Edmund Halleys Sterbetafeln der Stadt Breslau, 1693) als auch den Prototyp der modernen demographischen Analyse.<\/p>\n<p>Die altersspezifische Mortalit\u00e4t ergibt sich aus der Anzahl der Gestorbenen einer Altersgruppe w\u00e4hrend eines ausgew\u00e4hlten Jahres, bezogen auf die Lebenden in der jeweiligen Altersgruppe und bei den S\u00e4uglingen bezogen auf die Lebendgeborenen des Jahres. Die so genannte statistische Lebenserwartung ist die zu erwartende Zeitspanne, die einem Lebewesen ab einem gegebenen Zeitpunkt bis zu seinem Tod im Durchschnitt voraussichtlich verbleibt. Der am h\u00e4ufigsten ermittelte Wert ist die Lebenserwartung bei der Geburt. Sie ist bestimmt durch die Anzahl der Jahre, die ein Neugeborenes durchschnittlich leben w\u00fcrde, wenn die bei seiner Geburt herrschenden Sterblichkeitsraten bzw. entsprechende Lebensumst\u00e4nde w\u00e4hrend seines gesamten Lebens konstant blieben.<\/p>\n<p><strong>2. Quellen<\/strong><\/p>\n<p>Mit Methoden der Pal\u00e4opathologie und Anthropologie gelingen zeitlich weit zur\u00fcckreichende Untersuchungen zur Mortalit\u00e4t. Dagegen beginnen serielle schriftliche Quellen relativ sp\u00e4t: Zentrale Quellen f\u00fcr Europa seit dem 16. Jahrhundert sind die Kirchenb\u00fccher (Tauf-, Heirats- und Sterbebuch). In den Sterbeb\u00fcchern wurden in der Regel Personalangaben, erreichtes Lebensalter, Sterbe- bzw. Begr\u00e4bnisdatum und gelegentlich auch die Todesursache registriert. Als methodisches Problem im Zusammenhang mit der S\u00e4uglingssterblichkeit ist hier insbesondere die Zahl der Totgeburten zu nennen. H\u00e4ufig gelten diese als unterregistriert, da die Taufe als Sakrament st\u00e4rker im Mittelpunkt stand als der biologische Vorgang der Geburt. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts etablierte sich die zivile Erfassung von Sterbef\u00e4llen und Todesursachen. \u00c4hnliches gilt f\u00fcr die Erfassung der Risikobev\u00f6lkerung: Zun\u00e4chst kann wieder auf die kirchliche Initiative mit so genannten Seelenbeschrieben und ab dem 19. Jahrhundert auf brauchbare staatliche Volksz\u00e4hlungen bzw. deren Fortschreibung zur\u00fcckgegriffen werden. W\u00e4hrend Untersuchungen f\u00fcr das 18. Jahrhundert und fr\u00fcher im Wesentlichen auf lokalem Archivmaterial basieren, liegen seit dem fr\u00fchen 19. Jahrhundert gedruckte Datenreihen f\u00fcr zahlreiche westeurop\u00e4ische Staaten vor.<\/p>\n<p>Eine systematische historische Analyse des Wandels im Todesursachenpanorama ist nicht einfach, denn es ist zu ber\u00fccksichtigen, dass sich die Zeitgenossen einer vollkommen anderen Nosologie bedienten, die sich zudem im Laufe der Zeit \u00e4nderte. Zugrunde lagen dabei Krankheitskonzepte einer vor-mikrobiologischen \u00c4ra, in der miasmatische, kontagionistische, humoralpathologische und auch astromedizinische Erkl\u00e4rungsmodelle h\u00e4ufig nebeneinander existierten und sich gegenseitig beeinflussten. (Leven 2011: 11-32).<a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\"> <\/a>W\u00e4hrend eine retrospektive Diagnose von individuellen Krankheitsf\u00e4llen und singul\u00e4ren Todesursachen deshalb \u00e4u\u00dferste Vorsicht walten lassen muss, bietet eine auf Massendaten basierende epidemiologische Analyse eine weitaus gr\u00f6\u00dfere Aussagekraft.<\/p>\n<p><strong>3. Der historische Mortalit\u00e4tswandel und das Modell des Epidemologischen \u00dcbergangs<\/strong><\/p>\n<p>Das langfristige Absinken der Sterbeziffern und der Wandel des Todesursachenpanoramas k\u00f6nnen mit dem Modell der Demographischen Transition bzw. des Epidemiologischen \u00dcbergangs beschrieben und zusammengefasst werden. Das Modell der Demographischen Transition skizziert den \u00dcbergang von der vorindustriellen Bev\u00f6lkerungsweise mit hoher Fruchtbarkeit und hoher Sterblichkeit hin zu einer modernen mit entsprechend niedrigen Raten und schreibt dabei der sinkenden Mortalit\u00e4t die ausl\u00f6sende Funktion zu. Das Modell des Epidemiologischen \u00dcbergangs ist f\u00fcr die spezifische historische Analyse des Sterblichkeitswandels n\u00fctzlich, da es die Entwicklungstrends der Sterberate sowie den Wandel des Todesursachenpanoramas verfolgt und von Wechselwirkungen zwischen dem durchschnittlichen Gesundheitszustand einer Bev\u00f6lkerung und dem sozio\u00f6konomischen Wandel ausgeht.<\/p>\n<p>Das Modell des Epidemiologischen \u00dcbergangs unterscheidet drei Phasen: (1) Die Periode der Seuchen und Hungersn\u00f6te, gekennzeichnet durch eine hohe und stark schwankende Sterbeziffer. Die durchschnittliche Lebenserwartung bei der Geburt ist niedrig und liegt zwischen 20 und 40 Jahren. (2) Die eigentliche \u00dcbergangsphase bzw. Periode der r\u00fcckl\u00e4ufigen gro\u00dfen Epidemien; die Sterberate verstetigt sich und nimmt allm\u00e4hlich ab, besonders in dem Umfang, in dem die schweren Epidemien seltener werden und sp\u00e4ter ganz ausbleiben. Die Lebenserwartung bei der Geburt steigt auf rund 50 Jahre. (3) Die bis heute andauernde Periode der Zivilisationskrankheiten (&#8222;man-made diseases&#8220;) mit niedriger Sterberate und hoher Lebenserwartung bei der Geburt, die 70 Jahre \u00fcbersteigen kann. (Omran 1871\/2005: 509-538).<\/p>\n<p>Angesichts der Zunahme neuer aber auch l\u00e4ngst besiegt geglaubter Infektionskrankheiten wird das Modell gelegentlich modifiziert und um weitere Phasen erg\u00e4nzt. Gleichwohl bietet es nach wie vor eine wichtige Arbeitsgrundlage f\u00fcr die historische Analyse. Entsprechend ist das Konzept mittlerweile konkretisiert worden: (F\u00fcr einen \u00dcberblick f\u00fcr den deutschsprachigen Raum s. Ehmer 2004 und Pfister 1994). Die dominierende Position der Pest vom 14. bis 17. Jahrhundert mit verheerenden Bev\u00f6lkerungsverlusten wurde eingehend untersucht und ihre Funktion als Schrittmacher kommunaler Gesundheitssicherung herausgearbeitet. Besonderes Augenmerk der Forschung galt der gro\u00dfen Pandemie des 14. Jahrhunderts, dem sogenannten \u201cSchwarzen Tod\u201d. W\u00e4hrend zeitgen\u00f6ssische Chronisten die Sterblichkeit in den besonders betroffenen oberitalienischen St\u00e4dten mit etwa 60-70% beschrieben, gehen aktuelle Sch\u00e4tzungen von einer Sterberate zwischen 30-50% aus. Insgesamt sollen zwischen einem Viertel und einem Drittel der europ\u00e4ischen Bev\u00f6lkerung der Pest zum Opfer gefallen sein. (Haser 1882: 129). Auch in den folgenden Jahrhunderten blieb die Seuche in Europa endemisch und epidemisch pr\u00e4sent. Nach ihrem R\u00fcckzug aus Mittel- und Westeuropa seit dem sp\u00e4ten 17. Jahrhundert traten andere Seuchen verst\u00e4rkt in Erscheinung. Insbesondere der Englische Schwei\u00df, die Ruhr, Syphilis, Flecktyphus, Pocken und Malaria sind in diesem Zusammenhang zu nennen. (Hays 1998; Livi Bacci 1999).<\/p>\n<p>Gleichzeitig wird betont, dass die meisten schweren Seuchen aufgrund geringerer Milit\u00e4raktivit\u00e4ten und ver\u00e4nderter Milit\u00e4rorganisation bereits r\u00fcckl\u00e4ufig waren und die Zahl und Intensit\u00e4t demographischer Krisen abnahm. (Flinn 1981). Im Zuge wachsender, mit zunehmender Bev\u00f6lkerungs- und Kommunikationsdichte einhergehender Marktintegration wandelten sich die sogenannten &#8222;Human-Crowd Diseases&#8220; (v.a. Pocken, Masern, Scharlach und Keuchhusten) im Europa des sp\u00e4ten 18. und fr\u00fchen 19. Jahrhunderts von altersunspezifischen zu typischen Kinderkrankheiten. Dieser Prozess war mit einer wachsenden relativen Bedeutung von gastro-intestinalen Krankheiten verbunden, die prim\u00e4r S\u00e4uglinge und Kleinkinder bedrohten. Da dieser Krankheitskomplex zudem empfindlich auf die sozio\u00f6konomischen Lebensbedingungen reagierte, wurde die Lebenserwartung zunehmend durch schichtenspezifische Unterschiede bestimmt. (Spree 1981). Im 19. Jahrhundert schlie\u00dflich suchten die Cholera und im 20. Jahrhundert die Grippe als letzte der klassischen Seuchen der Neuzeit Europa in mehreren Wellen heim. Haupttodesursachen des 19. Jahrhunderts waren allerdings nicht mehr die skandalisierten Seuchen, wie die Pocken, Cholera oder Typhus, sondern vor allem gastrointestinale Erkrankungen (die vor allem S\u00e4uglinge betrafen), Erkrankungen der Atmungsorgane (inkl. Tuberkulose) sowie die klassischen Infektionskrankheiten des Kindesalters. (V\u00f6gele 1998). Die Phase 2 des Epidemiologischen \u00dcbergangs hatte begonnen und ging etwa mit dem Ersten Weltkrieg zu Ende. (Imhof 1981; Spree 1981; Imhof 1988; V\u00f6gele 2001). Im weiteren Verlauf des 20. Jahrhunderts traten in der 3. Phase Herz-\/Kreislaufkrankheiten und Krebs in den Vordergrund.<\/p>\n<p>Sowohl das Sterberisiko als auch der s\u00e4kulare Sterblichkeitswandel fielen altersspezifisch differenziert aus. Hauptrisikogruppe waren in der Regel die S\u00e4uglinge; entsprechend ist die gesteigerte Lebenserwartung zu einem entscheidenden Ma\u00df auf den s\u00e4kularen R\u00fcckgang der S\u00e4uglingssterblichkeit seit Ende des 19. Jahrhunderts zur\u00fcckzuf\u00fchren. Zur Gr\u00fcndung des Deutschen Reiches betrug die Lebenserwartung zum Zeitpunkt der Geburt bei M\u00e4nnern rund 36 Jahre und bei Frauen rund 39 Jahre; mittlerweile hat sie sich auf etwa 75 Jahre bei M\u00e4nnern und 81 Jahre bei Frauen erh\u00f6ht. Aber auch die h\u00f6heren Altersgruppen haben einen substantiellen Anstieg zu verzeichnen: Die Lebenserwartung von 60-j\u00e4hrigen M\u00e4nnern stieg im selben Zeitraum von weiteren 12 auf 18 Jahre, diejenige der Frauen von 13 auf 23 Jahre. Nach 1950 trugen Fortschritte in der Verbesserung der \u00dcberlebenschancen der \u00fcber 65-j\u00e4hrigen erheblich zum Anstieg der Lebenserwartung bei. Mittlerweile hat sich der Tod nicht nur aus Kindheit und Jugend, sondern \u00fcberhaupt aus den Altersstufen bis zum 70. Lebensjahr weitgehend zur\u00fcckgezogen. Das Abdr\u00e4ngen des Todes in die h\u00f6chsten Altersgruppen brachte den Wandel von einer \u201eunsicheren\u201c zu einer \u201esicheren\u201c Lebenszeit und zur vermeintlichen Planbarkeit des eigenen Lebens mit sich. (Imhof 1988). So umfasst das Leben erst im ausgehenden 20. Jahrhundert f\u00fcr die meisten Menschen eine ann\u00e4hernd gleiche Zeitspanne, (Spree 1981) wodurch die Altersphase zu einer kollektiven Erfahrung und zu einem Element der Sozialstruktur geworden ist. In globaler Perspektive gesehen, gehen Wissenschaftler davon aus, dass die Lebenserwartung noch weiter steigen wird. (Oeppen \/ Vaupel 2002).<\/p>\n<p>Geschlechtsspezifische Unterschiede in der Lebenserwartung durchziehen ebenfalls den historischen Zeitraum und werden sowohl auf biologisch-genetische als auch auf soziale Faktoren zur\u00fcckgef\u00fchrt. Im Trend ging dabei die weibliche \u00dcbersterblichkeit &#8211; verursacht durch die vielf\u00e4ltige Belastung der Frau als Arbeitskraft und Mutter wie auch durch ihre gesellschaftliche Stellung (Imhof 1981; M\u00fcller 2000) &#8211; seit der Fr\u00fchen Neuzeit zur\u00fcck. Abgesehen von einer \u00dcbersterblichkeit der Frauen in geb\u00e4rf\u00e4higen Alter, vorwiegend in l\u00e4ndlichen Regionen w\u00e4hrend des 18. und 19. Jahrhunderts, fiel die Lebenserwartung der M\u00e4nner in allen Altersgruppen unter diejenige der Frauen. Bis in die j\u00fcngste Zeit haben sich die geschlechtsspezifischen Unterschiede zuungunsten der M\u00e4nner sogar weiter verst\u00e4rkt, nicht zuletzt bedingt durch deutliche Verbesserungen des arbeitsweltlichen Status der Frauen im 20. Jahrhundert. (Weigl 2007). Um die Anteile gesellschaftlicher und biologischer Faktoren an der h\u00f6heren Lebenserwartung der Frauen in historischen Populationen auszuloten, bieten zahlreiche sogenannte Klosterstudien einen originellen Ansatz. Der Unterschied zwischen Ordensfrauen und -m\u00e4nnern wird dabei mit ein bis zwei Jahren deutlich geringer ermittelt als zwischen Frauen und M\u00e4nnern der Allgemeinbev\u00f6lkerung. (Luy 2002).<\/p>\n<p><strong>4. Mechanismen des Sterblichkeitswandels<\/strong><\/p>\n<p>Der Nobelpreistr\u00e4ger f\u00fcr Wirtschaftswissenschaften des Jahres 1993, der amerikanische Historiker Robert Fogel, bezeichnet diesen Wandel der Mortalit\u00e4t als eines der bedeutendsten Ereignisse der Menschheitsgeschichte und gleichzeitig als eines der letzten gro\u00dfen R\u00e4tsel, da die Ursachen und Mechanismen nach wie vor im Dunkeln liegen. W\u00e4hrend diese Entwicklungen traditionell den Fortschritten in der medizinischen Wissenschaft zugeschrieben wurden, bemessen Forschungsarbeiten der letzten Jahrzehnte den Beitrag der kurativen Medizin eher als bescheiden. Wesentliche Impulse gingen hier von den Arbeiten Thomas McKeowns aus. (McKeown 1976). McKeown analysierte den Sterblichkeitswandel vornehmlich am englischen Beispiel; er entwarf ein sehr einfaches Risikomodell mit vier unabh\u00e4ngigen Variablen und gewichtete es f\u00fcr verschiedene Todesursachen. Da zahlreiche Todesursachen bereits entscheidend zur\u00fcckgingen, bevor spezifische medizinische Therapien zur Verf\u00fcgung standen, sei als prim\u00e4rer Faktor der steigende Lebensstandard zu nennen. Dieser wirkte \u00fcber eine sowohl quantitativ als auch qualitativ verbesserte Ern\u00e4hrungssituation insbesondere im Hinblick auf die Reduktion der Mortalit\u00e4t an Tuberkulose. An zweiter Stelle betont McKeown die Rolle der sanit\u00e4ren Reformen, die eine Abnahme der fieberartigen Krankheiten und der Erkrankungen der Verdauungsorgane bewirkt h\u00e4tten. Sodann verweist er auf Ver\u00e4nderungen in der Virulenz bestimmter Krankheitsorganismen &#8211; besonders bez\u00fcglich des Scharlachs. Medizinische Intervention dagegen sei nur im Falle der Kuhpockenimpfung sowie der Serum-Therapie gegen Diphtherie effektiv gewesen und habe lediglich marginal zum Sterblichkeitsr\u00fcckgang beigetragen.<\/p>\n<p>Die Wirkung von McKeowns Publikationen sowohl auf die historische Forschung als auch auf die gegenw\u00e4rtigen gesundheitspolitischen Ma\u00dfnahmen ist enorm. Seine Arbeiten bestimmen bis heute wesentlich die strategischen Konzepte der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die historischen Teile seiner Arbeit l\u00f6sten eine Welle von Publikationen aus, die sich mit seinen Thesen auseinander setzten. Auf den Sterblichkeitsr\u00fcckgang bezogen wird McKeown dem Beitrag der Medizin nicht gerecht, weil er sich in seinen \u00dcberlegungen auf kurative medizinische Interventionsm\u00f6glichkeiten beschr\u00e4nkt, ohne Aspekte der \u00f6ffentlichen Gesundheitsvorsorge zu ber\u00fccksichtigen. (V\u00f6gele 2001). In diese Richtung deuten auch methodische Schw\u00e4chen der McKeownschen Analyse. Brennpunkt der Kritik waren die Vernachl\u00e4ssigung altersspezifischer Sterberaten sowie der deduktive Ansatz. Da der Fokus auf England liegt, gelangt die exorbitante Rolle der gastrointestinalen Erkrankungen auf dem europ\u00e4ischen Kontinent nicht in den Blick. Ferner bleiben durch die Konzentration der Analyse auf die nationalstaatliche Ebene regionale Unterschiede ebenso ausgespart wie die differentiellen Entwicklungen in Stadt und Land.<\/p>\n<p>Nicht zuletzt deswegen hat sich die Forschung in den letzten Jahren den st\u00e4dtischen Verh\u00e4ltnissen zugewandt. Seit langem schon gelten die St\u00e4dte im historischen Europa als ungesunde Orte mit extrem hohen Sterberaten. Bereits im 17. Jahrhundert wurde dieses Bild von John Graunt entworfen und im 18. Jahrhundert von Johann Peter S\u00fcssmilch aufgenommen. Im 19. Jahrhundert machten verschiedene Autoren auf Gesundheitsgef\u00e4hrdungen durch die Industrialisierung aufmerksam, und heutzutage besch\u00e4ftigt sich die internationale historische Forschung intensiv mit dieser Problematik. (Labisch \/ V\u00f6gele 1997; Br\u00e4ndstr\u00f6m \/ Tedebrand 2000). Beengte Wohnverh\u00e4ltnisse und unzureichende gesundheitsbezogene Infrastruktur machten die St\u00e4dte zum idealen N\u00e4hrboden f\u00fcr Epidemien und Seuchen, die zudem auf eine unzureichend ern\u00e4hrte und durch harte Arbeitsbedingungen geschw\u00e4chte Bev\u00f6lkerung trafen. Allerdings wurden die St\u00e4dte mit fortschreitender Industrialisierung zum Vorreiter auf dem Weg zu den modernen Gesundheitsverh\u00e4ltnissen. Gegen Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts verringerten sich die st\u00e4dtischen Sterberaten deutlich, die st\u00e4dtische \u00dcbersterblichkeit ging zur\u00fcck und verschwand schlie\u00dflich sogar ganz. Deshalb betonen einschl\u00e4gige Arbeiten die positiven Wechselbeziehungen zwischen Urbanisierung und Bev\u00f6lkerungsentwicklung und gehen von komplexeren Erkl\u00e4rungsmodellen aus, die beispielsweise auch gesundheitspolitische und soziokulturelle Faktoren st\u00e4rker ber\u00fccksichtigen. (V\u00f6gele 1998).<\/p>\n<p>Besondere Aufmerksamkeit im Rahmen der Sterblichkeitswandels kommt der S\u00e4uglingssterblichkeit zu, da diese allgemein als sensitiver Indikator f\u00fcr den Wohlstand einer Gesellschaft sowie f\u00fcr den Zustand der Umweltbedingungen gilt, unter denen eine Bev\u00f6lke\u00adrung lebt. Die dramatisch hohen S\u00e4uglingssterblichkeitsziffern im historischen Europa werfen damit ein entsprechendes Licht auf die damaligen Lebensbedingungen. In manchen Jahren \u00fcberlebte nur ein Drittel das erste Lebensjahr, oftmals erreichte gerade die H\u00e4lfte eines Geburtsjahrganges das Erwachsenenalter. In zahlreichen europ\u00e4ischen Staaten setzte ein leichter R\u00fcckgang der S\u00e4uglingssterblichkeit bereits gegen Ende des 18. Jahrhunderts ein und wurde erst in der zweiten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts durch erneut steigende Raten unterbrochen. (Corsini \/ Viazzo 1993). Um die Wende zum 20. Jahrhundert begann dann der bis heute andauernde nachhaltige R\u00fcckgang auf unter 10 Promille. (Corsini \/ Viazzo 1997).<\/p>\n<p>Besonders auff\u00e4llig ist in diesem Zusammenhang die differentielle S\u00e4uglingssterblichkeit mit einem ausgepr\u00e4gten Ost-West- und Nord-S\u00fcd-Gef\u00e4lle in Europa, mit niedrigen Raten etwa in Schweden oder England und hohen in Osteuropa. (Wrigley 1997: 214-280). Mitte des 18. Jahrhunderts soll die S\u00e4uglingssterblichkeit in der Region Moskau bei 334 Promille gelegen haben; Angaben aus der zweiten H\u00e4lfte des 18. Jahrhunderts zeigen wesentlich niedrigere Werte f\u00fcr Schweden (200) und D\u00e4nemark (191) und noch geringere f\u00fcr England (165). (Livi Bacci 1999: 148-152).\u00a0 Diese Gradienten waren auch auf dem Gebiet des Deutschen Reiches zu beobachten. Noch um die Mitte des 19. Jahrhunderts lagen die Werte &#8211; auf 1.000 Lebendgeborene bezogen &#8211; bei ca. 100 Sterbef\u00e4llen im Norden, unter 200 im Westen, bei 300 und mehr im Osten und S\u00fcden. (V\u00f6gele 2001: 132f.). Zur\u00fcckgef\u00fchrt wird dieses Verteilungsmuster auf eine Vielzahl von Faktoren. So spielen regional unterschiedliche Mentalit\u00e4ten in Bezug auf Leben und Sterben ebenso eine Rolle wie wirtschaftliche Bedingungen. (Imhof 1981). Nach Regionen differenziert ergaben sich in Preu\u00dfen beispielsweise hohe Sterblichkeitsniveaus in Gebieten gro\u00dflandwirtschaftlicher Betriebe in Ostpreu\u00dfen, in denen eine verarmte Bauernschaft arbeitete. (Lee 1980). Reinhard Spree machte darauf aufmerksam, dass eine wachsende gesellschaftliche Ungleichheit bez\u00fcglich der H\u00f6he der S\u00e4uglingssterblichkeit w\u00e4hrend der letzten Dekaden des 19. Jahrhunderts, die nicht mit der sozialen Schichtung identisch war, darauf hindeutet, dass wirtschaftliches Wachstum zumindest nicht die alleinige treibende Kraft des Sterblichkeitsr\u00fcckgangs war. (Spree 1992).<\/p>\n<p>Zahlreiche Faktoren wirken auf H\u00f6he und Trend der S\u00e4uglingssterblichkeit: Ern\u00e4hrungspraktiken, Legitimit\u00e4t der S\u00e4uglinge, Fertilit\u00e4t, Witterung und Klima, hygienische Bedingungen, \u00f6ffentliche Gesundheitsf\u00fcrsorge, Wohnsituation und allgemeine Lebensbedingungen, Bildungsgrad, Wohlstand und Beruf der Eltern. F\u00fcr Deutschland werden die regionalen Differenzen gro\u00dfenteils auf unterschiedliche Einstellungen gegen\u00fcber Leben und Tod zur\u00fcckgef\u00fchrt. (Imhof 1981a). Das soll soweit gegangen sein, dass traumatisierende Katastrophen wie Seuchen und Kriege in besonders betroffenen Regionen zu einer fatalistischen Haltung f\u00fchrten. Insbesondere in katholischen Gebieten sei der Tod eines S\u00e4uglings eher gleichg\u00fcltig oder, wenn bereits viele Kinder vorhanden waren, sogar mit Erleichterung hingenommen worden. Als ber\u00fchmtestes Beispiel aus der ersten H\u00e4lfte des 19. Jahrhunderts gilt das sogenannte &#8218;Himmeln&#8216;. W\u00e4hrend die ersten Kinder den Eltern noch sehr willkommen waren, wuchs mit den sp\u00e4ter Geborenen die Sorge, ob die Ressourcen der Familie ausreichen w\u00fcrden. Die nachweislich geringeren \u00dcberlebenschancen der h\u00f6heren Geburtsr\u00e4nge sollen auch auf eine bewusste Vernachl\u00e4ssigung zur\u00fcckzuf\u00fchren sein.<\/p>\n<p>Allerdings ist die Tragf\u00e4higkeit dieser These durchaus problematisch, da die Gebiete, die besonders durch Kriege verw\u00fcstet worden waren, und Regionen hoher S\u00e4uglingssterblichkeit geographisch nicht deckungsgleich sind. Untersuchungen auf mikroregionaler Ebene deuten darauf hin, dass konfessionelle Unterschiede keineswegs die entscheidenden waren. (Baschin \/ Kozlik 2008). Auch konnten \u00f6konomische Faktoren wirksam sein. In der Stadt Konstanz beispielsweise lagen die S\u00e4uglingssterblichkeitsziffern unter der katholischen Bev\u00f6lkerung mehr als doppelt so hoch wie unter der evangelischen. Gleichzeitig lebte allerdings die protestantische Oberschicht der Stadt unter wesentlich besseren wirtschaftlichen Bedingungen als der katholische Teil der Bev\u00f6lkerung. (V\u00f6gele 2001: 185). W\u00e4hrend sich die soziale Ungleichheit im Laufe des 19. Jahrhunderts vergr\u00f6\u00dferte, traten die regionalen Unterschiede in den Hintergrund. (Spree 1995). Als entscheidender Faktor f\u00fcr H\u00f6he und Entwicklung der S\u00e4uglingssterblichkeit gilt jedoch die Ern\u00e4hrungsweise der S\u00e4uglinge.(Haines \/ V\u00f6gele 2000; V\u00f6gele 2001). Extensives Stillen war mit einer niedrigen S\u00e4uglingssterblichkeit verbunden, die sog. k\u00fcnstliche Ern\u00e4hrung dagegen mit hohen Sterbeziffern. Muttermilch ist nicht nur ern\u00e4hrungsphysiologisch ideal, sondern \u00fcbertr\u00e4gt auch Immunstoffe der Mutter und bietet einen gewissen Schutz vor akuten Infektionskrankheiten. Dagegen f\u00f6rdert k\u00fcnstliche Ern\u00e4hrung das Infektionsrisiko, besonders, wenn die Nahrung mit Milch oder Wasser zubereitet, oder, wie es in manchen Gegenden Brauch war, von Erwachsenen vorgekaut wurde. Haupttodesursache unter den S\u00e4uglingen waren entsprechen gastro-intestinale St\u00f6rungen. Nach reichsweiten Sch\u00e4tzungen zu Beginn des 20. Jahrhunderts war die Sterblichkeit der \u201eFlaschenkinder\u201c bis zu siebenmal h\u00f6her als diejenige der \u201eBrustkinder\u201c. W\u00e4hrend die hohe S\u00e4uglingssterblichkeit traditionell als unvermeidbares Schicksal oder, mit dem Aufkommen eugenischen Gedankenguts, sogar als nat\u00fcrliche Auslese im Sinne einer sozialdarwinistischen Interpretation gesehen wurde, l\u00f6sten sinkende Geburtenraten gegen Ende des 19. Jahrhunderts Bef\u00fcrchtungen aus, dass die Zukunft der Nation in wirtschaftlicher und milit\u00e4rischer Hinsicht nicht mehr gew\u00e4hrleistet sei. Mit zunehmender gesellschaftlicher Bedeutung des bev\u00f6lkerungswissenschaftlichen Diskurses sicherten sich die \u00c4rzte beim Thema S\u00e4uglingssterblichkeit wissenschaftliche Autorit\u00e4t und propagierten zu Beginn des 20. Jahrhunderts Stillkampagnen, deren programmatische Grundlagen bis heute von UNICEF und WHO weitergef\u00fchrt werden. (V\u00f6gele \/ Halling \/ Rittershaus 2010).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur<\/strong><\/p>\n<p>Baschin, Marion \/ Kozlik, Andreas: Studien zur s\u00fcdwestdeutschen Demographie. Die Sterblichkeit in W\u00fcrttemberg im 18.\/19. Jahrhundert und in Esslingen im 19. Jahrhundert. Remshalden, 2008.<\/p>\n<p>Br\u00e4ndstr\u00f6m, Anders \/ Tedebrand, Lars-G\u00f6ran (Hg.): Population Dynamics During Industrialization, Umea 2000.<\/p>\n<p>Corsini, Carlo A. \/ Viazzo, Pier P. (Hg.): The Decline of Infant Mortality in Europe \u2013 1800-1950. Four National Case Studies, UNICEF, Florenz 1993.<\/p>\n<p>Corsini, Carlo A. \/ Viazzo, Pier P. (Hg.): The Decline of Infant and Child Mortality. The European Experience: 1750-1990, UNICEF, Den Haag 1997.<\/p>\n<p>Ehmer, Josef: Bev\u00f6lkerungsgeschichte und historische Demographie 1800-2000, M\u00fcnchen 2004.<\/p>\n<p>Flinn, Michael W.: The European Demographic System 1500-1820, Brighton 1981.<\/p>\n<p>Haeser, Heinrich: Lehrbuch der Geschichte der Medizin und der epidemischen Krankheiten, Bd. 3, Jena 1882.<\/p>\n<p>Haines, Michael \/ V\u00f6gele, J\u00f6rg: Infant and Child Mortality in Germany, 19th-20th Centuries, Colgate University, Department of Economics, Working Paper Series 100-10, Hamilton, NY 2000.<\/p>\n<p>Hays, Jo N.: The Burdens of Disease. Epidemics and Human Response in Western History, New Brunswick 1998.<\/p>\n<p>Imhof, Arthur E.: Die gewonnenen Jahre. Von der Zunahme unserer Lebensspanne seit dreihundert Jahren oder der Notwendigkeit einer neuen Einstellung zu Leben und Sterben. Ein historischer Essay, M\u00fcnchen 1981.<\/p>\n<p>Imhof, Arthur E.: Unterschied\u00adliche S\u00e4uglingssterblichkeit in Deutschland, 18. bis 20. Jahrhundert &#8211; Warum?, in: Zeitschrift f\u00fcr Bev\u00f6lkerungswissenschaft, 7,3 (1981a), S. 343-382.<\/p>\n<p>Imhof, Arthur E.: Von der unsicheren zur sicheren Lebenszeit: 5 historisch-demographische Studien, Darmstadt 1988.<\/p>\n<p>Leven, Karl-Heinz: Von Ratten und Menschen \u2013 Pest, Geschichte und das Problem der retrospektiven Diagnose, in: Meier, Mischa (Hg.): Pest. Die Geschichte eines Menschheitstraumas, Stuttgart 2005, S. 11-32.<\/p>\n<p>Labisch, Alfons \/ V\u00f6gele, J\u00f6rg: Stadt und Gesundheit. Anmerkungen zur neueren sozial- und medizinhistorischen Diskussion in Deutschland, in: Archiv f\u00fcr Sozialgeschichte (1997), S. 181-209.<\/p>\n<p>Lee, W. Robert: The Mechanism of Mortality Change in Germany, 1750-1850, in: Medizinhistorisches Journal 15 (1980), S. 244-288.<\/p>\n<p>Livi Bacci, Massimo: Europa und seine Menschen. Eine Bev\u00f6lkerungsgeschichte, M\u00fcnchen 1999.<\/p>\n<p>Luy, Marc: Warum Frauen l\u00e4nger leben \u2013 Erkenntnisse aus einem Vergleich von Kloster- und Allgemeinbev\u00f6lkerung, Materialien zur Bev\u00f6lkerungswissenschaft 106, Wiesbaden 2002.<\/p>\n<p>McKeown, Thomas: The Modern Rise of Population, London 1976.<\/p>\n<p>M\u00fcller, Rita: Von der Wiege zur Bahre. Weibliche und m\u00e4nnliche Lebensl\u00e4ufe im 19. und fr\u00fchen 20. Jahrhundert am Beispiel Stuttgart-Feuerbach, Stuttgart 2000.<\/p>\n<p>Oeppen, Jim \/ Vaupel, James W.: Enhanced: Broken Limits to Life Expectancy, in: Science 10 May 2002: Vol. 296. no. 5570, S. 1029-1031.<\/p>\n<p>Omran, Abdel R.: The Epidemiologic Transition. A Theory of the Epidemiology of Population Change, in: Milbank Memorial Fund Quartely 49,1 (1971), S. 509-538 (reprint 2005).<\/p>\n<p>Pfister, Christian: Bev\u00f6lkerungsgeschichte und Historische Demographie 1500-1800, M\u00fcnchen 1994.<\/p>\n<p>Spree, Reinhard: Soziale Ungleichheit vor Krankheit und Tod. Zur Sozialgeschichte des Gesundheitsbereichs im Deutschen Kaiserreich, G\u00f6ttingen 1981.<\/p>\n<p>Spree, Reinhard: Der R\u00fcckzug des Todes. Der Epidemiologische \u00dcbergang in Deutschland w\u00e4hrend des 19. und 20. Jahrhunderts, Konstanz 1992.<\/p>\n<p>Spree, Reinhard: On Infant Mortality Change in Germany since the Early 19th Century (=M\u00fcnchener Wirtschaftswissenschaftliche Beitr\u00e4ge, Nr. 95-03), M\u00fcnchen 1995.<\/p>\n<p>V\u00f6gele, J\u00f6rg: Urban Mortality Change in England and Germany, 1870-1910, Liverpool 1998.<\/p>\n<p>V\u00f6gele, J\u00f6rg: Sozialgeschichte st\u00e4dtischer Gesundheitsverh\u00e4ltnisse w\u00e4hrend der Urbanisierung, Berlin 2001.<\/p>\n<p>V\u00f6gele, J\u00f6rg \/ Halling, Thorsten \/ Rittershaus, Luisa: Entwicklung und Popularisierung \u00e4rztlicher Stillempfehlungen in Deutschland im 20. Jahrhundert, in: Medizinhistorisches Journal 45 (2010), S. 222-250.<\/p>\n<p>Weigl, Andreas: Der \u201egender gap\u201c revisited: Eine Modellrechnung im Kontext historischer, sozial- und naturwissenschaftlicher Befunde. In: Dinges, Martin (Hg.), M\u00e4nnlichkeit und Gesundheit im historischen Wandel ca. 1800 \u2013 ca. 2000, Stuttgart 2007, S. 41-52.<\/p>\n<p>Wrigley, E. Anthony et al.: English Population History from Family Reconstitution 1580-1837, Cambridge 1997.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Lebenserwartung in Westeuropa hat sich in den letzten 150 Jahren mehr als verdoppelt. Dieser enorme Anstieg der Lebenserwartung in Westeuropa und Nordamerika w\u00e4hrend der Neuzeit war von einem grundlegenden Wandel des Todesursachenpanoramas begleitet. 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