Partizipation von Kindern in Kindertagesstätten


Eine Kindergartengruppe mit circa 20 Kindern verschiedener sozialer Milieus im Alter von 4 bis 6 Jahren beschäftigt sich im Morgenkreis mit zwei Erzieherinnen, Frau W. und Frau G., mit der Planung des Tages. Besonderes Augenmerk liegt auf dem partizipativen (Aus-) Handlungsprozess zwischen ErzieherInnen und Kindern.


Legende: K: Kind, m: männlich, w: weiblich, fortlaufende Nummerierung
Allgemeines: Datum/ Zeiten: 27.02.2018, 08.57- 09.07 Uhr

  •  Tagesabschnitt: Morgenkreis
  • Orte: Spielzimmer mit Ritterburg
  • Institution: Kindergarten, soziales Milieu: verschiedene Stadtteile unterschiedlichen sozialen Milieus
  • Anonymisierte Anwesende: Kindergartenkinderzahl: 20 Kinder, -alter: 4- 6 Jahre, Erzieherin: Frau W., Frau G.
  • Involvierung durch Beobachter
Ablauf:

Die Kinder werden von Frau G. und Frau W. zum Morgenkreis gerufen und kommen laut redend in das Spielzimmer mit der Ritterburg und setzen sich auf den Teppich in Form eines Kreises. Das dauert ungefähr drei Minuten. Frau G. und Frau W. setzen sich langsam und mit nach unten gezogenen Mundwinkeln an die Längsseiten des Teppichs. Ich sitze neben Frau W. und fokussiere abwechselnd sie und die Kinder. Die Kinder werden stiller bis nur noch ein leises Reden zu hören ist.

Frau W.:

Die Frau G. möchte euch heute etwas wichtiges sagen. (wobei sie lauter wird mit dem Kopf nickt und dann zu Frau G. blickt. Die Kinder werden still. Einige Kinder, wie Km1, fokussieren nicht Frau G.)
Schaue Frau G. an (sagt Frau W zu Km1 und dreht sich mit dem Kopf zu Frau G.)

Km1:

(sitzt neben Frau W.)
Ja (degressiv leiser werdend und langgezogen, Er guckt in Frau W.s Richtung)

Frau W.:

Du guckst jetzt zu Frau G

Km1:

Ja (etwas leiser und zieht die Mundwinkel nach unten und schließt leicht die Augen. Er guckt auf den Boden)

Frau W.:

Dann dreh dich um! (mit weitgeöffneten Augen und nach unten gezogenen Augenbrauen.)

(Km1 dreht sich zu Frau G., blickt aber auf den Teppich)

Frau G.:

(erzählt von einem schwierigen Spiel, was man deshalb nicht aus dem Spieleschrank nehmen dürfe. Dabei öffnet sie weit die Augen und schüttelt den Kopf.)
Ich gucke ja niemanden an (blickt mit heruntergezogenen Mundwinkeln und Augenbrauen kopfschüttelnd auf Km1)

Ich stelle ja ungern Kinder bloß, aber Km1hat nämlich das Spiel herausgenommen, ohne zu fragen. (10) Ihr wisst doch die Regel. Das macht man nicht.
(Sie schüttelt den Kopf, dreht sich zum Km1) Wenn Du das nochmal machst, darfst du das nicht mehr spielen. Dann fehlt nämlich (öffnet das Spiel, ihre Stimme wird sehr hell und laut) ein Spielstein, Teil oder die Bedienungsanleitung. (Dabei zeigt sie die eventuell fehlenden Materialien hoch. Die Kinder fokussieren überwiegend die Materialien.)
Ihr habt die Regel ja nun verstanden? (Sie zieht die Augenbrauen nach oben und die meisten Kinder nicken. Km1 blickt zu Boden.)

Frau W.:

(sagt mit hochgezogenen Augenbrauen, dass Tag des Eisbären sei und sie deshalb nun das „tolle Pinguin- Eisbär- Quatschlied“ singen. Viele Kinder lachen und fokussieren sie, auch als sie auf den von mir gereichten Globus zeigt, wo Eisbär und Pinguin leben.)

Das geht also gar nicht, dass die sich treffen, stimmt’s. (Einige Kinder nicken, andere schauen in andere Raumrichtungen oder sprechen mit ihren Nachbarn.)
(Frau W. singt das Lied einmal allein und dann nochmal vor. Sie fordert die Kinder lachend zum Tanzen wie ein Pinguin oder Eisbär auf. Die meisten Kinder singen beim zweiten Mal mit, tanzen und lachen.) Erzählt ruhig Euren Eltern, was wir heute für einen Quatsch gemacht haben, ja?

(dreht sich zu Frau G., wobei die Kinder wieder lauter miteinander reden) Ich nehme heute den Km2

Frau G.:

Wieso, der ist bei mir, in der Gruppe der Älteren?

Frau W.:

Naja, ich muss ihn noch beobachten, hab doch in den nächsten Tagen Gespräch. (Sie nickt, lacht, zwinkert)

Frau G.:

Der ist doch bei mir. Wir können das doch nicht auf dem Rücken von ihm austragen. (Ihre Stimme wird lauter und heller. Sie legt ihre Stirn in Falten)

Frau W.:

Ich hab doch noch (Sie zeigt auf mich, den Praktikanten. Sie zieht die Schultern hoch und zwinkert) Ich muss doch Km2 beobachten

Frau G.:

(zieht die Augenbrauen nach oben, steht auf, geht zur Tür und dreht sich zu den Kindern.) Dann kommen jetzt (Kindernamen ohne Km2) zu mir in die erste Essensgruppe. (Alle Kinder kommen sofort und warten am anderen Ende des Raums. Frau W. kommt wieder näher zu Frau G. und mir.)

Frau W.:

(wischt sich Schweiß von der Stirn, dreht sich zu den Kindern um) „Ruhe!“ (legt die Stirn in Falten und blickt durch die Runde der verbliebenen Kinder. Diese werden leiser und fokussieren sie mehrheitlich.)
Ihr könnt heute Wassertreten oder? (sie hebt Ihre Stimme).

Ich (Praktikant):

Wir können heute auch Folgendes machen. Wir können den Lavendel etwas zurückschneiden.  (Schaut durch die Runde der Kinder)

Frau G.:

Ach nein, das geht nicht, schon gar nicht bei Minusgraden. Da geht der Frost rein. Ich habe selber welchen. Das geht nicht. (schüttelt den Kopf, Kinder schauen Frau G. und Frau W. an)

Frau W.:

(schaut zu mir und zwinkert) Gut

ich (Praktikant):

(blickt zu Frau W., zwinkert und lächelt) Gut dann nehmen wir die andere Variante: wir können heute auch gemeinsam Stöcke holen für den Naturbilderrahmen.

Kinder:

Ich will, ich will. (Sie melden sich und beginnen aufzustehen. Ich schaue zu Frau W. und den Kindern.)

Frau G.:

(dreht sich zu mir um und sagt mit weit geöffneten Augen und langem Blick zu allen Kindern) Man nimmt nämlich nicht die Kinder, die sich vordrängeln, oder ,hier‘ schreien oder betteln. (Einige Kinder nicken.) „Das muss man dem Max (Praktikant) mal erklären.“ (Sie dreht sich wieder zu mir um und sieht mir in die Augen.) Die Kinder nimmt man nämlich nicht.

Student:

(Ich nicke leicht und wähle die Kinder aus betont mit „(Kindername) darf mitkommen!“)

Km3:

(fragt häufig und laut) Darf ich mit?

Frau G.

Dann geh. (Ich gehe mit den Kindern aus dem Raum.)


Autorschaft
Max Steinbiß |
Erhebungskontext
Erhebungsmethode