Konflikte auf der Kinder- und Jugendfarm


Während der Bauernhofnacht, die einmal im Monat auf der Kinder- und Jugendfarm stattfindet, wird die Lehramtsstudentin, die vor Ort ihr außerschulisches Praktikum absolviert, vor die Herausforderung gestellt auf die spielenden Kinder aufzupassen und gleichzeitig das Abendessen vorzubereiten. Auf dem Spielplatz der Farm kommt es zu einem Konflikt, dem sich die Praktikantin annimmt.


Protokoll:

Einmal im Monat gibt es immer eine lange Bauernhofnacht. Im September war diese zum Thema „Rund um den Apfel“. Im Vorfeld hatten sich 18 Kinder dafür angemeldet. Freitagabend ab 18 Uhr trafen wir uns mit der Gruppe. Tanja, eine langjährige Mitarbeiterin und ich hatten im Voraus zusammen geplant, was wir mit den Kindern machen wollten. Zuerst pflückten wir verschiedene Apfelsorten und verkosteten diese. Anschließend bereiteten wir in Gruppen gemeinsam das Abendessen vor: Bratkartoffeln mit Apfelmus. Da wir zuvor außerdem noch frischen Apfelsaft pressten, dauerte die Zubereitung des Essens doch wesentlich länger, als wir geplant hatten. Tanja war noch mit einer Gruppe beschäftigt abzuwaschen und aufzuräumen, während ich am Feuer stand und die Kartoffel briet. Da nicht alle Kinder beim Aufräumen und Abwaschen gleichzeitig helfen konnten, durften die anderen Kinder auf dem Klettergerüst spielen. Tanja wies mich darauf hin, dass ich besonders auf T. aufpassen solle. Da dieser ein „ganz besonderer Kandidat“ sei. Von meinem Platz aus konnte ich den Spielplatz schlecht überblicken. Nach kurzer Zeit kam ein Mädchen zu mir gelaufen und sagte mir, dass ein Junge (T.) die Mädchen ärgern würde. Ich rief zum Spielplatz herüber, dass T. bitte zu mir kommen sollte, denn ich wollte das Feuer nicht alleine lassen. T. kam zu mir gelaufen und sagte schon bevor ich etwas sagen konnte, dass er gar nichts gemacht habe. Ich sagte ihm, dass ich bis jetzt nur von den anderen Mädchen gehört habe, dass er sie ärgern würde. Wenn dem nicht so sei, sei ja alles gut und er sollte die Mädchen aber bitte in Ruhe lassen. Er nickte nur kurz und lief dann wieder zum Klettergerüst. Nur wenige Minuten später kam das Mädchen zurück und sagte mir, dass ein anderes Mädchen (L.) weinen würde. Ich fragte, was passiert sei und ob L. zu mir kommen könne. Sie sagte das T. wütend geworden sei und erst versucht hätte die Mädchen vom Klettergerüst zu schubsen. Als das nicht klappte, sei er auf das Klettergerüst gegangen und habe L. gegen das Schienbein getreten. T. sei nun weggelaufen. Ich sagte zu dem Mädchen, dass sie bitte auf das Feuer aufpassen solle, während ich zum Klettergerüst lief. L. Saß auf dem Boden und weinte. Ich fragte, ob sie aufstehen könne. Sie nickte und wir setzten uns gemeinsam auf eine Bank. Die anderen Mädchen umringten uns und redeten auf mich ein. Ich sagte ihnen, dass sie uns bitte erst einmal in Ruhe lassen sollten und beauftragte ein Mädchen aus der Küche ein Kühlelement zu holen. Ich streichelte L. über den Rücken und fragte, ob es ihr schon wieder besser gehe. Sie schluchzte immer noch, aber konnte mir trotzdem, nachdem ich gefragt hatte, was denn passiert sei antworten. Sie hätten auf dem Klettergerüst gespielt und T. habe sie geärgert. Sie hätten Stopp gerufen, aber er sei hochgekommen und habe L. getreten, dann sei er weggelaufen. Einige andere Mädchen in der Nähe fragten, ob sie T. suchen sollten. Ich verneinte und meinte, sie sollten L. etwas trösten. Ich rief T. und suchte ihn etwas abseits vom Spielplatz. Als ich ihn gefunden hatte, weigerte er sich zuerst mit zu kommen. Ich sagte, dass ich schnell wieder zurück zu den Kartoffeln müsse, da sonst unser Abendbrot anbrennen würde. „Ist mir doch egal!“, antwortete er. Ich befahl ihm, dass er mitzukommen habe und drehte mich um und ging zurück Richtung Feuerstelle. Als ich mich umdrehte sah ich, dass er mir langsam folgte. Ich bedankte mich bei dem Mädchen, die auf das Feuer aufgepasst hatte und schickte sie zurück zum Spielplatz. Ich sagte T. er solle sich auf einen Stuhl neben mir setzten. Er nahm den Stuhl, der am weitesten weg war. Während ich die Kartoffeln umrührte, erzählte ich ihm, was ich von den Mädchen gehört hätte und das ich so ein Verhalten gar nicht gut fände. „Du kannst doch nicht einfach andere Kinder treten!“, sagte ich zu ihm. Er stand auf, ich sagte ihm er solle sich wieder hinsetzten. Er lief nur von einem Stuhl zu nächsten und trat dagegen. Ich wand mich von den Kartoffeln ab und sagte ihm, er solle sich wieder hinsetzen. Da er dies nicht tat, setzte ich mich auf einen Stuhl und sagte er solle sich neben mich setzten. Doch er lief nur von Stuhl zu Stuhl und trat dagegen. „Komm mal her“, sagte ich zu ihm. „Ne, die haben mich genervt.“, sagte T. „Ok, dann erzähl mal was passiert ist.“, forderte ich ihn auf. „Nee, die haben mich halt genervt.“, wiederholte er. „Wenn du mir nicht genau erzählst, was passiert ist, können wir auch das Problem nicht lösen. Aber so oder so kannst du keine Kinder treten. Du willst doch auch nicht von anderen getreten werden.“, antwortet ich. Er verschränkte die Arme und sagte „Nö!“. Ich ging wieder zurück zu den Kartoffeln und sagte ihm, dass er dann jetzt erst mal so lange bei mir bleiben müsse, bis er sich wieder beruhigt habe, um sich dann bei L. Zu entschuldigen. „Ne, das ist unfair!“, rief er. „Es ist nicht unfair. Wenn du mir nicht erzählen willst, was passiert ist. Können wir nichts anderes machen, als dass du dich jetzt erst mal entspannst. Und wenn du andere Kinder absichtlich trittst, dann kannst du jetzt auch nicht einfach so weiterspielen.“, versuchte ich ihm zu erklären. Er setzte sich mit verschränkten Armen auf einen Stuhl und schmollte. Nach einigen Minuten kam Tanja zurück und ich erzählte ihr, was passiert war. Sie holt L. Und suchte ein klärendes Gespräch mit T.


Autorschaft
Annika Schlieker |
Erhebungskontext
Erhebungsmethode