Erfahrungsbericht: „Lehr- und Lernvideos gestalten“ in der Hochschullehre

Im September ist es hier – aus privaten Gründen 😉 – doch sehr ruhig gewesen. Dennoch möchte ich heute kurz darüber berichten, was ich letzten Dienstag aus einer Weiterbildung für Lehrende zum Thema „Lehr- und Lernvideos gestalten“ des LLZ in Halle mitgenommen habe – und was ich davon umsetzen möchte.
In meinem Promotionsvorhaben beschäftige ich mich mit Erklärvideos, die schon im Netz zur Verfügung stehen und die auch von Nutzern angesehen werden. Ich werde also das Netz durchforsten, eine Menge Videos transkribieren und diese dann nach bestimmten Kriterien analysieren (genaueres folgt im Oktober). Ich finde es aber auch spannend, die Videos mal von „der anderen Seite“ zu betrachten: Wie erstellt man denn selber welche und wie setzt man sie sinnvoll ein?

Worum ging es?

Das LLZ (Zentrum für multimediales Lehren und Lernen) bietet für Lehrende und wissenschaftliche Mitarbeiter der Uni Halle ein sogenanntes Zertifikat „Multimediale Lehre“ an. Um dieses zu bekommen, besucht man eine Reihe von Veranstaltungen, die sich mit dem Einsatz digitaler Medien und Technologien in der Lehre beschäftige. Da ich dieses Zertifikat ohnehin machen möchte, bot sich eine Veranstaltung ganz besonders an: „Lehr- und Lernvideos gestalten“. Das war meine erste Weiterbildung des LLZ, fürs nächste Semester habe ich mir schon eine Reihe weiterer herausgesucht.

Worum konkret ging es nun? Inhaltlich wurden im Kurs zuerst verschiedene Arten von Lehrvideos  (dabei wurde sich sehr an der begrifflichen Abgrenzung von Wolf orientiert, siehe hier) und technische Umsetzungen vorgestellt. Es ging auch um mögliche Einsatzsszenarien innerhalb der Hochschullehre. Dafür wurden genannt:

  • Verbreitung von Informationen (die z. B. für den gesamten Studiengang gelten, für ein Seminar relevant sind oder Mitteilungen des Lehrstuhls beinhalten)
  • Aktivierung des Vorwissens/ zum Einstieg in eine Thematik
  • Vermittlung von theoretischen Grundlagen und Bereiten einer gemeinsamen Wissensgrundlage (analog zu Vorkursen oder im Selbststudium)
  • Unterstützung bei der Prüfungsvorbereitung (als Zusammenfassung zentraler Inhalte)

Egal für welches Szenario man sich entscheidet (oder ob man einfach mehrere wählt), Videos in der Lehre bieten klare Vorteile: Laut LLZ sind sie einfach zu erstellen (wenn man nicht an sich selbst den Anspruch hat, professionelle Lehrfilme zu produzieren), ermöglichen ein zeit- und ortsunabhängiges Lernen und passen sich dem Lerntempo der Studierenden an. In der Veranstaltung vor Ort waren wir uns einig, dass die größten Herausforderungen nicht in der didaktischen Aufbereitung, sondern in der technischen Umsetzung liegen.

Zur technischen Realisierung haben wir uns Camtasia angeschaut. Camtasia ermöglicht eine einfache Aufnahme von Screencasts. Nutzer können also den Bildschirm des PCs ganz oder teilweise „abfilmen“ und diese Aufnahme direkt weiterverarbeiten. Zusätzlich lässt sich eine Audiospur aufnehmen und sich selbst per Webcam zu filmen. Auch anders aufgenommene Videos lassen sich in Camtasia schneiden und bearbeiten. Das Programm ist sehr bedienerfreundlich und ermöglicht auch Laien ein schnelles Erstellen von Lehr- und Lernfilmen (und auch anderen Videos). Einen Testbericht liefert e-teaching.org.

Für mich war neu, dass man interaktive Elemente in die Videos integrieren kann, wie z.B. ein Quizz oder ein Inhaltsverzeichnis. Damit lässt es sich einrichten, dass die Nutzer mitten im Video bspw. eine Multiple-Choice-Frage beantworten müssen. Freilich lassen sich Inhalte der Videos extern besser prüfen, dennoch finde ich die Möglichkeit, dadurch die Aufmerksamkeit der Nutzer wieder einzufangen oder Schwerpunkte zu setzen sehr interessant. Manko daran: Diese interaktiven Elemente funktionieren so nicht auf kostenlosen Videoplattformen wie YouTube. Über Camtasia direkt lässt sich jedoch auch eine Plattform nutzen, die die Interaktivität in den Videos unterstützt. Darüber kann man sich als Lehrender auch direkt die Antworten der Nutzer zukommen lassen.

Was habe ich mitgenommen, was will ich weitergeben?

Für mich steht fest: Ich möchte Erklärvideos nicht nur erforschen, sondern sie auch in der Lehre und in Projekten einsetzen.

An das Einsatzszenario „Verbreitung von Informationen“ habe ich vorher noch nie gedacht – finde es aber doch ganz interessant, je länger ich darüber nachdenke. Besonders zu Beginn eines Seminars gibt es so viele Infos, die man den Studierenden an die Hand gibt: Studienleistungen, Prüfungen, Ablauf … Warum sollte man diese Infos nicht einmal anders präsentieren als in Form von Folien oder Handreichungen? Wobei sich der Gewinn in diesem Szenario wirklich nur darauf beschränkt, dass es eben „mal was anderes“ ist. Ich habe mir als Ziel gesetzt, dieses Semester in meinem Seminar zu schauen, wann und wo sich Videos sinnvoll einsetzen lassen – und es in der „nächsten Runde“ auszuprobieren. Bis dahin kann ich ein paar technische Probeläufe starten.

In ILIAS, unserem Lern-Management-System der Uni Halle gibt es, wie in Camtasia, die Möglichkeit, interativie Videos mit seinem Kurs zu teilen. Die Nutzer können das Video kommentieren, der Lehrende kann an bestimmten Stellen das Video stoppen und Fragen aufploppen lassen. Das ist eine Spielerei, die ich mir gerne näher anschauen werde.

Doch zunächst findet im Wintersemester unter der Leitung von Prof. Matthias Ballod das Seminar „Erklärvideos als didaktisches Lernformat und linguistisches Forschungsfeld“ statt, in dem wir auch in einer kurzen Projektphase an die Schule gehen und mit Schülerinnen und Schülern Erklärvideos erstellen. Auch wenn ich dort (wahrscheinlich) selber keine Videos erstellen werde, ist das Wissen über Methodik und Technik(en) wichtig, um es an die Lernenden weiterzugeben. Dort werden wir jedoch mit großer Wahrscheinlichkeit auf Open Source und das Prinzip BYOD zurückgreifen.

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