{"id":370,"date":"2021-08-26T17:37:35","date_gmt":"2021-08-26T15:37:35","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/experimentellemusikaufyoutube\/?page_id=370"},"modified":"2022-07-15T10:54:29","modified_gmt":"2022-07-15T08:54:29","slug":"experimentelle-musik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/experimentellemusikaufyoutube\/experimentelle-musik\/","title":{"rendered":"Experimentelle Musik"},"content":{"rendered":"\n<h3>Versuch einer Definition<a href=\"#fn-1\"><sup>1<\/sup><\/a><\/h3>\n\n\n\n<p>Den Startpunkt der Entwicklung der experimentellen Musik festzulegen, scheint eine unm\u00f6gliche Aufgabe. Sicher ist jedoch, dass die Str\u00f6mung sich in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts herausbildete. Merkmale dieser Str\u00f6mung k\u00f6nnen ganz unterschiedliche sein. Manche sagen, dass experimentelle Musik probiere zu definieren, was Musik sein k\u00f6nne oder sie die Grenzen und Fesseln der (bisher bekannten) Musik ablege. Braucht sie Melodie, Rhythmus, Harmonie und Struktur? Sind Instrumente oder ausgebildete Musiker*innen n\u00f6tig, sie aufzuf\u00fchren?<a href=\"#fn-2\"><sup>2<\/sup><\/a><\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-group has-background\" style=\"background-color:#d8c889\"><div class=\"wp-block-group__inner-container\">\n<p>Es gibt mehrere Aspekte, die das Experimentelle in die Musik bringen. Im Laufe der Auseinandersetzung mit experimenteller Musik innerhalb eines Seminars im WS 2020\/2021, dass die Autor*innen besuchten, wurden folgende Kernpunkte erarbeitet:<\/p>\n\n\n\n<ol><li><strong>Ergebnisoffenheit<\/strong> und\/oder <strong>Unvorhersehbarkeit<\/strong> und\/oder <strong>kontingente Prozesse<\/strong>.<\/li><li><strong>Aufbrechen musikalischer Gewohnheiten und Traditionen<\/strong> (auch bei Werkschaffenden, -auff\u00fchrenden und Publikum) zugunsten g\u00e4nzlich Neuem.<\/li><li><strong>protowissenschaftliches Vorgehen<\/strong> beim Experimentieren.&nbsp;<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p><\/p>\n<\/div><\/div>\n\n\n\n<p><\/p>\n\n\n\n<p>Einerseits verschiebt sich etwas von der Macht bzw. Deutungshoheit der Komponist*innen auf die auff\u00fchrenden Personen. Andererseits werden in die Kompositionen Aspekte des Unvorhersehbaren eingebunden, so dass Dinge passieren und erklingen k\u00f6nnen, die zuvor nicht planbar waren &#8211; wie bei einem Experiment. Durch wiederholtes Durchf\u00fchren des \u201cExperiments\u201d sind seine Ergebnisse immer unterschiedlich. (1)<\/p>\n\n\n\n<p>Das kann hervorgerufen sein durch eine neue Art der Notation bzw. Spiel- und Handlungsanweisungen f\u00fcr die Performer*innen, die sich auf ein Ereignis oder deren Stimmung w\u00e4hrend der Spielsituation beziehen (z.B. Cornelius Cardews <em>Schooltime Special<\/em> (1968)). Andere Mittel des Experimentellen sind z.B. die Nutzung des Zufalls f\u00fcr das Komponieren,<a href=\"#fn-3\"><sup>3<\/sup><\/a> der Verwendung von unkonventionellen Klangerzeugern oder das unkonventionelle Verwenden von bekannten und etablierten Instrumenten.<a href=\"#fn-4\"><sup>4<\/sup><\/a> Es werden also neue Kl\u00e4nge \u201cerforscht\u201d. Eine gro\u00dfe Rolle spielt dabei auch, wie die von den Komponist*innen festgelegten \u201cRegeln\u201d des Werkes und das daraus resultierende Konzept von den Auff\u00fchrenden interpretiert und durchgef\u00fchrt werden (Machtverschiebung s.o.).<a href=\"#fn-5\"><sup>5<\/sup><\/a> (2)<\/p>\n\n\n\n<p>Um den Vergleich zwischen einem Werk und einem Experiment herzustellen: die Werkschaffenden \u00fcberlegen sich ein Experiment, legen die ben\u00f6tigten Materialien, den Raum und Handlungsanweisungen, also Regeln, fest. Weiterhin kann man an dieser Stelle die zentrale Charakteristik eines wissenschaftlichen Experimentes &#8211; die Wiederholbarkeit, welche sich durch einen gleichen Versuchsaufbau auszeichnet &#8211; vermuten. Die Werkauff\u00fchrenden machen sich mit den Regeln vertraut und f\u00fchren das Experiment nach ihrem Verst\u00e4ndnis durch, w\u00e4hrend das Publikum das Experiment beobachtet, analysiert und auswertet. (3)<\/p>\n\n\n\n<p>Doch nicht nur f\u00fcr Komponist*innen und Auff\u00fchrende brachte diese Str\u00f6mung Neuerungen mit sich; auch das Publikum wurde vor neue Herausforderungen gestellt.<a href=\"#fn-6\"><sup>6<\/sup><\/a> Experimentelle Musik bricht mit den H\u00f6rgewohnheiten des Publikums und fordert eine Reflexion des bisherigen klanglichen und konzeptionellen Verst\u00e4ndnisses von Musik. Jeder Mensch ist anders sozialisiert, gebildet und hat daher andere Vorlieben, die bei der Rezeption und der Interpretation einflie\u00dfen. Dies macht den Zugang zu experimenteller Musik unterschiedlich leicht oder schwer. Daher ist es spannend, die Reaktionen von H\u00f6rer*innen\/Zuschauer*innen ausgew\u00e4hlter Werk-Beispiele anhand von YouTube-Kommentaren zu untersuchen.<\/p>\n\n\n\n<h3><strong>Einzelnachweise und Anmerkungen:<\/strong><\/h3>\n\n\n\n<FONT SIZE=\"2\"><p><a id=\"fn-1\"><\/a>[1] Zu dem Thema wurden ganze B\u00fccher verfasst, hier eine kurze Definition von experimenteller Musik zu verfassen, soll nur eine groben Orientierung dienen und stellt keinen Anspruch auf Vollst\u00e4ndigkeit. Eine interessante Dokumentation zu dem Thema l\u00e4asst sich auf  YouTube finden: The Rise of Experimental Music in the 1960s documentary (2005), URL: <a href=\"https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nKPFggCNt_o\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\"><u> https:\/\/www.youtube.com\/watch?v=nKPFggCNt_o&#8220;<\/u><\/a>, letzter Zugriff: 05.11.2021.<\/FONT>\n\n<FONT SIZE=\"2\"><p><a id=\"fn-2\"><\/a>[2] Vgl. Nyman, Michael, <i>Experimental Music: Cage and Beyond<\/i>, in: <i>Music in the Twentieth Century<\/i>, Cambridge 1999, S. XII.<\/FONT>\n\n<FONT SIZE=\"2\"><p><a id=\"fn-3\"><\/a>[3] Vgl. ebd. S. 6.<\/FONT>\n\n<FONT SIZE=\"2\"><p><a id=\"fn-4\"><\/a>[4] Vgl. ebd. S. 20f.<\/FONT>\n\n<FONT SIZE=\"2\"><p><a id=\"fn-5\"><\/a>[5] Vgl. ebd. S. 18f.<\/FONT>\n\n<FONT SIZE=\"2\"><p><a id=\"fn-6\"><\/a>[6] Vgl. ebd. S. 22ff.<\/FONT>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Versuch einer Definition1 Den Startpunkt der Entwicklung der experimentellen Musik festzulegen, scheint eine unm\u00f6gliche Aufgabe. Sicher ist jedoch, dass die Str\u00f6mung sich in der ersten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts herausbildete. Merkmale dieser Str\u00f6mung k\u00f6nnen ganz unterschiedliche sein. Manche sagen, dass experimentelle Musik probiere zu definieren, was &hellip; <\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/experimentellemusikaufyoutube\/experimentelle-musik\/\" class=\"more-link\"><span class=\"morelink-icon\">Weiterlesen<\/span><\/a><\/p>\n","protected":false},"author":5021,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/experimentellemusikaufyoutube\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/370"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/experimentellemusikaufyoutube\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/experimentellemusikaufyoutube\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/experimentellemusikaufyoutube\/wp-json\/wp\/v2\/users\/5021"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/experimentellemusikaufyoutube\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=370"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/experimentellemusikaufyoutube\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/370\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1592,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/experimentellemusikaufyoutube\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/370\/revisions\/1592"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/experimentellemusikaufyoutube\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=370"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}