Umgang mit Lügen


In einer Kinder- und Jugendpsychiatrie kommt es während des Frühstücks zu einer Konfliktsituation zwischen drei Jungen.


Vorgeschichte:

Paul ist geistig behindert und denkt sich oft neue Geschichten aus, welche er seinem Umfeld erzählt und als Wirklichkeit darstellt. Die anderen Patienten und Betreuer wissen davon.

Rahmung:

Zum Frühstück ist es im Essensraum ruhig. Am Essenstisch 2 sitzen fünf Patienten – Paul, Jannes, Nico, Marc und Nadja – und zwei Betreuer – Frau Müller und die Praktikantin.

Paul:

Frau Müller, wissen Sie was? (Nico und Jannes schauen sich an, verziehen den Mund und rollen mit den Augen).

Frau Müller:

Was denn, Paul?

Paul:

Ich habe das neue „Call of Duty: Black Ops 4“ für den PC. Hat mir meine Mutter gekauft.

Frau Müller:

Hmm, Paul… Ich weiß doch, wie es finanziell bei dir und deiner Mutter aussieht.
Du brauchst dir doch nicht jeden Morgen eine neue Geschichte ausdenken, die du uns auftischst.

Paul:

Hä? Ich lüge doch nicht! (grinst dabei)

Frau Müller:

Paul… (schaut Paul mit enttäuschtem Blick an)

Nico:

Boah, wenn ich dieses Grinsen schon sehe. Jedes Mal lacht der so hässlich, wenn der lügt.

Frau Müller:

Nico, deine Ausdrucksweise missfällt mir. Das ist halt Pauls Art zu zeigen, dass er sich ertappt fühlt und gleichzeitig gibt er uns damit Recht.

Jannes:

Wenn ich lüge, wird das gleich in meine Kurve geschrieben und ich muss mich entschuldigen. (verdreht die Augen) was du außerdem schon wieder für eine Scheiße laberst! Das Spiel ist noch nicht mal draußen und als würde deine Mutter dir ein Spiel kaufen, das ab 18 ist. (schlägt mit der flachen Hand vor seine Stirn)

Frau Müller:

Ach Jungs…

Paul:

Du bist jetzt mal schön ruhig! (zeigt mit ausgestrecktem Arm und Zeigefinger auf Jannes Gesicht)

Jannes:

Oooh, jetzt habe ich aber Angst. (hebt die Arme, um Abwehr zu demonstrieren und lacht dabei)

Paul:

Ich habe das Spiel schon, weil mein Onkel das erfunden hat.

Nico:

Bei deinen dummen Geschichten bekomme ich sofort wieder einen depressiven Schub! (verdreht die Augen)

Frau Müller:

So Jungs, jetzt reicht es. Paul, überlege bitte vorher, was du sagst und was euch beide angeht (deutet auf Jannes und Nico hin) – ihr wisst doch, wie ihr ihn zu nehmen habt.

Paul:

Genau, ich bin ja behindert! (schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch)


Autorschaft
Tina Trümpelmann |
Erhebungskontext
Erhebungsmethode