{"id":11,"date":"2024-10-28T06:18:25","date_gmt":"2024-10-28T05:18:25","guid":{"rendered":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/?p=11"},"modified":"2024-11-04T09:16:51","modified_gmt":"2024-11-04T08:16:51","slug":"epistemologien-des-labors-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blogs.urz.uni-halle.de\/gamelabs\/2024\/10\/epistemologien-des-labors-1\/","title":{"rendered":"Epistemologien des Labors (1)"},"content":{"rendered":"\n<p>Protokoll: Hannah Friedl\u00e4nder<\/p>\n\n\n\n<p>In dieser Sitzung des Seminars \u201eGame Labs. Computer(spiel(geschichte)), hands-on.\u201c im Modul \u201eMediengeschichte\u201c standen zentrale Aspekte der <em>Epistemologie des Labors<\/em> im Mittelpunkt, die anhand von drei Texten zu verschiedenen Denkfiguren der Epistemologie diskutiert wurden. Um die Theorien besser zu verstehen, wurde zu Beginn zun\u00e4chst eine kurze historische Einordnung der Autoren vorgenommen. Es wurden Werke von Autoren aus der Zeit zwischen 1900 und 1930 behandelt, darunter Martin Heidegger, Robin George Collingwood und Georg Christoph Lichtenberg.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Zu Anfang wurden die \u201eSchriften und Briefe: S\u00fcdelb\u00fccher II\u201c von Lichtenberg im Seminar diskutiert. Diese lassen sich als eine Art Notizb\u00fccher verstehen, Am Beispiel des Sudelbucheintrags 1468 von Lichtenberg, welcher sich mit der Idee der Fernkommunikation unter Wasser besch\u00e4ftigt, wurde deutlich, wie Lichtenberg fr\u00fche Vorstellungen von technischen Prozessen skizzierte. In diesem Fall handelt es sich um \u00dcberlegungen, die heute dem Sonar \u00e4hneln. Interessant waren hierbei nicht nur die Ideen, sondern auch die technische Zeichnung, die dem handgeschriebenen Eintrag beigef\u00fcgt wurde. Diese soll im Gegensatz zu \u00fcblichen Illustrationen vor allem Prozesse sichtbar machen, die ansonsten unsichtbar bleiben. Solche fr\u00fchen Diagramme waren nicht \u00e4sthetisch ausgearbeitet, sondern dienten vielmehr dazu, komplexe Abl\u00e4ufe auf einfachere Weise darzustellen. Ein zentrales Thema im Seminar stellte daraufhin die Bedeutung von Diagrammen in der wissenschaftlichen Praxis dar. Sie haben die Funktion, unsichtbare oder abstrakte Prozesse visuell zug\u00e4nglich zu machen und dadurch das Verst\u00e4ndnis zu f\u00f6rdern.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Skizzen und Zeichnungen in der Laborpraxis gelten oft als eine Art Universalsprache. Sie erm\u00f6glichen es, wissenschaftliche Prozesse unabh\u00e4ngig von sprachlichen Missverst\u00e4ndnissen oder Interpretationen zu vermitteln. Zeichnungen sind oft direkter und ben\u00f6tigen weniger Raum als ausf\u00fchrliche textliche Erkl\u00e4rungen. Dies wurde als besonders relevant in der Darstellung von zeitlichen Abfolgen und Abh\u00e4ngigkeiten hervorgehoben, da Diagramme h\u00e4ufig besser geeignet sind, solche Zusammenh\u00e4nge objektiv und klar darzustellen.<\/p>\n\n\n\n<p>Als zweiter zentraler Text f\u00fcr die Thematik der Epistemologie im Labor wurde ein Auszug aus dem Werk \u201ePhilosophie der Geschichte\u201c von R.G. Collingwoods besprochen. Collingwood untersuchte, wie Historiker \u00fcber die Vergangenheit denken und sich mental in die historischen Kontexte hineinversetzen k\u00f6nnen. Seine psychologische Herangehensweise unterscheidet sich von der traditionellen Ereignisgeschichte, die lediglich eine chronologische Reihenfolge von Daten darstellt. Collingwood betonte, dass es darauf ankommt, die inneren Beweggr\u00fcnde historischer Akteure zu verstehen. Dies ist eine zentrale Aufgabe der Geschichtswissenschaft, die \u00fcber die reine Chronologie hinausgeht und versucht, die Bedingungen und Motivationen der Menschen zu rekonstruieren. Dabei ist das Konzept des mentalen \u201eReenactments\u201c von Bedeutung: Historiker versuchen, die Gedankenwelt vergangener Akteure nachzuempfinden, um deren Handlungen zu verstehen. Diese Methode findet auch in der Laborpraxis Anwendung, wenn historische Experimente oder Prozesse rekonstruiert werden. Reenactment hilft dabei, nicht nur das Ergebnis, sondern auch den urspr\u00fcnglichen Denkprozess nachzuvollziehen.<\/p>\n\n\n\n<p>Zuletzt wurden im Zusammenhang mit Heideggers Text \u201eSein und Zeit\u201c Fragen behandelt, die das Verh\u00e4ltnis des Menschen zu den Dingen um ihn herum betreffen. Ein zentrales Thema war hier die Unterscheidung zwischen \u201eZuhandenheit\u201c und \u201eVorhandenheit\u201c. Wenn wir Werkzeuge nutzen, verschwinden diese in gewisser Weise aus unserem Bewusstsein und werden zur Verl\u00e4ngerung unseres K\u00f6rpers \u2013 sie sind \u201ezuhanden\u201c. Erst wenn ein Werkzeug z.B. nicht mehr funktioniert, r\u00fcckt es in den Fokus und wird wieder \u201evorhanden\u201c. Diese \u00dcberlegungen sind auch besonders f\u00fcr die Medienwissenschaft und die Arbeit im Labor relevant. Kaputte Ger\u00e4te bieten die M\u00f6glichkeit, deren Funktionsweise besser zu verstehen und die internen Prozesse zu analysieren, die im normalen Betrieb unsichtbar bleiben.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Diskussion endete mit der Erkenntnis, dass drei zentrale Aspekte das Denken im Labor bestimmen: Erstens die Frage, wie experimentelle Prozesse so dokumentiert werden k\u00f6nnen, dass sie f\u00fcr andere verst\u00e4ndlich sind. Zweitens die Bedeutung des Reenactments, das historische Prozesse und Denkweisen in der Gegenwart wieder aufleben l\u00e4sst. Und Drittens der Wert der Dinge, mit denen im Labor gearbeitet wird, insbesondere in Hinblick auf deren Funktionsweise und die Bedeutung kaputter Werkzeuge, die oft neue Einsichten erm\u00f6glichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Seminar: \u201eGame Labs. Computer(spiel(geschichte)), hands-on.\u201c<br>Sitzung vom 21.10.2024<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Protokoll: Hannah Friedl\u00e4nder In dieser Sitzung des Seminars \u201eGame Labs. Computer(spiel(geschichte)), hands-on.\u201c im Modul \u201eMediengeschichte\u201c standen zentrale Aspekte der Epistemologie des Labors im Mittelpunkt, die anhand von drei Texten zu verschiedenen Denkfiguren der Epistemologie diskutiert wurden. Um die Theorien besser zu verstehen, wurde zu Beginn zun\u00e4chst eine kurze historische Einordnung der Autoren vorgenommen. 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