Erklärvideos in DaZ und DaF

Im Rahmen einer Hausarbeit im Bereich der Grundlagen des DaZ-Unterrichts habe ich mich erstmals mit dem Einsatz von Tutorials für SprachlernerInnen auseinandergesetzt.

Die ersten Reaktionen, die ich auf meine Idee erhalten habe, kann man wie folgt zusammenfassen:

„Was?! Bist du dir sicher? Die können doch kaum Deutsch, wie sollen sie da ein Video verstehen und gleichzeitig damit arbeiten? Aber wenn du meinst….“

Die Skepsis und die scheinbare Unvereinbarkeit von Tutorials und SprachanfängerInnen erscheint mir weit verbreitet zu sein. Dabei, so war mein Gedanke bieten doch gerade Erklärvideos die perfekte Fläche zum Ausprobieren und ersten Berührungen mit Sprache.

DaZ-LernerInnen werden von Anfang an mit dem Bild-Ton-Format konfrontiert. Sei es in der Werbung, im Fernsehen allgemein, via YouTube oder in der Schule.

Vor allem aber bieten sie einen großen Vorteil: Man kann sie anhalten, zurückspulen und immer und immer wieder gucken.

Erklärvideos eignen sich nicht nur für typische Themen wie Landeskunde oder inhaltliche Zusammenfassungen von Literatur. Besonders grammatische Themen lassen sich gesplittet auf mehrere Einheiten gut darstellen. Dazu habe ich mich selbst an einem kleinen Clip versucht und festgestellt: Es ist alles andere als einfach! Aber wann ist es das schon mal. Wie bei dem regulären Erstellen eines Erklärvideos kamen auch hier Fragen nach Inhalt und Informationsdichte und Erklärweise auf. Daneben sollten aber auch das Sprechtempo, die Wortwahl und die Intonation genauer bedacht werden. Da ich das Video bei YouTube eingestellt habe und es nicht für eine bestimmte Klasse konzipiert wurde, wurde ich unsicher bezüglich des Vorwissens und der Kenntnisse der NutzerInnen. Wie viel sollte um den eigentlichen Inhalt herum erklärt werden? Wo sind die Grenzen?

Vor allem aber: Ist das überhaupt nachhaltig, sich einfach nur eine Erklärung zu einem bestimmten Thema anzugucken? Die Antwort ist klar: Nein. Um einen Sachverhalt näher zu durchdringen, sollte man ihn nach Möglichkeit auch einüben und selbst erproben. Aber wie kann man das bei YouTube gewährleisten? Leider gibt es bisher keine Option eine Datei mit dem Video zu verknüpfen. Daher habe ich vorerst als Übergangslösung einen Kommentar hinterlassen, mit der Aufforderung eine E-Mail an unsere Adresse zu schicken, um Übungsmaterial und auch Lösungen zu erhalten. Ich bin mir bewusst, dass dies keine endgültige Lösung sein kann, da viele LernerInnen besonders am Anfang Hemmungen haben, eine E-Mail zu verfassen oder anderweitig Kontakt aufzunehmen.

Natürlich besteht auch hier die Chance, die SuS selbst ein Erklärvideo erstellen zu lassen. Jedoch wird dies kaum vor dem B2-Niveau machbar sein, da sonst die sprachlichen Barrieren zu groß erscheinen.

Insgesamt habe ich nach diesem ersten Kontakt für mich selbst folgendes Resümee gezogen: Es ist definitiv machbar, Erklärvideos im DaZ-Unterricht einzubringen. Dafür sollte man aber viel Zeit einplanen, da der Aufwand immens ist. Die Möglichkeiten einer öffentlichen Bereitstellung in Kombination mit Übungsaufgaben ist äußerst schwierig. Trotzdem sollte man sich nicht scheuen, einen Versuch damit zu starten. Denn solche Videos bieten oft ungeahnten Gesprächsstoff und regen die Kreativität und Eigeninitiative der LernerInnen an.

 

Aber wie immer sind wir sehr gespannt auf Eure Meinung! Habt Ihr bereits Erfahrungen im Umgang mit Erklärvideos in DaZ/ DaF gemacht und könnt uns davon berichten? Wir sind über jeden Tipp dankbar und würden uns über einen regen Austausch freuen!

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