{"id":95,"date":"2021-04-28T13:52:34","date_gmt":"2021-04-28T11:52:34","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/experimentellemusikaufyoutube\/?page_id=95"},"modified":"2022-07-15T09:04:20","modified_gmt":"2022-07-15T07:04:20","slug":"sense-making-theorie","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/experimentellemusikaufyoutube\/sense-making-theorie\/","title":{"rendered":"Sense-Making-Theorie"},"content":{"rendered":"\t\t<div data-elementor-type=\"wp-page\" data-elementor-id=\"95\" class=\"elementor elementor-95\" data-elementor-settings=\"[]\">\n\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-section-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-50a68d7e elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"50a68d7e\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-5494a438\" data-id=\"5494a438\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-8d9b3e0 elementor-tabs-view-horizontal elementor-widget elementor-widget-tabs\" data-id=\"8d9b3e0\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"tabs.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-tabs\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-tabs-wrapper\" role=\"tablist\" >\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div id=\"elementor-tab-title-1481\" class=\"elementor-tab-title elementor-tab-desktop-title\" aria-selected=\"true\" data-tab=\"1\" role=\"tab\" tabindex=\"0\" aria-controls=\"elementor-tab-content-1481\" aria-expanded=\"false\">Einordnung<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div id=\"elementor-tab-title-1482\" class=\"elementor-tab-title elementor-tab-desktop-title\" aria-selected=\"false\" data-tab=\"2\" role=\"tab\" tabindex=\"-1\" aria-controls=\"elementor-tab-content-1482\" aria-expanded=\"false\">Erl\u00e4uterungen zur Theorie<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div id=\"elementor-tab-title-1483\" class=\"elementor-tab-title elementor-tab-desktop-title\" aria-selected=\"false\" data-tab=\"3\" role=\"tab\" tabindex=\"-1\" aria-controls=\"elementor-tab-content-1483\" aria-expanded=\"false\">Anwendbarkeit auf den Gegenstand<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t<div class=\"elementor-tabs-content-wrapper\" role=\"tablist\" aria-orientation=\"vertical\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-tab-title elementor-tab-mobile-title\" aria-selected=\"true\" data-tab=\"1\" role=\"tab\" tabindex=\"0\" aria-controls=\"elementor-tab-content-1481\" aria-expanded=\"false\">Einordnung<\/div>\n\t\t\t\t\t<div id=\"elementor-tab-content-1481\" class=\"elementor-tab-content elementor-clearfix\" data-tab=\"1\" role=\"tabpanel\" aria-labelledby=\"elementor-tab-title-1481\" tabindex=\"0\" hidden=\"false\"><p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Sense-Making, welches am ehesten mit \u201eSinn-Stiftung\u201c oder \u201eSinn-Gebung\u201c \u00fcbersetzt werden kann, ist ein von Brenda Dervin entwickeltes und zunehmend verbreitetes Wahrnehmungs- beziehungsweise Informationsverarbeitungskonzept. <!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:html --> Es bildet einen zentralen Teil des ebenfalls auf Dervin zur\u00fcckf\u00fchrbaren Information-1,2,3-Konzeptes, welches sich wiederum an der Arbeit von Richard Carter und Karl Popper orientiert.<sup><a href=\"#fn-1\">1<\/a><\/sup> Der Blick auf das von Dervin beschriebene Konzept bietet sich durchaus an, um die Sense-Making-Theorie zu erl\u00e4utern. Hinter dem recht einfach anmutenden Titel des Information-1,2,3-Konzepts steht die Annahme, dass die Wahrnehmungsverarbeitung eines Menschen in drei wesentliche Elemente (Dervin nennt es Informationen) unterteilt werden k\u00f6nne: <!-- \/wp:html --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;margin-left: 50px;margin-right: 50px\">1. &nbsp; &nbsp; &nbsp; <strong><em>\u00c4u\u00dfere \/ externe Realit\u00e4t<\/em><\/strong> (1. Information), welche alle m\u00f6glichen den Menschen umgebene, objektive Einfl\u00fcsse zusammenfasst.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;margin-left: 50px;margin-right: 50px\">2. &nbsp; &nbsp; &nbsp; <strong><em>Innere \/ interne Realit\u00e4t<\/em><\/strong> (2. Information), welche die eigenen und subjektiven Motive meint, und die somit die Voraussetzung daf\u00fcr bilden, was von dem Individuum als \u201einformativ\u201c eingestuft wird<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p style=\"text-align: justify;margin-left: 50px;margin-right: 50px\">3. &nbsp; &nbsp; &nbsp; <strong><em>Prozess \/ Technik des Zusammenbringens<\/em><\/strong> (3. Information), welche die aktive Sinnstiftung und Zusammenf\u00fchrung der 1. und 2. Information meint. Das bedeutet, dass einer unbekannten externen Realit\u00e4t (1. Information) mit den pers\u00f6nlichen M\u00f6glichkeiten oder bspw. eigenen Werten (2. Information) mithilfe dieses Prozesses Sinn gegeben wird.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Insbesondere der letzte Punkt, in welchen sich die Theorie des Sense-Making nahtlos eingliedert, emanzipiert den eigentlichen Prozess der Sinnstiftung zu einem zentralen Faktor der Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitung, was das Konzept von Brenda Dervin herausstechen l\u00e4sst.<\/p>\n<p id=\"fn-1\"><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-tab-title elementor-tab-mobile-title\" aria-selected=\"false\" data-tab=\"2\" role=\"tab\" tabindex=\"-1\" aria-controls=\"elementor-tab-content-1482\" aria-expanded=\"false\">Erl\u00e4uterungen zur Theorie<\/div>\n\t\t\t\t\t<div id=\"elementor-tab-content-1482\" class=\"elementor-tab-content elementor-clearfix\" data-tab=\"2\" role=\"tabpanel\" aria-labelledby=\"elementor-tab-title-1482\" tabindex=\"0\" hidden=\"hidden\"><div class=\"entry-content clearfix\">\n<p><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Die wohl einfachste M\u00f6glichkeit, um die Theorie des Sense-Making fassen zu k\u00f6nnen, bildet die auch von Brenda Dervin gew\u00e4hlte und grafisch unterst\u00fctzte Metapher des Br\u00fcckenbaus.<sup><a href=\"#fn-2\">2<\/a><\/sup> Bereits in den ersten Versuchen dieses Vergleiches, welche mit zunehmender Menge immer komplexer und reichhaltiger wurden, etablierte Dervin die Figur des Mr. Squiggly (Hr. Schn\u00f6rkelig; folgend Mr. S.), welcher das Ebenbild des menschlichen Individuums darstellt. Der Name Squiggly und der zittrige Zeichenstil des Strichm\u00e4nnchens ist keineswegs zuf\u00e4llig gew\u00e4hlt, stellt es die schwankende Natur des Menschen zwischen Sicherheit und Unsicherheit hervor.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:image --><\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/lh5.googleusercontent.com\/FRkCsMy_6etBZYIwgzf34eW39ieK7potBx9Fjyh3VrQgKqLIRRVgh3H4bfbVtiKQ2GBeAPFW9U2WPpDlxs4mv6CDeNt2AHfEXkSNdlaUNyGR3zl50GaFby42w0wqpuSXriBM7S-x=s0\" alt=\"\" \/><\/figure>\n<p><!-- \/wp:image --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p><span style=\"font-size: 10pt\">Eine eigene gek\u00fcrzte Darstellung zur Sense-Making-Theorie, welche sich an der Skizze von Brenda Dervin (2006) orientiert.<\/span><\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><!-- wp:paragraph --><\/p>\n<p>Er tr\u00e4gt stets einen Regenschirm mit sich herum, welcher den pers\u00f6nlichen \u201e<strong>Kontext<\/strong>\u201c abbildet. Damit meint Dervin beispielsweise die eigenen (Un-) F\u00e4higkeiten, die eigene Kultur oder auch das eigene Mind-Set. Charmaine Cunningham schl\u00e4gt in ihrem Blog<sup><a href=\"#fn-3\">3<\/a><\/sup> vor, den Regenschirm durch einen Rucksack zu ersetzen, was als Bild des etwas Mit-Sich-Tragens wesentlich etablierter ist und somit geeigneter scheint.<\/p>\n<p><!-- \/wp:paragraph --><\/p>\n<p>Eine genaue Eignungspr\u00fcfung verschiedener metaphorischer Stilelemente au\u00dfer acht lassend, ist die Existenz von Mr. S. dadurch bestimmt, voranzukommen und seinen Weg m\u00f6glichst unabl\u00e4ssig zu beschreiten. Es ist jedoch unvermeidbar, dass Mr. S. auf seinem Weg immer wieder auf zun\u00e4chst scheinbar un\u00fcberwindbare Probleme st\u00f6\u00dft, welche sich passenderweise als \u201e<strong>Kluft<\/strong>\u201c vor ihm auftun. Diese Kluft ist lediglich dann \u00fcberwindbar, wenn Mr. S. eine Br\u00fccke zum anderen Ende der Kluft baut.<\/p>\n<p>Der Standort, von dem aus Mr. S. das Vorhaben des Br\u00fcckenbaus beginnt, ist von der individuellen \u201e<strong>Ausgangssituation\u201c<\/strong> abh\u00e4ngig. Grob gesagt, handelt es sich dabei um den gegenw\u00e4rtigen Endpunkt seines bereits zur\u00fcckgelegten Weges. Der Verlauf dieses Weges und damit der gegenw\u00e4rtige Standort von Mr. S., ist bestimmt durch seine erlebten Ereignisse, Geschichten, Gewohnheiten, etc. Es muss davon ausgegangen werden, dass sich kein Individuum an der gleichen Stelle befinden kann.<\/p>\n<p>Von hier aus gilt es nun, eine \u201e<strong>Br\u00fccke\u201c<\/strong> zu bauen, welche die Ideen, Geschichten oder auch Werte abbildet, mir denen dem Unbekannten\u00a0 Sinn gegeben und die \u201cKluft\u201d \u00fcberwunden wird.<\/p>\n<p>Jedoch setzt der Bau einer Br\u00fccke auch das Vorhandensein von entsprechendem Baumaterial voraus. Diese Bausteine m\u00fcssen zun\u00e4chst aus einer <strong>\u201eQuelle\u201c<\/strong> gesch\u00f6pft und entsprechend ihrer <strong>\u201eRelevanzen\u201c<\/strong> eingeordnet werden. Als m\u00f6gliche Quellen k\u00f6nnen beispielsweise Medien, Aussagen von Freund*innen und Bekannten oder auch Forschungsliteratur genannt werden, beziehungsweise das, was ein Individuum davon als hilfreich ansieht oder als solches \u201eabgespeichert\u201c wurde. All diese aus unterschiedlichen Bereichen stammenden Bausteine sind in den Augen von Mr. S. nicht gleichwertig oder gleichberechtigt. Aussagen von einem engen Freund k\u00f6nnten beispielsweise als sehr viel wichtiger eingestuft werden als Aussagen einer fremden Autorit\u00e4t. Folglich k\u00f6nnten die gleichen Bausteine je nach individueller Einsch\u00e4tzung vollkommen anders gewichtet und schlussendlich verbaut werden.<\/p>\n<p>Wichtig ist es, an dieser Stelle darauf hinzuweisen, dass sich die Frage nach dem Richtig und Falsch hier nicht stellt.<\/p>\n<p>Nun, da der Bauplatz, die Materialien und deren Einpassung klar sind, beginnt Mr. S. mit dem Prozess des Zusammenbaus, dem eigentlichen \u201e<strong>Sense-Making\u201c<\/strong>. Es ist das erste Mal, dass in diesem Bild ein Prozess dargestellt wird, was an dieser Stelle sehr gut den Unterschied zu den anderen, eher statisch-gegebenen Einflussfaktoren erkennen l\u00e4sst und somit die Theorie von Dervin so besonders macht.<\/p>\n<p>Die Stelle, welche Mr. S. auf der anderen Seite der Kluft erreicht, stellt nach Dervin das \u201e<strong>Ergebnis<\/strong>\u201c (Dervin nennt es \u201eOutcome\u201c) dar. Es steht am Ende des Prozesses der Informationsverarbeitung (Br\u00fcckenbau) und erschafft gleichzeitig eine neue Ausgangssituation, von welcher aus Mr. S. seinen Weg fortf\u00fchren kann und damit wieder am Anfang des Prozesses steht.<\/p>\n<p>Es d\u00fcrfte klar sein, dass die Komplexit\u00e4t des Sense-Making hier nicht in voller G\u00e4nze erfasst werden kann, was bereits mit Blick auf die einfache, zweidimensionale Querschnittsdarstellung zu vermuten ist. Ungeachtet dessen bietet die Theorie eine sehr zug\u00e4ngliche M\u00f6glichkeit, was bei dem Sense-Making-Prozess zur Sense-Making-Theorie sehr hilfreich erscheint.<\/p>\n<\/div><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-tab-title elementor-tab-mobile-title\" aria-selected=\"false\" data-tab=\"3\" role=\"tab\" tabindex=\"-1\" aria-controls=\"elementor-tab-content-1483\" aria-expanded=\"false\">Anwendbarkeit auf den Gegenstand<\/div>\n\t\t\t\t\t<div id=\"elementor-tab-content-1483\" class=\"elementor-tab-content elementor-clearfix\" data-tab=\"3\" role=\"tabpanel\" aria-labelledby=\"elementor-tab-title-1483\" tabindex=\"0\" hidden=\"hidden\"><p>Bei dem Versuch zwischen den vorher genannten Erl\u00e4uterungen und dem Gegenstand dieser Arbeit einen nachvollziehbaren Bezug herzustellen, ergibt sich folgendes Bild:<\/p>\n<figure class=\"wp-block-image\"><img class=\"aligncenter\" src=\"https:\/\/lh4.googleusercontent.com\/u5Lcr_dqzSx7ltZFR08ovqhCx2AScYL7j1EC9MEjmpfccCDzzCgaFF0UeARR3mDuK4C6SVNLrGcnESau9vrmN9oV0bpwTWny165eZVXrRcy_PyvuKhyZFhamc2RWU-zCkBP8bKdA=s0\" alt=\"\" \/><\/figure>\n<p><span style=\"font-size: 8pt\">Zu sehen ist eine \u201e\u00dcbertragung\u201c der vorherigen Zeichnung, wie sie in den Kontext von YouTube im Allgemeinen gesetzt wurde.<\/span><\/p>\n<p>Dabei f\u00e4llt ein Problem sofort ins Auge des Betrachtenden: Kommentare, welche im Zuge dieser Arbeit unter Anwendung der Sense-Making-Theorie analysiert werden sollen, bilden als \u201e<strong>Ergebnis<\/strong>\u201c das Ende eben jener Br\u00fcckenbau-Metapher.<\/p>\n<p>Dazu kommt ein grunds\u00e4tzliches methodisches Problem im Umgang mit der Theorie. Die eigenen Forschungen von Dervin, ihren Kolleg*innen und auch andere Forschungsbeitr\u00e4ge rund um diese Thematik basieren auf Tiefeninterviews, was den Forschenden die M\u00f6glichkeit gibt, Aussagen \u00fcber die einzelnen Einflussfaktoren direkt zu erfragen.<sup><a href=\"#fn-4\">4<\/a><\/sup><\/p>\n<p>Das ist bei dem Fokus auf das Ergebnis nicht, beziehungsweise nur bedingt, m\u00f6glich. Die Beschaffenheit eines YouTube-Kommentars und dessen Informationsgehalt w\u00e4re dabei zun\u00e4chst die naheliegendste Grundlage, um eine Aussage zu treffen.<\/p>\n<p>Eine weitere M\u00f6glichkeit, die hier jedoch nur erw\u00e4hnt bleiben soll, ist die direkte Kontaktierung der Kommentierenden. Die Notwendigkeit des Besitzens eines Google-Accounts, um einen Kommentar zu verfassen, was immer auch an das Vorhandensein einer E-Mail-Adresse gebunden ist, lie\u00dfe vermuten, dass die kommentierenden Personen auf diesem Weg erreichbar w\u00e4re. Dies wiederum g\u00e4be rein hypothetisch die M\u00f6glichkeit einen Kontakt aufzubauen, aus dem dann eine Tiefeninterview-Situation entstehen k\u00f6nnte. Jedoch setzt das voraus, dass die Person erreichbar ist, sich an den Kommentar erinnert und sich f\u00fcr ein Interview bereit erkl\u00e4rt. Wom\u00f6glich w\u00e4re dieses Vorgehen f\u00fcr eine weitere wissenschaftliche Auseinandersetzung mit diesem Thema vorstellbar.<\/p>\n<p>Diese Arbeit wird zun\u00e4chst den Fokus auf den sichtbaren Inhalt des Kommentars legen, dessen individuelle Ausf\u00fchrungen wom\u00f6glich Aufschl\u00fcsse \u00fcber einzelne Teilelemente geben kann. Man sollte sich an dieser Stelle klar sein, dass ungeachtet der Eigenschaft des Kommentars als Endergebnis des Sense-Making-Prozesses des Schreibenden auch die eigene Interpretation des Lesenden einen direkten Einfluss auf die Einordnung hat.<\/p>\n<p>In der Natur der K\u00fcrze der Kommentare liegt auch die Gefahr des Missverstehens. Insbesondere, da die meisten Kommentare unter YouTube-Videos meistens aus wenigen S\u00e4tzen bestehen. Zwar gibt es teilweise sehr ausf\u00fchrliche Kommentare oder Diskussionen, welche viele Informationen in sich bergen, aber das bildet f\u00fcr den hier betrachteten Gegenstand die Ausnahme.<\/p>\n<p>An dieser Stelle muss sich eingestanden werden, dass ein Blick auf die YouTube-Kommentare der Sicht durch ein Milchglas auf die Gedankenwelt der Kommentierenden gleicht und somit eindeutige Aussagen sehr schwer zu treffen sind.<\/p>\n<p>Was am klarsten gesehen wird, ist der Kommentar selbst, also das \u201e<strong>Ergebnis\u201c<\/strong> des Br\u00fcckenbaus. Je nach Ausf\u00fchrung und Auftreten dessen, lassen sich m\u00f6gliche Quellen und Einflussfaktoren (Bausteine) erkennen. Jedoch sind das meist nur Vermutungen.<\/p>\n<p><strong data-rich-text-format-boundary=\"true\">\u201eQuellen\u201c<\/strong>, die sich ebenfalls vermuten lassen, sind beispielsweise die Videobeschreibung (Infobox), andere Kommentare auf welche sich bezogen wird oder wom\u00f6glich auch der \u201eperiphere\u201c Inhalt des Kanals. Idealerweise geben die Kommentierenden ihre Quellen im Kommentar an, wovon jedoch nicht ausgegangen werden kann. Die M\u00f6glichkeit des Antwortens auf andere Kommentare lassen auch begr\u00fcndete Vermutungen zu, unter der Voraussetzung, dass der Inhalt des Kommentars den Antwortenden bekannt war. Ob und wie es dazu kommt, dass man einem Kommentar begegnet, der zu einer \u201eQuelle\u201c wird, h\u00e4ngt nicht zuletzt auch von der YouTube-eigenen Sortierung ab. Kommentare k\u00f6nnen nach Datum des Hochladens (\u201eNeueste zuerst\u201c) oder nach Bedeutsamkeit \/ Interaktivit\u00e4t (\u201eTop-Kommentare\u201c) sortiert werden. Zwischen diesen beiden M\u00f6glichkeiten kann man als rezipierende Person w\u00e4hlen, wohingegen eine dritte M\u00f6glichkeit \u2013 das Anpinnen \u2013 alleine durch Kanalbetreibende vollzogen werden kann, um entsprechende Kommentare an erster Stelle im Kommentarbereich erscheinen zu lassen. Bez\u00fcglich der f\u00fcr die Untersuchung gew\u00e4hlten Videos war es zum Zeitpunkt der Datenerhebung jedoch nirgens nicht der Fall.<br data-rich-text-line-break=\"true\" \/>Die M\u00f6glichkeit des Herzens, als eine Form der Anerkennung, die allein Kanalbetreibenden zur Verf\u00fcgung gestellt wird, kann ebenfalls die Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Eine Auswirkung auf die Positionierung des Kommentars l\u00e4sst sich aber nicht erkennen und auch YouTube \u00e4u\u00dfert sich nicht dazu.<sup><a href=\"#fn-5\">5<\/a><\/sup> Auch diese M\u00f6glichkeit kann zum Zeitpunkt der Datenerhebung bei den untersuchten Beispielen nicht festgestellt werden.<\/p>\n<p>Unklarer wird es, wenn man sich die \u201e<strong>Relevanzen\u201c<\/strong> der Bausteine anschaut. Hier bietet die Antwortfunktion auf Kommentare und die Chance der Diskussion wom\u00f6glich Abhilfe. Beispielsweise wenn Kommentierende auf einen Kommentar eingehen, dem Argument zustimmen, aber ein anderes Argument als wichtiger erachten. Eine weitere M\u00f6glichkeit, welche jedoch nur allgemeine und nicht genau zuordenbare Aussagen zul\u00e4sst, sind jene Kommentare, welche eine gro\u00dfe Interaktion verursachen. Damit ist zum Beispiel die M\u00f6glichkeit gemeint, einzelne Kommentare selbst zu liken. Die so entstehenden Top-Kommentare welche YouTube auf Wunsch anzeigt, k\u00f6nnten wom\u00f6glich einen Trend abzeichnen. Jedoch hat das durch die Struktur von YouTube auch sehr problematische Aspekte, die sp\u00e4ter angesprochen werden sollen.<br \/>Dazu kann das oben angesprochene \u201cHerzen\u201d die Relevanz ebenfalls beeinflussen, da es Ausdruck der Aufmerksamkeit und damit direktes Feedback des Kanalbetreibenden ist, was unter den Zuschauenden als relevanter eingestuft werden k\u00f6nnte.<br \/>\u00c4hnlich k\u00f6nnten auch Kommentaren eingestuft werden, welche von bekannten YouTube-Kan\u00e4len unter ein Video gepostet wurden.<\/p>\n<p>Auch das eigentliche Problem (also die \u201e<strong>Kluft\u201c<\/strong>) l\u00e4sst sich nur vermuten und nicht klar definieren. Hier ist eine sehr gro\u00dfe Ungenauigkeit zu verzeichnen. Wenn beispielsweise in einem Kommentar steht, dass die Musik seltsam kl\u00e4nge, dann lie\u00dfe sich nicht sagen, was genau damit gemeint ist: der Klang, der Rhythmus oder doch etwas ganz anderes?<\/p>\n<p>Die \u00fcbrigen Punkte bleiben \u00fcberwiegend unklar. Beispielsweise kann nicht auf den Suchverlauf einer Person in diesem Kontext zur\u00fcckgegriffen oder dessen pers\u00f6nliches Mind-Set erkannt werden. Diese Stellen bleiben entweder vollkommen unbekannt, oder man hat das Gl\u00fcck einen Kommentar zu lesen, der all das ausf\u00fchrt. Ein Beispiel w\u00e4ren Kommentare, welche genau aussagen, wie die schreibende Person auf diese Seite gesto\u00dfen ist oder auch was f\u00fcr einen Hintergrund (bspw. pers\u00f6nliches Interesse) sie hat.<\/p>\n<p>Trotz der Natur des Gegenstandes, welche sicherlich nicht mit der Aussagekraft solider Tiefeninterviews konkurrieren kann, bietet sich hier eine ganz andere Chance \u2013 <strong><em>Diversit\u00e4t<\/em><\/strong>. Es ist grunds\u00e4tzlich jeder Person mit einem Google-Account erlaubt, Kommentare unter die Videos zu schreiben. Diese Demokratisierung bietet die Chance, denjenigen eine Stimme zu geben, welche wom\u00f6glich nie f\u00fcr Tiefeninterviews in Erw\u00e4gung gezogen worden w\u00e4ren, was damit den Proband*innenkreis sehr viel weiter ausfallen l\u00e4sst.<\/p><\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-60aac04 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"60aac04\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-f69ff34\" data-id=\"f69ff34\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t<section class=\"elementor-section elementor-top-section elementor-element elementor-element-0b6d113 elementor-section-boxed elementor-section-height-default elementor-section-height-default\" data-id=\"0b6d113\" data-element_type=\"section\">\n\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-container elementor-column-gap-default\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-column elementor-col-100 elementor-top-column elementor-element elementor-element-bdb201f\" data-id=\"bdb201f\" data-element_type=\"column\">\n\t\t\t<div class=\"elementor-widget-wrap elementor-element-populated\">\n\t\t\t\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-element elementor-element-8ca6a5b elementor-widget elementor-widget-text-editor\" data-id=\"8ca6a5b\" data-element_type=\"widget\" data-widget_type=\"text-editor.default\">\n\t\t\t\t<div class=\"elementor-widget-container\">\n\t\t\t\t\t<div class=\"elementor-text-editor elementor-clearfix\"><h3>Einzelnachweise und Anmerkungen<\/h3>\n<div>\n<p id=\"fn-1\"><span style=\"font-size: small\">[1] Bates Marcia J., <em>Information<\/em>, in: Encyclopedia of Library and Information Sciences , hrsg. von\u00a0 Marcia J. Bates u. Mary Niles Maack, New York, 2010, Vol. 3, S. 2347-2360, (auch einsehbar unter: URL: <a href=\"https:\/\/pages.gseis.ucla.edu\/faculty\/bates\/articles\/information.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><u> https:\/\/pages.gseis.ucla.edu\/faculty\/bates\/articles\/information.html <\/u><\/a>, letzter Zugriff: 06.05.2021.)<\/span><\/p>\n<p id=\"fn-2\"><span style=\"font-size: small\">[2] Dervin, Brenda, <em>Dervin\u2019s Sense-Making Theory<\/em>, in: <i> Information Seeking Behaviour and Technology Adoption: Theorie and Trends <\/i>, hrsg. von Mohammed Nasser Al-Suqri u. Ali Saif Al-Aufi, Hershey, 2015, S.59-80. Au\u00dferdem findet sich eine \u00fcbersichtliche Darstellung bei Agarwal, Naresh Kumar, <em>Making sense of sense-making: tracing the history and development of Dervin\u2019s Sense-Making Methodology<\/em>, Download-URL: <a href=\"https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwi7l8v5h7XwAhVvMewKHXBmB5gQFjAAegQIBhAD&amp;url=http%3A%2F%2Fweb.simmons.edu%2F~agarwal%2Ffiles%2FAgarwal-ASIST-History-preconf-2012-author.pdf&amp;usg=AOvVaw1OnFCh0ztRcONIi1aArbwp\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><u> https:\/\/www.google.com\/url?sa=t&amp;rct=j&amp;q=&amp;esrc=s&amp;source=web&amp;cd=&amp;cad=rja&amp;uact=8&amp;ved=2ahUKEwi7l8v5h7XwAhVvMewKHXBmB5gQFjAAegQIBhAD&amp;url=http%3A%2F%2Fweb.simmons.edu%2F~agarwal%2Ffiles%2FAgarwal-ASIST-History-preconf-2012-author.pdf&amp;usg=AOvVaw1OnFCh0ztRcONIi1aArbwp<\/u><\/a>, letzter Zugriff: 06.05.2021.<\/span><\/p>\n<p id=\"fn-3\"><span style=\"font-size: small\">[3] Cunningham, Charmaine, <em>Making sense\u2026learning about sense-making<\/em>, 2016, URL: <a href=\"https:\/\/chacunningham.wordpress.com\/2016\/10\/28\/making-sense-learning-about-sense-making\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><u> https:\/\/chacunningham.wordpress.com\/2016\/10\/28\/making-sense-learning-about-sense-making\/ <\/u><\/a>, letzter Zugriff: 06.05.2021.<\/span><\/p>\n<p id=\"fn-4\"><span style=\"font-size: small\">[4] Zum Beispiel Souto, Patr\u00edcia Cristina do Nascimento; Dervin, Brenda; Savolainen, Reijo, <em>Designing for knowledge creation work: an exemplar application of Sense-Making Methodology<\/em>, in: <i> Revista de Administra\u00e7\u00e3o e Inova\u00e7\u00e3o <\/i>, S\u00e3o Paulo 2012, Vol. 9, Nr. 2, S. 271-294 und Foreman-Wernet, Lois; Dervin, Brenda, <em>Everyday Encounters with Art: Comparing Expert and Novice Experiences<\/em>, in: <i> The Museum Journal <\/i>, 2016, Vol. 59, Nr. 4, S. 411-425.<\/span><\/p>\n<p id=\"fn-5\"><span style=\"font-size: small\">[5] Dieser Medienbericht aus dem Jahr 2017 fasst es ganz gut zusammen: URL: <a href=\"https:\/\/www.giga.de\/webapps\/youtube\/specials\/youtube-kommentare-was-bedeutet-das-herz-einfach-erklaert\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><u> https:\/\/www.giga.de\/webapps\/youtube\/specials\/youtube-kommentare-was-bedeutet-das-herz-einfach-erklaert\/<\/u><\/a>, letzter Zugriff: 19.05.2021. YouTube \u00e4u\u00dfert sich hier dazu: URL: <a href=\"https:\/\/support.google.com\/youtube\/answer\/6000964?hl=de&amp;pageId=101807695592169524555#zippy=\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><u> https:\/\/support.google.com\/youtube\/answer\/6000964?hl=de&amp;pageId=101807695592169524555#zippy=<\/u><\/a>, letzter Zugriff: 19.05.2021.<\/span><\/p>\n<\/div><\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t<\/section>\n\t\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t\t\t\t<\/div>\n\t\t","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Einordnung Erl\u00e4uterungen zur Theorie Anwendbarkeit auf den Gegenstand Einordnung Sense-Making, welches am ehesten mit \u201eSinn-Stiftung\u201c oder \u201eSinn-Gebung\u201c \u00fcbersetzt werden kann, ist ein von Brenda Dervin entwickeltes und zunehmend verbreitetes Wahrnehmungs- beziehungsweise Informationsverarbeitungskonzept. 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