Häuserbauen in der Kita


In einer Kita widmen sich mehrere Kinder dem Spiel „Häuserbauen“. Das bauen der Häuser fällt den Kindern unterschiedlich schwer und es kommt zu einer Konkurrenzsituation zwischen zwei Kindern.


K1 fragt Erzieherin, ob er das Spiel „Häuserbauen“ aus dem Regal nehmen und spielen darf. Die Erzieherin erlaubt es und bekräftigt K1 indem sie sagt, dass sie sich im Bauraum befinden und deswegen selbstverständlich auch Häuser mit Ziegelsteinen gebaut werden können. K1 holt die Kiste aus dem Regal und läuft geradlinig zum Tisch. Zwei Kinder sitzen bereits am Tisch nebeneinander und malen. K1 setzt sich neben K2 und beginnt die Bauutensilien auf dem Tisch aufzubauen. Unterteile und Ziegelsteine werden der Größe nach aufgeteilt.

K2:

“Oh K1, du baust jetzt ein Haus, oder?“

K1:

Ja, ich baue ein riesengroßes Haus. So eins hast du noch nicht gesehen.“

K3:

(fragt lächelnd) „K1, darf ich auch etwas bauen?“

K1:

„Ja, das kannst du. Aber mein Haus wird viel größer als dein`s!“

K3:

„Ich möchte gar kein Haus bauen. Ich mache lieber eine Garage. Eine große Tiefgarage werde ich bauen.“

K1:

„Dann sehen wir mal wer ein größeres Gebäude baut.“

Päd:

„K1, schau mal wie weit K3 schon ist. Du schaffst dein Haus doch auch noch zu Ende zu bauen oder hast du keine Lust mehr?“

K1:

„Ich bin gerade so müde und mache aber nur eine kurze Pause. Gleich baue ich weiter und dann wird mein Haus noch viel höher als die Garage von K3.“

Päd:

„Ach so, gut. Dann schaue ich gleich noch einmal vorbei und beobachte deine Erfolge.“

Päd:

 (Einige Zeit später) „Nein, dieser kleine Rest reicht wirklich nicht aus. Halte dich nicht länger damit auf, sondern geh lieber wieder zurück zum Tisch.“

K1:

„Aber ich möchte, dass mein Haus so bleibt, wie ich es baue. Das soll nicht kaputt gemacht werden.“

Päd:

„Du kannst dein fertiges Haus sehr gern oben auf den Schrank stellen. Dort befinden sich alle erbauten Gegenstände, die nicht aufgeräumt werden sollen. Sie kann man dann seinen Eltern zeigen oder später ausbauen oder einfach nur damit spielen.“

K1:

„Nein, das will ich nicht. Es soll niemand kaputt machen. Dafür brauche ich den Zement.“

Päd:

„K1, ich habe dir doch jetzt bereits mehrmals gesagt, dass du den Zement nicht benutzen kannst. Gib mir am besten den Beutel, dann schmeiße ich den Zementrest weg. Dann gibt’s auch gar keine Probleme mehr.“

K1:

„Nein, ich lasse den Zement im Eimer. Bitte nicht wegschmeißen.“

Päd:

„Na gut, aber nur wenn du gleich an deinem Hausweiterarbeitest, denn in zwanzig Minuten muss aufgeräumt werden und bis dahin solltest du noch einiges schaffen. Wenn du dein Haus auf dem Regal platzieren möchtest, musst du hurtig an dem Haus weiterarbeiten.“

K1:

„Okay, ich baue jetzt weiter. Aber mit Zement macht es mehr Spaß.“

Päd:

„Das weiß ich, aber so hast du doch auch Freude mit dem Bauen und später können auch noch andere Kinder Häuser bauen. So haben wir alle etwas davon, verstehst du?“

K1:

(entgegnet) „Ja, ich baue jetzt weiter.“ (K1 baut weiter, nachdem er die Zementreste in die Baukiste geworfen hat. Er beobachtet K3 gleichzeitig, während er an seinem Haus baut. K1 versucht sich zu beeilen und platziert einen Ziegelstein zu schief und einige Steinen fallen deshalb zu Boden)

K1:

(schreit kurz auf) „Ahhhh, so ein Mist.“

Päd.:

“Na aber K1, das ist doch kein Weltuntergang. Die einzelnen Steine sind schnell aufgehoben und wieder aufgebaut.“

K3:

„Ich helfe ihm dabei.“

Päd.:

“Das ist sehr nett von dir, K3. So könnt ihr gleich wieder weiterbauen.“ (Die Kinder bauen und K1 hat sich durch ein Lachen anderer Kinder ablenken lassen. Er schaut zum anderen Teil des Raums und lacht mit)

Plötzlich verkündet die Erzieherin, dass aufgeräumt werden soll und alle sich auf das Mittagessen vorbereiten sollen. K3 beginnt sofort seine erbaute Garage einzuräumen, K1 ist allerdings zu einem anderen Platz auf den Boden gewechselt und spielt nun ein Kartenspiel. K1 hat seine Ziegelsteine vollständig eingeräumt und macht weiter mit den restlich verbliebenen Steinen auf dem Tisch. K1’s Haus wird nicht angerührt. Als die Erzieherin sieht, dass K1 nicht aufräumt, sondern gerade etwas anderes spielt, ruft sie ihn namentlich zwei Mal auf. Weil K1 nicht reagiert, geht die zu ihm rüber und macht ihm deutlich, dass alle aufräumen müssen und er sein Haus nach dem Mittag weiterbauen könne, wenn er es auf das Regal stelle. K1 weigert sich aber und die Erzieherin beginnt ohne weitere Worte die Karten vom Boden aufzusammeln. K1 geht wütend zum Tisch und schmeißt sein gesamtes Haus in die Kiste und macht den Deckel zu. K3 geht hin und stellt die Kiste zurück an ihren Platz.


Autorschaft
Viktoria Ruhm |
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