{"id":45,"date":"2021-07-17T00:06:53","date_gmt":"2021-07-16T22:06:53","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/floss\/?p=45"},"modified":"2021-07-19T08:51:50","modified_gmt":"2021-07-19T06:51:50","slug":"open-source-erzeugt-unzuverlaessige-software-und-umgebungen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/floss\/2021\/07\/open-source-erzeugt-unzuverlaessige-software-und-umgebungen\/","title":{"rendered":"Open Source erzeugt unzuverl\u00e4ssige Software und Umgebungen?"},"content":{"rendered":"\n<p>Unter dem Titel &#8222;Open Source erzeugt unzuverl\u00e4ssige Software und Umgebungen&#8220; ver\u00f6ffentlichte ein Kommentator in der FAZ unter dem Namen &#8222;Wolfgang May&#8220; sinngem\u00e4\u00df:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Open source funktioniere nicht zuverl\u00e4ssig<\/li><li>Der zust\u00e4ndige SysAdmin k\u00f6nne nicht weiter helfen und verweise stattdessen auf die Beteiligungsm\u00f6glichkeit<\/li><li>F\u00fchre zu Wildwuchs<\/li><li>Sei von Nerds und f\u00fcr Nerds<\/li><li>Sei bei der Online-Lehre der Uni in Verwendung und gen\u00fcge dabei nicht seinen Anspr\u00fcchen<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Was ist dran, an diesen Aussagen?<\/p>\n\n\n\n<h2>Punkt 1: Funktioniert (nicht)? zuverl\u00e4ssig<\/h2>\n\n\n\n<p>Die Software-Qualit\u00e4t von open source Produkten <a href=\"https:\/\/netzpolitik.org\/2017\/wahlmanipulation-fuer-anfaenger-auswertungssoftware-hat-sicherheitsprobleme\/\">schwankt genau wie die propriet\u00e4rer Software<\/a>. Klar ist aber auch, dass man schlechte Qualit\u00e4t wegen des offenliegenden Quellcodes leichter erkennen kann.<\/p>\n\n\n\n<h2>Punkt 2: SysAdmin kann nicht weiterhelfen<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie l\u00e4uft das \u00fcblicherweise? Nutzende w\u00fcnschen sich einen Dienst, z.B. eine Cloud oder einen Dienst f\u00fcr Vorlesungsaufzeichnungen, oder einen f\u00fcr Videokonferenzen. Der Zust\u00e4ndige IT-Versorger legt den Entscheidern eine Beschlussvorlage vor:<\/p>\n\n\n\n<ol><li>Option: Open source + wenig zus\u00e4tzliches Personal + kleiner Support-Vertrag<\/li><li>Option: Open source + ausreichend zus\u00e4tzliches Personal<\/li><li>Option: Gut gewartetes Softwareprodukt + gro\u00dfer Support-Vertrag<\/li><li>Option: Betrieb au\u00dferhalb der Zust\u00e4ndigkeit des IT-Dienstleisters: Software-as-a-Service (im eigenen Rechenzentrum, also on-premise oder im Rechenzentrum des Anbieters, h\u00e4ufig &#8222;Cloud&#8220; genannt)<\/li><\/ol>\n\n\n\n<p>Bei Option 1 k\u00f6nnte sich eine Person gezielt in die Software einarbeiten und \u00fcber den Support-Vertrag stellt man sicher, dass \u00c4nderungsw\u00fcnsche auch Eingang in ein Hauptentwicklungsrepository finden, oder er bietet Unterst\u00fctzung bei den besonders kniffligen F\u00e4llen, die viel Produkt-Wissen erfordern.<\/p>\n\n\n\n<p>Option 2 erm\u00f6glicht es, dem lokalen Personal, Teil der Entwickler-Community zu werden, an Jour Fixes und regelm\u00e4\u00dfigen Arbeitstreffen des Projekts teilzunehmen. Auch so k\u00f6nnen \u00c4nderungsw\u00fcnsche z.B. eines Informatikprofessors nachhaltig in das Projekt einflie\u00dfen und gemeinschaftlich gewartet werden.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Option 3 belastet man zwar das Personal ebenfalls zus\u00e4tzlich; wenn alle Stricke rei\u00dfen, kann man die Probleme aber auf den Support-Dienstleister abschieben, der wegen des Vertragsvolumens auch gen\u00fcgend Kapazit\u00e4ten eingeplant haben wird.<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Option 4 mietet man sich quasi den Software-Betrieb und der lokale IT-Dienstleister gibt nur Probleme und \u00c4nderungsw\u00fcnsche an den Betreiber weiter.<\/p>\n\n\n\n<p>Jede der Optionen ist meist zu teuer. Es ist ja nur Geld f\u00fcr Projekte da. Da leistet sich Uni Institut X, Stabsstelle Y, oder Zentrale Einrichtung Z eine Parallelinstallation der gleichen open source Software mit viel besserer finanzieller Ausstattung als der zentrale Dienstleister sie zur Verf\u00fcgung hat und Hochglanzoberfl\u00e4che. Wenn die gekaufte Software dann nicht auf Anhieb l\u00e4uft, kann man ja beim zentralen Dienstleister anfragen. Oder man versucht sie nach Auslauf der 2 Jahre Premium-Support, die man mitgekauft hat, an den zentralen Dienstleister abzuschieben. Oder Informatikstudierende haben etwas gutes gebaut, schlie\u00dfen jetzt aber leider ab und gehen weg. Auch dann ist es einen Versuch wert, den Dienst an den zentralen Dienstleister abzugeben? Geld f\u00fcr die Einstellung der Studierenden nach deren Abschluss oder den Abschluss eines Support-Vertrages mit ihnen hat man ja leider nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>Entscheider w\u00e4hlen dann Option&nbsp;0: Open source <strong>ohne zus\u00e4tzliches Personal und ohne Support-Vertrag<\/strong>. Das Ergebnis: Der SysAdmin hat bei gleicher Arbeitszeit einen weiteren Dienst vor sich und weder Zeit f\u00fcr die Einarbeitung in den Code, noch die Changelogs bei Updates gr\u00fcndlich zu lesen.<\/p>\n\n\n\n<p>Irgendwann funktioniert etwas nicht mehr, wie der Endnutzer es erwartet und der SysAdmin hat keine Zeit f\u00fcr Support.<\/p>\n\n\n\n<h2>Punkt 3: Wildwuchs<\/h2>\n\n\n\n<p>Es ist richtig, dass offene Systeme auch dazu einladen, mitzuwirken und dann wieder zu verschwinden, wenn es sich nicht lohnt. Das trifft aber nicht nur auf OSS zu und die Folgen sind h\u00e4ufig weitaus weniger problematisch als bei SaaS-L\u00f6sungen auf Closed Software-Bases, die man dann nicht mal eben so weiter betreiben kann.<\/p>\n\n\n\n<p>Wichtig ist deshalb, dass man Projekte, welche die selbst genutzten Dienste entwickeln,  ausreichend unterst\u00fctzt, so dass sie weiter aktuell und fehlerfrei gehalten werden k\u00f6nnen. Das funktioniert zum einen \u00fcber Vereinsmitgliedschaften und zum anderen durch Support-Vertr\u00e4ge mit denjenigen, die sich ma\u00dfgeblich an der Entwicklung beteiligen, auch wenn beides durch das deutsche Vergaberecht nicht ganz einfach umzusetzen ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Aber wer zahlt schon f\u00fcr Basisunterst\u00fctzung? Gefordert werden immer Features. Sicherheit und Robustheit bringen ja keinen sofortigen Mehrwert.<\/p>\n\n\n\n<h2>Punkt 4: Nerd2Nerd<\/h2>\n\n\n\n<p>Bei Option 2 sollte der zust\u00e4ndige SysAdmin oder ein Entwickler im Haus ziemlich genau wissen, wie die Software funktioniert und sie so einrichten, dass sie intuitiv durch Nutzende bedienbar ist. Womit wir wieder bei Punkt 2 angelangt w\u00e4ren; wahrscheinlich wurde Option\u00a00 durch die Entscheider gew\u00e4hlt.<\/p>\n\n\n\n<h2>Punkt 5: Online-Lehre<\/h2>\n\n\n\n<p>Einfach mal beim IT-Dienstleister anfragen, wie viele Ressourcen (Geldmittel, Personenarbeitsstunden) in die Online-Lehre, die ja h\u00e4ufig etwa das 10-fache an Nutzendenzahlen verglichen z.B. mit der \u00fcbrigen Universit\u00e4tsverwaltung hat, gehen. Kommt bestimmt raus, dass allein Stabs- und Pressestellen mehr verschlingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Plant Ihre Uni auch die Einf\u00fchrung von HISinOne oder nutzt es schon? Dann erfragen Sie mal die Kosten f\u00fcr die HIS-Mitgliedschaft und die, die f\u00fcr ihr aktuelles Lern-Management-System.<\/p>\n\n\n\n<p>Unzufrieden mit dem Videokonferenzsystem? Big Blue Button oder Jitsi und Option 0 gew\u00e4hlt?<\/p>\n\n\n\n<p>Ihr Chat versendet keine Push-Nachrichten? RocketChat und Option&nbsp;0 gew\u00e4hlt?<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe folgende Erfahrung gemacht: Ein Dienst funktioniert nicht den Nutzererwartungen entsprechend \u2192 man kauft eine SaaS-L\u00f6sung oder Closed-Source-Produkt mit Wartungsvertrag und gibt viel mehr Geld aus, als man zuvor in ein gleichwertiges open source Produkt hinein gesteckt h\u00e4tte.<\/p>\n\n\n\n<p>Auf die Idee, Support-Vertr\u00e4ge abzuschlie\u00dfen oder sich langfristig f\u00fcr eine nachhaltige Entwicklung einzusetzen kommt man dagegen eher nicht.<\/p>\n\n\n\n<h2>Fazit<\/h2>\n\n\n\n<p>Nicht open source erzeugt diese unzuverl\u00e4ssige Software und Umgebungen, sondern mangelndes Wissen \u00fcber open source und mangelnde Ausfinanzierung im Vergleich zu den gestellten Anforderungen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Unter dem Titel &#8222;Open Source erzeugt unzuverl\u00e4ssige Software und Umgebungen&#8220; ver\u00f6ffentlichte ein Kommentator in der FAZ unter dem Namen &#8222;Wolfgang May&#8220; sinngem\u00e4\u00df: Open source funktioniere nicht zuverl\u00e4ssig Der zust\u00e4ndige SysAdmin k\u00f6nne nicht weiter helfen und verweise stattdessen auf die Beteiligungsm\u00f6glichkeit F\u00fchre zu Wildwuchs Sei von Nerds und f\u00fcr Nerds Sei bei der Online-Lehre der Uni &hellip; <a href=\"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/floss\/2021\/07\/open-source-erzeugt-unzuverlaessige-software-und-umgebungen\/\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">&#8222;Open Source erzeugt unzuverl\u00e4ssige Software und Umgebungen?&#8220; <\/span>weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":4235,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"ngg_post_thumbnail":0},"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/floss\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45"}],"collection":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/floss\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/floss\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/floss\/wp-json\/wp\/v2\/users\/4235"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/floss\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=45"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/floss\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":88,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/floss\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/45\/revisions\/88"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/floss\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=45"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/floss\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=45"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/floss\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=45"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}