Wissen to go?! Oder: Ein Blog über Erklärvideos

„Die auf Youtube“ erklären manchmal besser als Lehrer – das verkündet eine Schülerin in einem Artikel der FAZ.net vom 26.06.2017 zum Thema Erklärvideos auf Youtube. Die dort beschriebene Begeisterung der jungen Zuschauer lässt sich auch in den Kommentaren bekannter Kanäle herauslesen, wie zum Beispiel bei dem im Artikel erwähnten Nachhilfekanal TheSimpleClub. Allein unter einem Video findet sich bereits eine Vielzahl euphorischer Dankesreden bei oftmals gleichzeitiger Kritik am schulischen Unterricht:

endlich verstanden!!

Hauptsache 4 Stunden Matheunterricht: nix kapiert

8 min video von euch: KAPIERT

besten dank!

Ebenfalls von Mathe geplagt ist dieser Nutzer, der seinen „Lebensrettern“ zugleich seine Liebe gesteht (er ist nicht der einzige) und deutlich macht, dass die Videos ihm bei der Prüfungsvorbereitung helfen (auch damit ist er nicht allein):

Ich muss jetzt einfach mal meine Liebe für euch gestehen. Habe die Matura beim ersten Versuch verkackt und arbeite gerade den kompletten Stoff auf, damit es beim zweiten Versuch positiv wird. Positiv? Hell, no!! Dank euch habe ich den totalen Durchblick und hoffe schon mittlerweile mindestens eine 3 zu bekommen! Danke Jungs für eure Videos, ihr rettet Hunderten von verzweifelten Schüler/Innen mit inkompetenten Lehrern das Leben !! #matheisttrotzdemscheiße#ihrseidabergeil

In eine Vielzahl von „Meine Lehrerin/mein Lehrer/die Schule hat es nicht geschafft, mir das zu erklären, ihr schon“-Kommentare reiht sich noch dieses letzte Beispiel ein:

Ich struggle schon seit Jahren an der Polynomdivischul und eine Woche vor dem Mathe Abi endlich durch euch gecheckt! 😀 Sehr sehr cool, bitte weiter so!!

Nicht nur zur schulischen Nachhilfe

Doch nicht nur, wenn es um Polynomdivision geht, helfen Erklärvideos. Hosen umnähen, Haare schneiden, IKEA-Möbel aufbauen, Druckerpatronen wechseln oder das Auto reparieren bringt mir YouTube bei – wenn ich das denn möchte. Das Schöne daran: Wenn die Erklärungen nicht verstanden werden, kann man ja einfach nachmachen, was dort vorgemacht wird. Eine aktuelle Studie bestätigt, dass die Deutschen immer häufiger Tutorials ansehen:

Die Angaben basieren auf einer repräsentativen Umfrage, die Bitkom Research im Auftrag des Digitalverbands Bitkom durchgeführt hat. Dabei wurden 1.007 Bundesbürger ab 14 Jahren befragt, darunter 824 Internetnutzer.

Gründe dafür gibt es viele. Mit dem Smartphone kann man sich die Videos anschauen, wann und wo man Lust hat. Wer damit etwas lernen möchte, hat sein „Wissen to go“ quasi in der Tasche. Bei Bedarf spult man zurück oder sieht sich einfach noch einmal alles von vorne an. Die Auswahl ist groß, die Techniken vielfältig, für jeden dürfte da etwas dabei sein … Das klingt doch unschlagbar!

Juhu, ein Promotionsblog!

Die Vorteile leuchten ein – ein Grund mehr, sich mit dem Gegenstand „Erklärvideo“ innerhalb der Forschung weiter zu beschäftigen. Was genau macht diese Videos denn so erfolgreich? Wie lässt sich dieses breitgefächerte Genre am sinnvollsten kategorisieren? Erklären die YouTuber denn wirklich besser, als ausgebildete Lehrerinnen und Lehrer? Und welche Rolle spielen die Visualisierungen in den Videos? Wie werden diese Videos – vor allem im Bildungsbereich – am sinnvollsten genutzt und eingesetzt? Und wie lassen sich diese ganzen Erkenntnisse nutzen, um noch besssere Erkärvideos zu konzipieren?

Dieser Blog wird von zwei Bloggerinnen geführt, die sich dem Thema aus unterschiedlichen Forschungsperspektiven nähern wollen. Hier sollen nicht nur die Forschungsvorhaben für Experten und Laien zugänglich gemacht, sondern auch über weitere Themen und Einsatzbeispiele aus der Praxis berichtet werden.

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