{"id":619,"date":"2017-05-05T10:44:52","date_gmt":"2017-05-05T08:44:52","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/?p=619"},"modified":"2017-05-05T10:44:52","modified_gmt":"2017-05-05T08:44:52","slug":"tagungsbericht-2010","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/2017\/05\/tagungsbericht-2010\/","title":{"rendered":"Tagungsbericht 2010"},"content":{"rendered":"<p><strong>17. Herbsttagung des <em>Arbeitskreis Historische Demographie<\/em> der <em>Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Demographie e.V. <\/em><\/strong><\/p>\n<p><em><\/em>Tagungsorganisation: Margareth Lanzinger<\/p>\n<p>Tagungsbericht von Robert Nasarek<strong><br \/>\n<\/strong>1. Dezember 2010<\/p>\n<p>Vom 29. &#8211; 30. Oktober 2010 lud der Arbeitskreis Historische Demographie der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Demographie e.V. unter der Organisation von Margareth Lanziger zur 17. Herbsttagung mit dem Thema \u201eVerwandtschaft\u201c an das Institut f\u00fcr Geschichte der Martin-Luther-Universit\u00e4t Halle-Wittenberg ein.<\/p>\n<p>Ziel der Tagung war es ausgehend von neueren Ans\u00e4tzen der Familiengeschichte Potenziale der historischen Verwandtschaftsforschung zu erschlie\u00dfen. Ansatzpunkt bieten hier die verschiedenen Interaktionen innerhalb und au\u00dferhalb von Verwandtschaftsnetzwerken, die vor allem den Bedeutungswandel von Verwandtschaft als soziales Sicherungssystem analysiert.<\/p>\n<p><strong>Britta Schneider (Bamberg): \u201edann wann das Gelt hin, werd die Vetterschaft auch aus\u201c Die Krisen der Familienhandelsgesellschaft der Fugger im Spiegel von Prozessakten (1560 \u2013 1597\/98)<br \/>\n<\/strong>Anhand der Familienhandelsgesellschaft der Fugger untersuchte Britta Schneider (Bamberg), ob Verwandtschaftsbeziehungen zur informellen Streitschlichtung bei (\u00f6konomischen) Konflikten f\u00fchrten und damit zur Vermeidung des formellen Weges \u00fcber die ordentliche Gerichtsbarkeit beitrugen. Die hohe Frequentierung des Reichskammergerichts bei Streitigkeiten zwischen Familienmitgliedern relativierte die Bedeutung von Verwandtschaft bei \u00f6konomischen Konflikten. Verwandtschaft wurde zwar als strategisches Element zur g\u00fctlichen L\u00f6sung eines Konfliktes von beiden Prozessparteien angef\u00fchrt, trug aber nicht effektiv dazu bei Konflikte informell zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p><strong>Christof Jeggle (Bamberg): Gesch\u00e4fte unter Verwandten? Verwandtschaftsbeziehungen von Kaufleuten im transalpinen Handel des 17. Jahrhunderts<br \/>\n<\/strong>Christof Jeggle (Bamberg) untersuchte den Zusammenhang zwischen M\u00e4rkten und Verwandtschaft \u00a0im transalpinen Raum des 17. Jahrhunderts durch die Betrachtung verschiedener \u201eFamilienunternehmen\u201c. Obwohl sich Verwandtschaftsbeziehungen unter H\u00e4ndlern nicht zwingend zu Handelsbeziehungen verkn\u00fcpften und Verwandte auch nicht schlechthin die besseren Handelspartner darstellten, ist eine Korrelation von Familienzugeh\u00f6rigkeit und Handelspartnerschaft zu erkennen. Abschlie\u00dfend wurde der Begriff der Familie im Kontext der Handelsgeschichte und das Verh\u00e4ltnis von Verwandtschaft und Vertrauen problematisiert. Hier wird die These aufgemacht, dass gerade familieninterne Marktstreitigkeiten zur Weiterentwicklung des Zivilrechts gef\u00fchrt haben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>Margareth Lanzinger (Wien): Grenzen von Zahlen<br \/>\n<\/strong>Der Vortrag von Margareth Lanziger besch\u00e4ftigte sich mit Verwandtenehen, Eheverboten und der Dispenspolitik der \u00f6sterreichischen Di\u00f6zesen im 19. Jahrhundert. Ziel ihrer Untersuchungen war es, Muster r\u00e4umlich differierenden Heiratsverhaltens zu identifizieren. Dazu zog sie die Dispensverteilung der jeweiligen Geistlichkeit heran. Dispensgesuche nahmen das ganze 19. Jahrhundert lang zu, trafen aber auch auf unterschiedlich starken Widerstand der Obrigkeit. Inwieweit Pastoren Dispensgesuche informell abwiesen, ist schwer zu erfassen, auch konnten nicht alle (evtl. illegalen) Eheverh\u00e4ltnisse aufgenommen werden. Ausdauernd und vehement vertretene Ehew\u00fcnsche unter Verwandten f\u00fchrten auch bei stark restriktiver Dispenspolitik zur Heirat.<\/p>\n<p><strong>Michaela Hohkamp (Berlin): Viele Nichten &#8211; \u00a0gro\u00dfes Netz, wenig Nichten &#8211; kleines Netz. Tanten-Nichten Beziehung im 17. und 18. Jahrhundert<br \/>\n<\/strong>Die vorerst romantisch anmutende Vorstellung des Forschungsgegenstandes von Tanten-Nichten Beziehungen im 17. und 18. Jahrhundert relativiert sich, wenn Michaela Hohlkamp konstatiert: \u201eTanten-Nichten Beziehungen sind in Streitf\u00e4llen zu denken\u201c. Sie macht sich daf\u00fcr stark, Politikgeschichte st\u00e4rker auch als Verwandtschaftsgeschichte zu analysieren. Aus der besonders im adligen Milieu verbreiteten Heiratspolitik von Eheschlie\u00dfungen unter Cousinen und Cousins, konnten sich konflikttr\u00e4chtige erbrechtliche Situationen ergeben. So wurde die Tanten-Nichten Beziehung zentral, wenn der Vater einer \u201eNichte\u201c starb und ihre Schwiegermutter (d. h. die Schwester des Verstorbenen) Anspr\u00fcche stellte. Daraus ergeben sich Fragen nach der Bedeutung innerfamili\u00e4rer Loyalit\u00e4ten und ihrer Begr\u00fcndung.<\/p>\n<p><strong>Hermann Metzke (Jena): Sozialstatus und Verwandtschaftskreise im mitteldeutschen Raum im 17. und 18. Jahrhundert<br \/>\n<\/strong>Hermann Metzke (Jena) bemerkte bei der Untersuchung von Verwandtschaftskreisen im mitteldeutschen Raum im 17. und 18. Jahrhundert eine bestimmte Schichtung von Berufen und Sozialit\u00e4ten innerhalb von Familienkreisen. Verwandte Personen bildeten ein stabiles Netzwerk von Zunfthandwerkern und Akademikern, das sich mit sinkendem gesellschaftlichem Rang aufweichte. Vor allem akademische Verwandte schienen etwa mit Familienstipendien daf\u00fcr zu sorgen, dass begabte Verwandte ebenfalls einen akademischen Beruf ergriffen. Letztlich l\u00e4sst sich \u00fcber die Integration in Heiratskreise auch der Grad gesellschaftlicher Integration zeigen. Anhand der Gerichtsdiener wies Metzke nach, dass diese \u2013 etwa im Vergleich mit anderen unehrliche Berufsgruppen \u2013 einen weitgehend in sich geschlossenen Heiratskreis bildeten.<\/p>\n<p><strong>Klaus Ries (Jena): Wissen als soziales Kapital: Netzwerkbildungen in WeimarJena um 1800<br \/>\n<\/strong>Klaus Ries (Jena) stellte das Projekt \u201eWissen als soziales Kapital\u201c vor. Vergleichend untersucht wurde die Netzwerkbildung um 1800 in Weimar und Jena, wobei zum einen das Expansionspotenzial der h\u00f6fisch-elit\u00e4ren Kultur und zum anderen die Verbreitung von Ideen und kultureller Innovation \u00fcber personelle Netzwerke betrachtet wurden. In Weimar griffen adelig-h\u00f6fische Exklusivtendenzen auf das meist zugezogene B\u00fcrgertum \u00fcber. Anhand von Heiratsverhalten von Professoren und Patenschaften in Jena zeigt sich, dass Kultur und Wissen als soziales Kapital genutzt wurde und sich somit Ideen an bestimmte Netzwerke kn\u00fcpften. Tendenziell l\u00e4sst sich eine Einbindung der Professorenschaft durch Patenschaftsbeziehungen mit Impuls aus dem Stadtraum konstatieren, die langfristig auch zu kulturellen Transfers f\u00fchrten.<\/p>\n<p><strong>Siegfried Gruber (Rostock): Patrick Heady (Halle): Household structures and marriage networks in contemporary Europe<br \/>\n<\/strong>Das KASS Projekt (<a href=\"http:\/\/web.eth.mpg.de\/kass\/\">Kinship And Social Security<\/a>) untersucht die gegenw\u00e4rtige Bedeutung von Familien-Netzwerken f\u00fcr die soziale Absicherung und Unterst\u00fctzung von Menschen. Siegfried Gruber (Rostock) stellte die Ergebnisse der Untersuchung von 19 Orten aus acht europ\u00e4ischen L\u00e4ndern vor. Im Fokus stehen verschiedene Parameter, welche die Bedeutung von verwandtschaftlichen Sicherungssystemen in verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen und r\u00e4umen vergleichend analysieren. Als Ergebnis l\u00e4sst sich eine Dominanz verwandtschaftlicher Beziehungsformen im l\u00e4ndlichen Raum feststellen, w\u00e4hrend gr\u00f6\u00dfere St\u00e4dte mit einer Konzentration auf Freundschaft und nichtverwandtschaftlicher Beziehungen kontr\u00e4re Verhaltensmuster zeigen.<\/p>\n<p><strong>Christine Fertig (M\u00fcnster): Soziale Beziehungen und famili\u00e4re Strategien in der l\u00e4ndlichen Gesellschaft: Verwandtschaft, Patenschaft und soziale Klassen (Westfalen, 19. Jahrhundert)<br \/>\n<\/strong>Anhand von Verwandtschaftsbeziehungen und Heiratsnetzwerken in den westf\u00e4lischen Betrachtungsorten L\u00f6hne und Borgeln analysierte Christine Fertig (M\u00fcnster) Klassenbildungstendenzen und Strukturen der Protoindustrialisierung in der l\u00e4ndlichen Gesellschaft. Dabei erweist sich im agrarisch organisierten Borgeln eine andere Dimension von Verwandtschaft als im protoindustriell bestimmten L\u00f6hne. In L\u00f6hne gab es eine breitere Integration verschiedener sozialer Gruppen, w\u00e4hrend sich in Borgeln eine Bevorzugung naher Blutsverwandte bei der Eheschlie\u00dfung konstatieren l\u00e4sst. Soziale Klassenbildungen erfolgten somit eher \u00fcber Erbschaftsbeziehungen und Verwandtschaft, als \u00fcber eine Orientierung an einer \u00f6konomischen Klasse.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>17. Herbsttagung des Arbeitskreis Historische Demographie der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Demographie e.V. Tagungsorganisation: Margareth Lanzinger Tagungsbericht von Robert Nasarek 1. Dezember 2010 Vom 29. &#8211; 30. Oktober 2010 lud der Arbeitskreis Historische Demographie der Deutschen Gesellschaft f\u00fcr Demographie e.V. unter &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/2017\/05\/tagungsbericht-2010\/\">Weiterlesen <span class=\"meta-nav\">&rarr;<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":3010,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[277],"tags":[22,21,283,284],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/619"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3010"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=619"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/619\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":620,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/619\/revisions\/620"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=619"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=619"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/demografie\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=619"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}