{"id":175,"date":"2026-07-03T14:35:02","date_gmt":"2026-07-03T12:35:02","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/?page_id=175"},"modified":"2026-07-04T13:06:57","modified_gmt":"2026-07-04T11:06:57","slug":"die-literarische-welt","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/die-literarische-welt\/","title":{"rendered":"Die Literarische Welt"},"content":{"rendered":"<p>Ernst Rowolth und Willy Haas gr\u00fcnden 1925 die Kulturzeitschrift <em>Die Literarische Welt<\/em>. Am 09. Oktober 1925 erscheint die erste Ausgabe in der Weimarer Republik. Bis 1932 fungiert Willy Haas als Herausgeber der Zeitschrift. Aufgrund seiner j\u00fcdischen Vorfahren muss Haas zur\u00fccktreten: Er emigriert 1933 aus Deutschland. Sein Nachfolger ist Karl Rauch. Unter ihm erscheint die Zeitung zun\u00e4chst weiter mit leichtem Zusatz als <em>Neue Folge der Literarischen Welt<\/em>, bevor sie 1934 im Rahmen der nationalsozialistischen Gleichschaltung den neuen Titel <em>Das deutsche Wort<\/em> erh\u00e4lt. 1941 wird die Herausgabe schlie\u00dflich vollkommen eingestellt. Seit 1998 erscheint <em>Die<\/em> <em>Literarische Welt<\/em> wieder als eine Samstagsbeilage in der Zeitschrift <em>Die Welt<\/em>. Im Rahmen der Wiederaufnahme des Titels wurde explizit auf den urspr\u00fcnglichen Herausgeber Willy Haas verwiesen.<\/p>\n\n\n<div class=\"wp-block-media-text alignwide is-stacked-on-mobile is-vertically-aligned-top\"><figure class=\"wp-block-media-text__media\"><img loading=\"lazy\" width=\"801\" height=\"1027\" src=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/files\/2026\/07\/Blumenbild_2_1926_Nr._52-edited.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-729\" srcset=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/files\/2026\/07\/Blumenbild_2_1926_Nr._52-edited.jpg 801w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/files\/2026\/07\/Blumenbild_2_1926_Nr._52-edited-234x300.jpg 234w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/files\/2026\/07\/Blumenbild_2_1926_Nr._52-edited-799x1024.jpg 799w, https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/files\/2026\/07\/Blumenbild_2_1926_Nr._52-edited-768x985.jpg 768w\" sizes=\"(max-width: 801px) 100vw, 801px\" \/><\/figure><div class=\"wp-block-media-text__content\">\n<h5>Mit diesen Worten begr\u00fc\u00dft Willy Haas 1925 unter dem Titel <em>AN UNSERE LESER UND FREUNDE<\/em> seine Leserschaft:<\/h5>\n\n\n\n<p>&#8222;Wir haben einen doppelten Ehrgeiz.<br><br>Erstens: wir wollen eine Zeitung machen.<br>Zweitens: wir wollen das Gegenteil einer Zeitung machen. <\/p>\n\n\n\n<p>Auf den ersten Blick mag dieser widerspruchsvolle Doppelwunsch unerf\u00fcllbar erscheinen. Er ist es nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Zeitung will auf das \u00f6ffentliche Leben einwirken. Auch wir wollen das. Gewi\u00df, der Kopf unseres Blattes scheint das Wirkungsgebiet auf einen relativ engen und wenig einflu\u00dfreichen Winkel dieses \u00f6ffentlichen Lebens einzuschr\u00e4nken, n\u00e4mlich auf die Literatur. Das m\u00f6ge unsere Freunde nicht beirren. Man braucht, rein \u00e4u\u00dferlich gesehen, eine Fahne, ein Firmenschild, ein Abzeichen, eine Benennung; und man braucht, innerlich gesehen, einen festen Boden oder zumindest einen Ausgangspunkt. Das, was man im gro\u00dfen ganzen als \u201eLiteratur\u201c bezeichnet, ist immerhin noch die reinlichste oder doch eine der reinlicheren Partien dieses \u00f6ffentlichen Lebens. Und w\u00e4re sie nicht einmal das: sie w\u00e4re gleichwohl unser Boden, unser Ausgangspunkt, weil sie eben die uns gem\u00e4\u00dfe Art ist, unser Gewissen zu befragen, unsere Gedanken reine Wege zu f\u00fchren, uns starken und klaren Formen eines h\u00f6heren Lebens innerlich anzun\u00e4hern.  Wir geh\u00f6ren dazu und bekennen uns offen dazu.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Und wir sind, um einen der tiefsten K\u00f6pfe des 18. Jahrhunderts zu zitieren, der Meinung, da\u00df ein guter K\u00f6hlerjunge, der von seiner Kohle spricht, ein guter Bauer, der von seinem Acker spricht, ein guter Kutscher, der von seinen Pferden spricht und ein guter Literat (\u2013 dieses Wort hat keinerlei Schrecken f\u00fcr uns \u2013) der von Literatur spricht, da\u00df jeder von diesen mehr Lebendiges und Lebensnahes aussprechen wird als mancher andere, weil er eben von dem spricht, was seinem Leben das N\u00e4chste ist.<br>Wir erwarten wenig von der Wirkung der blo\u00dfen sachlichen Argumentation, aber alles von der Haltung, von der Methode, von der Gewissenhaftigkeit; oder, um mit den Worten unseres ber\u00fchmten Freundes Paul Valery zu sprechen: \u201eNotre philosophie est d\u00e9finie par son appareil, et non par son objet.\u201c<br>Kurz: unsere Zeitung soll eine Zeitung ohne jede journalistische Taktik sein, eine Zeitung der offensten Diskussion, eine Zeitung, die sich selbst widersprechen, sich selbst korrigieren, ja, sich selbst offen dementieren wird, wo es n\u00f6tig erscheint, weil uns nichts an der \u00e4u\u00dferen Konsequenz liegt, wo die innere Konsequenz der gewissenhaften Sachlichkeit eine \u00e4u\u00dfere Inkonsequenz fordert. Sie soll also das Gegenteil dessen bieten, was man im Allgemeinen von einer Zeitung verlangt.<br>Auch in der Richtung, da\u00df wir unseren Lesern die Pflicht, sich selbst zu entscheiden, nicht nehmen und nicht einmal erleichtern, sondern sogar erschweren werden. Wer Wert darauf legt, sich schnell und m\u00fchelos zu entscheiden, mag sein Parteiblatt lesen, das ihm die Schwierigkeit jeder gro\u00dfen Entscheidung hinl\u00e4nglich vertuscht und verschweigt; nicht unser Blatt.<br>Wie viele Nummern und Jahrg\u00e4nge dieser Nummer folgen werden, das h\u00e4ngt ausschlie\u00dflich von der Bereitwilligkeit des lesenden Publikums ab, auf ein Programm der Selbstbesinnung, der literarischen Gewissenhaftigkeit, des publizistischen Pflichtbewu\u00dftseins einzugehen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Finden Sie die gesamte, digitalisierte <em>Die Literarische Welt<\/em> hier: <a rel=\"noreferrer noopener\" href=\"https:\/\/opendata2.uni-halle.de\/handle\/1516514412012\/297114?mode=full\" target=\"_blank\">Die Literarische Welt: unabh\u00e4ngiges Organ f\u00fcr das deutsche Schrifttum<\/a>, 04.07.2026<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"entry-summary\">\nErnst Rowolth und Willy Haas gr\u00fcnden 1925 die Kulturzeitschrift Die Literarische Welt. 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Oktober 1925 erscheint die erste Ausgabe&hellip;\n<\/div>\n<div class=\"link-more\"><a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/die-literarische-welt\/\" class=\"more-link\">Continue reading<span class=\"screen-reader-text\"> &ldquo;Die Literarische Welt&rdquo;<\/span>&hellip;<\/a><\/div>\n","protected":false},"author":5843,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/175"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5843"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=175"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/175\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":806,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/175\/revisions\/806"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/dieliterarischewelt\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=175"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}