Die Literarische Welt ...

WAS ICH DEM DEUTSCHEN GEIST VERDANKE

Deutschland! Das Land der Dichter, Denker … und Esoteriker?

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Von Jules Sauerwein

Wenn man annimmt, daß Schöpfer wie Bach, Beethoven, Wagner und Brahms, Dichter wie Goethe, Lehrer wie Rudolf Steiner sich nicht über die gesamte nationale Kultur erheben, so verdanke ich der germanischen Tradition das Beste meines inneren Lebens. Die Musik ist für mich ein Mittel, mich mit allen geistigen Realitäten in Kontakt zu bringen, eine Art magischen Schlüssels, der in das Bewußtsein aller Wesen und Phänomene einführt, die nicht von dieser Welt sind. Vermittels der deutschen Musik habe ich mir diesen höheren Einblick in die unsichtbaren Sphären ermöglicht.

Die Bekanntschaft mit Rudolf Steiner im Jahre 1906 vermittelte mir Klarheit über die Harmonie der Welt. Dieses großartige Wesen hat, obwohl er geborener Österreicher ist, seine Periode der Vorbereitung zum aktiven Esoterismus im vertieften Studium des deutschen Gedankens erlebt, in dem er die beiden Antipoden Nietzsche und Häckel durchlief, um dann die Harmonie in Goethe zu finden, dessen Archive in Weimar er lange Zeit leitete. Später, als er durch seine eignen okkulten Versuche eine Religion, eine Disziplin oder ein „Yoga“, eine Kunst, eine Soziologie schuf, entfernte er sich von aller nationaler Kultur, um sein Wissen aus den ewigen Quellen zu schöpfen. Ich habe nie aufgehört, ihn immer mehr und mehr zu bewundern, und auch heute nach seinem „Tode betrachte ich seine Schule als den interessantesten Versuch, den es im neuen Entstehen der Menschheit gibt.

Ich verdanke den entscheidenden Teil in meinem geistigen Leben Schöpfern und Denkern, die der Geburt oder Kultur nach deutsch sind. Unglücklicherweise muß ich feststellen, daß ich in meinem Leben, von dem ich einen großen Teil in Ländern deutscher Sprache verbrachte, dort selten jemanden gefunden habe, dem ich mich ganz hätte mitteilen können, Und das will beweisen, daß die deutsche Majorität sich auf völlig anderen Wegen befindet als auf denen, die Steiner die Bahn der spirituellen Wissenschaft genannt hat.

Jg. 1, 1925, Nr. 3.

Jules Sauerwein beschreibt in seinem Artikel, welchen Deutschen er es verdankt, dass er so denkt, wie er denkt. Er bezieht sich lobpreisend auf die Esoterik von Rudolf Steiner, den Begründer der Anthroposophie, die er unter anderem auf Schriften Goethes und Nietzsches aufbaut: einer esoterischen und spirituellen Weltanschauung, die aber wegen ihrer rassistischen und antisemitischen Ideen höchst kritisch betrachtet werden muss. Denn er geht davon aus, dass es Menschenrassen gibt, und dem jüdischen Volk kein Recht auf Existenz zusteht.